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Mein erstes Mal: Rope Bondage

Gefesselter Frauenoberkörper

Seile finde ich faszinierend. Nicht an Schiffsmasten und auch nicht als Handykette, sondern auf nackter Haut. Deshalb buche ich einen „Conscious Bondage“-Kurs. Wie sich das wohl anfühlt, gefesselt zu sein? Begrenzt? Oder vielleicht eher frei im Reichtum der eigenen Gefühle? 

Im Moment erlebe ich Sex vor allem als Fülle. Als Fülle an Möglichkeiten, Stellungen, Fetischen und Rollen. Wer es sich erlaubt, kann (zumindest in Berlin) sehr viel Sexualität erleben. Zu zweit, zu dritt, in einer Beziehung oder polyamourös. Kuschelnd, raufend oder peitschend. Alles ist möglich, alles erlaubt.

Conscious Bondage

Shibari erscheint mir da wie das Gegenteil. Auf den ersten Blick ist die Bewegung eingeschränkt und man scheint dem Partner*in ausgeliefert zu sein. Doch andererseits ist der innere Raum weit offen und das Gegenüber tut, wonach man sich sehnt. Als wir den Kurs „Conscious Ropecoaching“ von Sonja (https://www.sonjareifenhaeuser.com) und Wera (www.sawashibari.com) buchen, bin ich noch voller Euphorie, beim Eintreffen in den Räumlichkeiten dann jedoch nur noch nervös. 

Doch die beiden machen es mir leicht. Sonja leitet zuerst einige Übungen an, damit wir vom Kopf in den Körper kommen. Mit fremden Menschen schaue ich mir tief in die Augen – minutenlang. Dann sollen wir fragen, ob wir tun dürfen, was wir wollen? Und auf das Okay des anderen warten. Ich will meinen Freund in den Arm nehmen, doch es kommt kein Okay. Also nehme ich die Arme wieder runter und wir blicken uns weiter an. „Spürt die Grenzen“, erklärt Sonja. „Eure und die des anderen“. Wir sollen lernen „Nein“ zu sagen, damit wir später „Ja“ sagen können, zu dem, was uns gefällt. 

Jute oder Hanf?

Die Stimmung ist nun locker – und ich auch. Dann werden die Seile herumgereicht. Jute oder Hanf? Hanf ist kuschelig weich, Jute hart und rau. Ich entscheide mich für das Erstere. Ein Basisknoten wird probiert und geübt. Gar nicht so einfach und so mancher knirscht frustriert mit den Zähnen. 

Und dann geht es los. Ich werde umschlungen und mit dem Seil eng und fest gezurrt. Ein Gefühl von Sicherheit und Loslassen baut sich auf. Beim Lösen der Knoten soll das Seil sanft über meine Haut gleiten, bis es wieder ganz bei meinem Partner ist. Das klappt noch nicht so gut, aber schon gut genug. Wir grinsen und spielen uns durch den Saal. Ich gehe weg, werde herangezogen, rolle mich auf dem Boden, werden zum Paket verschnürt. Gerade als der Kick im Kopf losgeht, löst sich der Knoten. Wir können uns vor Lachen kaum halten. 

Nach dem High kommt das Low

Nach einer Weile bin ich super glücklich, aber auch müde gespielt. Ich kuschel mich erschöpft an meinen Partner. Da reicht Sawa Süßes herum. „Beim Bondage schüttet ihr sehr viel Hormone aus“, erklärt sie. „Ihr seid dann richtig high.“ Doch Achtung auf das High folge oft ein Low. Da helfe nur in den Arm nehmen, streicheln, festhalten – und viel Schokolade. Was für ein Finish! Beherzt greife ich zu.

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Wie Online-Kongresse mein Leben bereichern

Vorneweg: Ich bin ein großer Fan von Online-Kongressen. Bei diesem Format kann ich mir kostenlos zu Hause am Laptop ganz viel Wissen zu einem Thema aneignen. Ich erlebe frei Haus inspirierende Menschen, andere Blickwinkel, Insiderwissen und auch schrullige Ideen. I love it!

Bei einem Online-Kongress werden für 1-2 Wochen jeden Tag etwa vier Video-Interviews mit Expert*innen zu einem Thema online gestellt. Ich bin dann zwar jeden Abend vor dem Laptop, dafür gibt’s das alles kostenlos und man bekommst so eine geballte Packung an Infos, Inspiration und erlebt spannende Visionär*innen. Wenn’s gefällt (oder du nicht alles geschafft hast), dann kaufst du dir einfach das Kongress-Paket und schaust dir alle Interviews in Ruhe (noch mal) an.

Ich bin erstmals als Speakerin dabei!!! Beim kommenden Tantra-Kongress werde ich darüber erzählen, wie ich nach dem Kaiserschnitt meine Wild Woman wieder entdeckt und erweckt habe. Demnächst geht es los. Hier kannst Du dich schon mal anmelden.*

Tantra Kongress

Weitere spannende Online Kongresse:

Am 19. Februar startet das Wise Womb Way Symposium. An acht Tagen bringt Veranstalterin Naomi Love über 30 internationale Speaker*innen, die über die Erweckung der heiligen Weiblichkeit sprechen, über radikale Ehrlichkeit, Brustheilung, die Zervix, Co-Abhängigkeit, Trauma oder Orgasmic Energy.

Die Kongresse laufen bereits:

Der Traumkarriere Frauenkongress von Daniela Schott. Etwa mit Melanie Vogel, dreifache Innovationspreisträgerin, seit 1998 passionierte Unternehmerin, mehrfache Buchautorin und erfolgreiche Initiatorin der women&work.

„Ich weiß selbst, wie es ist, wenn man zwar unglücklich in seinem Job ist, aber keine Ahnung hat, was man sonst machen sollte oder sich nicht traut, das gewohnte Spielfeld zu verlassen. Deswegen ist es mir ganz wichtig, dass du andere Frauen kennenlernst, die selbst auch in dieser Situation waren und es geschafft haben, trotzdem ihren Weg zu gehen“, erklärt Daniela ihr Motivation.

Der Awakening Leaders Kongress hat schon über 41.000 Teilnehmer*innen

„Ich habe die besten Expert*innen zum Thema authentisches Business & Leadership interviewt. Schon während der Interviews durfte ich unmittelbar erfahren, dass Transformation und Erwachen direkt durch die große Präsenz der Speaker passiert und welch enorme Bewegung dadurch für mich, für Dich und für alle Teilnehmer*innen entsteht“, sagt Veranstalterin Katharina. Lasse Dich inspirieren von der gelebten Weisheit von Thomas Young, Kurt Tepperwein, Bruno Würtenberger, Lea Hamann, Jacqueline Le Saunier, Bahar Yilmaz, Martin Weiß, Orlando Owen, Helmar Rudolph, Sabine Wolf, Sabrina Fox, u.v.m.

