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	<title>Katharina, Author at Happy Vagina</title>
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	<description>Sex-Blog für Frauen</description>
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	<title>Katharina, Author at Happy Vagina</title>
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		<title>„Wir waren zu Kinderwunsch-Robotern geworden“</title>
		<link>https://happyvagina.de/wir-waren-zu-kinderwunsch-robotern-geworden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katharina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Oct 2023 05:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Partnerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit ihrer Kindheit träumt unsere Autorin Katharina davon, Mutter zu werden. Doch fünf In-Vitro-Fertilisationen und einer diagnostizierten Endometriose später ist ihr Kinderwunsch-Traum zum Alptraum geworden. Ich bin noch nicht ganz wieder aus der Vollnarkose einer Operation erwacht, da nehme ich bereits eine gedämpfte Stimme wahr: „Ihre Eileiter sind komplett undurchlässig. Sie werden auf natürlichem Wege [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit ihrer Kindheit träumt unsere Autorin Katharina davon, Mutter zu werden. Doch fünf In-Vitro-Fertilisationen und einer diagnostizierten Endometriose später ist ihr Kinderwunsch-Traum zum Alptraum geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin noch nicht ganz wieder aus der Vollnarkose einer Operation erwacht, da nehme ich bereits eine gedämpfte Stimme wahr: „Ihre Eileiter sind komplett undurchlässig. Sie werden auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ist mein Hirn überhaupt nicht in der Lage, diese Information zu verarbeiten. Erst einige Stunden später fragt mich meine Mutter, die beim Arztgespräch dabei war, ob ich verstanden hätte, was mir gesagt worden war. Erst da wurde mir bewusst, dass mein Traum Mutter zu werden, zerstört ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kinderwunsch-schon-mit-21-jahren">Kinderwunsch schon mit 21 Jahren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte schon immer ein Kind. Schon als junges Mädchen, stellte ich mir meine Zukunft als Hausfrau und Mutter vor. Meine Lebensplanung sah so aus: Ich wollte studieren und dann eine Familie gründen und mein Kind großziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele meiner Freundinnen total altmodisch und ein positiver Schwangerschaftstest wäre für sie in dem Alter eine einzige Katastrophe gewesen. Ich hingegen hätte am liebsten mit 21 Jahren schon losgelegt, dennoch habe ich noch einige Jahre gewartet.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wie-ich-versuchte-den-kinderwunsch-zu-beschleunigen">Wie ich versuchte den Kinderwunsch zu beschleunigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war 24 und in einer festen Beziehung als wir beschlossen, die Pille abzusetzen. Er sagte: „Wenn’s passiert, passiert’s!“. Ich jedoch wollte das Ganze beschleunigen und versuchte es deshalb mit Temperatur messen und der symptothermalen Methode (NFP), doch es passierte einfach nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach ein paar Jahren dann die Diagnose Endometriose bekam, hatte ich zwar endlich eine Erklärung dafür, aber mein Leben änderte sich durch die Krankheit komplett.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-diagnose-endometriose-aus-der-traum">Diagnose Endometriose: Aus der Traum?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die dazu führt, dass sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter im Körper festsetzt und zu sehr schmerzhaften Verwachsungen und Entzündungen führt. Ich habe durch die Krankheit nicht nur starke Einschränkungen in meinem täglichen Leben, sondern ich bin dadurch auch unfruchtbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ungewollt-kinderlos-vom-neid-zerfressen-nbsp">Ungewollt kinderlos: Vom Neid zerfressen&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand, der diesen absolut alles einnehmenden Kinderwunsch nicht hat, kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt, ungewollt kinderlos zu sein. Das Gefühl ist so stark, dass es sich körperlich auswirkt – Panik, Herzrasen und unkontrolliertes Weinen oder Wut sind an der Tagesordnung. Bei der Gefühlslage wechselt sich meistens tiefsitzender Neid auf Mütter mit absoluter Verzweiflung, Schmerz und Trauer ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Neid hat schon so manche Freundschaft beendet, denn ist eine Freundin schwanger, dann ist sie quasi nicht mehr existent in meinem Leben. Auf der einen Seite möchte ich ihr so gern gratulieren und sage mir immer wieder: „Das ist nicht mein Kind, was da in ihr heranwächst.