Der Skirt Club hat sich neu erfunden. Aus den zahlreichen Skandalen der Anfangszeit hat die internationale Sexparty für Bi und heteroflexible Frauen gelernt und sorgt nun für Sicherheit, Transparenz, Diversität und viel Lust. Ein Interview mit Community Managerin Susie.

Warum eine Sexparty nur für Frauen?

Liebe Susie, einfach mal mit Frauen rummachen, davon träumen viele Frauen. Wie ist die Idee von Skirt Club entstanden?

Genevieve LeJeune (44) hat den Skirt Club 2014 in London gegründet. Die Idee kam ihr, als sie mit ihrem damaligen Freund auf einer Sexparty war (es war ein Geschenk an ihn). Ihr ist aufgefallen, dass sich Frauen, wenn sie von Männern umgeben sind, anders verhalten. Sie hatte den Eindruck, sie wollten den Männern gefallen und erfüllten dann im schlechtesten Fall die wilde Fantasie eines Mannes, anstatt ihre eigenen Bedürfnisse und ihre eigene Sexualität auszuprobieren. 

Daher wolltet ihr mit dem Skirt Club einen Raum nur für Frauen schaffen?

Wir sind eine Community und Plattform für Bisexuelle, aber auch Bi-neugierige, Frauen. Bei uns treffen Gleichgesinnte an einem sicheren Ort aufeinander und können sich ohne Vorurteile oder Scham ausprobieren. In mehr als 50 Städten bieten wir unsere Partys an. Von Pilates Retreat in Spanien, unsere jährliche Party in Ibiza, Aktkurse in London bis zu unseren berühmten Signature Parties, sind wir stolz auf die Vielfalt unserer Events und Angebote. 

Einstieg für Bi-Neugierige

Für viele Frauen ist das bestimmt spannend, aber auch eine ganz schöne Herausforderung.

Deshalb haben wir in allen Städten von London, New York, Los Angeles, Sydney und Berlin sogenannte Ambassadors. Man kann die Ambassadors bei allen Fragen auf der Webpage oder Instagram anschreiben. Und um die Einstiegshürde noch niedriger zu machen: Wer erstmal unverbindlich den Skirt Club kennen lernen möchte, kann ein „Mini Skirt Event“ besuchen. Hier können sich Frauen in entspannter Atmosphäre austauschen – ganz ohne sexuelle Aktivitäten. 

Die meisten Frauen sind mit Männern liiert und leben ihre bisexuellen Fantasien bei euch aus. Können diese Frauen nicht offen zu ihrer Bisexualität stehen?

Das ist eine gute Frage. Ich persönlich finde das schwierig. Bisexualität hat bis heute kaum einen Stellenwert in der Gesellschaft. Ich kann das nur aus meiner persönlichen Perspektive beantworten: Sich zu bekennen, birgt das Risiko, übersexualisiert zu werden. Bloß weil man tendenziell auch Frauen attraktiv findet, möchte man nicht jederzeit mit jedem Sex haben. Hier muss sich was gesellschaftlich ändern und der Skirt Club trägt dazu bei: Wir klären auf und möchten das B in LGBTQIA+ sichtbar machen.

„Wir machen das B in LGBTQIA+ sichtbar“

Susie, Skirt Club

So läuft die Sexparty für Frauen ab

Ich stelle es mir nicht leicht vor, locker zu werden. Erzähl mal, wie so ein Abend aussieht… Von Flaschendrehen bis Orgie?

Wir sorgen für eine Wohlfühlatmosphäre. Ein perfekter Abend könnte so aussehen: Du wirst von der Gastgeberin und dem Team begrüßt. Wer neu ist, bekommt einen Schlüssel als Symbol. Das ist schon mal der erste Ice Breaker, um ins Gespräch zu kommen. Das Team und ich lassen Neulinge nie alleine stehen.

Eigentlich ist es am Anfang wie eine ungezwungene Netzwerkparty. Mit dem Unterschied, dass keine Männer anwesend sind. Zusätzlich gibt es tolle und aufregende Mottos (Dresscodes), was dazu führt, dass die Frauen immer elegant, gepflegt und gut gekleidet kommen.

Wenn alle da sind, begrüßt uns der Party Host nochmal in großer Runde und es gibt eine Performance. Das kann zum Beispiel eine Burlesque Show sein. Wir legen großen Wert darauf, dass alles sehr hochwertig ist. Wir sind keine reine Sexparty, sondern eine große Community aus wundervollen Frauen. Einige kommen sogar extra angereist. Unsere Teammitglieder bieten oft Spiele wie frivoles Flaschendrehen an, damit die Frauen sich besser kennenlernen können. Es geht meistens ziemlich schnell, dass sich hier Paare oder auch mehrere Frauen zusammenfinden. 

Es ist aber kein Druck. Du kannst den Abend auch genießen und einfach dabei sein. Alles kann, nichts muss.

Weibliche Sexualität als Empowerment

Was überrascht dich bei den Partys am meisten?

Tatsächlich bin ich selber immer wieder erstaunt, wie überraschend einfach die meisten Frauen locker werden. Sie haben Spaß und fühlen sich wohl. Es ist magisch, wenn Frauen ihren Gefühlen nachgehen und andere dafür nicht verurteilt werden. Der Skirt Club ermöglicht diese einzigartigen Erfahrungen.

Was viele total unterschätzen, ist die Auswirkung davon. Wenn man es schafft, sich um sich selber zu kümmern und ein tolles Erlebnis zu kreieren, passiert Magie. Dieses Empowerment fehlt Frauen noch so sehr. Wir leben viel zu sehr in einer männerdominierten Sexualität. Es stärkt das Selbstvertrauen der Frauen in allen Bereichen – nicht nur bei sexuellen Begegnungen. 

Wie bewirbt man beim Skirt Club?

Ihr habt in den letzten acht Jahren einen ziemlichen Imagewandel bei der Bewerbung vollzogen. Von sehr restriktiv zu … 

Wir sind „inclusive und body positive“. Du bewirbst dich einfach über die Webseite, auch mit einem Profilfoto, dadurch entsteht in der Community Seriosität und Commitment. 

Früher gab es eine Altersgrenze bis 40 Jahren.

Das ist ein Relikt aus alter Zeit. Frauen können in jedem Alter sexy und sexuell attraktiv sein. Wir ermutigen alle Frauen 18+ sich beim Skirt Club zu bewerben. 

Was hat sich noch verändert? 

Unser Community-Management wächst stetig! Es gibt in allen Städten, in denen es Events gibt, Ambassadors. Man findet uns u. a. auf Instagram, wenn man nach #skirtclub sucht. Wir sind echt und ansprechbar. Inzwischen veranstalten wir sehr regelmäßige Online Calls, sogenannte Orientation Calls, um uns gegenseitig kennenzulernen. Wer mutig ist, wird hier belohnt.

Was war dein persönlich schönstes Erlebnis bei einem Skirt Club?

Für mich ist es definitiv Sex mit vielen Frauen gleichzeitig. Dabei steht nicht die Orgasmusjagd im Vordergrund, sondern eher die zärtliche Berührung untereinander. Ach ja, und es kann auch einfach im Bett gelacht werden!

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