Die Wechseljahre sind ein ganz natürlicher Prozess – und der beste Augenblick um innezuhalten. Coachin und Wechseljahrspezialistin Kerstin Thea Erwied erklärt in dieser Serie, was in den Wechseljahren passiert – körperlich, seelisch, spirituell und sexuell. Und wie Frau damit umgeht, damit der neue Lebensabschnitt ein Volltreffer wird. Im ersten Teil geht es um die Fragen, was sind die Wechseljahre überhaupt und warum spielen die Nebennieren und die Ernährung so eine große Rolle in der Vorbereitung?

Was sind die Wechseljahre?

Die Wechseljahre sind keine Gesundheitsstörung. Sie können ein spannender Aufbruch in ein erfülltes Leben sein. Die Eierstöcke hören auf, das Hormon Östrogen zu bilden und die Eisprünge werden immer seltener, bis sie schließlich ganz ausbleiben. Gynäkologin Christiane Northrup erklärt in ihrem Buch „Frauenkörper – Frauenweisheit“ außerdem: „Die Eierstöcke produzieren keineswegs nur Östrogene, sondern auch Androgene wie DHEA und Testosteron und das Gestagen Progesteron. Das Gesamtbefinden vor und nach der Menopause hängt zumindest ebenso von einem ausreichenden Spiegel dieser Hormone wie von den Östrogenen ab. Androgene sind für die sexuelle Erregung und für das Lustgefühl (Libido) zuständig, aber auch für das Wohlbefinden insgesamt.“

Wann geht die Menopause eigentlich genau los?

Mit der hormonellen Umstellung endet der Zyklus der Fruchtbarkeit und es beginnt ein neuer Abschnitt mit neuen Aufgaben. Erich Fromm beschreibt die Wechseljahre als „Übergang vom Haben zum Sein“. Eingeläutet werden sie meist zwischen dem 45. – 55. Lebensjahr, wobei das Durchschnittsalter bei etwa 52 Jahren liegt. Von Menopause spricht man erst, nachdem die letzte Regel aufgetreten ist. Es gibt Frauen, die völlig beschwerdefrei durch die Wechseljahre gehen (ca. 15 – 20 % aller Frauen). Meist sind es Frauen, die sich vegetarisch/vegan oder rohköstlich ernähren und ihren Lebensstil dem neuen Lebenszyklus individuell angepasst haben.

Welche körperlichen und seelischen Veränderungen gibt es?

Hitzewallungen, trockene Vagina, herabgesetzte Libido, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Haarausfall, eine erhöhte Reizbarkeit, überempfindliche Schleimhäute, Kopfweh und Stimmungsschwankungen, eine schwächere Verdauung sowie eventuell zunehmende Lebensmittelunverträglichkeiten.

Das sollte jedoch nicht zu sehr beunruhigen. Denn nicht jede Frau erlebt die Symptome – und vor allem nicht gleich stark. Und die gute Nachricht ist, wir können viel tun, um sie zu lindern.

Was können wir konkret tun, um die Symptome zu lindern?

  • Viel Bewegung an der frischen Luft und regelmäßig Sport
  • Viel trinken (1,5 – 2,5 Liter gutes, stilles, reines Wasser)
  • Eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, die über die wichtigsten Enzyme und Vitalstoffe verfügt (siehe Ernährungstipps hier)
  • Regelmäßige Basenbäder und Wechselduschen
  • Seele nähren, lachen, glücklich sein

Wovon hängt es körperlich ab, wie stark die Wechseljahre ausfallen?

Dazu schreibt die Gynäkologin Northrup: „Ob der Übergang in dieser Phase unproblematisch ist oder nicht, hängt zum einen von der Funktionstüchtigkeit der Nebennieren, zum anderen vom allgemeinen Ernährungsstatus ab. Es ist wichtig zu wissen, dass bei gesunden Frauen die Nebennieren nach und nach die Hormonproduktion der Eierstöcke übernehmen. Da aber viele Frauen vor der Menopause emotional und ernährungsbedingt angegriffen sind, beeinträchtigt dies deren optimales Funktionieren.

Unsere ausgepowerten Nebennieren brauchen Unterstützung auf mehreren Ebenen:

  1. Die Ernährung kann eine sehr große Hilfe sein, vor allem die pflanzliche Kost als eine enzymreiche regenerierende Vitalkost (siehe Ernährungstipps hier)
  2. Eine gute Selbstfürsorge, immer mehr auf dein Bauchgefühl hören und dich auf Aktivitäten und Menschen konzentrieren, die dich stärken
  3. Raus aus der Überforderung, rein in die Entspannung durch körperliche Bewegung, erfüllten Sex und Seele pflegen

Stimmt es, dass das allgemeine Bild der Frau in der Menopause nicht positiv ist?

