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„Beim Sex einen Orgasmus zu haben, ist ein weibliches Grundrecht“

Laut einer Studie erleben 65 Prozent der Frauen beim Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus. Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ ist Sex-Coach und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Hier erzählt sie von Scham, Schuld und Taubheit im Schoß – und wie sie das hinter sich gelassen hat.

Warum ist weibliche Sexualität voller Scham und Schuld?

In den letzten Jahrtausenden hatte die weibliche Sexualität quasi keine Autonomie. Ein Mädchen, aber auch eine Frau, konnte nicht selber über ihre Lust entscheiden, sonst wurde sie geächtet, bestraft oder sogar getötet. So hat sich die sexuelle Lust mit Scham und Schuldgefühlen gekoppelt. Darum unterdrücken viele Frauen ihre große sexuelle Kraft und das Erleben dieser zarten, guten, wilden Gefühle. Darüber hinaus wird sehr abwertend über die weiblichen Sexualorgane gesprochen, aber auch wie unser Brüste, Bauch, Po auszusehen haben. Das weibliche innere Selbstverständnis ist dadurch abtrainiert worden.

Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ by Oliver Betke

Wie wirkt sich das Deiner Erfahrung nach auf das Sexleben von Frauen aus?

Viele Frauen haben gar kein Gespür und Gefühl dafür, was sie eigentlich für Lustempfinden, Lustpotenzial und vor allem Kraftpotenzial im Beckenbereich haben. Da viele schon als Mädchen angefangen haben, diesen Bereich zu meiden, kennen sie ihren Intimbereich nicht genug und wissen gar nicht, was sich richtig gut und befriedigend für sie anfühlt. Demzufolge kennen sie auch ihre Grenzen nicht. Infolgedessen lassen sie in Liebesleben Dinge mit sich machen, die sich für sie gar nicht gut anfühlen und vor allem nicht orgastisch befriedigend sind. Sie tun es zum Teil dem Partner zuliebe und wissen nicht, dass sie sich dadurch jedes Mal leicht re-traumatisieren. Das führt letzten Endes dazu, dass die Vagina Jahre später komplett zumacht, gefühllos und gefühlstaub wird. Und dann haben diese Frauen verständlicherweise überhaupt kein genussvolles Sexleben mehr.

Warst Du auch davon betroffen?

Oh ja! Ich habe zwar kein traumatisches, sexuelles Erlebnis erleben müssen in meinem Leben und dennoch war ich total blockiert. Einfach durch die gesellschaftliche und auch religiöse Erziehung, dem emotionalen Wegsperren der weiblichen Lust. Als ich aufgewachsen bin, wurde ich für alles geschult: Violine, Flöte, Fremdsprachen, Abitur, Sport, Selbstverteidigung. Aber nicht ein einziges Mal hat mich eine Frau liebevoll an die Hand genommen und mir erklärt, wie ich als Frau sexuelle Gefühle in meinem Körper wahrnehmen darf und wie ich darauf achten kann. Es ging immer nur darum, als Mädchen kein „leichtes Mädchen“ zu sein, aber dennoch möglichst äußerlich attraktiv. Reinspüren in meinen Beckenboden, also in meine sexuelle Gefühlswelt, und mit einem Lächeln eine Regung darin wahrnehmen können und diese dann fließen lassen und ausdrücken dürfen, so eine Kommunikation gab es nie. Auch nicht in der Bravo. 

Was können betroffene Frau dagegen tun?

Sie können anfangen ihren Vaginalbereich und ihr Becken zu sensibilisieren. Dazu gehört, Verkrampfungen, die oft chronisch vorhanden sind, zu lockern. Nur so können sie wieder an die darunterliegenden weichen, sanften Gefühle kommen, die ihnen dann orgasmische Momente schenken. Dazu gehört, zu entdecken, was sich individuell am besten anfühlt und wie sie neue Autobahnen zum Orgasmus bauen können, anstatt kleine Trampelpfade zu haben, die nicht verlässlich für sie funktionieren. Natürlich müssen sie sich dann auch die psychischen Aspekte anschauen und in ihrem Stammhirn wieder ein Gefühl von Sicherheit, Loslassen und Autonomie in Verbindung mit Sexualität etablieren.  

Wie hilfst Du im Coaching diesen Frauen, in Ihre Kraft zu kommen?

Viele Frauen sind schon so erleichtert, wenn sie hören, dass sie nicht die Einzigen sind, die darunter leidet, beim Geschlechtsverkehr nicht zum Orgasmus zu kommen. Zu erleben, dass leider 65 Prozent* der Frauen aktuell noch mit dieser Problematik kämpfen, ist schon sehr traurig. Ich schaue mir als Erstes an, was die Frau im Moment noch davon abhält, beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus zu kommen. Meistens geht es darum, die eigene Empfindungswelt und die eigene Kraft im Becken und im Vaginalbereich kennenzulernen. Wenn meine Klientinnen erst einmal anfangen, dem Raum zu geben, verändert sich schon sehr viel. Sie haben dieses Organ einfach nicht bewusst aktiviert, so wie sie ja quasi beim Klavierspielen oder Basteln aktiv die Finger trainieren. Sobald sie wieder ein Gespür für die Vagina haben, ist es erfahrungsgemäß für sie auch viel einfacher, zum Orgasmus zu kommen.