“ Auf der anderen Seite ist da dieser ungesunde Neid, der mich zerfrisst und rationale, positive Gedanken nicht mehr zulässt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ich-wollte-ein-kind-keine-zeit-zu-verlieren">Ich wollte ein Kind: keine Zeit zu verlieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mich nach sechs Jahren von meinem Freund trennte, sah ich nur noch schwarz. Mit meinem aufgeblähten OP-Bauch von dem Endometriose-Eingriff, dem frischen Wissen, dass es auf natürlichem Weg für mich keine Möglichkeit geben wird Mutter zu werden, stolperte ich wie blind durchs Leben. Und stolperte ganz unerwartet über ihn: Meinen (mittlerweile Ex-)Mann. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich sagte noch am selben Abend: „Willst du mich kennenlernen? Dann musst du mich heiraten und mir ein Kind machen!“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte keine weitere Zeit mehr verlieren, auch nicht an die Liebe, denn ich hatte vorher noch nie für jemanden so starke Gefühle. In meiner Vorstellung sah ich ihn schon mit einem kleinen, blondgelockten Mädchen an der Hand glücklich auf mich zulaufen. Unserem Mädchen. Er stutzte kurz, aber zehn Monate später heirateten wir.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-heiraten-fur-die-kunstliche-befruchtung">Heiraten für die künstliche Befruchtung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum so schnell heiraten? Aus Liebe und auch, weil künstliche Befruchtungen dann von einigen Krankenkassen unterstützt werden. Zumindest das Basispaket mit&nbsp;drei Versuchen. Künstliche Befruchtung&nbsp;… Das geht genauso leicht von den Lippen wie Adoption. Dass IVF (In-Vitro-Fertilisation) allerdings einem Vollzeitjob gleicht, wusste ich damals nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-auf-in-die-kinderwunschklinik">Auf in die Kinderwunschklinik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir suchten uns eine Kinderwunschklinik, die gute Bewertungen hatte und gingen zum ersten Beratungsgespräch. Alle sind nett, das Personal sieht aus wie aus einem Katalog – braungebrannt, schneeweiße Zähne und immer lächelnd. Ich war damals noch nicht ganz 30 und bekam gute Chancen attestiert, dass es klappt. Wir waren auch optimistisch, denn schließlich war die gesamte Klinik tapeziert mit glücklichen Paaren und ihren Kindern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etliche Untersuchungen, Tests, Blutabnahmen, stapelweise Papierkram und Termine später war es so weit: der erste Versuch! Ich spritzte mir Medikamente, um mehr Eizellenbläschen zu produzieren, die dann später herausgenommen und mit dem aufbereiteten Sperma meines Mannes zusammengeführt werden sollten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kinderwunsch-sieger-oder-auch-nicht">Kinderwunsch-Sieger – oder auch nicht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Leider musste der erste Versuch abgebrochen werden. Ich produzierte nichts. Ich brach auf dem Flur des Kinderwunschzentrums weinend zusammen und wurde schnell in einen ruhigeren Raum gebracht – man wollte wohl nicht, dass andere, hoffnungsvolle Paare mein Elend sahen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen Wochen waren wir stabil genug, um mit dem zweiten Versuch zu starten. Wochenlanges Hormonespritzen, weiterhin Vollzeit arbeiten und dabei optimistisch bleiben, hatten wir mittlerweile richtig gut drauf. Ich produzierte 15 Eier, die entnommen werden konnten und wir sangen beim Einfahren in den OP-Saal: „So sehen Sieger aus! Shalalalala!“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-die-embryonen-sind-nur-c-qualitat">Die Embryonen sind nur C-Qualität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus den 15 entnommenen Eizellen hatten sich nur zwei Embryonen entwickelt. Und diese beiden wurden nur als C-Qualität klassifiziert: Es gibt A,B,C,D-Qualität. Sie waren also eher mittelmäßige Embryonen. Nicht das Beste, aber besser als nichts. Man versicherte uns, dass sich das Einsetzen doch lohnen würde, weil es nicht darauf ankomme, wie die Qualität sei, sondern, dass es die für mich richtigen Babys sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Wochen Bangen und Hoffen, dass sich die zwei eingesetzten Embryonen festgesetzt haben. Ich merkte bereits&nbsp;nach einer Woche, dass ich sie verloren hatte, sagte es meinem Mann aber nicht.