Der Blasenentzündungskongress

Jasmin und Özi Dogan hatten jahrelang Blasenentzündung. Bei ihrem Online-Kongress sprechen sie mit fast 40 Expert*innen zum Thema. Es gibt Wissen von Schulmedizin bis Alternativmedizin von Darmgesundheit, Umweltgifte und Stress bis Vitalstoffe und Persönlichkeitsentwicklung.

*Wir verwenden Affiliate Links

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Online-Dating: Tipps vom Profi gegen Ghosting, Dic-Pics und gruselige Fotos

Kürzlich hat mir eine Freundin ihr Leid beim Online-Dating geklagt. Gruselige Fotos, hirnlose Anmachen, Dic-Pics und immer wieder Ghosting. Clémentine Lalande ist COO bei Once. Die Dating-App legt Wert auf Achtsamkeit beim Dating. Hier beantwortet sie Fragen zum Daten und gibt wertvolle Tipps, um erfolgreich jemanden kennezulernen.

Was sind die Hauptgründe, eine Datingplattform zu nutzen?

Der Hauptgrund, Datingplattformen zu nutzen, ist sicher Einsamkeit. Die meisten Nutzer*innen wollen einfach nicht mehr alleine sein, sondern suchen nach einem Partner oder einer Partnerin. Unterschiedlich sind eher die Herangehensweisen. Die einen starten mit einem heißen Flirt und einer sexuellen Begegnung. Andere wollen es lieber langsam angehen und das Gegenüber gut kennenlernen, bevor es zu einem ersten (sexuellen) Kontakt kommt. Allerdings, dass hören wir oft von neuen User*innen, die zu Once kommen, sind viele Online-Dating-Nutzer enttäuscht von zahlreichen virtuellen Übergriffen, Stichwort „unsolicited pictures“, die „Schwanzpics“. Viele Frauen fühlen sich davon abgestoßen. Zu Recht, wie ich finde. Es sollte allen Beteiligten beim Online-Dating klar sein, dass es um ein gegenseitiges Kennenlernen und nicht um Pornografie geht.

Clementine Lalande co-CEO bei ONCE
Clementine Lalande co-CEO bei ONCE

Sind die Beweggründe von Männern und Frauen beim Online-Dating unterschiedlich?

Die Beweggründe für Dating sind nicht unterschiedlich: Es wird ein Partner gesucht. Wir müssen aber feststellen, und nicht zuletzt hat #metoo das auch bestätigt, dass Frauen in einer anderen Situation sind, wenn es um das Thema Dating geht. Ich gebe immer folgendes Beispiel: Verglichen mit Frauen, wie oft geben Männer ihren Kumpels Bescheid, dass sie sich zu einem Date mit einer fremden Frau treffen, hinterlassen womöglich Uhrzeit und Treffpunkt und sagen, wann sie sich nach dem Date wieder zurückmelden. Eher selten. Meist sind Frauen die Opfer von Gewaltverbrechen in Dating-Situationen. Deshalb haben wir das Feature „Rate your Date“ eingeführt, um mit Transparenz ein gewisses Sicherheitsgefühl zu geben, wenn sich Frauen für ein Date auf Once entscheiden. Sie sehen, dass der sympathische Typ, den sie treffen wollen, scheinbar echt nett ist, auch wenn er nicht der perfekte Mann für die anderen Dates war. Das schafft Vertrauen in die Situation ‚erstes Date‘.

Oft verstehen wir das Verhalten des Matches nicht. Ein Beispiel: Man chattet lange und beschließt dann, sich zu treffen, doch der Mann betreibt plötzlich Ghosting. Wie ist dieses Phänomen zu erklären?

Ghosting gibt es genauso vonseiten der Frauen und es gibt nicht die eine Erklärung. Ghosting , also das abrupte Abbrechen eines vermeintlich vielversprechenden Kontakts, kann zum Beispiel passieren, wenn das Gegenüber gar nicht die Person war, für die sie sich ausgegeben hat. Thema Fake Profile oder Romance Scam. Wenn es dann zu einem echten Treffen kommen soll, ist er oder sie auf einmal von der Bildfläche verschwunden. Genauso kann Ghosting aber auch eine Reaktion von denen sein, die nicht den Mut finden zu sagen, dass es einfach nicht passt. Lieber verkriechen sie sich und reagieren gar nicht mehr, als dass sie sich der Situation aussetzen würden, den Kontakt bewusst zu beenden.

Noch ein Klassiker: Die wenigsten Männer, sagen WARUM die Frau ihre Zeit opfern soll, um sie zu treffen. (Mona erzählt hier davon.) Die Männer beschreiben nicht, wie witzig, sexy oder schlau sie sind. Ist das Arroganz oder Ahnungslosigkeit?

Ist das so? Ich glaube, wir sollten die Herren der Schöpfung nicht pauschal verurteilen. Unterschiedliche Menschen daten ganz unterschiedlich. Da gibt es die Romantiker, die Aufreißer, die Charmeure, aber auch die Schüchternen und viele andere mehr. Auch das ist bei Frauen und Männern doch sehr ähnlich. Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir als Frauen unser Glück auch selbst bestimmen. Wenn er nicht beschreibt wie witzig, sexy oder schlau er sein kann, was hindert uns daran, nicht genau danach zu fragen? Was haben uns all die Diskussionen um die Gleichberechtigung von Frauen gebracht, wenn wir uns nicht einmal trauen, genau das zu fragen, was uns am Gegenüber interessiert? Wir sollten den Mut haben Männern zu sagen, was wir wollen. Das beginnt beim Kennenlernen. Aber um die Frage zu beantworten: Ich denke, es ist weder Arroganz noch Ahnungslosigkeit. Es ist vielmehr eine Frage, unter welchen Umständen, also mit welcher Dynamik, das Kennenlernen begonnen hat.

Oder sind Chatten und Daten bloß noch Unterhaltung?

Tatsächlich müssen wir feststellen, dass viele Nutzer von Datingportalen und -Apps die Nutzung als „unterhaltsam“ beschreiben. In einer Studie im 3. Quartal 2018 haben wir herausgefunden, dass 41 % der Deutschen die Nutzung von diversen Dating-Apps „unterhaltsam“ finden, 28 % meinen sie sind „spaßig“. Ob auf diese Art und Weise der App-Nutzung allerdings wirklich ein Partner gefunden werden kann, lässt sich bezweifeln. Es scheint Online-Dating ist an vielen Stellen sehr beliebig geworden.