Was hilft Frauen Deiner Erfahrung nach, sich besser spüren kann?

Eine Blockade ist, dass betroffene Frauen sich nicht trauen, tief zu atmen und Geräusche beim Sex zu machen. Damit verhindern sie, dass sich die Lust im ganzen Nervensystem ausbreiten kann und zu einer orgastischen Welle werden kann. Sie können schon einfach damit anfangen, dass sie sich mal eine Woche lang vornehmen, jeden Abend fünf Minuten lang in die Vagina reinzuatmen. So entsteht ein erstes Bewusstsein für den Schoß und dadurch werden die Nervenbahnen vom Gehirn zur Vagina stärker. Das führt mit der Zeit dazu, dass die Orgasmusfähigkeit wächst, weil aus einem Trampelpfad eine Autobahn im Nervensystem wird. 

Wie wichtig ist dabei das Thema Selbstliebe? 

Ohne Selbstliebe geht nichts im Leben. Das ist eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben. Doch der erste Schritt für ein befriedigendes Liebesleben ist es, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ein falscher Glaubenssatz ist, dass der andere dafür verantwortlich ist, dass man sexuell befriedigt wird. Tatsächlich ist einer der häufigsten Aha-Momente meiner Klientinnen, wenn sie erleben: „Meine sexuelle Lust ist gar nicht abhängig vom Partner, sondern der Zugang dazu steckt komplett in mir!“.

Ist ein Geheimnis, sich mehr zu erlauben?

Ja, auf jeden Fall. Viele Frauen müssen sich erst mal erlauben, sich überhaupt mit der Vagina auseinanderzusetzen. Sie müssen sich erlauben, dass es ihr Grundrecht ist, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Sie müssen sich erlauben ihrem Partner zu sagen, dass sie den Sex mit ihm, als nicht befriedigend empfinden und dass sich etwas ändern muss. Sie müssen sich erlauben, dass ihre Sexualität genauso wichtig ist wie die Befriedigung des Gegenübers. Sie müssen sich erlauben, wütend zu sein, kraftvoll zu sein und sexy zu sein. 

Welche hindernden Glaubenssätze begegnen Dir bei Deiner Arbeit?

Viele Frauen denken, es liegt nur an ihnen und mit ihr stimmt was nicht. Das ist so traurig, weil viele Frauen jahrelang oder jahrzehntelang oder manchmal sogar ein Leben lang ein unbefriedigendes Liebesleben haben. 

Bei den Männern begegnet mir häufig noch der Glaubenssatz, dass es peinlich ist, wenn man an seiner Sexualität arbeitet. Ich habe viele Klientinnen, die ihre sexuelle Lust endlich entdecken und sie mit dem Partner teilen möchten. Doch leider sind dann viele Männer nicht bereit, über sich hinauszuwachsen. Dabei wäre es total der Gewinn für die Partnerschaft, wenn beide sich neu entdecken. Ein Mann kann schließlich auch multiple Orgasmen erleben.

Wie hast Du es geschafft eine lustvolle Frau mit jeder Menge Orgasmen zu werden?

Mein Learning war: Vagina anschalten, dann schaltet sich der Kopf automatisch ab! Genau das habe ich mit vielen Übungen praktiziert, die ich jetzt an meine Klientinnen weitergebe. Es gilt, so viel Lust in der Vagina zu entwickeln, dass der Kopf einfach loslässt, weil das Gehirn von der Vagina mehr Impulse bekommt und lieber auf die hört, als auf die kritische Stimme im Kopf.

* Es wurde 2017 eine US-Studie veröffentlicht, die an rund 52.500 Erwachsenen durchgeführt worden war, um herauszufinden, wie sich sexuelle Orientierung auf den Orgasmus auswirkt. Die Studie, die im Fachblatt „Archives of Sexual Behavior“ veröffentlich wurde, stellt fest, dass 86 Prozent der homosexuellen Frauen, 66 Prozent der bisexuellen, aber nur 65% der heterosexuellen Frauen beim Sex einen Orgasmus haben. Bei den Männern waren es hingegen 95 Prozent der heterosexuellen, 89 Prozent der homosexuellen sowie 88 Prozent der bisexuellen Männer, die nach eigenen Angaben normalerweise beim Sex einen Orgasmus haben. 

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Bondage für Anfängerinnen: Von Safe Word bis Seilstärke

Frau, die unter der Bluse Bondage-Fesselungen trägt

Viele Frauen haben Lust im Bett etwas Neues auszuprobieren. Gerne wie bei „Fifty Shade of Gray“ etwas aus dem BDSM-Bereich. Fesseln geht doch schnell und einfach? Doch bevor nun ein Seil im Baumarkt gekauft wird, haben wir Bondage-Experte Matthias T.J. Grimme zum Interview gebeten. 

Was tun, wenn der eine Partner Bondage ausprobieren will, doch der andere nicht?

