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Was steckt hinter dem Dead Vagina Syndrom?

Von „Focus“ bis „Heute“ – die Medienlandschaft berichtet über ein neues Phänomen. Beim „Dead Vagina Syndrom“ erzählen Frauen, dass sie nach häufigem und heftigem Masturbieren nicht mehr zum Orgasmus kommen – vor allem nicht mit dem Partner. Wir wollten wissen, ob das ein Hoax ist oder ein neues Symptom. Heike Melzer, Neurologin und Psychotherapeutin spezialisiert mit ihrer Münchner Praxis auf Paar- und Sexualtherapie stand uns Rede und Antwort.

Liebe Frau Melzer, im Netz kursiert das Gerücht, dass Frauen, wegen Vibratoren nicht mehr zum Orgasmus kommen können. Gibt es das wirklich?

Ja, das Phänomen gibt es, denn Sex-Toys gehören zu den sexuellen Superreizen. Einmal auf sie konditioniert, kann es schwerfallen durch Berührungen mit Zunge, Penis oder Hand beim partnerschaftlichen Sex zu kommen.

Wie kann die Vagina taub werden?

Die Vagina wird nicht taub, sondern die Rezeptoren der Klitoris gewöhnen sich an die starken Frequenzreize der Vibratoren und reagieren dann nicht mehr ausreichend stark auf natürliche partnerschaftliche Reize. Dieses Phänomen kennen wir auch von Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen, die dazu führen, dass die feinen Nuancen natürliche Aromen irgendwann kaum noch geschmeckt werden.

Wie häufig kommt das vor? Welches Verhalten fördert das?

Hier gibt es deutliche Variabilität unter den Frauen und es ist schwierig pauschale Angaben zu machen. Je häufiger und länger Vibratoren im Einsatz sind, umso höher ist die Chance, dass der Körper sich an die starken Reize gewöhnt und mit der Zeit für partnerschaftliche Reize abstumpft.

Hängt das von der Häufigkeit ab? Oder der Heftigkeit? 

Exakt, sowohl von der Häufigkeit, der Dauer als auch von der Intensität!

Kommen die Frauen beim Solo-Sex nicht mehr zum Orgasmus? Oder bezieht sich das Dead Vagina Syndrom vor allem auf den Sex mit dem Partner?

Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich den Begriff des „Dead Vagina Syndroms“ unglücklich gewählt finde, denn die Vagina ist alles, aber nicht tot, auch wenn sie durch einen Vibrator in einen glücklichen Ausnahmezustand versetzt wird. Es beschreibt das Phänomen, dass wir uns durch sexuelle Superreize unsensibel machen für partnerschaftliche natürlich sexuelle Reize. Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die schwer zum Orgasmus kommen, da kann ein Vibrator ein wahres Wunderding sein. Ich plädiere deshalb für einen selbstbewussten Gebrauch auch im partnerschaftlichen Setting, allerdings in gemäßigter Dosis, sodass der Körper sich nicht zu sehr und ausschließlich auf die Vibratoren versteift.

Sex-Toys werden mit immer stärkeren Motoren hergestellt, sodass Frauen schnell kommen können. Ist das eine negative Entwicklung?

Es spielen nicht nur stärkere Motoren, sondern auch völlig neue Patente eine Rolle, wie die berührungslose Stimulation durch Über- und Unterdruck. Und ja – mit den High-Tech-Sex-Toys ist ein Orgasmus ein reines Reiz-Reaktions-Phänomen, der Frauen unabhängig von partnerschaftlichen Reizen effektstark zum Orgasmus kommen lässt. Die Entwicklung ist erst mal nicht gut oder schlecht, es kommt auf den Umgang und die Dosierung davon an. Im partnerschaftlichen Kontext genutzt, kann es Abwechslung bringen, die durchaus bereichernd sein kann. Und auch für den Solo-Sex sind die Toys eine Versuchung wert.

Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen und den Vibrator besser weglegen?

Ich denke mir, ähnlich wie mit Geschmacksverstärkern sollten wir bewusst mit diesen starken sexuellen Reizen umgehen. Die Dosis und Stärke ist sicherlich ein Thema, welches wir im Auge behalten sollen. Für die eine oder andere Frau ist der Orgasmus to go mit dem kleinen Sex-Toy-Boy ihrer Wahl schon zu einer Gewohnheit mit Belohnungscharakter geworden, der wenn er mit Pornos kombiniert wird, schon zu der einen oder anderen Verhaltensabhängigkeit und entsprechenden partnerschaftlichen Konflikten kommen kann.

Sorgen Sex-Toys bei Frauen wie Porno für Männer für unrealistische Vorstellungen im Bett?

Beim Thema Toy – Penis Vergleich muss man sagen, dass der Penis mittlerweile nur Rang 2 einnimmt. Nur die wenigsten Frauen erwarten einen Cunnilingus-Turbo-Experten, der es mit dem Toy aufnimmt. Beim Thema Erwartungshaltung sorgen die Pornos für wesentlich mehr Wirbel in Bezug auf Erwartungshaltung und das, was wir wollen und überhaupt noch in der Lage sind, geben zu können. Die Messlatte ist hier entsprechend hoch adjustiert.

Wie beugt man dem Dead Vagina Syndrom vor?

Regelmäßig Exposition am lebenden Objekt ;-). Und ab und an mal das Sex-Toy in der Schublade lassen und in einen sexuellen Detox gehen, ähnlich einer Fastenzeit. Einfach mal ein paar Wochen auf den Vibrator verzichten, dann schmeckt auch die partnerschaftliche Kost wieder besser.

Und wenn man eine Konditionierung feststellt, wie heilt man sich dann wieder?

Das Gehirn ist neuroplastisch und die Sensibilität kann auch wieder zurückkommen, wenn man bewusst sexuelle Superreize einmal für eine gewisse Zeit beiseitelegt. Aber nicht jeder Konditionierung ist rückgängig. Das Gehirn arbeitet nach dem Prinzip: „What fires together, wires together“. Nicht alle sich gebildeten Nervenseilschaften sind reversibel. Aber die kleinen Sex-Toys bahnen sich ihren Weg in partnerschaftlichen Sex und mit der dazu notwendigen Portion Selbstbewusstsein lassen sie sich auch gut in den sexuellen Akt zu zweit einbauen.

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Die Krux mit dem Loslassen

Für guten Sex muss man loslassen können, heißt es oft. Da kann ich nur lachen. Sobald ich anfange loszulassen, wird’s nur noch lauter in meinem Kopf.

Seine Hände umfassen meine Hüfte, seine Küsse sind warm und weich. Ich will sie genießen. Sie schmecken so verheißungsvoll. Doch stattdessen bemerke ich die Staubschicht auf dem Bücherregal (Notiz im Kopf: Reinigungskraft Bescheid sagen), die Strumpfhose der Tochter, die geflickt werden muss, schiebt sich ins Blickfeld, genauso wie die Tagesdecke, die mal wieder in die Reinigung müsste. 