Liegt es an dieser Beliebigkeit, dass die Vorlieben der Frauen schon mal komplett ignoriert werden. Wünsche zu Alter, Wohnort oder Geschlecht werden schlicht weg überlesen … Wie kommt das?

Viele Apps basieren darauf, dass sehr schnell von einem zum nächsten Profil gewechselt werden kann. Daraus ist eine regelreche Swipe-Hysterie geworden. Es wird sehr oberflächlich entschieden, ob er oder sie passt. Da geht es nur um den ersten Eindruck. Hot or not. Da bleibt keine Zeit Details des Profils zu lesen. Natürlich können durch Glückstreffer auch auf diese Art und Weise tolle Kontakte entstehen. Sich optisch sympathisch zu finden, schließt eben nicht aus, auch die inneren Werte kennen und lieben zu lernen. Doch geht auch sehr viel Potenzial durch diese schnelle oberflächliche Entscheidung innerhalb von Sekundenbruchteilen für oder gegen ein Date verloren. Denn vielleicht wäre sie oder er der perfekte Partner fürs Leben gewesen, wenn auch nicht optisch sofort der absolute Traumtyp.

Ist dieses Verhalten, die Swipe-Hysterie, typisch männlich?

Studien zeigen, dass Männer durchaus stärker auf optische Reize reagieren und Frauen doch eher nach Eigenschaften suchen, die einen charakterlich starken Mann ausmachen. Doch mal ehrlich, eine trainierte Brust, kräftige Oberarme oder dieses verdammt süße Grübchen am Kinn lassen doch auch uns Frauen oft sämtliche Konventionen und guten Vorsätze vergessen.

Flirten andere Nationalitäten online besser als die Deutschen?

Besser? Nein. Anders, ja. Ich als Französin erlaube mir aber mal einen Tipp: Deutsche Männer dürfen gerne etwas romantischer und weniger schüchtern sein. Nein, wir brauchen keine Machos, aber jede Frau – und auch jeder Mann! – hört gerne ein nettes und vor allem ehrliches Kompliment.

Welche Fehler werden noch häufig gemacht. Und wie geht’s besser?

Mein Tipp für das Online-Date: Verhalte dich so wie in der realen Welt: Wer nicht an einer Bar die Hose runterlassen und sein vermeintlich bestes Stück präsentieren würde, sollte das auch nicht online tun, um zu imponieren. Aber der Rat gilt auch für die Ladys: Seid authentisch. Rekelt euch nicht für ein Selfie, nur um zu gefallen. Seid natürlich, denn so werdet ihr auch beim ersten Date wahrgenommen.

Apropos Bilder! Monster, Mumien und Mutationen. Können Männer nicht fotografieren?

Sagen wir mal so, manche Männer haben kein Händchen für Ästhetik. Doch auch da sage ich wieder: Frauen seid mutig! Sagt doch einfach ehrlich, was euch gefällt und was nicht.

Datingplattformen werden häufig auf dem Klo und im Bett genutzt. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Fotos der Frauen als „Inspiration“ genutzt werden…

Zur „Inspiration“ gibt es keine Zahlen, allerdings stimmt es, dass 15 % der Deutschen nach eigenen Angaben mobile Dating-Apps auf der Toilette und ganze 37 % vom Bett aus nutzen.

Welchen Top-Tipp würdest du zum Schluss noch den männlichen Nutzern von ONCE geben?

Gebt euch einfach ein bisschen Mühe. Wie gesagt: Verhaltet euch so, als würdet ihr sie im realen Leben treffen. Seid Gentlemen, seid mutig aber nicht forsch. Wir lieben Komplimente – wie ihr ja auch. Und fragt doch mal einfach einen Kumpel oder eine gute Freundin, ob sie nicht ein tolles Foto von euch knipsen kann. Gute Freunde geben ehrliche Feedbacks zu Fotos, helfen dabei euch ins beste Licht zu rücken. Und bitte lasst die Hosen zu. Wenn wir mehr von euch sehen wollen, werden wir es euch wissen lassen.

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„Beim Sex einen Orgasmus zu haben, ist ein weibliches Grundrecht“

Laut einer Studie erleben 65 Prozent der Frauen beim Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus. Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ ist Sex-Coach und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Hier erzählt sie von Scham, Schuld und Taubheit im Schoß – und wie sie das hinter sich gelassen hat.

Warum ist weibliche Sexualität voller Scham und Schuld?

In den letzten Jahrtausenden hatte die weibliche Sexualität quasi keine Autonomie. Ein Mädchen, aber auch eine Frau, konnte nicht selber über ihre Lust entscheiden, sonst wurde sie geächtet, bestraft oder sogar getötet. So hat sich die sexuelle Lust mit Scham und Schuldgefühlen gekoppelt. Darum unterdrücken viele Frauen ihre große sexuelle Kraft und das Erleben dieser zarten, guten, wilden Gefühle. Darüber hinaus wird sehr abwertend über die weiblichen Sexualorgane gesprochen, aber auch wie unser Brüste, Bauch, Po auszusehen haben. Das weibliche innere Selbstverständnis ist dadurch abtrainiert worden.

Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ by Oliver Betke

Wie wirkt sich das Deiner Erfahrung nach auf das Sexleben von Frauen aus?

Viele Frauen haben gar kein Gespür und Gefühl dafür, was sie eigentlich für Lustempfinden, Lustpotenzial und vor allem Kraftpotenzial im Beckenbereich haben. Da viele schon als Mädchen angefangen haben, diesen Bereich zu meiden, kennen sie ihren Intimbereich nicht genug und wissen gar nicht, was sich richtig gut und befriedigend für sie anfühlt. Demzufolge kennen sie auch ihre Grenzen nicht. Infolgedessen lassen sie in Liebesleben Dinge mit sich machen, die sich für sie gar nicht gut anfühlen und vor allem nicht orgastisch befriedigend sind. Sie tun es zum Teil dem Partner zuliebe und wissen nicht, dass sie sich dadurch jedes Mal leicht re-traumatisieren. Das führt letzten Endes dazu, dass die Vagina Jahre später komplett zumacht, gefühllos und gefühlstaub wird. Und dann haben diese Frauen verständlicherweise überhaupt kein genussvolles Sexleben mehr.

Warst Du auch davon betroffen?

