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De-Armouring: „Mit Tantra können wir Traumata bearbeiten”

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie über Tantra Body De-Armouring. Mit dieser Methode sollen Traumata, Blockaden und Verspannungen im Schoßraum gelöst werden – was das Liebesleben (aber auch den Alltag) beflügeln soll. 

Das ist der zweite Teil einer Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. In Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Du hast eine Tantra-Ausbildung aber auch viele Workshops von Thai-Massage, Sexualogical Bodywork, bis Ganzkörperorgasmus gemacht. Womit beschäftigst Du Dich gerade?

Gerade die De-Amouring-Technik von der „Awakening within”-Foundation fasziniert mich. Es ist eine Mischung aus Energiearbeit und Tiefengewebsmassage, um physische und emotionale Spannungen zu lösen. Alte Emotionen, die teilweise von Generation zu Generation weitergegeben werden, können so befriedet werden.

Welche Arten von Panzerungen meinst Du genau?

Ein Panzer ist das Resultat der erstarrten Lebensgeschichte eines Menschen. Der Begriff wurde von Wilhelm Reich, einem Psychoanalytiker und Sexualforscher, eingeführt. Körperpanzer sind erlernte unbewusste muskuläre Spannungen, die aufgrund negativer Erfahrungen und negativer Gedanken entstehen.

Was bedeutet das für die weibliche Sexualität?

Die Vagina ist ein großer Muskel und Emotionen werden in der Muskulatur gespeichert. Immer wenn wir etwas erleben, das uns emotional überfordert, spannen wir bestimmte Muskel an – je nachdem welche Emotion es ist. Über die Jahre wird daraus ein Muster. Und weil die Vagina ein Muskel ist, werden Muster auch dort gespeichert. Alles, was unsere Mütter und Großmütter Schreckliches erlebt haben, haben sie in ihren Körper gespeichert. Also alle Kriegstrauma wie Todesangst, Vergewaltigung, Gewalt oder Hunger wurden gespeichert und an uns weitergegeben.

Fühlen Deiner Meinung nach deshalb so viel Frauen nichts in Ihrem Schoß?

Das könnte eine Erklärung sein, warum so viele Vaginen taub und unempfindlich sind. Warum so viele Frauen ihren Körper und sich selbst hassen. Mit Tantra können wir die persönlichen Traumata bearbeiten, aber auch die unserer Mütter und Großmütter, die an uns weitergegeben wurden.

Wie sieht diese Heilarbeit aus?

Wie gesagt, ich finde Tantric Body De-Amouring dafür großartig. Damit entpanzert man den Körper. Das ist intuitive Körperarbeit, bei der man verschiedene Reflexpunkte am Körper, aber auch in der Vagina drücken kann und mit sehr viel Aufmerksamkeit und Bewusstsein von mir und mit Hilfe der Frau (durch atmen und tönen), kann man diese Blockaden lösen. Das kann sehr kraftvoll sein und man kann damit Emotionen von Generationen lösen.

Was passiert, wenn die Yoni entpanzert wird?

Das Kraftzentrum der Frau ist der Gebärmutterhals. Hier liegt ihre Energiequelle, da der Muttermund energetisch mit dem Herzen verbunden ist. Eine Entpanzerung des Muttermundes ist ein sehr intensives Erleben. Und auch ein Orgasmus am Muttermund ist ein großartiges Erlebnis. Zum Verständnis: Es gibt einen Nerv an der Klitoris, der mit unserem Hirn verbunden ist. Es gibt aber drei (manche Wissenschaftler*innen sprechen sogar von vier) Nerven, die unseren Muttermund mit dem Gehirn verbinden. Diese Orgasmen sind viel intensiver, viel lustvoller, aber davor muss man erst die alten Spannungen loswerden.

Was können Frauen selbst tun, um in besseren Kontakt mit Ihrer Yoni zu kommen?

Man muss wieder eine sexuelle Beziehung mit sich selbst aufbauen. Wie fühlt es sich an den Körper zu berühren und was fühlt man dabei wirklich? Nicht, was man fühlen will oder soll, ist entscheidend, sondern was man wirklich fühlt! Es kann auch Ärger und Enttäuschung spürbar werden und das muss man dann akzeptieren. Um mit sich selbst in Kontakt zu kommen, sind drei Dinge wichtig: Atem, Bewegung und Töne.