All diese To Do’s schreien mich an:

Sie schreien: Du kannst nicht loslassen! Erledige mich erst noch! Jetzt!„Schluss jetzt“, denke ich. Dann folgt mein Mantra: „Ich lasse jetzt los!“ Jetzt konzentriere ich mich darauf, nichts zu denken. Doch es ist wie mit einem rosa Elefanten. Je mehr ich nicht an alle die unerledigten Dinge denke will, desto mehr türmen sie sich in meinem Kopf auf. Die Wäsche! Der Geschirrspüler! Das Altpapier! Die Steuer! Und die Briefmarken, die noch gekauft werden wollen! Ich stöhne laut auf. Mein Mann versteht es falsch und zieht mir bereits das Shirt aus der Hose.

Ich fliehe ins Bad

„Ich will doch auch“, denke ich gefrustet. „Das kann doch nicht so schwer sein!“ Ich atme nun tief in mein Becken. Ich habe mal gelesen, das soll für Entspannung sorgen. Dabei zähle ich im Kopf beim Einatmen bis acht und beim Ausatmen auch. Mein Mann zieht mich ins Schlafzimmer. „Er ist schon soweit“, denke ich. Ich bin es noch nicht. Meine Hände sind kalt, meine Füße auch. Mein Kopf produziert nur noch Panikhinweise: „Achtung! Achtung! Lustkurve fällt“. Loslassen, warum klappt es bei mir nicht mit dem sch… loslassen. Zu den To Do’s in meinem Kopf kommen nun Vorwürfe. Ich winde mich aus seiner Umarmung und fliehe ins Badezimmer.

Dort lehne ich mich an die Tür. Ich bin frustriert, müde und genervt von mir selbst. Er ist so sexy, süß und ich habe Lust, aber mein Kopf lässt sich überhaupt nicht ausschalten. Ich wünschte, es gebe einen Knopf oder zumindest eine Pause-Taste für die Birne. Ich wasche mir die Hände und denke nach. Was könnte helfen? Was könnte mir gute Laune machen?

Die rettende Idee

Kurz entschlossen gehe ich ins Wohnzimmer und drehe Musik an. Ich fange an zu tanzen. Erst vorsichtig und unsicher, dann aber mit immer mehr Freude lasse ich die Tanz-Sau raus. Die Arme schweben, die Hüfte kreist, ich fließe von einer Bewegung in die nächste. Im Augenwinkel bemerkte ich, dass er in der Tür steht. Seine Anwesenheit macht mich an. Ich bewege mich sinnlicher, genieße mein exklusives Publikum, fühle mich wild, frei, lasziv und frivol. Mein Mann grinst breit. Ich drehe mich zu ihm und grinse zurück. Ich habe Lust. Lust auf ihn. Ich ziehe ihn heran und nun endlich sind alle To Do’s vergessen. 

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Diese Rituale helfen dir, deine Grenzen beim Sex zu wahren

Wie geht man damit um, wenn Grenzen beim Sex überschritten werden? Gute Frage! Hier zwei nützliche Tipps für Dich.

Vorneweg: Bei „Grenzüberschreitung“ ist weder Missbrauch noch Vergewaltigung gemeint, sondern die alltäglichen Grenzüberschreitungen, die beim Sex passieren können: zu früh, zu viel, zu schnell, zu hart. Kennst Du das? Man hat Sex, bevor man richtig feucht ist oder die Stöße sind so hart, dass es am Venushügel schmerzt? Kleine Verletzungen eben, die passieren, wenn der andere so richtig in Fahrt kommt und dabei ein bisschen die Achtsamkeit vergisst. „Nicht so schlimm“, denken viele Frauen. Doch diese kleinen Verletzungen können dazu führen, dass sich der Kopf einschaltet, man sich womöglich sogar verspannt und den Sex nicht mehr so richtig genießen kann.

Also was tun? Was sagen? Wenn ja, es wie sagen? Schließlich will Frau ja nicht als „Spaßbremse“ gelten. Wie kann man also seine Bedürfnisse anmelden, ohne den Sex zu bremsen, ohne den Partner ständig herumzudirigieren („Weiter rechts“, „Nein, so nicht“) und damit die Stimmung zu killen? Daher verrate ich jetzt zwei sinnvolle Tools, die beim Liebesakt helfen können.

Die Ampel: Rot – Orange – Grün

Ich empfehle gerne die Ampel-Regelung aus dem BDSM (Wikipedia erklärt „BDSM“ so: „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“). Gerade bei den „Fifty Shades of Grey“-Spielen kommen die Partner in Bereiche, wo Grenzen noch nicht klar sind und beim Sexspiel gemeinsam erkundet werden. Da hilft die Ampel: Grün steht für „Gefällt mir, mach weiter!“. Mit Orange sagst du, wenn du dir nicht sicher bist. Also: „Mach zwar weiter, aber nicht mehr/härter/schneller“. Das hilft Luft zu holen, reinzufühlen und zu erspüren, was mit dir gerade passiert und ob du die Erfahrung magst. Rot heißt natürlich „Stopp! Sofort aufhören!“.

Diese Ampel kann natürlich auch beim normalen Sex angewendet werden. So kannst du deinem Partner ganz einfach zu verstehen geben, wenn du mehr möchtest (grün), eine Pause brauchst (orange) oder wenn du etwas nicht magst (rot). Du musst nicht in den Kopf wechseln, viel reden, argumentieren oder dich erklären, wodurch ihr garantiert aus dem Spaß rauskommt. Sondern du fühlst, was es jetzt für dich braucht und sagst dann einfach: grün, orange oder rot.

So kannst du übrigens auch easy Neues ausprobieren. Während du gefesselt bist, dich in einer neuen Stellung ausprobierst oder ein Spielzeug zur Anwendung kommt, braucht es nicht viele Worte, um sich zu verständigen, sondern du kannst ganz im Kopf-aus-Modus bleiben und die Ampel anwenden. Dein Partner weiß dann genau, was du brauchst und ihr könnt weiter gemeinsam Spaß haben.

Wie sage ich ihm das mit der Ampel?