Oh ja! Ich habe zwar kein traumatisches, sexuelles Erlebnis erleben müssen in meinem Leben und dennoch war ich total blockiert. Einfach durch die gesellschaftliche und auch religiöse Erziehung, dem emotionalen Wegsperren der weiblichen Lust. Als ich aufgewachsen bin, wurde ich für alles geschult: Violine, Flöte, Fremdsprachen, Abitur, Sport, Selbstverteidigung. Aber nicht ein einziges Mal hat mich eine Frau liebevoll an die Hand genommen und mir erklärt, wie ich als Frau sexuelle Gefühle in meinem Körper wahrnehmen darf und wie ich darauf achten kann. Es ging immer nur darum, als Mädchen kein „leichtes Mädchen“ zu sein, aber dennoch möglichst äußerlich attraktiv. Reinspüren in meinen Beckenboden, also in meine sexuelle Gefühlswelt, und mit einem Lächeln eine Regung darin wahrnehmen können und diese dann fließen lassen und ausdrücken dürfen, so eine Kommunikation gab es nie. Auch nicht in der Bravo. 

Was können betroffene Frau dagegen tun?

Sie können anfangen ihren Vaginalbereich und ihr Becken zu sensibilisieren. Dazu gehört, Verkrampfungen, die oft chronisch vorhanden sind, zu lockern. Nur so können sie wieder an die darunterliegenden weichen, sanften Gefühle kommen, die ihnen dann orgasmische Momente schenken. Dazu gehört, zu entdecken, was sich individuell am besten anfühlt und wie sie neue Autobahnen zum Orgasmus bauen können, anstatt kleine Trampelpfade zu haben, die nicht verlässlich für sie funktionieren. Natürlich müssen sie sich dann auch die psychischen Aspekte anschauen und in ihrem Stammhirn wieder ein Gefühl von Sicherheit, Loslassen und Autonomie in Verbindung mit Sexualität etablieren.  

Wie hilfst Du im Coaching diesen Frauen, in Ihre Kraft zu kommen?

Viele Frauen sind schon so erleichtert, wenn sie hören, dass sie nicht die Einzigen sind, die darunter leidet, beim Geschlechtsverkehr nicht zum Orgasmus zu kommen. Zu erleben, dass leider 65 Prozent* der Frauen aktuell noch mit dieser Problematik kämpfen, ist schon sehr traurig. Ich schaue mir als Erstes an, was die Frau im Moment noch davon abhält, beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus zu kommen. Meistens geht es darum, die eigene Empfindungswelt und die eigene Kraft im Becken und im Vaginalbereich kennenzulernen. Wenn meine Klientinnen erst einmal anfangen, dem Raum zu geben, verändert sich schon sehr viel. Sie haben dieses Organ einfach nicht bewusst aktiviert, so wie sie ja quasi beim Klavierspielen oder Basteln aktiv die Finger trainieren. Sobald sie wieder ein Gespür für die Vagina haben, ist es erfahrungsgemäß für sie auch viel einfacher, zum Orgasmus zu kommen.

Was hilft Frauen Deiner Erfahrung nach, sich besser spüren kann?

Eine Blockade ist, dass betroffene Frauen sich nicht trauen, tief zu atmen und Geräusche beim Sex zu machen. Damit verhindern sie, dass sich die Lust im ganzen Nervensystem ausbreiten kann und zu einer orgastischen Welle werden kann. Sie können schon einfach damit anfangen, dass sie sich mal eine Woche lang vornehmen, jeden Abend fünf Minuten lang in die Vagina reinzuatmen. So entsteht ein erstes Bewusstsein für den Schoß und dadurch werden die Nervenbahnen vom Gehirn zur Vagina stärker. Das führt mit der Zeit dazu, dass die Orgasmusfähigkeit wächst, weil aus einem Trampelpfad eine Autobahn im Nervensystem wird. 

Wie wichtig ist dabei das Thema Selbstliebe? 

Ohne Selbstliebe geht nichts im Leben. Das ist eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben. Doch der erste Schritt für ein befriedigendes Liebesleben ist es, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ein falscher Glaubenssatz ist, dass der andere dafür verantwortlich ist, dass man sexuell befriedigt wird. Tatsächlich ist einer der häufigsten Aha-Momente meiner Klientinnen, wenn sie erleben: „Meine sexuelle Lust ist gar nicht abhängig vom Partner, sondern der Zugang dazu steckt komplett in mir!“.

Ist ein Geheimnis, sich mehr zu erlauben?

Ja, auf jeden Fall. Viele Frauen müssen sich erst mal erlauben, sich überhaupt mit der Vagina auseinanderzusetzen. Sie müssen sich erlauben, dass es ihr Grundrecht ist, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Sie müssen sich erlauben ihrem Partner zu sagen, dass sie den Sex mit ihm, als nicht befriedigend empfinden und dass sich etwas ändern muss. Sie müssen sich erlauben, dass ihre Sexualität genauso wichtig ist wie die Befriedigung des Gegenübers. Sie müssen sich erlauben, wütend zu sein, kraftvoll zu sein und sexy zu sein. 

Welche hindernden Glaubenssätze begegnen Dir bei Deiner Arbeit?

Viele Frauen denken, es liegt nur an ihnen und mit ihr stimmt was nicht. Das ist so traurig, weil viele Frauen jahrelang oder jahrzehntelang oder manchmal sogar ein Leben lang ein unbefriedigendes Liebesleben haben. 

Bei den Männern begegnet mir häufig noch der Glaubenssatz, dass es peinlich ist, wenn man an seiner Sexualität arbeitet. Ich habe viele Klientinnen, die ihre sexuelle Lust endlich entdecken und sie mit dem Partner teilen möchten. Doch leider sind dann viele Männer nicht bereit, über sich hinauszuwachsen. Dabei wäre es total der Gewinn für die Partnerschaft, wenn beide sich neu entdecken. Ein Mann kann schließlich auch multiple Orgasmen erleben.

Wie hast Du es geschafft eine lustvolle Frau mit jeder Menge Orgasmen zu werden?

Mein Learning war: Vagina anschalten, dann schaltet sich der Kopf automatisch ab! Genau das habe ich mit vielen Übungen praktiziert, die ich jetzt an meine Klientinnen weitergebe. Es gilt, so viel Lust in der Vagina zu entwickeln, dass der Kopf einfach loslässt, weil das Gehirn von der Vagina mehr Impulse bekommt und lieber auf die hört, als auf die kritische Stimme im Kopf.

* Es wurde 2017 eine US-Studie veröffentlicht, die an rund 52.500 Erwachsenen durchgeführt worden war, um herauszufinden, wie sich sexuelle Orientierung auf den Orgasmus auswirkt. Die Studie, die im Fachblatt „Archives of Sexual Behavior“ veröffentlich wurde, stellt fest, dass 86 Prozent der homosexuellen Frauen, 66 Prozent der bisexuellen, aber nur 65% der heterosexuellen Frauen beim Sex einen Orgasmus haben. Bei den Männern waren es hingegen 95 Prozent der heterosexuellen, 89 Prozent der homosexuellen sowie 88 Prozent der bisexuellen Männer, die nach eigenen Angaben normalerweise beim Sex einen Orgasmus haben. 