Naja, das ist ein altes Problem, welches nicht nur für Bondage signifikant ist. Das fängt ja bei manchen schon bei Oral- oder Analsex an. Oder mit der Art, wie man angefasst werden möchte (ganz weich und zärtlich oder doch bestimmend und fest). Bondage ist ja ganz offiziell Teil der Verhandlungssexualitäten. Wenn die Beziehung offen ist, kann man sich ein*e Fesselpartner*in außerhalb suchen. Oder heimlich in ein SM-Studio gehen. Denn wenn jemand nicht will, kann man nichts machen, denn ohne Einverständnis geht’s nicht. Ich würde auf jeden Fall mal genauer gucken, was der Grund ist. Ist es ein Informationsdefizit, Angst wegen schlechter Erfahrungen oder etwas, was mit dem eigenen Rollenselbstverständnis nicht übereinkommt? Ich würde anbieten, ganz vorsichtig anzufangen. Vielleicht erstmal einfach nur die Hände festhalten oder ein Baumwolltuch um die Handgelenke schlingen, ohne einen Knoten zu machen. Also versuchen Kompromisse zu entwickeln.

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Man hat sich geeinigt und will nun loslegen. Einfach starten oder zuerst einen Kurs besuchen?

Auf einer ganz vorsichtigen Ebene kann man natürlich einfach rumprobieren. Aber über kurz oder lang wird man feststellen, dass manches nicht so klappt, wie man es wollte. Dann sind natürlich Bücher und DVDs ein guter weiterer Schritt, aber am besten sind natürlich Workshops. Da kann es natürlich schwer sein, jemanden zu finden, dessen Angebote zu einem passen. Der eine lernt lieber in einer offenen, spielerischen Atmosphäre (wie sie meine Workshops bieten), die andere braucht ganz klare Regeln. 

Was klappt Deiner Erfahrung nach anfangs nicht so gut?

Meist fesseln die Leute die Hände zu fest und den Körper zu locker. Das heißt, die Hände zicken rum und am Körper rutscht die Fesselung. Gerade Neulinge können nicht abschätzen, was ein Problem ist und was normal (Seil drückt), daher herrscht eine große Unsicherheit. Da hilft nur regelmäßiges Nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Damit wird dann auch keine Sicherheit vorgetäuscht, die noch nicht da sein kann.

Was geht gar nicht?

Auf Störungsmeldungen des gefesselten Partner nicht oder nicht adäquat – sprich sofort – reagieren. Den gefesselten Partner alleine lassen.

Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme

Was empfiehlst Du Deinen Newbies?

Vor dem Fesseln gemeinsam überlegen, wozu die Fesselung dienen soll: Bondage für Sex, für ein schickes Foto, als strenge Bewegungslosigkeit oder eher als tantrisches Erlebnis.

Grundsätzlich gilt, es ist immer besser sich erst zu informieren – etwa auf meiner Webseite – und dann losfesseln, damit die Session auch klappt.

Klare Absprachen treffen, wann die Fesselung beendet werden muss.

Sicherheits-Schneidewerkzeug wie EMT-Schere (stumpfe Spitze) bereit legen.

Übungs-Session und erotisches Fesselspiel nicht mischen. Entweder oder!

Wo bekommt man die Seile her – wohl kaum aus dem Baumarkt?

Zuerst sollte man sich entscheiden, welche Naturfaser am besten zu den gemeinsamen Wünschen passt. Baumwolle 8 Millimeter hohl geflochten für besonders gemütliche und kuschelige Fesselungen (und ist ohne Vorbereitung fesselfertig). Hanf und Jute gedreht in 6 Millimeter für alles, worauf man Lust hat, bis hin zu Hängefesselungen (aber die bitte erst nach Workshop-Teilnahme).

Gute SM-Shops bieten bearbeitetes Seil zum Fesseln an. Oft im Set: 7 oder 8 Seile zu jeweils acht Meter. In manchen Shops kann man auch Meterware kaufen (bei Baumwolle üblich). Hanf und Jute als Rohseil muss erst noch bearbeitet werden, dazu gibt’s Tipps sowohl auf meiner Seite als auch sonst im Netz.

Manche Seilshops (Segelbedarf – Baumärkte nur ausnahmsweise) bieten Hanfseil an. Achtung, nicht verwechseln mit Poly-Hanf, das ist Kunstfaser und sieht nur so aus, wie Hanf. 

Bitte beachten: Seil ist Verbrauchsware! Das heißt, es kann mit der Zeit kaputt gehen bzw. Fehler bekommen, die das Fesseln unsicher machen. Bei Einrissen im Seil sollte man das Seil austauschen.

Wie klärt man Grenzen? Was sind Safe Words und wie funktioniert die Ampel?

Jede*r hat seine Tabus, also Sachen, die nicht passieren dürfen. Außerdem haben wir alle Sachen, die eventuell gehen, bei denen wir aber nicht sicher sind. Und dann gibt’s natürlich Vorlieben. Manches ändert sich im Laufe der Zeit.

Auf ein Safewort muss man sich vorher einigen, denn damit muss man eine Session abbrechen können, wenn es zu viel wird. Ein Aktiver muss IMMER reagieren, wenn das Safewort benutzt wird. Also sofortiges Abfesseln und Beendigung der Situation.