Oh mein Gott, wie soll ich das meinem Kerl erklären?, denkst du jetzt vielleicht. Glaub mir, ich weiß genau, wie du dich fühlst. Veränderungen im Bett zu besprechen, ist wirklich nicht so einfach. Tatsache ist aber, dass die kleinen Grenzüberschreitungen dazu führen, dass Frauen beim Sex oft nicht den Spaß haben, den sie haben könnten. Und etwas, was keinen großen Spaß macht, braucht man nicht! Willst du also ein besseres Sexleben, fängt es damit an, dass du Spaß hast, wahnsinnige Orgasmen und innige Gefühle erlebst, auf dass dein Körper den ganzen Happy-Hormon-Cocktail ausschüttet. Der ist dann wie Zucker für deine Seele – und du willst mehr und mehr und mehr davon. Erklär also schonend deinem Kerl: Better Sex = More Sex! Ich verspreche dir: Er wird begeistert die Ampel umsetzen.

Das Tantra-Ritual: Darf ich?

Das zweite Ritual stammt aus dem Tantra. Hier fragt der/die Partner*in immer: „Darf ich?“, bevor der Penis oder der Finger die Vulva berührt oder in die Vagina eindringt. Am Anfang kann das für den/die Partner*in sehr befremdlich sein, sich eine Erlaubnis holen zu müssen. Doch das Ritual hat zwei Vorteile. Zum einen ist dieser kurze Augenblick super wichtig. Schließlich kannst du dich nochmal fragen, ob du wirklich bereit bist? Sei ehrlich zu dir: Bist du erregt genug oder brauchst du noch eine extra Runde? Bist du feucht genug, ist deine Pussy also voll durchblutet und du kurz davor deine Rakete zu zünden? Beziehungsweise hast du wirklich Lust auf Penetration, diesen Kerl, jetzt?

Außerdem hilft dir diese kleine Frage, dich selbst zu ermächtigen: „Ja, ich will“. Sex passiert dann nicht einfach, sondern du bist die Königin, die ihrem Geliebten erlaubt, weiterzugehen. Du bestimmst über deinen Körper! Aber auch darüber, wann euer Spiel das Next Level erreichen darf! Du bist Gespielin, aber auch Königin. Fühlt sich gut an, oder?

Einige Frauen gehen sogar so weit, ihrem Liebhaber zu erlauben ihre Brüste anzufassen, sie zu küssen oder oder oder. Der Fantasie (und Selbstermächtigung) sind da keine Grenzen gesetzt 🙂

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Online-Coaching gegen sexuelle Lustlosigkeit

Sexuelle Unlust ist ein Tabuthema. Dabei ist Lustlosigkeit im Bett für viele Frauen kein unbekanntes Problem. Zwei Psychologinnen entwickeln nun ein Online-Programm, um Frauen bei sexueller Lustlosigkeit zu helfen.

Die beiden Psychologinnen Julia Velten und Milena Meyers arbeiten am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie haben ihr Wissen für die MiSelf-Studie gebündelt. Damit wollen sie dem Thema sexuelle Unlust bei Frauen auf den Grund gehen. Gleichzeitig bieten sie aber auch ein Online-Programm an, das Betroffenen helfen soll. 

Wie viele Frauen sind laut bereits bekannten Studien von dem Problem „sexuelle Unlust“ betroffen?

Wichtig zu wissen ist zunächst, dass im Bereich der sexuellen Probleme, im Speziellen bei der Lust auf Sex, sehr viele Frauen „betroffen“ sind. Das individuelle Verlangen ist von vornherein bei jeder Frau sehr unterschiedlich ausgeprägt. Diese Schwankungen und Unterschiede sind jedoch vollkommen normal. 

Von einem sexuellen Problem oder gar einer sexuellen Funktionsstörung sprechen wir erst dann, wenn Frauen stark darunter leiden, wenig oder kein Verlangen zu haben. Insbesondere dann, wenn sie auch andere Phasen von sich kennen oder sich für sich selbst und ihre eigene Sexualität so leben zu können, wie sie möchten, etwas anderes wünschen würden. Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen unterscheiden dabei sexuelle Probleme und sexuelle Funktionsstörungen. Sexuelle Probleme sind Einschränkungen in der Sexualität, die oft auftreten, aber vorübergehend sind. Damit sind zum Beispiel Veränderungen in der Lust auf Sex gemeint. 

Aus Studien wissen wir, dass eine große Zahl von Frauen über die Lebensspanne Probleme mit ihrer Sexualität erleben. Studien gehen dabei von Zahlen zwischen 30 – 67 Prozent aus. Vermindertes sexuelles Verlangen ist dabei tatsächlich das häufigste Problem bei Frauen (20 Prozent Jahresprävalenz). Eine tatsächliche Funktionsstörung, in dem Sinne, dass therapeutischer Behandlungsbedarf bestehen kann, erleben circa 6 Prozent der Frauen in ihrem Leben.

Julia Velten, Milena Meyers
Julia Velten, Milena Meyers (re.) / RUB, Marquard

Wie kommt es zu diesen hohen Zahlen?

Diese hohen Prozentzahlen haben tatsächlich ganz verschieden Gründe. Lust auf Sex und sexuelles Verlangen schwanken einerseits über verschiedene Lebensphasen hinweg oft sehr stark. Andererseits ist die Sexualität oft der erste Lebensbereich, der unter Stress oder bei Veränderungen und großen Anstrengungen im Leben (Schwangerschaft, Jobwechsel, Prüfungsstress usw.) als Erstes leidet. Oft wird den eigenen sexuellen Bedürfnissen weniger Raum eingeräumt und die Achtsamkeit für Veränderungen in diesem Bereich fehlt. So fällt oft zunächst gar nicht auf, wenn weniger Lust auf sexuelle Aktivität besteht.

Was gibt es bereits für Hilfsangebote für Betroffene? Und werden die genutzt?

Es gibt schon viele erprobte, sexualtherapeutische Angebote, die auf Konzepten und Ansätzen der kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Wir wissen aber auch, dass achtsamkeitsbasierte Programme für Frauen mit sexuellen Problemen sehr hilfreich sein können. Mit Achtsamkeit ist dabei ein auf die Gegenwart ausgerichtetes, nicht wertendes Wahrnehmen eigener Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen gemeint. Leider gibt es aber nur wenige (in jedem Fall nicht genug) gut ausgebildete Sexualtherapeut*innen. 

Hinzu kommt, dass therapeutische Angebote für Paare in Deutschland nicht von den Krankenkassen übernommen werden und auch, dass es kaum bekannt ist, dass es therapeutische Angebote für sexuelle Probleme gibt. Hinzu kommt dann natürlich, dass es für viele Betroffene schwierig ist, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, weil Sexualität immer noch ein Tabuthema ist. Es wäre also gut, Frauen ein Angebot machen zu können, das leichter zugänglich und mit einer niedrigeren Hemmschwelle verbunden ist.

Ihr wollt nun mit Eurer MiSelf-Studie (https://www.miself-studie.deherausfinden, ob Frauen Online-Programme besser helfen, da diese niedrigschwellig, anonym und ortsunabhängig zugänglich sind. Was für Probandinnen sucht ihr noch für die Studie? Wie kann man sich bei Euch melden?