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Bondage für Anfängerinnen: Von Safe Word bis Seilstärke

Frau, die unter der Bluse Bondage-Fesselungen trägt

Viele Frauen haben Lust im Bett etwas Neues auszuprobieren. Gerne wie bei „Fifty Shade of Gray“ etwas aus dem BDSM-Bereich. Fesseln geht doch schnell und einfach? Doch bevor nun ein Seil im Baumarkt gekauft wird, haben wir Bondage-Experte Matthias T.J. Grimme zum Interview gebeten. 

Was tun, wenn der eine Partner Bondage ausprobieren will, doch der andere nicht?

Naja, das ist ein altes Problem, welches nicht nur für Bondage signifikant ist. Das fängt ja bei manchen schon bei Oral- oder Analsex an. Oder mit der Art, wie man angefasst werden möchte (ganz weich und zärtlich oder doch bestimmend und fest). Bondage ist ja ganz offiziell Teil der Verhandlungssexualitäten. Wenn die Beziehung offen ist, kann man sich ein*e Fesselpartner*in außerhalb suchen. Oder heimlich in ein SM-Studio gehen. Denn wenn jemand nicht will, kann man nichts machen, denn ohne Einverständnis geht’s nicht. Ich würde auf jeden Fall mal genauer gucken, was der Grund ist. Ist es ein Informationsdefizit, Angst wegen schlechter Erfahrungen oder etwas, was mit dem eigenen Rollenselbstverständnis nicht übereinkommt? Ich würde anbieten, ganz vorsichtig anzufangen. Vielleicht erstmal einfach nur die Hände festhalten oder ein Baumwolltuch um die Handgelenke schlingen, ohne einen Knoten zu machen. Also versuchen Kompromisse zu entwickeln.

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Man hat sich geeinigt und will nun loslegen. Einfach starten oder zuerst einen Kurs besuchen?

Auf einer ganz vorsichtigen Ebene kann man natürlich einfach rumprobieren. Aber über kurz oder lang wird man feststellen, dass manches nicht so klappt, wie man es wollte. Dann sind natürlich Bücher und DVDs ein guter weiterer Schritt, aber am besten sind natürlich Workshops. Da kann es natürlich schwer sein, jemanden zu finden, dessen Angebote zu einem passen. Der eine lernt lieber in einer offenen, spielerischen Atmosphäre (wie sie meine Workshops bieten), die andere braucht ganz klare Regeln. 

Was klappt Deiner Erfahrung nach anfangs nicht so gut?

Meist fesseln die Leute die Hände zu fest und den Körper zu locker. Das heißt, die Hände zicken rum und am Körper rutscht die Fesselung. Gerade Neulinge können nicht abschätzen, was ein Problem ist und was normal (Seil drückt), daher herrscht eine große Unsicherheit. Da hilft nur regelmäßiges Nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Damit wird dann auch keine Sicherheit vorgetäuscht, die noch nicht da sein kann.

Was geht gar nicht?

Auf Störungsmeldungen des gefesselten Partner nicht oder nicht adäquat – sprich sofort – reagieren. Den gefesselten Partner alleine lassen.

Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme

Was empfiehlst Du Deinen Newbies?

Vor dem Fesseln gemeinsam überlegen, wozu die Fesselung dienen soll: Bondage für Sex, für ein schickes Foto, als strenge Bewegungslosigkeit oder eher als tantrisches Erlebnis.

Grundsätzlich gilt, es ist immer besser sich erst zu informieren – etwa auf meiner Webseite – und dann losfesseln, damit die Session auch klappt.

Klare Absprachen treffen, wann die Fesselung beendet werden muss.

Sicherheits-Schneidewerkzeug wie EMT-Schere (stumpfe Spitze) bereit legen.

Übungs-Session und erotisches Fesselspiel nicht mischen. Entweder oder!

Wo bekommt man die Seile her – wohl kaum aus dem Baumarkt?

Zuerst sollte man sich entscheiden, welche Naturfaser am besten zu den gemeinsamen Wünschen passt. Baumwolle 8 Millimeter hohl geflochten für besonders gemütliche und kuschelige Fesselungen (und ist ohne Vorbereitung fesselfertig). Hanf und Jute gedreht in 6 Millimeter für alles, worauf man Lust hat, bis hin zu Hängefesselungen (aber die bitte erst nach Workshop-Teilnahme).

Gute SM-Shops bieten bearbeitetes Seil zum Fesseln an. Oft im Set: 7 oder 8 Seile zu jeweils acht Meter. In manchen Shops kann man auch Meterware kaufen (bei Baumwolle üblich). Hanf und Jute als Rohseil muss erst noch bearbeitet werden, dazu gibt’s Tipps sowohl auf meiner Seite als auch sonst im Netz.

Manche Seilshops (Segelbedarf – Baumärkte nur ausnahmsweise) bieten Hanfseil an. Achtung, nicht verwechseln mit Poly-Hanf, das ist Kunstfaser und sieht nur so aus, wie Hanf. 

Bitte beachten: Seil ist Verbrauchsware! Das heißt, es kann mit der Zeit kaputt gehen bzw. Fehler bekommen, die das Fesseln unsicher machen. Bei Einrissen im Seil sollte man das Seil austauschen.

Wie klärt man Grenzen? Was sind Safe Words und wie funktioniert die Ampel?

Jede*r hat seine Tabus, also Sachen, die nicht passieren dürfen. Außerdem haben wir alle Sachen, die eventuell gehen, bei denen wir aber nicht sicher sind. Und dann gibt’s natürlich Vorlieben. Manches ändert sich im Laufe der Zeit.

Auf ein Safewort muss man sich vorher einigen, denn damit muss man eine Session abbrechen können, wenn es zu viel wird. Ein Aktiver muss IMMER reagieren, wenn das Safewort benutzt wird. Also sofortiges Abfesseln und Beendigung der Situation.

Der Ampelcode differenziert: Grün heißt, alles ist gut, weitermachen. Gelb bedeutet, Achtung, langsamer machen, nicht so fest am Seil ziehen. Rot bedeutet Stopp, Situation beenden.

Was muss die/der Gefesselte bedenken – auch emotional?

Zuerst mal, muss man für sich schauen, ob die Person, von der man sich fesseln lassen will, auch vertrauenswürdig ist. Vielleicht sollte man vorher checken, was andere so erzählen.

Ansonsten kann Gefesseltwerden einen sehr tief berühren und damit auch eine Lawine von Gefühlen auslösen. Oder einen einfach nur geil machen. Oder beängstigen. Und man sollte sich bewusst sein, dass man auch gefesselt immer noch selbst für sich und sein Wohlbefinden verantwortlich ist.