Der Ampelcode differenziert: Grün heißt, alles ist gut, weitermachen. Gelb bedeutet, Achtung, langsamer machen, nicht so fest am Seil ziehen. Rot bedeutet Stopp, Situation beenden.

Was muss die/der Gefesselte bedenken – auch emotional?

Zuerst mal, muss man für sich schauen, ob die Person, von der man sich fesseln lassen will, auch vertrauenswürdig ist. Vielleicht sollte man vorher checken, was andere so erzählen.

Ansonsten kann Gefesseltwerden einen sehr tief berühren und damit auch eine Lawine von Gefühlen auslösen. Oder einen einfach nur geil machen. Oder beängstigen. Und man sollte sich bewusst sein, dass man auch gefesselt immer noch selbst für sich und sein Wohlbefinden verantwortlich ist.

Was muss der/die Fesselnde bedenken – auch emotional?

Wenn ich jemanden fessle, muss ich klare Absprachen haben. Darf ich außer dem Fesseln, den anderen auch sexuell berühren oder eher nicht. Gleichzeitig übernehme ich ein Stück weit Verantwortung für meinen Partner. Bondage soll sich ja gut anfühlen und da muss ich immer im Kontakt mit meinem Gegenüber bleiben, statt nur auf die Seiltechnik zu achten.

Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme

Was passiert emotional/sexuell im besten Fall?

Im besten Falle fühlt sich der Gefesselte sicher und geborgen in den Seilen. Manche macht es auch geil, sowohl die Passiven als auch die Aktiven können Lust bekommen auf direkte genitale Stimulation. Und hinterher hat man, wenn alles toll gelaufen ist, Lust auf mehr.

Und was im schlimmsten Fall – und was tut man dann?

Im schlimmsten Fall kann es zu einem emotionalen Absturz kommen. Dann sollte man, statt Schuldzuschreibungen zu machen, liebe schauen, wie man das beim nächsten Mal vermeiden kann, indem man anders fesselt oder achtsamer an die Session herangeht.

Ein anderer – meist als deutlich weniger schlimm erlebter – Fall ist, wenn irgendwas körperlich schiefgelaufen ist. Bei Hautabschürfungen Wunde versorgen. 

Bitte beachten: Bei Taubheit von Gliedmaßen, die länger als ein paar Stunden dauert, bitte den Arzt aufsuchen und ehrlich erzählen, wie es passiert ist.

Gehören Bondage und Achtsamkeit zusammen?

Gute Bondage ist für mich ein Teil von SM (oder BDSM), die nur funktioniert, wenn man sich selbst und dem Partner achtsam gegenüber ist. Auch wenn es vielleicht rauh, derbe und wild gelaufen ist, sollte man immer genau hinspüren. Und schauen, dass auch im Verlaufe der Session, die Einvernehmlichkeit erhalten bleibt.

Infokasten

Matthias T. J. Grimme aka Drachenmann, Autor des SM-Handbuches, des Bondage-Handbuches und des Japan Bondage Handbuches, Mitherausgeber des SM-Magazins Schlagzeilen. Mehr Infos und seiner Webseite Bondage Project  www.bondageproject.com und Schlagzeilen. www.schlagzeilen.com

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Amenorrhoe: Ich liebe meine Regel – seit ich sie fast verloren hätte

Frau hält Kalender hoch, Tage der Regel mit Herzen eingezeichnet
Mit 16 Jahren begann ich die Anti-Baby-Pille zu nehmen. Ich fand das erwachsen und verantwortungsvoll. Drei Jahre später war ich Single und setzte die Pille ab. Doch meine Periode kam nicht. Ich hatte Amenorrhoe.

Ein ganzes Jahr blieben die Blutungen aus. Kein Tropfen, kein Fleckchen, rein gar nichts. Ich fühlte mich wie tot, eine Unfrau. Der Frauenarzt wusste auch keinen Rat, sagte nur: „Wenn sie einen Kinderwunsch haben, dann muss es eben künstlich gehen“. Ich war geschockt und weinte viel. Nach über einem Jahr kam sie dann plötzlich wieder: Ich war dankbar und glücklich.

Amenorrhoe: Emotionale Talfahrt

Das Ausbleiben meiner Regel schob ich nicht auf den frühen Eingriff in mein noch nicht fertig entwickeltes Hormonsymstem – und der Arzt natürlich auch nicht. Also griff ich mit 23 Jahren und dem nächsten festen Freund wieder zur Pille. Das war nun die nächste Generation und sollte noch leichter sein. Ich nahm sie fünf Jahre. Nach dem Absetzen bemerkte ich zwei Dinge. Meine Regel kam nicht und es ging mir schlecht. Meine Haut juckte wie irre. Auf den Armen, dem Rücken und den Beine spannte die Haut über Wochen. Auch emotional ging es bergab, ich wurde traurig, grüblerisch und fiel in ein schwarzes Loch. Diesmal wusste ich woran alles lag: die Pille. Sie hatte so sehr in mein Hormonsystem eingegriffen, dass es sich von der Haut bis zum Gemüt auswirkte.