Wieso Atem?

Wenn wir tief in den Bauch atmen, spüren wir mehr. Die meisten Menschen haben einen flachen Atem, der nur in die Brust geht. Wenn wir aber tief in den Bauch atmen, dann verbinden wir uns mit unserer Sexualität und aktivieren den Energiekörper.

Wieso Bewegung?

Bewegung macht einen nicht nur locker, sondern bringt einen auch in den physischen Körper hinein. Wir sind sehr im Kopf, aber wenn man im Bett etwa mal die Füße anzieht, die Arme hebt, das Becken kreisen lässt, sich streckt, dann kommen wir wieder in den Körper zurück.

Und wofür ist das Tönen gut?

Damit ist nichts anderes als Stöhnen gemeint. Das hat man uns oft schon von klein auf abtrainiert, dabei verbindet uns das Tönen mit unserem emotionalen Körper und das steigert die Lust. Dadurch bringt man das Gewebe zum Vibrieren und die Energie fließt dadurch besser. Durch das Tönen können plötzlich beim Sex auch Emotionen hochkommen. Man fängt an zu weinen oder zu lachen oder hat einen Orgasmus zu. Die drei Schlüssel zum Orgasmus sind der Energiekörper, der physische und der emotionale Körper.

Wie verändert Tantra und erfüllter Sex Deine Klientinnen?

Es verändert alles. Frauen, die sich spüren und mit sich sind, haben andere Beziehungen. Sie öffnen sich mehr, sind glücklicher und der Mann und die Kinder spüren das auch. Wenn wir die sexuelle Energie nutzen, um mehr Freude in unser Leben zu bringen, dann sind problematische Dinge, gar nicht mehr so schlimm, wir reagieren dann nicht mehr zickig, sondern freundlich.

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Tantramassage: „Einmal nicht zu müssen”

Tantramassage Entspannung

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie, warum gerade Frauen von der Tantramassage profitieren. Warum es so heilsam ist, die Yoni (so nennt sie die Vagina/Vulva) absichtslos berührt und warum auch Männer es genießen, mal nicht zu müssen.

Das ist der Auftakt ein Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. In Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie viel Ahnung hattest Du von Tantra, als Du beim Berliner Tantramassage-Institut „Kashima“ angefangen hast? 

Meine erste Assoziation war „Kamasutra“ (lacht). Aber schon bei den ersten Sessions habe ich gemerkt: Es geht um Respekt und um langsame schöne Berührungen. Es hat mich sehr fasziniert und ich habe sofort die Anziehung dieser Tätigkeit gespürt.

Was fasziniert Dich genau an der Tantramassage?

Wenn wir das Begrüßungsritual machen und uns in die Augen schauen, dann sehe ich so viel Unsicherheit und Verletzlichkeit. Meine Klientel in diese tiefe Hingabe, Intimität und Verletzlichkeit zu führen, das war und ist für mich eine große Ehre und ist für mich sehr berührend, dass sich die Menschen bei mir so öffnen.

Aleksandra Veronika

Aleksandra Veronika ist Energieheilerin und Coach für tantrische Sexualität. Sie arbeitet seit über zehn Jahren mit tantrischer sexueller Körperarbeit. Dabei lässt sie sich von folgenden Methoden inspirieren: Tantric full body orgasm und Tantric Body De-Armouring nach der „Awakening within“-Foundation, Beziehungsdynamnische Sexualtherapie und Sexological Bodyworker. Aleksandra Veronikas Webseite

Für viele Frauen ist die Vorstellung, an der Vulva oder sogar in der Vagina berührt zu werden, komisch. Wie gehst Du darauf ein?