Für unsere Studie suchen wir Frauen jeden Alters, die seit einiger Zeit geringes sexuelles Verlangen bei sich feststellen und die darunter leiden. Dabei ist für uns egal, ob sich die Frauen in einer Partnerschaft befinden oder nicht. Auch die sexuelle Orientierung spielt überhaupt keine Rolle.

Trotzdem habt ihr bereits ein kostenloses Online-Hilfsprogramm entwickelt. Was bekommen Betroffene da für Hilfe?

Wir haben zwei Varianten des Programms entwickelt, die wir ein wenig miteinander vergleichen wollen, um festzustellen, welcher Ansatz für welche Frauen hilfreich ist.

Einerseits gibt es das COPE-Programm, bei dem es darum geht, negativen Gedanken in Bezug auf Sexualität auf die Spur zu kommen und sie zu hinterfragen. Andererseits bieten wir mit dem MIND-Programm einen achtsamkeitsbasierten Ansatz, bei dem es darum geht, dass die Teilnehmerinnen in Achtsamkeitsübungen ihren eigenen Körper und dessen Empfindungen neu erfahren.

Die Teilnehmerinnen erhalten dann – und das ist das Gemeinsame an beiden Programmen –  in einem achtwöchigen Programm die Möglichkeit selbständig insgesamt acht Lektionen online zu bearbeiten. In den Lektionen werden einerseits Informationen zu Sexualität und sexuellen Problemen gegeben und es gibt viele Möglichkeiten sich mit der eigenen Entwicklung auseinanderzusetzen. 

Ein weiterer wichtiger Baustein des Programms sind Sensualitätsübungen, mit denen es darum geht allein oder mit einem Partner der eigenen Körper und die eigenen sexuellen Wünsche und Vorlieben genauer erkundet werden können. Die Teilnehmerinnen sind dabei nicht allein, sondern werden von einer persönlichen eCoachin durch das Programm begleitet, die auch nach jeder Lektion eine Rückmeldung gibt und über eine Nachrichtenfunktion kontaktiert werden kann.

Wie kann ein neuer Fokus auf den eigenen Körper, Frauen helfen, in ihre Lust zu kommen?

Die Fähigkeit, den eigenen Körper und körperliche Empfindungen nicht wertend wahrzunehmen, kann sehr dabei helfen, eigene Bedürfnisse besser kennenzulernen und für körperliche Empfindungen und Veränderungen sensibler zu werden. Der Fokus auf das Hier und Jetzt kann während sexueller Begegnungen oder Erlebnissen dabei helfen, auf die eigenen Bedürfnisse besser zu achten und sich nicht durch Gedanken oder Sorgen ablenken zu lassen. So ist es besser möglich ganz in der Situation und bei sich zu sein und sich weniger Gedanken um Anderes zu machen.

Beschreibt mal einige Übungen genauer …

Die Übungen sind Schritt für Schritt aufeinander aufgebaut. Eine der Übungen ganz zu Beginn legt den Fokus auf die Erkundung des eigenen Körpers. Dabei geht es darum, die Vulva mit den eigenen Händen zu erkunden. Allerdings geht es zunächst überhaupt nicht um die Herstellung von Erregung. Im Anschluss gibt es dann weitere Übungen, bei denen mit der eigenen Erregung experimentiert wird, z. B. indem die Teilnehmerinnen verschiedene Formen der Stimulation ausprobieren. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen, dass jede Frau auf ihr eigenes Tempo achtet und schaut, wie sich die Übungen für sie entwickeln.

Sind diese sensitiven Übungen immer schön anzufühlen oder steigt da nicht auch Wut, Scham, Ekel auf?

Natürlich sind die Übungen erst einmal ungewohnt, sodass Scham und Angst zu Beginn eine Rolle spielen können. Jede Teilnehmerin darf und soll dabei aber auf sich selbst achten und eine Übung nur dann machen, wenn sie sich wirklich bereit fühlt. Andererseits ermutigen wir auch dazu, Dinge auszuprobieren und Neues zu wagen. Starke Emotionen sind für uns vor allem ein Zeichen das Tempo zu verlangsamen und für sich selbst zu schauen, welche Bewertungen und Befürchtungen vielleicht gerade eine Rolle spielen könnten. Dabei werden die Teilnehmerinnen auch von ihrer eCoachin unterstützt.

Wie helfen diese negativen Gefühle bei der Heilung?

Emotionen sind mit Bewertungen verbunden, die ja erst dazu führen, dass bestimmte Gefühle entstehen. Wir interessieren uns mit den Teilnehmerinnen für die Befürchtungen und Gedanken, die eine Rolle spielen und versuchen ein Angebot zu einem anderen Umgang damit zu machen. Also kann man sagen, dass die Auseinandersetzung mit unangenehmen Gefühlen und mit den Gedanken und Bewertungen, die diese Gefühle entstehen lassen, hilfreich ist. Wenn man eigene Befürchtungen und gedankliche Muster hinterfragt, ist man auch bereit Neues auszuprobieren.

Wie gut ist sexuelle Unlust heilbar?

Bisherige Therapieangebote im einzeltherapeutischen Rahmen zeigen sehr gute Behandlungserfolge. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit der eigenen Lust auseinanderzusetzen, wenn man sich eine Veränderung wünscht.

Was wünscht Ihr Euch von eurer Studie?

Gerade die weibliche Sexualität und Lust sind lange vernachlässigt worden. Wir würden gerne mit unserer Studie dazu beitragen, dass sich die Behandlungsangebote für Frauen, die oft unglaublich stark unter ihrem verminderten sexuellen Verlangen leiden, verbessern. Für uns ist dabei wichtig, dass wir Frauen ein gut erprobtes Angebot machen können, dessen Wirksamkeit gesichert ist. Das möchten wir mit der Studie gerne erreichen. Langfristig würden wir uns wünschen, dass wir so dazu beitragen, dass betroffene Frauen unkompliziert und schnell Hilfe finden und so frühzeitig die Möglichkeit haben, sich mit ihrem Problem auseinanderzusetzen.

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Tantrakongress mit Tina als Speakerin

Frau mit Lautsprecher

Ich liebe Online-Kongresse. Als ich mich ganz frisch mit dem Thema „Weibliche Sexualität“ auseinandergesetzt habe und alles über Tantra, vaginalen Orgasmus und sexuelle Erfüllung wissen wollte, habe ich gaaaanz viele Kongresse angeschaut (lest hier mehr darüber). Ich habe mir alle Interviews kostenlos angeschaut und wenn mir ein Kongress sehr wertvoll erschien, sogar das Kongress-Paket gekauft.

Und jetzt bin ich zum ersten Mal selbst mit dabei als Speakerin!!!