Ich bin im Fluss

Als nach einem Jahr die „Rote Tante“ endlich wieder zu Besuch kam, war ich glücklich. Seitdem liebe ich sie und will sie nicht mehr missen. Ich fühle mich als Frau und freue mich, wenn sich die Slipeinlage rot färbt. Ich nehme auch die Migräne am Vorabend vor ihrem Eintreffen dankbar hin. Tabletten dagegen nehme ich nicht. Ich sage einfach meine Termine ab – und zwar mit den Worten: „Ich habe meine Tage“. Dann packe ich mich ins Bett, entlaste den Kopf und schlafe ein. Auch meinen geschwollenen Bauch durch die Wassereinlagerungen während der Periode nehme ich hin, die Schoko-Fressattacken genauso wie meine Introvertiertheit während meiner Tage. Ich fühle mich im Fluss. Nicht wie ein sanftes Bächlein, sondern wie ein Wildbach, doch lieber so als auf dem Trockenen.

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„Ein Wellenorgasmus kann stundenlang dauern”

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie über die verschiedenen Orgasmus-Qualitäten und erklärt, wie die Erregung bei Frauen funktioniert und erklärt, wie sich ein Orgasmus anfühlt, der über 90 Minuten geht. 

Das ist der dritte Teil der Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. Und in Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie funktioniert die Erregung bei Frauen?

Die Sexualität der Frau funktioniert anders als beim Mann. Bei der Massage der Frau berühre ich anfangs Stellen, die weit weg von den Genitalien und den Brustwarzen sind, etwa das Gesicht, die Kniekehlen oder die Arme. Der Orgasmus der Frau geht von außen nach innen. Beim Mann ist es genau umgekehrt. Man beginnt mit dem Penis und verstreicht die Energie dann in den ganzen Körper, so dass er zu einem Ganzkörperorgasmus kommt. Es geht von innen nach außen.

Brauchen Frauen länger, um zu kommen?

Das ist ein Klischee. Doch um das zu verstehen, muss ich erst die unterschiedlichen Orgasmusqualitäten erklären. Es gibt einen „Gipfel-Orgasmus“. Der kommt aus der Spannung. Der Körper spannt so sehr an, bis er nicht mehr kann, dann muss er loslassen. Das heißt: Die Lust steigt steil an, der Körper gibt auf, es kommt zum Höhepunkt und die Kurve fällt dann sofort steil wieder ab. Das ist der Orgasmus, den die meisten Menschen kennen. Der passiert am meisten bei der Klitoris und dann kommen auch Frauen ziemlich schnell.

Gibt es noch andere Orgasmen?

Es gibt aber auch einen Orgasmus, der aus der Entspannung kommt. Der passiert in Wellen. Der „Wellen“-Orgasmus dauert nicht ein paar Sekunden, sondern kann sogar stundenlang dauern, manche Menschen leben in dem Zustand!

Wie ist das in einem Dauerorgamus zu leben?

Man kriegt orgasmische Wellen ohne Notwendigkeit der Berührung – ein Blick auf eine Blume, die Wärme der Sonne oder ein Blick in die Augen des Geliebten kann eine orgasmische Welle hervorrufen. Man spürt sehr viel Freude, Lust und eine große Öffnung.

Verändert Tantra die Orgasmusqualität?

Wenn die Yoni taub ist, braucht man sehr viele Reize, damit man zu einem Orgasmus kommt. Doch wenn die Yoni enttraumatisiert ist und wieder empfindsamer wird, braucht man viel weniger Reize, dann reicht es oftmals schon die äußeren Yoni-Lippen zu streicheln, um zu kommen. Am Anfang ist das schwer zu glauben. Als ich beim Sexological Bodywork-Kurs die Aufgabe bekam, mich selbst zu berühren – ohne Fantasien und Hilfsmittel, bin ich fast verzweifelt.

Was denkst Du über Vibratoren?

Ich finde, Vibratoren sind wunderbar und können sehr viel Spaß bereiten. Wenn eine Frau jedoch nur von der Vibratorstimulation Orgasmen kriegen kann, kann das zu Problemen in ihrer Beziehung führen. Ein Vibrator ist nichts anderes als ein Hilfsmittel, doch besser ist es, unseren Schoss wieder zu spüren.

Was ist passiert, als Du Deine Yoni wieder zu 100 Prozent spüren konntest?

Ich bin zu dem Punkt gekommen, wo ich keine Berührung mehr brauche, um zu kommen. Ich hab auch ein Orgasmus erlebt, der über 90 Minuten ginge. Das klingt für viele anstrengend, doch das ist eben der Unterschied zwischen dem Orgasmus, der aus der Spannung kommt und dem, der aus der Entspannung kommt. Nach dem Gipfelorgasmus fühlt man sich meistens müde und ausgelastet – kein Wunder, der Körper musste alle Muskeln anspannen! Beim Wellenorgasmus funktionieren die Muskeln auf eine sehr natürliche Art und Weise: Spannung-Entspannung, Spannung-Entspannung… Dieser Art von Orgasmus lässt mich energetisiert zurück.

Du hast einen Orgasmus nur durch Deine Gedanken?

