Es gibt Nachholbedarf in Bezug auf die Anatomie der weiblichen Genitalien. Unwissenheit, aber vor allem Benennungsschwierigkeiten (wie viele Kosenamen für die Muschi gibt es eigentlich?) scheinen weit verbreitet. Also schnappte ich mir ein Anatomie-Buch und einen Spiegel und schaute mir zwischen die Beine.

Bereits die Bezeichnung „Vagina“ wird in den meisten Fällen nicht korrekt verwendet. Viele nehmen an, die Vagina beschreibe das Gesamtpaket der weiblichen Geschlechtsteile, dabei handelt es sich bei der Vagina ausschließlich um den inneren, nicht sichtbaren Teil (10). Der äußere Bereich wird Vulva genannt.

Äußere Anatomie

Die äußere Anatomie umfasst den Venushügel (dort wachsen die meisten Haare), die großen und kleinen Schamlippen (labia majora, 1 und labia minora, 3), die Klitoris (clitoris, 2), die Harnröhre (urethra, 10) sowie Damm und Anus (perineum, anus).

Die Schamlippen – oder sollten wir Venuslippen sagen? – umschließen den Scheidenvorhof und verbergen und schützen somit die Vagina. An der oberen Falte der kleinen Venuslippen liegt die Klitoris mit der Klitorisvorhaut (praeputium clitoridis, 4), ein Schwellkörper mit über 8000 Nervenenden und der berühungsempfindlichste Teil. Die Penisspitze hat im Vergleich dazu „nur“ um die 4000 Nervenenden.

System of Gynecology

Die sichtbare Klitoris ist im wahrsten Sinne des Wortes nur die Spitze (glans clitoridis) – die Schwellkörper (bulbus vestibuli) und die bis zu 9 cm langen Klitorischenkel (crus clitoridis) liegen tief im Körper und seitlich in den großen Venuslippen. Bei Erregung schwillt das ganze Gewebe an, wie der Penis eines Mannes.
Und doch konnte erst 1998 die Anatomie der Klitoris vollständig erforscht werden. Der australischen Urologin Helen O’Connell haben wir es zu verdanken, das die Klitoris nicht mehr als „kleine Erbse“ beschrieben wird. Von wegen Penisneid. Vor Kurzem wurde ein 3D-Modell der Klitoris veröffentlicht, welches die Klitoris in all ihrer komplexen Schönheit und Größe zeigt.

Innere Anatomie

Zu der inneren Anatomie gehört neben der Vagina auch der Muttermund (cervix), die Gebärmutter (uterus), sowie die Eileiter (tuba uterina) und Eierstöcke (ovar). Die Vagina ist bis zu 10 cm tief und besteht aus dehnbaren Muskelfasern. Sie verbindet die äußeren Geschlechtsorgane mit dem Uterus, sie nimmt den Penis auf, sie lässt das Menstruationsblut abfließen und dient als Geburtskanal. Der rosige Schleimhautkranz, der sozusagen am Eingang der Scheide zu erkennen ist, wird Hymen genannt (6). Die Bezeichnung „Jungfernhäutchen“ ist irreführend: Es handelt sich nicht um ein den Scheideneingang verschließendes Häutchen, sondern vielmehr eine ringförmige Schleimhautfalte, die bei Dehnung (durch Sport, Sex, Einführen eines Tampons…) verletzt werden kann (aber nicht muss).

Die nach einem Mann (dem Frauenarzt Ernst Gräfenberg) benannte G-Zone ist die leicht geriffelte Partie an der oberen, dem Bauchnabel zugewandten Scheidenwand, etwas hinter der Harnröhre. Das Gewebe ist schwammartig aufgebaut und durch viele Nervenenden leicht stimulierbar. Neuere Studien belegen auch die Stimulierbarkeit des Cervix. An dem donut-förmigen Muttermund kommen wichtige Nervenstränge des zentralen Nervensystems zusammen, möglicherweise liegt also hier das Lustzentrum der Frau.

Die Komplexität der weibliche Sexualität lässt sich nicht leugnen. Ein grundlegendes Verständis davon, wie unsere  weiblichen Körper aufgebaut sind, ist aber sicher von Vorteil. Und ebenso wichtig: nicht jede Frau sieht gleich aus, so auch nicht jede Vulva.

Ein lustiges Lehrvideo und Aufklärung 2.0 findet ihr hier bei Vagina Dispatches.