Am 5. Mai startet der Tantrakongress mit dem schönen Thema „Wild“. Hier geht’s zum Kongress.

Ich erlaube mir etwas die Werbetrommel für Macherin Ingrid zu rühren. Auf Grund der Sex-Thematik ist es ihr nämlich nicht möglich den Kongress im Social Media zu bewerben (Zuckerberg & Co sind nicht gerade Sex Positiv;). Daher finde ich es wichtig, dass wir alle, die in diesem Feld arbeiten oder aktiv sind, uns gegenseitig unterstützen, damit all die tollen Themen so viele Leute wie möglich erreichen.

Ingrid hat mit über 30 Tantrikern & Tantrikerinnen spannende Interviews zu folgenden Themen geführt:

*WILD WOMAN
* WILD MAN
* TANTRIC FUSION
* SHADOW WORK
* OUT OF THE BOX

Mit dabei sind Kristina Marlen, Violeta Labella (mehr über sie hier und hier), Silja Rehfeldt (mehr über ihre Arbeit hier), Pia Mortimer, Amira uvm. Hier erfährst du mehr über die Speaker*innen.

Tina als Speakerin Tantrakongress
Tina als Speakerin Tantrakongress


Du erfährst beim Tantrakongress unter anderem: 

Wie kann die Frauin der heutigen Gesellschaft wieder mehr in ihre ursprüngliche Schöpferinnenkraftkommen?

Wie kann ein Mannseine innere Kraftund Wildheitwiederentdecken und stark leben?
Was ist eine tantrische Beziehung? Wie wird sie gelebt? Das wilde Brautpaar.

Welchen Schattenbegegnen wir in der Sexualität?

Schattenarbeit als Grundlage einer echten Liebe und Sexualität?
Was bedeutet tantrische Dominanz?

Hilft BDSMfür einen vielfältigeren, freieren Umgang mit Sexualität?

und vieles mehr!!

Melde dich unter hier an und erhalte ab Sonntag, dem 5. Mai 2019 kostenlos die Videos per Email zugesendet.
 

Du bist frei, dir die Interviews anzusehen wann & wo du willst.

Hole dir hier auch gleich dein Geschenk , den 24 Stunden gratis Zugang zu den Tantra Videos von 2018 zum Thema ORGASMUS!!!!!!

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Zervix-DeArmouring: Die heiße Massage – nur für Frauen

Frau, hält ihren Bauch

Ich gönne mir ein Rendezvous mit meinem Gebärmutterhals. Den Zervix kennen die meisten nur vom Krebsabstrich oder der Geburt – dabei ist dieses Organ für Mega-Orgasmen zuständig

Nach meinen ersten Erfahrungen mit Tantra und den Gesprächen mit Aleksandra Veronika und Olivia Bryant möchte ich mehr über das „Zervix De-Armouring” erfahren Bei meiner Recherche stoße ich immer wieder auf einen Name: Silja Rehfeldt. Klingt deutsch, denke ich, und google sie. Und tatsächlich arbeitet und lebt die Zervixexpertin in Berlin. Silja Rehfeldt ist seit zwanzig Jahren als körperorientierte Prozessarbeiterin tätig und unterrichtet Tantric Sience an der holländischen Rasayana Tantra Academy. 

Meine Neugier ist geweckt. Nachdem ich schon die Tantramassage gemacht habe, kann mich nichts mehr schocken, denke ich. Und mache einen Termin. Schließlich ist die Zervix das einzige Organ, das mit drei Hauptnerven mit dem Gehirn verbunden ist, was Mega-Orgasmen ermöglichen soll. 

by Hoffotografen

Körper-therapeutin Silja Rehfeldt

Foto by Hoffotografen

Verspannungen lösen

 Silja Rehfeldt empfängt mich in ihrer Praxis in Berlin-Friedrichshain. Mit ihren wilden, blonden Locken und ihrer offenen Art nimmt sie mir sofort meine Beklemmung. Nach einem langen Gespräch geht es los. Zuerst wird der Po massiert. 

„Das ist der Muskel der Seele“, erklärt sie mir dabei. Und dass es sehr schmerzvoll sein könne, denn „Scham und Schuld sitzen hier”. Rehfeldt erklärt, dass sie erst die gröbsten Verspannungen im Körper lösen müsse. So kümmert sie sich anschließend auch nicht um meinen Intimbereich, sondern um – den Kiefer. Die Lockerung der Gesichtsmuskulatur sei immens wichtig, da sie in Verbindung mit dem Beckenboden stünde, so Rehfeldt. 

„Wer oben verspannt ist, ist es unten auch.” 

Auch der Vagusnerv muss loslassen

Danach massiert sie mich rund um das Brustbein und das Zwerchfell. Vor Schmerz kann ich kaum noch atmen. Silja Rehfeldt bearbeitet meinen Vagusnerv. Der zehnte Gehirnnerv verläuft vom Kopf am Hals entlang durch den Brustkorb zum Herzen, von dort weiter in den Bauch zu den Verdauungsorganen. Als größter Nerv des Parasympathikus‘ ist er für die Entspannung zuständig. Außerdem ist er mit der Gebärmutter verbunden und von daher gilt: Ist der Vagusnerv angespannt, kann man sich beim Sex – oder beim Zervix De-Armouring – nicht entspannen. Danach widmet sich Rehfeldt noch meinem Schambeinknochen. Auch hier viel Pein. 

„Das kommt von den abgefangenen Stößen beim Geschlechtsverkehr“, erklärt sie ruhig, während sie die brennenden Knötchen massiert. 

Danach ist es soweit. 

Traumata und Taubheit lösen

Rehfeldt fragt nun, ob man bereit sei. Sie zieht Handschuhe an und massiert erst mal die Vulva, dann dringt sie vorsichtig ein. Bei schmerzenden und brennenden Stellen möchte sie, dass man den Schmerz gegen ihren Finger drückt. So kann sie Traumata und Taubheit lösen. Viele Frauen berichten nach dem Zervix De-Amouring nicht nur von mehr Lust, sondern auch von weniger körperlichen Schmerzen. Schließlich liegen im Unterleib nicht nur die Sexualorgane, sondern auch die untere Wirbelsäule, Bänder, Muskeln und die drei Beckenböden. Klar, dass jede Verspannung hier eine Kettenreaktion nach sich zieht. 

Am Ende widmet sich Rehfeldt der Zervix. Mit kräftigen Bewegungen massiert sie den großen Muskel, reibt die Oberfläche und knetet die Muskulatur. Das kann schmerzhaft sein, aber auch lustvoll. Einige Frauen berichten von fantastischen Orgasmen während der Behandlung. 