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wir-waren-zu-kinderwunsch-roboter-geworden">Wir waren zu Kinderwunsch-Roboter geworden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brauchte eine Pause. Wunden lecken, Gesundheit wiederherstellen. Meine Darmflora war komplett zerstört, da ich während des wochenlangen Prozederes&nbsp;fünf verschiedene Antibiotika nehmen musste, um komplett „gereinigt“ und frei von jeglichen Störfaktoren zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch waren mein Mann und ich uns einig, dass die Pause nicht zu lang sein sollte. Wir wollten es beide so sehr und mittlerweile war auch etwas anderes dazugekommen: Der Drang dieses irre Spiel zu gewinnen. Als Siegertrophäe unser Kind zu bekommen – so absurd es klingt, wir waren zu Kinderwunsch-Robotern geworden, deren einziges Ziel die Reproduktion war.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wir-sprangen-in-den-nachsten-versuch">Wir sprangen in den nächsten Versuch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten es geschafft, liebevolle und menschliche Gefühle zurückzuschrauben, um nicht weiter von der sterbenden Hoffnung verletzt zu werden. Wir kümmerten uns nicht darum, wie es uns und unserer Psyche ging. Wir flickten nur das Nötigste und sprangen in den nächsten Versuch. Im Prinzip war es, als würde man kaputte Maschinen in einer Fabrik nur schnell mit Tesafilm reparieren und direkt mit der Produktion weitermachen. In mir kamen leise Zweifel auf – ging es noch darum Eltern zu werden oder wollen wir einfach nur das Spiel IVF gewinnen?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ich-war-am-ende-keine-weiteren-versuche-mehr">Ich war am Ende. Keine weiteren Versuche mehr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch folgten&nbsp;noch ein vierter und fünfter erfolgloser Versuch. Ich war absolut am Ende. Körperlich und psychisch. Ich nahm nichts mehr wahr, konnte nicht mehr denken, vergaß, was ich in der Minute vorher gemacht hatte und fühlte mich wie in graue Watte gewickelt. Alles war dumpf und ich nicht mehr in der Lage Trauer, Freude, Schmerz, Liebe oder Angst zu spüren. Nichts. Mein größter Traum war zum Alptraum geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war ausgebrannt und wollte nicht mehr. Keine weiteren Versuche. Adoption kam nicht infrage und überhaupt wollte ich das in meiner Verfassung sowieso alles nicht mehr. Wie sollte ich einem Kind eine gute Mutter sein, wenn es mir so fürchterlich schlecht ging?!</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-das-burnout-die-trennung">Das Burnout – die Trennung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Mann sah das anders. Wir waren doch so kurz davor zu gewinnen. Wir trennten uns. Wir hatten uns auf dem Weg verloren. Die meisten Kinderwunschkliniken bieten psychologische Begleitung an, doch wir hatten ganz arrogant darauf verzichtet. Wir hatten gedacht, uns kriegt doch nichts auseinander: So sehen Sieger aus!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam in eine Klinik und wurde wegen meines Zusammenbruchs behandelt. Das Burn-out ging, der Kinderwunsch blieb.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-statt-hausfrau-und-mutter-nun-businessfrau">Statt Hausfrau und Mutter nun Businessfrau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mittlerweile allerdings ein anderes Leben aufgebaut und lerne jeden Tag besser damit umzugehen. Statt Hausfrau und Mutter bin ich nun unverhofft zur Businessfrau geworden. Ich weiß über mich, dass ich keine halben Sachen mache.&nbsp; Aber da es mir nicht guttut, wenn ich immer überall mehr als 100 Prozent gebe und verausgabe, habe ich mich selbstständig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Endometriose und dem immer noch nicht komplett vollen Akku kann und möchte ich auch gar nicht mehr Vollzeit arbeiten. Ich achte mehr auf mich und nehme nicht mehr an allem Teil, sondern sage auch mal nein. Manchmal schlägt es mir noch mit voller Wucht ins Gesicht, wenn ich Kinder spielen sehe, eine Freundin schwanger ist oder ich Windelwerbung sehe, aber im Großen und Ganzen sehe ich doch, dass ich auch ohne Kind ein erfülltes Leben führen kann. Zumindest bin ich auf einem guten Weg dahin.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-meine-learnings">Meine Learnings:</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Achtet nicht nur auf die Bewertungen der Kinderwunschkliniken, sondern macht euch unbedingt ein eigenes Bild – lasst euch bei der Auswahl Zeit.</li>