Was muss der/die Fesselnde bedenken – auch emotional?

Wenn ich jemanden fessle, muss ich klare Absprachen haben. Darf ich außer dem Fesseln, den anderen auch sexuell berühren oder eher nicht. Gleichzeitig übernehme ich ein Stück weit Verantwortung für meinen Partner. Bondage soll sich ja gut anfühlen und da muss ich immer im Kontakt mit meinem Gegenüber bleiben, statt nur auf die Seiltechnik zu achten.

Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme

Was passiert emotional/sexuell im besten Fall?

Im besten Falle fühlt sich der Gefesselte sicher und geborgen in den Seilen. Manche macht es auch geil, sowohl die Passiven als auch die Aktiven können Lust bekommen auf direkte genitale Stimulation. Und hinterher hat man, wenn alles toll gelaufen ist, Lust auf mehr.

Und was im schlimmsten Fall – und was tut man dann?

Im schlimmsten Fall kann es zu einem emotionalen Absturz kommen. Dann sollte man, statt Schuldzuschreibungen zu machen, liebe schauen, wie man das beim nächsten Mal vermeiden kann, indem man anders fesselt oder achtsamer an die Session herangeht.

Ein anderer – meist als deutlich weniger schlimm erlebter – Fall ist, wenn irgendwas körperlich schiefgelaufen ist. Bei Hautabschürfungen Wunde versorgen. 

Bitte beachten: Bei Taubheit von Gliedmaßen, die länger als ein paar Stunden dauert, bitte den Arzt aufsuchen und ehrlich erzählen, wie es passiert ist.

Gehören Bondage und Achtsamkeit zusammen?

Gute Bondage ist für mich ein Teil von SM (oder BDSM), die nur funktioniert, wenn man sich selbst und dem Partner achtsam gegenüber ist. Auch wenn es vielleicht rauh, derbe und wild gelaufen ist, sollte man immer genau hinspüren. Und schauen, dass auch im Verlaufe der Session, die Einvernehmlichkeit erhalten bleibt.

Infokasten

Matthias T. J. Grimme aka Drachenmann, Autor des SM-Handbuches, des Bondage-Handbuches und des Japan Bondage Handbuches, Mitherausgeber des SM-Magazins Schlagzeilen. Mehr Infos und seiner Webseite Bondage Project  www.bondageproject.com und Schlagzeilen. www.schlagzeilen.com

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Applaus! Aktfotografie von Thomas Leininger

Da sitze ich nichts ahnend am Küchentisch von Stefanie Reeb, die Wellcuisine macht und gerade über ihr neues Buch „Süß & Gesund Weihnachten“ erzählt, als die Haustür ihrer Mallorca Finca aufgeht und ihr Mann hereinkommt. Ein großes Hallo, Gelächter und viel Freude, denn Fotograf Thomas Leininger (mehr dazu hier) steht vor mir. Wir kennen uns aus Berlin, von Partys und langen Nächten, sofort ist der Wein auf dem Tisch und Tommi zeigte seine wunderschöne Aktfotografien „Shades of Colors“. Zart, wahrhaftig, voyeuristisch und sehr sexy finde ich die Werke. Daher will ich sie euch natürlich nicht vorenthalten. Und dazu noch ein Interview, das er Kollegin Michèle Roten darüber gegeben hat.

 

Foto: Thomas Leininger

Aber vorneweg lasse ich erstmal Tommi zu Wort kommen, was er über Happy Vagina denkt: „Als ich das eine oder andere bei dir auf dem Blog gelesen habe, über Dich, deine Geschichte, den Wunsch, sich (wieder) zu spüren, über Tantra, und sich fallen lassen, sich hingeben und dabei seine Lust (im ganzen Körper) neu kennenzulernen, erinnerte mich das sehr an die Shootings mit den Frauen damals, das sich Einlassen und Kennenlernen, an die Hingabe und Selbstliebe, die ich da sah und von der ich im Interview spreche als etwas, das ich „schön“ finde – ein Zustand, ein Moment, eine Art, eine Haltung, wo alle (Menschen) schön (für mich) sind. Es ist ein Moment, und eben auch eine Momentaufnahme von Schönheit, jenseits vom individuellen Aussehen, vom Spezifischen und Konkreten. Unscharf und doch scharf. Nicht vergleichbar. Es ist wie gemalt, ein Bild aus Farben, aus Tönen, ein (stimmiger) Farbklang, ein Ton, vielleicht auch ein Duft. Von dort, wo Form und Wesen sich treffen.

 

Das Interview

Michèle Roten (Das Magazin) im Gespräch mit dem Künstler Thomas Leininger (*1964, lebt und arbeitet in Palma und Berlin)

Es läge eigentlich nahe, sich von Thomas Leiningers Bildern inspirieren zu lassen. Einen Text zu schreiben, der versucht, den eigentümlichen Sog dieser Fotografien einzufangen. Man würde Wörter verwenden wie „tagträumerisch“, „schwerelos“. Konstruktionen wie „leuchtend und licht“. „Unangestrengte Verführung“. „Gnädige Unschärfe“. Aber man könnte auch einfach mal den Künstler zu Wort kommen lassen.

Foto: Thomas Leininger

Michèle Roten: Wenn ich Deine Bilder anschaue, fühle ich mich wie ein Voyeur. Da ist diese Verschwommenheit, als ob mich nur ein Vorhang von den Frauen trennen würde und die Posen, so alltäglich-intim. Und meine Gefühle dabei schwanken zwischen Scham und Freude. Wie hältst Dus mit dem Voyeurismus?

Thomas Leininger: Etwas zu beobachten, das eigentlich nicht für meine Augen bestimmt scheint, ist besonders aufregend. Ich liebe diese beiläufige, leise Art, etwas zu entdecken auch im Alltag.

Wie pervers fühlt es sich eigentlich als Fotograf an, etwas unscharf zu fotografieren? Ist die Kamera doch ein Mittel für grösstmögliche Genauigkeit.

Es ist wunderbar. Die Zeit der neuen Sachlichkeit, der seelenlosen Selbstentblößung und Schamlippen-Diarys in der Fotografie und Kunst langweilte mich. Das ist beeindruckend auf den ersten Blick, doch ohne Bestand und zum anderen hässlich-kalt zur Schau getragene Eitelkeiten einer Ich-bezogenen Spassgesellschaft. Mich interessiert nicht das Konkrete, sondern eine abstrakte, visuelle Figur. Ein traumhafte Verkörperung von erotischen Wünschen. Kein Pink-Shot, keine Ware, kein Fleisch, sondern das Gefühl, die Wahrheit, die Liebe.