Hallo vaginale Orgasmus

Nach drei Stunden ist die Sitzung vorbei. Das Ergebnis ist überraschend: nach einigen Tagen weniger Rücken- und Schulterschmerzen. Ich bin insgesamt viel gelassener und weniger ängstlich. Offensichtlich war mein Vagusnerv sehr angespannt, also aktiv, weshalb ich nicht entspannen konnte. 

Und der Sex? Ist deutlich lustvoller geworden und die Orgasmusqualität hat sich verändert. Mehr Ohs!, die länger anhalten und sich ins Unendliche auszuweiten scheinen. 

„Das sind vaginale Orgasmen”, erklärt Silja Rehfeldt auf Nachfrage. 

Die zum Teil schmerzhafte und anstrengende Behandlung, das De-Armouring, hat sich gelohnt: Neue Wow-Empfindungen und vaginale Orgasmen lassen mich nun voll auf meine Kosten kommen. 

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Mein erstes Mal: Kuschelparty – mit Benefits

weibliche Sexualität und Lust in einem Buch von Tina Molin. Die Entdeckung der inneren wild woman.

Kuschelpartys sind im Trend. Immer mehr Großstädterinnen sehnen sich nach Zärtlichkeiten, Streicheleinheiten und Umarmungen. Bei dieser Kuschelparty gibt es jedoch auch die Möglichkeit auf Sex. Ich habe es ausprobiert – und war angenehm überrascht.

Auf die Kuschelparty „Anders Kuscheln“ will ich schon länger Zeit gehen.  Ehrlich gesagt, war ich aber bisher schlicht zu feige gewesen. Was, wenn ich alle dort doof und hässlich finde? Mich einer begrapscht? Ich mittendrin doch nicht mehr will? Was mache ich dann?

Kuschelparty im Swinger-Club?

Der erste Stock im Berliner Club „Insomnia” ist hell und freundlich. Ich bin erleichtert: keine dunkle Höhle, wo es nach muffigem Sex riecht. Alle Teilnehmer*innen tummeln sich an der Bar – und viele sind genauso schüchtern wie ich. Selbst die Herren halten sich an ihrem Bierglas fest und starren geradeaus. Auch ich vermeide Blickkontakt und will erst mal im Raum ankommen und meinen Puls runterfahren. Das Publikum ist bunt gemischt. Überraschend viele Frauen und Pärchen. Einige scheinen Profis zu sein, tragen Negligé mit Strapsen und Latex-Höschen, andere sind herrlich entspannt mit Mickey-Mouse-Pyjama, Leggings und Cargo-Pants gekommen.

Erste Aufgabe: Locker werden

Ein Glas Prosecco macht mich schon ein bisschen locker, für den Rest sorgt die Veranstalterin. Als Erstes erklärt sie die Kuschelregeln: Kuscheln, Streicheln, Anfassen ist okay, Küssen, Fummeln, Intimzonen sind tabu. Ihr Kollege macht mit uns Yoga-Herzöffner und Atemübungen. Die Ersten kichern bereits und auch ich entspanne mich. Dann heißt es Augen zu und durch. Tatsächlich sollen wir die Augen schließen, uns drehen und dabei mit den Fingern berühren, wer oder was uns begegnet. Ich spüre Gesichter, Hälse und Arme, taste, fühle, halte und streichle. Es fühlt sich leicht, zauberhaft und unheimlich schön an. Schließlich sollen wir – immer noch mit geschlossenen Augen – den Menschen vor uns umarmen. Die bisherigen Übungen haben mich so entspannt und auch so mutig gemacht, dass ich die Arme um einen Mann schlinge. Die Umarmung mit dem Unbekannten ist warm und innig. Es fühlt sich erstaunlich gut an. Ich vergrabe mich in seinen Armen, lege den Kopf an seine Schulter – und könnte heulen vor Glück. Dass sich das mit einem Fremden so intim anfühlen könnte, erschreckt mich und ich löse mich von ihm. Die Veranstalterin wird mir später erzählen, dass schon Frauen gegangen sind, weil sie „zwar kein Problem mit einem Gangbang haben, ihnen das aber zu intim war“.

Gruppenkuscheln leicht gemacht

Schließlich legen wir uns alle auf eine riesige Liegewiese aus Leder in der Mitte des Raumes und schmiegen uns aneinander. Mit geschlossenen Augen streichle ich um mich herum, gleichzeitig habe ich 4-6 Hände auf meinem Körper, die mich liebkosen. Die Hände streicheln meine Wange, fahren mir übers Haar, halten tröstend meinen Kopf oder gleiten über meinen Körper. Das ist irre: irre persönlich, irre intim, irre schön. Niemand berührt meine Brüste oder meinen Po. (Und der eine Grapscher, von dem ich später höre, wird von der Veranstalterin, die streng über dem Geschehen wacht, ermahnt.) Manche streicheln richtig toll, andere eher grob, doch geschickt kuscheln ich mich von dem Grobian weg, hinein in die Arme eines neuen Mannes, der sich toll anfühlt. Minutenlang liege ich in den Armen des Unbekannten und spüre so viel Geborgenheiten, dass ich schnurren könnte. Plötzlich nimmt jemand anderer meine Hand und unsere Finger liebkosen sich. Das fühlt sich fast schon wie Betrug an, herrlich verrucht. Ein Kuschel-Dreier quasi.

Kuschelparty mit Benefits

Nach etwa einer Stunde gibt es eine Pause. Bei Prosecco an der Bar tauscht man sich mit seinen neuen Bekannten aus oder flirtet. Danach startet der Teil mit den Benefits, denn natürlich ist das Insomnia ein Swinger Club und Sex wird hier großgeschrieben. Die Dame mit dem Mickey-Mouse-Pyjama ist verschwunden, doch die meisten sind geblieben, denn nun ist neben kuscheln, auch knutschen, fummeln und Sex erlaubt. Die Dame mit dem Negligé und Strapsen verschwindet mit einem Mann nach oben in den Sex-Bereich. Für einige steht nun der Höhepunkt des Abends bevor, andere haben das Highlight hinter sich und verlassen, genährt mit Kuscheleinheiten, den Club.

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Sex und Geld – wie passt das zusammen?

Paar, um das Geld vom Himmel fällt

Die Expertin Ute Benecke berät Frauen wie sie die Kraft ihrer Sexualität nutzen können, um nicht nur sexuelle, sondern auch finanzielle Fülle zu erreichen. Sie arbeitet online und von überall auf der Welt.

Liebe Ute, wie bist Du zur Sex-Coach geworden?

Alles begann mit einem einschneidenden Erlebnis, als ich für eine Routineoperation ins Krankenhaus kam. Ziel der Operation war, Myome aus der Gebärmutter zu entfernen, die meinem Kinderwunsch im Weg standen. Als ich aus der Narkose aufwachte, wurde mir mitgeteilt, dass meine ganze Gebärmutter entfernt werden musste. Ich war geschockt. Aus und vorbei der Traum von eigenen Kindern. Doch noch während ich allein in diesem kahlen, weißen Krankenhauszimmer lag, gab ich mir selbst ein Versprechen – das Versprechen, dass ich mein Leben ändern werde.