Ich bekomme Orgasmen, indem ich mich einfach auf meinen Körper konzentriere. Ich lenke meine Aufmerksamkeit in meine Yoni und schon geht es los. Der weibliche Körper ist gemacht für Orgasmen. Unser Körper weiß, wie man atmen muss und er weiß auch, wie man Orgasmen hat. Wir besitzen pure sexuelle Energie. Wir müssen das, was wir bisher über Sex und Orgasmen gehört haben, vergessen. Es gibt so viel mehr als nur rein raus.

Wozu dient Dir diese viele sexuelle Energie?

Weil man den eigenen Körper mehr spürt, wird einem die Umwelt auch bewusster. Man kann diese sexuelle Energie nutzen um seinen Beziehungen mehr Intimität und Authentizität zu geben. Man kann sexuelle Energie für das Leben nutzen. Menschen nutzen Kaffee und Adrenaline, um den Tag anzufangen. Ich starte mit einem Orgasmus. Das ist nicht nur Sex, sondern meine Lebensvitalität.

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Tantramassage: „Einmal nicht zu müssen”

Tantramassage Entspannung

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie, warum gerade Frauen von der Tantramassage profitieren. Warum es so heilsam ist, die Yoni (so nennt sie die Vagina/Vulva) absichtslos berührt und warum auch Männer es genießen, mal nicht zu müssen.

Das ist der Auftakt ein Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. In Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie viel Ahnung hattest Du von Tantra, als Du beim Berliner Tantramassage-Institut „Kashima“ angefangen hast? 

Meine erste Assoziation war „Kamasutra“ (lacht). Aber schon bei den ersten Sessions habe ich gemerkt: Es geht um Respekt und um langsame schöne Berührungen. Es hat mich sehr fasziniert und ich habe sofort die Anziehung dieser Tätigkeit gespürt.

Was fasziniert Dich genau an der Tantramassage?

Wenn wir das Begrüßungsritual machen und uns in die Augen schauen, dann sehe ich so viel Unsicherheit und Verletzlichkeit. Meine Klientel in diese tiefe Hingabe, Intimität und Verletzlichkeit zu führen, das war und ist für mich eine große Ehre und ist für mich sehr berührend, dass sich die Menschen bei mir so öffnen.

Aleksandra Veronika

Aleksandra Veronika ist Energieheilerin und Coach für tantrische Sexualität. Sie arbeitet seit über zehn Jahren mit tantrischer sexueller Körperarbeit. Dabei lässt sie sich von folgenden Methoden inspirieren: Tantric full body orgasm und Tantric Body De-Armouring nach der „Awakening within“-Foundation, Beziehungsdynamnische Sexualtherapie und Sexological Bodyworker. Aleksandra Veronikas Webseite

Für viele Frauen ist die Vorstellung, an der Vulva oder sogar in der Vagina berührt zu werden, komisch. Wie gehst Du darauf ein?

Wenn eine Frau noch nicht viel gemacht hat, dann fangen wir ganz langsam an. Ich war 25 Jahre alt, als ich das erste Mal meine Vagina angeguckt habe. Ich hatte das nie vorher gemacht! Zu Beginn gibt es Übungen wie diese, mit denen man anfangen kann. Doch die meisten Frauen, die zu mir kommen, haben sich bereits entschieden und sind neugierig darauf, intim berührt zu werden. Wenn doch spontan Scham aufkommt, dann erzähle ich von meiner Absichtslosigkeit und manchmal halte ich auch nur die Yoni (ohne Bewegung). Auch das kann schon sehr intensive Gefühle hervorrufen.

Bei der Tantramassage: bis hierher und nicht weiter

Wer entscheidet, wie weit Du gehst?

Die Frau hat immer die Macht. Ich will nicht verantwortlich sein für die Erfahrung der Frau. Das klingt jetzt erst einmal krass, aber das lehre ich in meinen Sessions: Du bist verantwortlich für Deine Erfahrungen! Für viele Menschen ist das überraschend, aber das ist der Kern von „Empowerment“. Wenn eine Frau entscheidet, bis hierher und nicht weiter, dann hat sie viel gelernt. Dieses Wissen und diese Entschlussfähigkeit wird sie in ihrer Sexualität weiterbringen.

Warum fragst Du, ob Du mit dem Finger die Yoni berühren oder gar eindringen darfst?

Das mache ich immer. Denn mir ist damals selbst aufgefallen, dass mich nie jemand gefragt hat: Darf ich rein? In der Sexualität geht der Mann oft einfach rein, obwohl man noch nicht bereit ist. Dann denkt man, ob der Mann einen ablehnt, wenn man jetzt nicht einwilligt. Die Frau ist dann mit ihren Gedanken beim Mann und nicht bei sich, was sie gerade will und braucht. Diese Verantwortung für sich selber, müssen Frauen wieder lernen. Sex fängt bei sich selber an und wenn man bei sich ist, dann kann man guten Sex mit anderen haben.

Wie ist das mit Dir? Wie ziehst Du Grenzen? Auch vor unerwünschter Intimität seitens der Klient*innen?