Wenn eine Frau noch nicht viel gemacht hat, dann fangen wir ganz langsam an. Ich war 25 Jahre alt, als ich das erste Mal meine Vagina angeguckt habe. Ich hatte das nie vorher gemacht! Zu Beginn gibt es Übungen wie diese, mit denen man anfangen kann. Doch die meisten Frauen, die zu mir kommen, haben sich bereits entschieden und sind neugierig darauf, intim berührt zu werden. Wenn doch spontan Scham aufkommt, dann erzähle ich von meiner Absichtslosigkeit und manchmal halte ich auch nur die Yoni (ohne Bewegung). Auch das kann schon sehr intensive Gefühle hervorrufen.

Bei der Tantramassage: bis hierher und nicht weiter

Wer entscheidet, wie weit Du gehst?

Die Frau hat immer die Macht. Ich will nicht verantwortlich sein für die Erfahrung der Frau. Das klingt jetzt erst einmal krass, aber das lehre ich in meinen Sessions: Du bist verantwortlich für Deine Erfahrungen! Für viele Menschen ist das überraschend, aber das ist der Kern von „Empowerment“. Wenn eine Frau entscheidet, bis hierher und nicht weiter, dann hat sie viel gelernt. Dieses Wissen und diese Entschlussfähigkeit wird sie in ihrer Sexualität weiterbringen.

Warum fragst Du, ob Du mit dem Finger die Yoni berühren oder gar eindringen darfst?

Das mache ich immer. Denn mir ist damals selbst aufgefallen, dass mich nie jemand gefragt hat: Darf ich rein? In der Sexualität geht der Mann oft einfach rein, obwohl man noch nicht bereit ist. Dann denkt man, ob der Mann einen ablehnt, wenn man jetzt nicht einwilligt. Die Frau ist dann mit ihren Gedanken beim Mann und nicht bei sich, was sie gerade will und braucht. Diese Verantwortung für sich selber, müssen Frauen wieder lernen. Sex fängt bei sich selber an und wenn man bei sich ist, dann kann man guten Sex mit anderen haben.

Wie ist das mit Dir? Wie ziehst Du Grenzen? Auch vor unerwünschter Intimität seitens der Klient*innen?

Anfangs ist es tatsächlich passiert und ich wurde von Männern gefragt, ob sie mich bei einer Session anfassen dürfen. Das war eine wunderbare Möglichkeit zu üben, wie ich Grenzen setze. Ich sage dann klar, dass ich etwas anderes anbiete und wenn man diesen Rahmen nicht versteht, muss man woanders hingehen. Nicht nur der/die Kund*in kann in der Session nein sagen, auch ich kann das. Ich kann auch sagen: „Dich will ich nicht massieren, Du bist noch nicht so weit“. Und ich sage das nicht leise und zögerlich, sondern laut und deutlich. Nachdem ich das gelernt hatte, kamen kaum noch Fragen. Man spürt inzwischen, dass das nicht geht. Aber es gibt da auch viele Vorurteile.

Männer sind froh, die Verantwortung abzugeben

Was meinst Du damit?

Viele Männer wollen mich gar nicht berühren. Viele sind froh, die Verantwortung übergeben zu können und mal nichts machen zu müssen, denn viele Männer fühlen sich verantwortlich für den weiblichen Orgasmus. Männer kommen und sagen, dass sie in zwanzig Ehejahren nie von ihrer Frau gestreichelt wurden, die wollen Berührungen und sich fallen lassen. Bei mir lernen sie aber auch, total geil zu sein und trotzdem präsent zu bleiben. Die wahnsinnige Kraft zu spüren und doch geerdet zu bleiben.

Wie sehr ist bei der Tantramassage absichtsloses Berühren ein Thema?

Das ist der Hauptfokus der Frauen, die zu mir kommen. Viele Frauen sind noch nie absichtslos berührt worden. Da wird die Yoni berührt, damit sie feucht wird, damit sie geil wird, damit es zum Sex kommt. Ich berühre die Yoni jedoch genauso wie ich den Oberarm oder die Kniekehle berühre – völlig absichtslos. Als ganz normales Körperteil, das erst einmal nichts muss. Viele Frauen bewegt das zutiefst, manche weinen sogar, weil sie noch nie so berührt wurden. Viele Männer übrigens auch.

Männer empfinden es genauso?