Wie hast Du Dein Versprechen umgesetzt?

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nach dem Ende einer 17-jährigen Beziehung gerade erst begonnen, meine eigene Sexualität weiter zu erkunden. Ich war neugierig, was es sonst noch so alles gab, was ich nicht kannte. Außerdem warf diese Operation eine Menge Fragen und Konflikte in mir auf: Bin ich überhaupt noch eine richtige Frau? Werde ich überhaupt noch einen Mann finden, wenn ich keine Kinder mehr bekommen kann?

Und so machte ich mich auf den Weg, meine eigene Sexualität weiter zu entdecken und besuchte Kurse und Workshops. Als ich mich nach meinem ersten Kurs von der Kursleiterin verabschiedete, sagte die diese zu mir: „Ute, du warst schon eine Schlampe bevor du hier hergekommen bist“. Ich war total empört. Wie konnte sie „so etwas“ zu mir sagen. Doch diese vermeintliche Beleidigung brachte etwas zum Vorschein, von dem ich bis dato keine Ahnung hatte: Ich habe da eine Gabe. Die Gabe, wie ich mit Sexualität im Allgemeinen und mit meiner eigenen Sexualität umging.

Hatte dein neuer Umgang mit Sex auch einen Einfluss auf deinen Beruf als Vermögensberaterin?

Ich habe mich selbst und meine sexuelle Kraft befreit und angefangen, sie zu leben. Das hat überraschender Weise nicht nur dazu geführt, dass ich mega tollen Sex hatte, sondern auch zu meinem finanziell erfolgreichsten Jahr als Vermögensberaterin. Ich habe mindestens 30 Prozent weniger gearbeitet und mit Spaß und Leichtigkeit zum ersten Mal sechsstellig im Jahr verdient. Und da war mir klar, dass hier ein Zusammenhang besteht, dass sexuelle Fülle auch zu finanzieller Fülle führt.

Ute Benecke

Ute Benecke 

Coach für erfülltes Sexleben

Seit du dich sexuell befreit hast, hat sich dein Einkommen verbessert? Wie hängt das zusammen?

Das ist ganz einfach. Dadurch, dass ich mich von all den Ängsten, Blockaden, der Scham und auch der tiefer Trauer in meiner Sexualität befreit habe, bin ich wesentlich selbstbewusster und selbstsicherer geworden. Ich bin in meiner Kraft. In meiner weiblichen und sexuellen Kraft. Ich weiß, wer ich bin, was mich ausmacht, was ich und meine Arbeit wert ist. Und ein wesentlicher Punkt ist, ich agiere aus der Lust und aus der Kraft heraus, anstatt zu denken, was ich sollte, müsste oder was Sinn macht. Das ist sehr anziehend und unwiderstehlich.

Du bietest Online-Kurse an wie „Fülle leben – sexuelle und finanziell”. Was für einen Zusammenhang gibt es von Geld und Sex?

Geld und Sex hat für mich sehr viel mit Kraft und Macht zu tun. Diese Kraft und Macht wird oft nicht im Guten ausüben. Ein Beispiel: Frauen demonstrieren ihre Macht gerne beim Sex. Sie bestimmen, wann und ob Sex stattfindet. Männer demonstrieren ihre Macht gerne mit Geld. Sie bringen das Geld nach Hause und wollen dafür auch Sex haben. Das findet meist völlig unbewusst statt. Es wird also Geld gegen Sex getauscht.

Mir ist es wichtig, dass Kraft und Macht im Guten ausgeübt wird. Die Frauen also in ihre eigene Kraft und Macht kommen, indem sie wieder selbst über sexuelle und finanzielle Freiheit verfügen. So kommen sie aus den Abhängigkeiten heraus in ihre Kraft. Dann kann übrigens auch eine wahre Begegnung zwischen Mann und Frau stattfinden.

Wie können Frauen Deiner Meinung nach in ihre Macht und Kraft kommen?

Tolle Frage! Der erste Schritt für mich ist immer, in die eigene Kraft und Verantwortung zu gehen. Das bedeutet konkret, sich davon zu verabschieden, dass der Prinz auf dem Pferd vorbeikommt und einen rettet. Stattdessen sollten Frauen lieber bereit sein, die Kröte zu schlucken und Verantwortung für sich und die eigene Sexualität zu übernehmen. Denn man hat genau die Sexualität, die man sich kreiert hat und nur man selbst ist dafür verantwortlich. Das meine ich mit „die Kröte“ schlucken.

Der nächste Schritt ist dann ernsthaft zu überlegen, wie soll Sexualität gelebt werden? Was sehen die eigenen Wünsche und Sehnsüchte aus? Dann geht man in einen Raum von „alles ist erlaubt“ und gestattet sich, seine Wünsche und Sehnsüchte zu denken. Der nächste und absolute wichtigste Schritt, den viele Frauen auslassen, ist dann aber die Umsetzung – Schritt für Schritt.

Um aufzuhören, brav, klein, lieb, schön und nett zu sein, braucht man außerdem ein Ziel. Etwas, wonach ich mich sehne, was ich wirklich aus tiefstem Herzen will. Und zum Schluss braucht es die Erlaubnis. Die Erlaubnis, die zu sein, die du wirklich bist: wild, frei, unverschämt, geil, zügellos und vieles mehr…

Wenn Frau dann wild und frei ist und der (finanzielle) Erfolg sich einstellt, ist der weibliche Erfolg dann anders als der männliche?

Ja. Sexuell erwachte Frauen haben andere Maßstäbe dafür, was Erfolg für sie bedeutet und andere Wege, wie sie erfolgreich sind. Als ich aufgewachsen bin, habe ich zum Beispiel gelernt, nur wenn ich hart und schwer arbeite, bin ich erfolgreich. Immer wieder falle ich da rein, dass ich mache, tue, kämpfe, hart arbeite. Doch das ist für mich kein weiblicher Erfolg.

Weiblicher Erfolg ist für mich, wenn ich aus meiner Kraft komme, wenn ich meiner Lust und Freude folge, dann bin ich im Fluss, dann kann ich kreieren, was ich mir wünsche, dann ist es leicht und einfach. Und das fühlt sich für mich so viel besser an, als wenn ich versuche, der bessere Mann und auf die alte Weise erfolgreich zu sein.

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Mit Yoni-Massagen zurück in die Lust

Frau bei der Massage

Yella Cremer ist Sex-Expertin. Interview verrät sie, warum die Yoni-Massage eine phänomenale Bereicherung für den Sex zu zweit – aber auch alleine ist. 