<li>Sorgt unbedingt dafür, dass ihr stressfrei an die Versuche rangehen könnt: Geldsorgen sind hinderlich, Geheimhalten vor Freunden und Familie kann Stress verursachen, nehmt euch Urlaub, seht zu, dass es euch gut geht.</li>



<li>Nehmt die Zusatzangebote wie TCM, Selbsthilfegruppen und psychologische Betreuung in Anspruch.</li>



<li>Schaut auch im Ausland nach Kliniken – es kann sich lohnen. Sowohl finanziell als auch medizinisch.</li>



<li>Hört auf euren Körper und gönnt ihm Pausen.</li>



<li>Versucht weiterhin ein Sexleben zu führen, denn man wird schnell zu Reproduktions-Robotern</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-mehr-zum-thema">Mehr zum Thema</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://happyvagina.de/5-tipps-zu-sex-in-der-schwangerschaft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">5 Tipps zu Sex in der Schwangerschaft</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Endometriose – Mein Leben mit der chronischen Krankheit</title>
		<link>https://happyvagina.de/endometriose-mein-leben-mit-der-chronischen-krankheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katharina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2023 05:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vagina]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Endo- was? So reagieren viele auf den Namen der Erkrankung, die nur Frauen plagt. Obwohl diese gar nicht so selten vorkommt, 1 von 10 Frauen ist davon betroffen, verkennen viele Ärzt:innen die Symptome, die auf den ersten Blick denen einer schmerzhaften Periodenblutung ähneln. Doch Endometriose ist um einiges schlimmer. Schon sehr früh fing ich an, [&#8230;]</p>
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]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Endo- was? So reagieren viele auf den Namen der Erkrankung, die nur Frauen plagt. Obwohl diese gar nicht so selten vorkommt, 1 von 10 Frauen ist davon betroffen, verkennen viele Ärzt:innen die Symptome, die auf den ersten Blick denen einer schmerzhaften Periodenblutung ähneln. Doch Endometriose ist um einiges schlimmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon sehr früh fing ich an, die Pille zu nehmen. Im Nachhinein betrachtet, war das ironischerweise ziemliches Glück für die Entwicklung meiner ständigen Begleiterin: Endometriose.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-der-beginn-von-endometriose">Der Beginn von Endometriose</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Mitte 20 setzte ich die Pille nach vielen Jahren ab. Ich war in einer glücklichen Beziehung und wir wünschten uns ein Kind. Es passierte lange Zeit nichts. Ich nutzte die App „Clue“, um meinen Eisprung und die fruchtbaren Tage einzugrenzen, um schneller schwanger zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur gleichen Zeit begann es, dass ich immer häufiger krank war. Entweder hatte ich mit Durchfall oder Verstopfung zu kämpfen, übergab mich häufig nach dem Essen, war fürchterlich launisch, ständig müde, abgekämpft und hab wirklich jede noch so blöde Krankheit bekommen. Zwei Mal war es Mundfäule, einmal Gürtelrose, quasi monatlich hatte ich eine schwere Erkältung und dazu kamen unerklärliche Schmerzen in allen möglichen Körperteilen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-endometriose-rasierklingen-im-unterbauch">Endometriose: Rasierklingen im Unterbauch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders schlimm wurde es eine oder zwei Wochen vor dem Einsetzen meiner Periode. Von Monat zu Monat wurden die Schmerzen schlimmer. Die Schmerzen vergleiche ich mit 1. einem Ninja, der mit Rasierklingen in meinem Unterleib übt oder 2. einem Pürierstab, der gegen meine Bauchdecke drückt. Meine Tage wurden außerdem so stark, dass ich die größten Tampons alle zehn Minuten wechseln musste. Ich blutete aus.</p>