Anfangs ist es tatsächlich passiert und ich wurde von Männern gefragt, ob sie mich bei einer Session anfassen dürfen. Das war eine wunderbare Möglichkeit zu üben, wie ich Grenzen setze. Ich sage dann klar, dass ich etwas anderes anbiete und wenn man diesen Rahmen nicht versteht, muss man woanders hingehen. Nicht nur der/die Kund*in kann in der Session nein sagen, auch ich kann das. Ich kann auch sagen: „Dich will ich nicht massieren, Du bist noch nicht so weit“. Und ich sage das nicht leise und zögerlich, sondern laut und deutlich. Nachdem ich das gelernt hatte, kamen kaum noch Fragen. Man spürt inzwischen, dass das nicht geht. Aber es gibt da auch viele Vorurteile.

Männer sind froh, die Verantwortung abzugeben

Was meinst Du damit?

Viele Männer wollen mich gar nicht berühren. Viele sind froh, die Verantwortung übergeben zu können und mal nichts machen zu müssen, denn viele Männer fühlen sich verantwortlich für den weiblichen Orgasmus. Männer kommen und sagen, dass sie in zwanzig Ehejahren nie von ihrer Frau gestreichelt wurden, die wollen Berührungen und sich fallen lassen. Bei mir lernen sie aber auch, total geil zu sein und trotzdem präsent zu bleiben. Die wahnsinnige Kraft zu spüren und doch geerdet zu bleiben.

Wie sehr ist bei der Tantramassage absichtsloses Berühren ein Thema?

Das ist der Hauptfokus der Frauen, die zu mir kommen. Viele Frauen sind noch nie absichtslos berührt worden. Da wird die Yoni berührt, damit sie feucht wird, damit sie geil wird, damit es zum Sex kommt. Ich berühre die Yoni jedoch genauso wie ich den Oberarm oder die Kniekehle berühre – völlig absichtslos. Als ganz normales Körperteil, das erst einmal nichts muss. Viele Frauen bewegt das zutiefst, manche weinen sogar, weil sie noch nie so berührt wurden. Viele Männer übrigens auch.

Männer empfinden es genauso?

Frauen gehen auch sofort auf den Penis. Der muss funktionieren, muss eine Erektion haben, soll schnell kommen oder langsam. Männer genießen das genauso, einmal nicht zu müssen.

Ich fixe und repariere nichts bei der intimen Massage

Was geht bei einer Tantramassage-Session gar nicht?

Manche kommen, legen sich hin und sagen: Mach mal! Die sind jedoch am falschen Ort, denn ich „tue“ nichts, sondern ich unterstütze meine Klienten bei ihrer Erfahrung. Ich fixe oder repariere auch nichts, ich kann aber Unterstützung beim eigenen Reparieren und Fixen geben.

Man kann sich nicht ausklinken, genießen – und einschlafen?

Beim Coaching muss man immer tief atmen, stöhnen, darf nicht mit den Gedanken abdriften und einschlafen. Denn wenn ich alleine für die schöne Erfahrung sorge, dann muss die/der Klient*in doch immer wieder kommen, um sich diese schöne Erfahrung bei mir abzuholen? Meine Arbeit ist aber, dass die Menschen nach ein paar Sessions nicht mehr zu mir kommen müssen, weil sie selbst gelernt haben, wie es geht. Das ist Empowerment, das ist es, was ich den Menschen schenken möchte.

Was denkst Du über die Begriffe „Sexarbeiterin“, „bedienen müssen“ und „bezahlt werden“?

Ich verstehe das nicht. Für mich passiert in den Sessions etwas ganz anderes, als sich die meisten vorstellen. Kunden sehen etwa Farben oder Muster, wenn sie höhere Bewusstseinsebenen erlangen. Wir bezahlen für so viel, doch ich frage mich: Was gibt Dir das? Und wie bringt Dich das weiter? Ich möchte lieber für tolle sexuelle Erfahrungen zahlen, statt saufen zu gehen. Ich verstehe nicht, wieso das gesellschaftlich akzeptiert wird, doch so eine wundervolle Erfahrung wird so schambesetzt?

Mehr Interviews mit Aleksandra Veronika:

Teil 2: Tantra und De-Armouring

Teil 3: Unterschiedliche Orgasmusarten

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Dank Tantramassage zu mehr Spiritualität

Seit der Geburt unseres Kindes ist unser Liebesleben erloschen. Meine Lust auf Zweisamkeit tendiert gen Null und meine Libido scheint „auf unbekannt“ verzogen zu sein. Eine Tantra-Massage soll mein Verlangen neu entfachen – und wird zu einer ganz besonderen Erfahrung. 

Was für ein Geburtstagsgeschenk. Ein Tantra Massage Kurs über zwei Stunden. Mein Mann versteht es mich zu überraschen. Und um ehrlich zu sein auch mich zu überfordern. Zum einen klingt eine Intimmassage verlockend. Ich finde es reizvoll mal einen Profi zu erleben. Nicht jemand, der Befriedigung quasi DIY-mäßig erlernt hat, sondern einen „Sexual Body Worker“, der Sexualität quasi studiert hat. Andererseits ist es mir als Frau fremd für meine Befriedigung zu bezahlen, schließlich stehen bei uns Besuche im Bordell, bei einer Hure oder das „Happy Finish“ bei einer Massage nicht gerade auf der Tagesordnung.