Wieso braucht die Welt ein Buch über die Yoni-Massage?

Weil es zu wenig Yoni-Massagen gibt! Ich glaube Yoni-Massagen würden noch viel mehr Frauen und Männern gut tun, denn sie sind eine ganz neue Art, die weibliche Sexualität zu wecken und zum Blühen und Strahlen zu bringen – und davon braucht die Welt doch definitiv mehr, oder?

Du rätst, dass gerade Paare die Yoni-Massage erlernen sollen, warum?

Unbedingt sogar. Denn es passiert oft, das sich ein Paar sexuell auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt und der ist dann nicht besonders inspirierend und beide vermissen eine lebendige Sexualität. Yoni-Massagen sind auf diesem besonders wertvoll: Beide lernen die „Landkarte der weiblichen Sexualität“ kennen und die Frau wird richtig gut genährt und gefördert, so das ihre Lebendigkeit und ihre Freude wieder in die Beziehung zurückspiegelt.

Foto: Yella Cremer

Autorin

Yella Cremer

Wie hat sich dadurch Deine eigene Sexualität beziehungsweise Beziehung verändert?

Es gibt eine Zeit vor meiner ersten Yoni-Massage und eine Zeit danach. Ich habe unglaublich viel durch die Massagen, die ich bekommen habe gelernt: über meinen eigenen Körper, über meine Möglichkeiten Lust ganz leise und ganz laut zu erleben.

Auch die Yoni-Massagen, die ich geben durfte, haben mich viel gelehrt: über Hingabe und das Gefühl von Rührung beim Berühren. Macht das Sinn? Ich habe erlebt, dass es eine tiefe Ehre sein kann, eine Yoni-Massage zu geben, denn die Frau öffnet sich auf eine Weise, für die ich voller Bewunderung bin, für die Entfaltung und die Kraft, die ich dann sehe.

Wie kann die Yoni-Massage eine Beziehung genau bereichern?

Dort gibt es viele Aspekte: Lust und sexueller Genuss ist einfach etwas Wunderbares in der Beziehung und dabei kommt es nach meiner Erfahrung gar nicht so darauf an, wer gerade wen berührt.

Auch andere Bereiche können positiv von der Yoni-Massage profitieren: die Kommunikation wird oft ehrlicher und tiefer, denn es lohnt sich, Wünsche zu äußern, wenn sie so wunderbar erfüllt werden (können). Beide vertiefen ihr Wissen über sich und über den anderen oder die andere.

Buchcover Yoni Massage von Yella Cremer

Profitiert der Mann auch davon oder nur die Frau?

Definitiv beide Partner! Die meisten Männer lieben es, der Frau etwas zu schenken und hier haben sie wohl das schönste Geschenk überhaupt. Außerdem ist es ungeheuer antörnend einer Frau zuzugucken, die ihren Körper genießt.

Doch auch für sich selber bekommt der Mann viel: seine Qualität zu berühren bekommt Tiefe, seine Wahrnehmung wird präzise und er lernt in der Massage zu führen.

Die Massage muss geplant und vorbereitet werden. Warum sollten wir uns für Sex verabreden?

Weil er dann stattfindet! Wir verabreden uns für alles mögliche, aber für etwas so Wichtiges wie Sex nicht. Das ist reiner Wahnsinn!

Welche Anfänger*innenfehler können Deiner Meinung nach vermieden werden?

Naja, eher umgekehrt: welche Anfänger*innenfehler sollte jeder entspannt machen, denn deswegen heißen sie ja Anfänger*innenfehler. Wenn überhaupt, ist die Idee alles gleich richtig machen zu wollen, ein Fehler, denn wer sich Scheitern verbietet, kann nichts neues Lernen. Wer nur perfekt sein möchte, darf ja fast nichts machen.

Grundsätzlich gilt: für eine gute Massage muss es wirklich warm sein und es sollte ein angenehmes Öl und gegebenenfalls ein Gleitmittel verwendet werden und nicht irgendeine Body-Lotion.

Vor welche Herausforderungen könnte mal als Paar gestellt werden?

Die größte Herausforderung ist der erste Schritt: Oft haben Paare jahrelang die Idee „Wir sollten mal …“ bis sie sich wirklich trauen. Wenn das Eis erst einmal gebrochen ist, wird es leichter. Ein zweiter Punkt macht das Üben deutlich leichter: Wenn ich explizit vorher abspreche, das Fehler okay sind, dann sind beide viel entspannter.

Die ganze Massage dauert 2 – 3 Stunden, lassen sich auch nur Teile davon übernehmen? Wenn ja, welche?

Natürlich lassen sich Teile davon übernehmen, nur ist es dann keine klassische Yoni-Massage mehr, sondern einfach ein wunderbares Fummeln. Die Massagegriffe für die Yoni (also die Vagina und Vulva) eignen sich super, um auch so in den Sex einbezogen zu werden, doch es lohnt sich auch, ab und zu die vollen 2 – 3 Stunden miteinander zu verbringen und einen wirklich absichtslosen Raum zu betreten. Sobald es um mehr Erregung geht oder es das Ziel ist, ein Orgasmus zu bekommen, ist es keine absichtslose Yoni-Massage mehr.

Und wie sieht es beim Solo-Sex aus? Kann frau die Griffe auch bei sich selbst anwenden?

Ja natürlich! Im Buch gibt es ein extra Kapitel dazu. Für die Yoni-Selbstmassage gibt es auch besondere Liegepositionen, sodass frau ihre Yoni gut erreicht und gleichzeitig bequem und mit viel Bewegungsfreiheit liegt.

Und wie verändert sich dadurch die Selbstbefriedigung?

Yoni-Massagen sind für viele Frauen eine Inspiration „was alles so geht“, manche merken sich gleich die Griffe bei der ersten Yoni-Massage, die sie bekommen. Andere merken sich eher das Gefühl und finden ihre eigenen Wege dahin zu kommen, weil sie jetzt wissen, wonach sie suchen.

Das heißt nicht, dass jede Selbstbefriedigung jetzt immer eine XXL-Session wird, sondern dass es jetzt einen neuen Eintrag im Menü gibt.

Yella Cremer

Yella Cremer forscht und lehrt seit über 20 Jahren zum Thema Sexualität und Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist eine Sex-Expertin, Speakerin und Autorin. Ihre Stärke ist es, wohlwollende Räume zu kreieren in denen Wachstum und Heilung geschehen kann. 

2012 gründete sie in Berlin die Liebes- und Sexschule LoveBase, die sie seit 2015 online weiterführt. Ihr erstes Buch erschien 2011, das dritte „Yoni-Massage – Lust, Heilung und Intimität“ folgte 2018.