Meine Erfahrungen aus Coaching, Ernährungsberatung und meiner Dozententätigkeit zeigen, dass sich langsam eine neue Sichtweise auf die Wechseljahre einstellt. Noch aber überwiegt die unbewusste Programmierung negativer Glaubenssätze, die sich im weiblichen kollektiven Unterbewusstsein tief eingeprägt hat. Dazu gehört vor allem die Angst vor Verlust der Vitalität, der Schrecken vor dem drohenden Verfall, die Angst vor verminderter Leistungsfähigkeit, Attraktivität und Anerkennung.

Wenn nach den Wechseljahren die Energie nicht mehr zum Gebären eingesetzt wird, verkümmert weder sie noch wir noch unsere Geschlechtsorgane! Im Gegenteil! Es wird enorm viel Energie frei für neue Lust und Kreativität. Es beginnt ein neuer Zyklus, in dem wir unsere Erfahrungen und innere Weisheit an die jüngere Generation weitergeben.

In den keltischen Kulturen wurde das junge Mädchen als Blume gesehen, die Mutter als Frucht und die ältere Frau als Samen, also als der Teil der Pflanze, der das Wissen und das Potenzial aller anderen Teile in sich vereint. Es war die Aufgabe der Frau nach der Menopause, die Gemeinschaft, in der sie lebt, mit den Samenkörnern ihrer Wahrheit und Weisheit neu zu befruchten.“ (Christiane Northrup, „ Frauenkörper – Frauenweisheit“).

Wie schafft Frau es, ab 50 in ihre volle Kraft zu kommen?

Einige Frauen verrieten mir während des Coachings ihr „Rezept“:

  • Gelassenheit
  • Annehmen, was ist
  • Leben, was gelebt werden will
  • Zur eigenen Wahrheit finden und sie mutig vertreten
  • Der inneren Kreativität endlich Raum und Zeit geben
  • Selbstliebe praktizieren – Ich bin gut genug! Ich habe alles, was ich brauche…
  • Zunehmende Ernährung durch Lebensmittel, die selbst noch einen eigenen intakten Stoffwechsel haben
  • Keine Diäten
  • Lieben
  • Mehr Energie durch mehr Bewegung und Verbundenheit mit der Natur
  • Auf Abstand gehen zu Aufgaben und Menschen, die uns erschöpfen
  • Freude, Lachen, Glücklichsein
  • Seele nähren durch Meditation, Yoga, Qigong, Rituale und wachsende Spiritualität
  • Regelmäßige Auszeiten für Körper, Seele und Geist

Es macht mir viel Freude, Frauen in ihrem Prozess des Wandels zu begleiten. Immer wieder darf ich miterleben, wie sie sich und ihre Kreativität mehr und mehr ans Licht bringen. Durch eine achtsame Umstellung der Ernährung und des Lebensstils konnten Symptome wie Hitzewallungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, trockene Schleimhäute oder das seelische „Achterbahnfahren“ (Mein Lesetipp: Elisabeth Buchner, „Wenn Körper und Hormone Achterbahn spielen“) gelindert werden. Ganz nebenbei purzelt auch das eine oder andere Pfund, welches es sich mit der hormonellen Umstellung gerade gemütlich eingerichtet hat.

Nicht jede Frau erfindet sich völlig neu in dieser Phase wie beispielsweise Annette Nellessen, die ihren Beruf als Modedesignerin an den Nagel gehängt hat und zur Ernährungsexpertin wurde. (Mein Lesetipp über ihren spannenden Weg „In Topform durch die Wechseljahre“). 

 Aber viele Frauen erkennen die weise Frau, die in einem jeden von uns steckt. Ihr „Beisichsein“ und ihre Stärke sind magisch anziehend. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen sind befruchtend und ein Geschenk für die Gemeinschaft, an die sie es weitergeben.

Falls du Fragen hast, kannst du Kerstin Thea Erwied hier erreichen. Ihre 10 Tipps gegen Beschwerden während der Wechseljahre könnt ihr hier nachlesen

Auch unsere Autorin Heike Niemeier berichtet über ihre Wechseljahre und wie sie sich Ü50 von der Eventmanagerin zur Sexberaterin beruflich neu erfand.