Frauen gehen auch sofort auf den Penis. Der muss funktionieren, muss eine Erektion haben, soll schnell kommen oder langsam. Männer genießen das genauso, einmal nicht zu müssen.

Ich fixe und repariere nichts bei der intimen Massage

Was geht bei einer Tantramassage-Session gar nicht?

Manche kommen, legen sich hin und sagen: Mach mal! Die sind jedoch am falschen Ort, denn ich „tue“ nichts, sondern ich unterstütze meine Klienten bei ihrer Erfahrung. Ich fixe oder repariere auch nichts, ich kann aber Unterstützung beim eigenen Reparieren und Fixen geben.

Man kann sich nicht ausklinken, genießen – und einschlafen?

Beim Coaching muss man immer tief atmen, stöhnen, darf nicht mit den Gedanken abdriften und einschlafen. Denn wenn ich alleine für die schöne Erfahrung sorge, dann muss die/der Klient*in doch immer wieder kommen, um sich diese schöne Erfahrung bei mir abzuholen? Meine Arbeit ist aber, dass die Menschen nach ein paar Sessions nicht mehr zu mir kommen müssen, weil sie selbst gelernt haben, wie es geht. Das ist Empowerment, das ist es, was ich den Menschen schenken möchte.

Was denkst Du über die Begriffe „Sexarbeiterin“, „bedienen müssen“ und „bezahlt werden“?

Ich verstehe das nicht. Für mich passiert in den Sessions etwas ganz anderes, als sich die meisten vorstellen. Kunden sehen etwa Farben oder Muster, wenn sie höhere Bewusstseinsebenen erlangen. Wir bezahlen für so viel, doch ich frage mich: Was gibt Dir das? Und wie bringt Dich das weiter? Ich möchte lieber für tolle sexuelle Erfahrungen zahlen, statt saufen zu gehen. Ich verstehe nicht, wieso das gesellschaftlich akzeptiert wird, doch so eine wundervolle Erfahrung wird so schambesetzt?

Mehr Interviews mit Aleksandra Veronika:

Teil 2: Tantra und De-Armouring

Teil 3: Unterschiedliche Orgasmusarten

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Dank Tantramassage zu mehr Spiritualität

Seit der Geburt unseres Kindes ist unser Liebesleben erloschen. Meine Lust auf Zweisamkeit tendiert gen Null und meine Libido scheint „auf unbekannt“ verzogen zu sein. Eine Tantra-Massage soll mein Verlangen neu entfachen – und wird zu einer ganz besonderen Erfahrung. 

Was für ein Geburtstagsgeschenk. Ein Tantra Massage Kurs über zwei Stunden. Mein Mann versteht es mich zu überraschen. Und um ehrlich zu sein auch mich zu überfordern. Zum einen klingt eine Intimmassage verlockend. Ich finde es reizvoll mal einen Profi zu erleben. Nicht jemand, der Befriedigung quasi DIY-mäßig erlernt hat, sondern einen „Sexual Body Worker“, der Sexualität quasi studiert hat. Andererseits ist es mir als Frau fremd für meine Befriedigung zu bezahlen, schließlich stehen bei uns Besuche im Bordell, bei einer Hure oder das „Happy Finish“ bei einer Massage nicht gerade auf der Tagesordnung.

Monatelang liegt der Gutschein also auf meinem Schreibtisch, bis ich genug Mut gesammelt habe und bei Kashima anrufe. „Du solltest mehr Zeit buchen“, rät mir der Mann sofort. Zwei Stunden erscheinen ihm zu wenig. Ich hatte das Tantra Massage Institut in Westberlin ausgewählt, weil es die edelste Webseite hat. Ich wollte keinen Räucherstäbchen, Buddha Figuren und Klangschalenmusik haben, während mir jemand die Klitoris massiert. „Frauen brauchen länger um locker zu werden“, erklärte er mir weiter. Er empfiehlt mir drei Stunden. Ich buche schließlich 2,5 Stunden. Für 220 Euro! Da überlegt man sich jede halbe Stunde.