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</div></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-der-lange-weg-bis-zur-diagnose">Der lange Weg bis zur Diagnose</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begann, was viele Betroffene kennen: der lange Weg zur Diagnose. Durchschnittlich dauert es sieben Jahre, bis Endometriose erkannt wird. Ich rannte von Ärzt:in zu Ärzt:in und nirgends wurde ich ernst genommen – Regelschmerzen seien „normal“ und ich nur eine wehleidige Hypochonderin. Dass ich Todesqualen litt und mich selbst nicht mehr erkannte, interessierte keinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis dahin hatte ich von Endometriose noch nie gehört. Da mir von ärztlicher Seite niemand helfen konnte, ich aber nicht einfach hinnehmen wollte, was mit mir passierte, fing ich selbst an zu recherchieren. Nach einer Weile stieß ich auf des Rätsels Lösung: Endometriose – eine chronische Gebärmutterschleimhautentzündung. Bei dieser Krankheit setzt sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter im Körper fest, was zu kleinen Wucherungen führt, die starke Schmerzen verursachen und oftmals Probleme mit den Organen verursacht. Die entzündlichen Herde können im ganzen Körper auftreten.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-nur-eine-bauchspiegelung-bringt-gewissheit">Nur eine Bauchspiegelung bringt Gewissheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Endometriose schien die Lösung zu sein und erklärte alle Symptome, die ich während der ganzen Jahren hatte. Die Krux an der Sache: Endometriose kann nur durch eine Bauchspiegelung, also einen operativen Eingriff, erkannt werden. Das Gewebe muss biopsiert und untersucht werden, damit die Diagnose eindeutig ist. Der Eingriff bestätigte meinen Verdacht, doch gleichzeitig wurde mir auch noch halb in Narkose vor die Füße geknallt, dass ich meinen Wunsch, Mutter zu werden, vergessen könne. Meine Eileiter seien zu verwachsen und undurchlässig wegen der Wucherungen. Sanierung nicht möglich. Einerseits fiel mir ein Stein vom Herzen, weil ich nun endlich wusste, was mit mir los ist, aber gleichzeitig brach meine komplette Welt zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-endometiose-und-kinderwunsch">Endometiose und Kinderwunsch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben kurz nach der OP war schlimm – ich konnte nichts allein: nicht laufen, nicht liegen, nicht selbstständig auf die Toilette und mir den Po abwischen. Einige Zeit danach trennten mein Freund und ich uns. Ich wollte es mit künstlicher Befruchtung probieren, er nicht. Glück im Unglück: Ich lernte kurz darauf einen tollen Mann kennen und wir heirateten – aus Liebe und um Unterstützung bei der Krankenkasse für die In-Vitro-Fertilisationen (künstliche Befruchtung) zu bekommen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-mein-leben-mit-der-krankheit">Mein Leben mit der Krankheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der fünf erfolglosen künstlichen Befruchtungen ging es mir körperlich erstmal etwas besser. Ich vermute, es lag an den Hormonen, die das Wachstum der Wucherungen stoppten. Dennoch ist die ständige Belastung der Krankheit sowohl psychisch als auch körperlich extrem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich leide am chronischen Müdigkeitssyndrom, brauche viel Schlaf und kann nicht mehr als vier Stunden am Tag wirklich arbeiten. Gemeinerweise bekomme ich sehr oft einen aufgeblähten Bauch, der mich aussehen lässt, als wäre ich mindestens im siebten Monat schwanger. Bisher konnte ich noch nicht wirklich rausfinden, wodurch genau das ausgelöst wird, weiß aber, dass es mit dem Essen zu tun hat. Was genau ich nicht vertrage, ändert sich aber ständig.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-endometriose-nicht-nur-wahrend-der-periode">Endometriose nicht nur während der Periode</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer wie viele Ärzt:innen denkt, Endometriose wäre nur ein Problem vor dem Einsetzen der Periode, hat Unrecht. Die Schmerzattacken sind teilweise monatelang durchgängig. Ich bin schon häufig mitten auf der Straße zusammengebrochen und konnte nicht mehr weiterlaufen, lag zitternd und in Embryonalstellung auf dem Boden und alle sind an mir vorbeigelaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht dachten sie, ich sei ein Junkie und selbst Schuld oder hatten einfach keinen Bock, sich zu kümmern. Manchmal übergebe ich mich mitten beim Laufen oder werde vor Schmerzen ohnmächtig. Öfter schon habe ich gedacht: „Mist, dass du im ersten Stock lebst, da kannst du nicht aus dem Fenster springen, um das Ganze zu beenden!