Auch meine Empfindung: Deine Fotografien sind eher Vorstellung als Abbildung. Kann man eigentlich sagen: Dir ist die Welt zu scharf? Wünschst Du Dir mehr Verschwommenheit, Uneindeutigkeit im Leben, in der Gesellschaft? Bist du ein Freund des indirekten Wegs?

Ja, größtenteils, zumindest dort, wo der Blick aufs Wesentliche verstellt ist – in den Städten. Zu viele Menschen, zu wenig Platz. Wo es eng ist, fehlt auch im Allgemeinen der Weitblick, die Träume. Nur Begrenzungen, Menschen, Häuser, Gestank und vor allem Lärm. Meine Bilder kämpfen für mehr Schönheit, für Sinnlichkeit, für Ruhe, für Einkehr. Ich male Bilder mit der Kamera, bestimme den Ort, die Zeit, das Outfit und Atmosphäre. Bin still, drücke auf den Auslöser. Und wähle beim Sichten des Materials die zufälligen, alltäglichen Posen aus. Wie das wahre Leben. So sieht’s aus.

Foto: Thomas Leininger

Und die Frauen sehen alle wunderschön aus. So ganz im populär-normativen Sinn: Sie sind schlank, und – soweit man das erkennen kann – sehr hübsch. Warum hast du nur solche Ideale in diesen Reigen aufgenommen?

Die Bilder entsprechen meinen Vorstellungen, meinem Bild von Frau, das ich momentan formal am schönsten finde. Meine Art sie unscharf zu fotografieren, macht diese, ja alle Frauen etwas schlanker als sie tatsächlich sind. Ich seh sie mir sozusagen zurecht, ich mache sie zum Ideal. Ich habe aber auch schon weitaus dickere Frauen so fotografiert – sie gefielen sich dann auch sehr. Der nächste Zyklus, mit dem ich bereits begonnen habe, zeigt kaum wahrnehmbare, dunkle Akte. Sie erzählen, so hoffe ich, mehr von der Nacht, vom Tod. Und zeigen auch ältere Frauen. Und Männer.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem Fotografieren von Frauen und Männern?

Ich finde Frauen spannender als Männer. Männer brauchen meiner Erfahrung nach länger, sich einzulassen, sich zu zeigen, sie schützen sich gerne, sind verunsichert, sind weniger intuitiv und denken viel nach.

Wann ist für Dich eine Frau schön?

Wenn sie bei sich ist. Sich wohl fühlt in ihrer Haut. Wenn sie strahlt. Sich selbst liebt. Wenn sie sich verschenkt. Wenn sie sich hingibt. Hingabe ganz allgemein ist schön. Selbstliebe und Hingabe, ja.

Was treibt dich künstlerisch an?

Es ist immer wie das Leben selbst: Ich bin auf der Suche nach innerer Ruhe, nach vollkommener Zufriedenheit. Am Anfang, beim Fotografieren wie im Leben, steht dabei immer die Aufregung, die erotische Neugier. Sie treibt mich an. Und wenn ich es finde bzw. es mich findet, kommt die Ruhe. Die Ent-Spannung. Das Gefühl, ein gutes Bild gemacht zu haben, ist wie ein stimmiger Klang. Ein Dreiklang aus Form, Farbe und Gefühl.

Was ist ein gutes Bild?
Ein gutes Bild berührt, regt uns auf und/oder macht uns ruhig. Es erzählt vom Leben oder vom Tod.

 

Alle Bilder der „Shades of Color“-Serie von Thomas Leininger sind übrigens von Frauen gekauft worden 🙂

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Macht Solo-Sex dich zur besseren Liebhaberin?

Das wollte Deutschlandfunk Nova unter anderem von mir wissen. Moderatorin Judith Ebert sprach mit mir zum Thema „Liebe deine Vulva“ für den neuen DLF-Podcast „Ab 21“. Dort durfte ich ihr auch noch einige Tipps & Tricks verraten, wie’s mit dem Solo-Sex klappt.

Hier ist der Teaser-Text auf der Website: Na, wann hast du dich das letzte Mal selbst befriedigt? Solo- Sex bei Frauen ist seltener als bei Männern, sie reden weniger darüber und doch können sie so viel dabei lernen: über ihren Körper, über ihre Lust, über ihr Sexleben. Das finden Agi Malach, Sexualpädagogin, Tina Molin, Bloggerin von „Happy Vagina“ und Nina Julie Lepique, Gründern von Femtasy. In diesem Podcast sprechen sie darüber, woher die Scheu vor der Selbstbefriedigung kommt und wie Frau lernt, es sich selbst zu machen.

Lust reinzuhören? Dann findest du hier den Link zum Podcast.

Judith Ebert mich übrigens bereits zu Happy Vagina interviewt. Sie wollte wissen, wie ich nach einem Kaiserschnitt und akuter Lustlosigkeit zur Sex-Bloggerin wurde – und was meine Eltern dazu sagen 😉 Den Mitschnitt von „Eine Stunde Liebe“ findest du hier.

Hier findest du mehr zum Thema Selbstbefiedigung

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Happy Vagina in der NEON: Das sind die häufigsten Fragen an eine Sex-Bloggerin

Hui, da ist man mal im Urlaub und schon entdeckt man einen Artikel über sich und Happy Vagina bei NEON. Yeah!!!!! Aber lest selbst:

Achtsame Sexualität, Weiblichkeit und Spiritualität. Das steht bei Tina Molin und ihrem Blog „Happy Vagina“ ganz weit oben. „Unser Schoß ist nicht bloß die Scheide für den Penis, sondern zu mächtigen Orgasmen fähig – viel größer als die meisten von uns es sich vorstellen können“, heißt es auf der Seite.

NEON wollte von der Bloggerin wissen: Welche Fragen sind für ihre Leser am spannendsten? Die Antworten dürften auch Männer brennend interessieren.

1. Deep Throating kann keiner Frau gefallen, geschweige sie zum Orgasmus bringen, oder? Stichwort: Schilddrüsenorgasmus

Männer stehen drauf, wenn Frauen ihren Penis gaaaanz weit in den Mund nehmen. Dass sie dabei Mega-Lust empfinden, ist klar. Doch auch Frauen können beim Ultra-Blow-Job einen Orgasmus (Wissenswertes über Orgasmen auch hier) haben. Das sagt zumindest Silja Rehfeldt, die in Berlin als „Integral Transpersonal Sexology and Tantric Science“-Dozentin an der Rasayana Tantra Academy tätig ist. Verantwortlich dafür ist die Schilddrüse. Diese erogene Zone ist noch völlig unbekannt und unerforscht.