Monatelang liegt der Gutschein also auf meinem Schreibtisch, bis ich genug Mut gesammelt habe und bei Kashima anrufe. „Du solltest mehr Zeit buchen“, rät mir der Mann sofort. Zwei Stunden erscheinen ihm zu wenig. Ich hatte das Tantra Massage Institut in Westberlin ausgewählt, weil es die edelste Webseite hat. Ich wollte keinen Räucherstäbchen, Buddha Figuren und Klangschalenmusik haben, während mir jemand die Klitoris massiert. „Frauen brauchen länger um locker zu werden“, erklärte er mir weiter. Er empfiehlt mir drei Stunden. Ich buche schließlich 2,5 Stunden. Für 220 Euro! Da überlegt man sich jede halbe Stunde.

Die Tantramasseurin zieht sich aus

Ich klingle und eine wunderschöne Frau in einem schwarzen Negligé öffnet mir. Sie führt mich den Flur einer imposanten Altbauwohnung mit Stuck und Flügeltüren entlang, in einem Salon mit Kamin nimmt sie mir mit langsamen Bewegungen meinen Mantel ab und reicht mir Pantoffel. So anmutig wie eine Geisha, denke ich.

Anschließend findet in unserem Zimmer neben einer Kingsize-Matratze das Vorgespräch statt. Warum ich hier bin? Was ich mir erwarte? Ob ich auch intim berührt werden möchte? Aleksandra Veronika (https://www.loving.guide) erklärt mir, dass ich nur so weit gehen soll, wie es sich für mich gut anfühlt. „Gehe verantwortungsvoll mit dir um“, sagt sie. Nach dem Ausziehen und Duschen, stehe ich nur mit einem Tuch bekleidet zitternd auf der Matratze. Will ich das wirklich, frage ich mich. Zu meinem Erstaunen zieht sich die Masseurin ebenfalls aus. Was folgt ist eine mal behutsame, mal kraftvolle Massage. Sie streicht meine Beine und Arme aus, streichelt meinen Bauch, die Innenschenkel und knetet meine Ohrmuscheln. Da drin bin ich tatsächlich noch nie berührt worden, denke ich. Alles ist sehr sinnlich, sanft und entspannend. Mal haucht sie mir über die Haut, mal spüre ich ihre Brustwarze auf meinem Oberarm und meine Hand liegt unentwegt auf ihrem weichen Oberschenkel.

Kein Orgasmus ist auch okay

„Atme nun in deinen Bauch und stöhne beim Ausatmen“, sagt sie. „Das verbindet dich mit deinem inneren Körper“. Brav befolge ich die Anweisung und muss fast lachen. Stöhnen ohne Erregung fühlt sich komisch an. Was die im Nachbarzimmer wohl denken? Plötzlich streicht sie sanft über meine Kaiserschnittnarbe – ich breche in Tränen aus. Spüre das Skalpell und die Schmerzen wieder. Ich weine lange und mir wird der Raum dafür gelassen. Nachdem ich mich gesammelt habe, soll ich wieder stöhnen, denn nun ist meine Yoni, wie sie die Vagina nennt, dran.

Ganz vorsichtig streicht sie über die Schamlippen. Sie liebkost sie mit genauso viel Hingabe wie vorhin meine Ohren oder meinen Arm. Die Vulva fühlt sich zum ersten Mal in meinem Leben wie ein ganz normaler Körperteil an. Kein Wunsch steckt dahinter, dass ich jetzt erregt werden, feucht werden oder kommen soll. Das nimmt den Druck und entspannt mich noch mehr. Ich komme. Das Universum öffnet sich. Licht umspült mich. Ich stehe zwischen den Sternen, schaue in die Unendlichkeit und staune. Meine Zeit ist um. „Ich hätte doch drei Stunden nehmen sollen“, keuche ich grinsend.

Es gibt noch mehr als Rein-Raus

Sie setzt sich zu mir, nimmt sich Zeit für ein Nachgespräch. „Der Gebärmutterhals ist das Kraftzentrum der Frau“, erklärt sie. Der Kaiserschnitt geht da genau drüber und hat mich von meiner Lebensenergie abgetrennt. Sie erklärt auch, dass die Gebärmutter ein Muskel ist und daher Traumata speichern kann. „Daher ist sie oft traumatisiert und die Frauen empfinden nicht viel“. Denn eigentlich braucht es gar nicht viel Reibung für einen Orgasmus, sondern eher Entspannung.

Was ich von der Tantramassage mitnehme

Ich habe tatsächlich mehr Energie und auch meine Lust ist wieder da. Aber vor allem bin ich noch Tage später völlig geflasht. Nicht von dem Orgasmus, sondern von dem Gefühl danach. Dem Licht, den Sternen, dem Gefühl der Ewigkeit. Ich habe Sex nur als klitzekleinen Teil einer viel größeren Kraft erfahren. Als ob die Yoni nicht nur Orgasmen schenkt, sondern das Tor zum Universum, zu Gott wäre. Klingt schrecklich abgedroschen, aber es hat mich neugierig auf mehr gemacht.

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