“.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-eine-der-20-schmerzhaftesten-krankheiten">Eine der 20 schmerzhaftesten Krankheiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An Schmerzen stirbt man nicht. Oft genug fühlt es sich aber so an. Endometriose wurde als eine der 20 schmerzhaftesten Krankheiten kategorisiert. Warum zum Teufel wird dann nicht daran geforscht??? Mit einem anspruchsvollen Job in einer PR-Agentur, dem Psychodruck der künstlichen Befruchtungen und ständig neuen Symptomen ist es kein Wunder, dass alles irgendwann zu viel wurde. Ich bekam ein Burn-Out, wurde in der Psychiatrie behandelt, kündigte meinen Job, mein Mann und ich trennten uns. Der komplette Tiefpunkt!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im persönlichen und beruflichen Umfeld stößt man oft auf Unverständnis oder aber auf Ratschläge, die zwar vielleicht gut gemeint, aber nicht hilfreich sind. Ein ernstgemeintes: „Das alles ist eine riesige Scheiße und du bist eine starke Frau, weil du das aushälst“, ist eigentlich alles, was nötig wäre, um sich ernst genommen und verstanden zu fühlen. Denn wenn ich mittlerweile eine Sache weiß: Ich bin stark! Und nicht nur ich, sondern alle, die an dieser bisher so unerforschten Krankheit leiden. Wir sind Kämpferinnen und das jeden Tag!&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-das-leben-mit-der-krankheit-erleichtern">Das Leben mit der Krankheit erleichtern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erkenntnis habe ich allerdings erst erlangt, als ich endlich eine Ärztin getroffen habe, die sich mit Endometriose auskennt. Ich saß weinend vor ihr, als sie mich untersuchte, schon mit den Händen die Wucherungen fühlen konnte und mir sagte, dass es ein Wunder sei, dass ich überhaupt noch gerade laufen kann. Ich sei stark und man könne Endometriose zwar nicht heilen, aber es gebe Mittel und Wege, um das Leben mit dieser Krankheit zu erleichtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und siehe da, mittlerweile habe ich einiges in meinem Leben geändert und führe zwar ein eingeschränktes Leben, aber es ist wieder lebenswerter – zumindest meistens. Wichtig für alle, die aufgrund ihrer permanenten Schmerzen, durchgehender Müdigkeit, starken Blutungen und Verdauungsstörungen glauben, Endometriose zu haben: Es ist nicht bei allen Frauen gleichermaßen ausgeprägt. Manche haben Endo, aber merken es gar nicht und nicht immer ist Unfruchtbarkeit eine Konsequenz.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-was-mir-hilft-mit-meiner-endometriose">Was mir hilft mit meiner Endometriose</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Endometriose ist nicht heilbar, aber man kann einiges tun, um sich besser zu fühlen. Der erste Gang bei einem Verdacht sollte immer in eine Klinik oder Praxis führen, die auf Endometriose spezialisiert ist. Dort wird eine Bauchspiegelung gemacht, um herauszufinden, ob es wirklich Endo-Herde sind. Auf der Seite der Endometriose Vereinigung findet man Adressen in der Nähe.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-stress-vermeiden-nbsp">Stress vermeiden&nbsp;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte einen stressigen Agenturjob, viele Projekte nebenher und auch sonst immer eher zu viel als zu wenig zu tun. Ich merke allerdings, dass sich Stress, auch positiver Stress, negativ auf meine Symptome auswirkt. Als ich mich selbstständig gemacht habe, ging es mir schon viel besser. Ich kann mir meine Zeit selber einteilen und muss mir keine Sorgen machen, wenn ich es mal nicht ins Büro schaffe. Natürlich kann das nicht jede machen, aber kleine Auszeiten und „Me Time“ sind extrem wichtig. Ich verreise viel und habe im Urlaub seltener Schmerzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-fruhrente-behindertenausweis-therapie">Frührente, Behindertenausweis, Therapie</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Möglichkeit ist die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises oder die Frührente – viele Betroffene beantragen beides und haben dadurch etwas mehr Ruhe. Eine Verhaltenstherapie hat ebenfalls geholfen, zu erkennen, was ich brauche, um entspannter und glücklicher zu sein. Es ist ein langer Weg, aber ein stressreduziertes Leben und auch mal Nein sagen, das lindert die Symptome.