„Wie jede Drüse ist auch die Schilddrüse orgastisch“, erklärt Rehfeldt. Wenn der Penis nur weit genug in den Mund aufgenommen wird, wird sie angeregt. Diese Orgasmusart passiert übrigens auch beim Full-Body-Orgasmus. Danach erlebt man eine völlig neue Weite und Lockerheit im Hals. Die Expertin verrät: „Bei sehr starker Erregung kann es sogar zur Ejakulation kommen, bei der eine milchige Flüssigkeit abgesondert wird.“

Wie bei allen sexuellen Spielarten gilt aber: Alles kann, nichts muss. Also wenn du keine Lust auf Deep Throating hast, lass es.

2. Mich stört meine Lustlosigkeit – und meinen Freund auch. Was kann ich dagegen tun?

Den ganzen Artikel bei NEON.de könnt ihr hier lesen.

Mehr über Deep Throating und den Schilddrüsenorgasmus findest du hier

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Salon Mondaine: Wann empfindet ihr Lust?

Ich hatte die große Ehre den Salon Mondaine (hier unser Text über das powervolle Frauennetzwerk) zu moderieren. Der Frauen-Salon von Yasmine Orth findet regelmäßig an ungewöhnlichen Orten in Berlin statt. So ungewöhnlich wie die Orte ist auch das Konzept: Spiritualität meets Business. Am Ende des Abends war ich völlig geflasht. 120 Frauen öffneten ihr Herz, stärkten sich gegenseitig, lachten gemeinsam und ein etwas Magisches entstand. Ich ging so genährt nach Hause, weil ich meine Moderation tatsächlich nicht wie Arbeit, sondern wie Vergnügen empfunden hatte. Und eine Ahnung von meinem Wunsch bekam: Ein Leben zu führen, von dem ich keinen Urlaub brauche :))))

Hier noch die Zusammenfassung des Abends zum Thema LUST
„Bei was empfindet ihr Lust?“

fragte Moderatorin Tina Molin gleich zu Beginn des 22. Salon Mondaine in Berlin. Die Reaktion im Raum: ein schamhaftes Kichern. Denn bei dem Thema Lust denken alle natürlich direkt an Sex. Und darüber trauen sich die wenigsten, öffentlich zu sprechen. Dabei sollte es bei diesem Salon Mondaine  nicht nur um die körperliche, sondern, um die Lust im Allgemeinen gehen. Um Yoga, Kochen, mit den Händen in der Erde wühlen, eben um all das, bei dem wir Lust empfinden.

Lust: ein Schnurren im Bauch

Doch bei was empfinden wir Lust? Und wo genau ist sie zu spüren? Das sollte das zentrale Thema dieses Abends werden. Denn über eines waren sich die beiden Speakerinnen des Abends, die Künstlerin Stephanie Bothor und Alexandra Schwarz-Schilling, die Autorin und Gründerin der Coaching Spirale einig: Lust ist ein Bauchgefühl. Etwas, das wir ganz tief und deutlich im Unterleib spüren und das Bothor so treffend wie ein „Schnurren“ beschrieb, das sich bei ihr immer einstelle, wenn sie sich auf dem richtigen Weg befände. Ein Gefühl, das wir alle kennen und ebenso wie unsere Lust leider nur allzu gern ignorieren. Lachend, erzählt Bothor, wie sie sein Jahr lang das Experiment wagte und die freie Liebe lebte. Und wie überrascht sie davon war, wie viel Organisation damit verbunden ist. Eine Erfahrung, die wie man dem Gemurmel im Publikum entnehmen konnte, sie wohl nicht als Einzige machte. Am Ende sei ihr vor allem eins klar gewesen: dass bei ihr die körperliche Lust an zweiter Stelle, hinter ihrer Lust an der Kunst stehe. Auch wenn bei ihr, die immer gerne mit einer Hand in der Hose dasitzt, der Bauch ansonsten immer die Richtung angebe.

Stephanie Bothor bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22

Der weibliche Schoß als Zentrum der Lust

Eine Seltenheit, wie Schwarz-Schilling feststellt. Denn durch das jahrhundertelang währende Patriarchat seien wir Frauen, von unserem Unterleib gekappt worden (Unsere Texte über LUST findest du hier, hier und hier) . Und schon waren alle mittendrin in einem Gespräch über ein Thema, um das es immer wieder geht: die Missverständnisse zwischen Mann und Frau und der Frage, wie wir sie lösen können. Psychologin Schwarz-Schilling, die sich eigentlich vor allem als Anthropologin sieht, macht für diesen Konflikt vor Allem das Patriarchat verantwortlich.

Seit Jahrhundert würde Frauen eingeredet werden, dass ihre Sexualität etwas Anrüchiges ist. Obwohl es bei der Einführung der monogamen Ehe zunächst nur darum gegangen wäre, die „Frauen davon abzuhalten, mehrere Liebhaber zu haben, um die männliche Erblinie durchzuführen.“ Diese moralische Verurteilung der weiblichen Lust hätte dazu geführt, dass die Frauen um ihr Zentrum der Lust, den Schoß, einen Panzer gebaut hätten, der sie nun daran hindere, ihr volles weibliches Potenzial auszuschöpfen.

Alexandra Schwarz-Schilling bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22

Männliche Erektionsexplosion knallt auf weibliche Gefühlsexplosion

Doch auch bei den Männern sähe es nicht besser aus, so Schwarz-Schilling. Denn die Männer, das vermeintlich starke Geschlecht, hätten sich im Gegenzug dafür nach und nach von ihrem Herzen und ihren Gefühlen getrennt. Weshalb die männliche Erektionsexplosion jetzt immer wieder ordentlich gegen die weibliche Gefühlsexplosion knalle und erst wenn beide Geschlechter es wagen würden, ihren Panzer zu spreng, könnten sie wieder miteinander im Einklang leben.

Der weibliche Schoß: Ein Ort der Wärme und Geborgenheit

Damit wir Frauen an diesem Abend auch gleich damit beginnen, führte Annette Söhnlein, Yogalehrerin und Gründungs- und Vorstandsmitglied der „Förderinitiative The Lovers e.V.“ alle Anwesenden durch eine Schoßmediation. Und als am Ende alle, gemeinsam mit der zauberhaften Sängerin Ilhem, einen vokalen Kanon anstimmten, konnte man spüren, welches weibliches Potenzial in diesem Raum steckt und, dass an diesem Abend einige der Unterleibspanzer zumindest schon einmal einen ordentlichen Riss bekommen haben.

Mehr Fotos (Darshana) und Text (Bettina) findet ihr unter 22. Salon Mondaine

Annette Söhnlein bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22