Die Tantramasseurin zieht sich aus

Ich klingle und eine wunderschöne Frau in einem schwarzen Negligé öffnet mir. Sie führt mich den Flur einer imposanten Altbauwohnung mit Stuck und Flügeltüren entlang, in einem Salon mit Kamin nimmt sie mir mit langsamen Bewegungen meinen Mantel ab und reicht mir Pantoffel. So anmutig wie eine Geisha, denke ich.

Anschließend findet in unserem Zimmer neben einer Kingsize-Matratze das Vorgespräch statt. Warum ich hier bin? Was ich mir erwarte? Ob ich auch intim berührt werden möchte? Aleksandra Veronika (https://www.loving.guide) erklärt mir, dass ich nur so weit gehen soll, wie es sich für mich gut anfühlt. „Gehe verantwortungsvoll mit dir um“, sagt sie. Nach dem Ausziehen und Duschen, stehe ich nur mit einem Tuch bekleidet zitternd auf der Matratze. Will ich das wirklich, frage ich mich. Zu meinem Erstaunen zieht sich die Masseurin ebenfalls aus. Was folgt ist eine mal behutsame, mal kraftvolle Massage. Sie streicht meine Beine und Arme aus, streichelt meinen Bauch, die Innenschenkel und knetet meine Ohrmuscheln. Da drin bin ich tatsächlich noch nie berührt worden, denke ich. Alles ist sehr sinnlich, sanft und entspannend. Mal haucht sie mir über die Haut, mal spüre ich ihre Brustwarze auf meinem Oberarm und meine Hand liegt unentwegt auf ihrem weichen Oberschenkel.

Kein Orgasmus ist auch okay

„Atme nun in deinen Bauch und stöhne beim Ausatmen“, sagt sie. „Das verbindet dich mit deinem inneren Körper“. Brav befolge ich die Anweisung und muss fast lachen. Stöhnen ohne Erregung fühlt sich komisch an. Was die im Nachbarzimmer wohl denken? Plötzlich streicht sie sanft über meine Kaiserschnittnarbe – ich breche in Tränen aus. Spüre das Skalpell und die Schmerzen wieder. Ich weine lange und mir wird der Raum dafür gelassen. Nachdem ich mich gesammelt habe, soll ich wieder stöhnen, denn nun ist meine Yoni, wie sie die Vagina nennt, dran.

Ganz vorsichtig streicht sie über die Schamlippen. Sie liebkost sie mit genauso viel Hingabe wie vorhin meine Ohren oder meinen Arm. Die Vulva fühlt sich zum ersten Mal in meinem Leben wie ein ganz normaler Körperteil an. Kein Wunsch steckt dahinter, dass ich jetzt erregt werden, feucht werden oder kommen soll. Das nimmt den Druck und entspannt mich noch mehr. Ich komme. Das Universum öffnet sich. Licht umspült mich. Ich stehe zwischen den Sternen, schaue in die Unendlichkeit und staune. Meine Zeit ist um. „Ich hätte doch drei Stunden nehmen sollen“, keuche ich grinsend.

Es gibt noch mehr als Rein-Raus

Sie setzt sich zu mir, nimmt sich Zeit für ein Nachgespräch. „Der Gebärmutterhals ist das Kraftzentrum der Frau“, erklärt sie. Der Kaiserschnitt geht da genau drüber und hat mich von meiner Lebensenergie abgetrennt. Sie erklärt auch, dass die Gebärmutter ein Muskel ist und daher Traumata speichern kann. „Daher ist sie oft traumatisiert und die Frauen empfinden nicht viel“. Denn eigentlich braucht es gar nicht viel Reibung für einen Orgasmus, sondern eher Entspannung.

Was ich von der Tantramassage mitnehme

Ich habe tatsächlich mehr Energie und auch meine Lust ist wieder da. Aber vor allem bin ich noch Tage später völlig geflasht. Nicht von dem Orgasmus, sondern von dem Gefühl danach. Dem Licht, den Sternen, dem Gefühl der Ewigkeit. Ich habe Sex nur als klitzekleinen Teil einer viel größeren Kraft erfahren. Als ob die Yoni nicht nur Orgasmen schenkt, sondern das Tor zum Universum, zu Gott wäre. Klingt schrecklich abgedroschen, aber es hat mich neugierig auf mehr gemacht.

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