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-ernahrung-umstellen">Ernährung umstellen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Frauen mit Endometriose haben Probleme mit der Ernährung. Meine Ärztin im Endometriosezentrum der Charité in Berlin riet mir zu histaminarmer Ernährung. Mir hat es tatsächlich geholfen, lange habe ich es jedoch nicht ausgehalten, weil man auf sehr, sehr viel verzichten muss. Allerdings sind die Ernährungstipps so vielfältig wie die Symptome und was mir hilft, muss nicht anderen helfen. Vielen hilft vegane Ernährung, andere verzichten auf Laktose, Zucker oder Gluten und fahren damit gut. Es hilft also nur ausprobieren und am besten selbst zu kochen. Esse ich draußen, weiß ich, dass mein Bauch sich aufblähen wird.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-austausch-mit-anderen-betroffenen">Austausch mit anderen Betroffenen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da frau häufig vergeblich auf Verständnis hofft, hilft es mir sehr, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Es gibt Facebook-Gruppen, Selbsthilfegruppen, aber natürlich auch Freundinnen, die betroffen sind. Auch heilsam ist, die immer häufiger aufkommenden Artikel in den Medien zu lesen. Wir sind nicht allein und verrückt auch nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-schmerztherapie">Schmerztherapie</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hat sich ein chronisches Schmerzsyndrom entwickelt, kann es helfen, eine Schmerztherapie zu beginnen. Ich habe sie von meiner Endometriose-Ärztin verschrieben bekommen, aber nie genutzt, da sich mein chronisches Schmerzsyndrom mit Stressreduktion aufgelöst hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-hormone">Hormone</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Traurig, aber wahr: Bisher ist die Pille, das einzige zugelassene Medikament gegen Endometriose. Durchgenommen verhindert sie, dass sich die Herde weiter ausbreiten.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-tcm-osteopathie">TCM/Osteopathie</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele berichten, dass sie durch Akupunktur oder auch Osteopathie ihre Symptome lindern konnten. Mir hat es ehrlicherweise nicht geholfen, das heißt aber nicht, dass das allgemeingültig ist. Wie bei allen Tipps zu „Endo” heißt es: ausprobieren!</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-bewegung">Bewegung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann nicht lange sitzen. Leichter Sport, das Stärken der Mitte des Körpers und Yoga helfen bei Endometriose. Liege ich gerade mit Schmerzen auf dem Boden, möchte ich mich natürlich nicht bewegen. In Ruhephasen überwinde ich mich zu Bauch- und Rückentraining, um die Core-Muskeln zu stärken.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="h-medikamente-cbd">Medikamente/CBD</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bekomme Opiate verschrieben, da nichts anderes hilft. Da ich wirklich ungern zu so harten Mitteln greifen möchte, die mich auch noch abhängig machen können, verzichte ich darauf. Die natürliche und ungefährlichere Maßnahme ist medizinisches Cannabis. Viele berichten, dass es ihnen hilft, zu kiffen. Ich selber mag es einfach überhaupt nicht und das CBD-Öl war mir nicht stark genug. Aber auch hier muss jede ausprobieren, was die persönlich beste Lösung ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endometriose ist ein Chamäleon und so vielfältig wie die Betroffenen selbst. Daher sind auch alle Tipps extrem subjektiv. Was mir hilft, muss dir nicht helfen und andersrum. Was allerdings allgemeingültig ist, ist die Reduzierung von Stress und das Akzeptieren der Krankheit. Wer sich ständig ungerecht behandelt fühlt, wütend ist und sich gegen die Schmerzen wehrt, statt sie zuzulassen, wird „Endo” noch schlimmer empfinden. Ich verstehe diese Gefühle und hatte sie auch, aber ich möchte mir nicht mehr mein Leben von ihr diktieren lassen. Ich sehe sie als schlecht gelaunte Persönlichkeit, die in mir wohnt. Kommt sie raus, versuche ich extra lieb zu meinem Körper zu sein und sie etwas zu besänftigen.</p>



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