Mit ihren ersten eigenen Erfahrungen fand die PR-Redakteurin Dagmar vor 12 Jahren ihr Lieblingsprojekt: die Yoni Massage. Sie informiert mit ihrer Site Yoni-massage.info über diese Körperarbeit für Frauen. Weil Yoni-Massagen die Welt besser machen – für Frauen und Männer.

Wie bist du darauf gekommen, ein Infoportal für die Yoni-Massage zu machen?
Im Rahmen meiner persönlichen Entwicklung entdeckte ich Anfang 2000 die ganzheitlichste aller Massagen: die Tantramassage. Der intime Teil davon wird bei Frauen als Yoni-Massage bezeichnet. Durch meine Erlebnisse und diverse Gespräche wurde mir klar, dass die Welt Yoni-Massagen braucht, deshalb habe ich die Webseite aufgebaut. Über die Jahre ist die Site enorm gewachsen und listet heute ca. 70 Anbieter*innen auf.

Warum braucht es eine Infoplattform?
Immer wenn es um Sexualität als Dienstleistung geht, werden die Anbieter*innen schnell in die Schublade Prostitution gesteckt. Das ist leider durch die in 2017 verschärfte Gesetzeslage des Prostitutionsschutzgesetzes schlimmer geworden. Viele Yoni-Masseur*innen sehen sich aber mehr in der Nähe von Körpertherapie oder Sexualtherapie. Um den Pionier*innen dieser Arbeit eine seriöse Marketingplattform zu bieten, braucht es das Yoni-Massage-Portal. Außerdem können sich Interessenten*innen und Fachpublikum wie Gynäkolog*innen, Sexualtherapeut*innen und Hebammen hier umfassend informieren und finden Adressen.

Macherin von www.yoni-massage.info

Die Macherin von Yoni-massage.info

Was fasziniert dich an der Yoni-Massage?
Die professionelle Yoni-Massage ist etwas nie dagewesenes für sexuell selbstbestimmte Frauen, eine ganz besondere Selbsterfahrung. Einerseits hat sie großes therapeutisches Potenzial: Es ist die einzige Form der Körpertherapie, die die Sexualität direkt mit einbezieht. Das kann ein Gespräch mit einer Sexualtherapeut*in so nicht leisten. Und zum anderen, weil sich damit auch für Frauen die Möglichkeit erschließt, Genuss und Sinnlichkeit jenseits von Beziehungsverstrickung oder schlechter One-Night-Stands zu erleben, und zwar in einem klaren, sicheren, wertschätzenden und hygienischen Rahmen.

Warum machen Yoni-Massagen die Welt schöner?

Die Yoni-Massage ist dann, wenn alles stimmt, eine wundervolle Methode für die Rückverbindung mit sich selbst. Das leisten viele alternative Körpertherapieformen, aber hierbei geht es einen Schritt tiefer, ins Innerste der Frau, in ihren Schoßraum, in ihre Sexualität. Einer der vielen positiven Erfahrungsberichte in dem Infoportal drückt das schön aus: Die Frau suchte eine Yoni-Masseurin in einem sehr erschöpften Zustand auf, in einer Zeit, in der Sexualität neben Arbeitsüberlastung kaum noch spürbar war. Bei ihr, von Frau zu Frau, durfte alles sein, wie es war. Keine Erwartungen. Sie ist durch eine meditative Yoni-Massage ganz bei sich angekommen, in der Stille in sich. Dieses erwartungsfreie SEIN ist etwas Besonderes, das höre ich immer wieder. Auch, wenn es darum geht, sich mit Unterleibsverletzungen nach Geburten und OPs zu versöhnen. Wenn die Frau selbst damit Frieden hat, ist es für sie einfacher, sich damit dem Partner zu zeigen. Eine Frau, die ihren Schoßraum kennt, mit ihm gut verbunden ist, macht es ihrem Partner überhaupt leichter, das Richtige zu tun. Sie spürt sich besser und lernt, über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und Männer, die ihre Partnerin mit Yoni-Massagen verwöhnen können, erweitern ihr Liebesrepertoire enorm.

Was erwartet die Frauen genau bei einer professionellen Yoni-Massage?

Eine Reise in sich selbst hinein. Nach einem Vorgespräch gibt es zunächst mal eine entspannende Ganzkörpermassage. Schließlich ist es für die meisten Frauen unvorstellbar, sich einfach so intim berühren zu lassen. Die meisten müssen erst entspannen, Vertrauen entwickeln und können sich dann öffnen. Übrigens sind vor allem die Brüste der Schlüssel für das Herz und den Schoß. Wenn die Frau bereit ist, wird die Vulva massiert: erst außen, dann die Schamlippen, die Klitoris, dann innen bis zur Zervix, dem G-Punkt und dem A-Punkt. Das alles zieht sich über 2-3 Stunden.

Ist ein Happy Finish, also ein Orgasmus, das Ziel der Yoni-Massage?

Nein. Die Yoni-Massage ist eine Selbsterfahrungssession mit offenem Ende (Hier, hier und hier findest dun noch mehr Artikel dazu). Manche Frauen kommen zum Orgasmus, manche nicht. Manche wollen das gerne, manche haben ganz andere Themen. Wenn eine Frau in ihr Geburtstrauma hineinspüren möchte, dann ist das nicht orgiastisch und auch nicht sexy, aber wichtig, um sich selbst mit den Narben und Verletzungen anzunehmen.

Frauen machen bei der Yoni-Massage also ganz unterschiedliche Erfahrungen?

Die Yoni-Massage kann einfach ein lustvolles Abenteuer sein, kann eine Art sexueller Körpertherapie darstellen oder eine (Selbst-)erforschung sein, um die Sexualität der Frau für sie selbst oder den Partner deutlicher zu machen. Viele Männer stellen sich das automatisch lustvoll vor, aber oft geht es den Frauen ums Nachinnenspüren und es kann auch zu unangenehmen Momenten kommen. Dann zum Beispiel, wenn Verhärtungen erspürt werden. Diese entstehen durch Traumata wie Geburten, Unterleibsoperationen, schlechtem Sex, Missbrauch … man kann das überwinden und mit diesen Punkten arbeiten in der Massage.

Können so auch unangenehme Erlebnisse verarbeitet werden?

Je nach Erlebnis und Frau ist das möglich. Wenn die Frau in mehreren Sessions immer wieder trainiert, dass nur sie über ihren Körper bestimmt und die Masseur*in ganz in ihrem Dienst steht, kann das heilsam sein. Auch kann man den Moment, indem sie in ein Trauma-Freeze gerät oder gar dissoziiert, also aus dem Körper austritt, so ansehen und bearbeiten. Aber das können nur entsprechend ausgebildete Yoni-Masseurinnen und Schoßraumarbeiterinnen! Wenn jemand nicht in Traumabearbeitung kompetent ist, kann das zu Re-Traumatisierungen führen. Wenn beispielsweise eine Tantramasseur*in nicht mitbekommt, dass die Klientin ins Freeze geht und die Massage nur noch erduldet … so etwas wäre katastrophal.

Die Wahl der Masseur*inist also enorm wichtig. Worauf sollte man achten?

Auf dem Yoni-Massage-Info-Portal sind ca. 70 Anbieter*innen gelistet, die gut ausgebildet sind, einen seriösen Anspruch formulieren, in Berufsverbänden vernetzt sind und Erfahrung haben. Sie haben sehr unterschiedliche Ausrichtungen und Persönlichkeiten. Auf deren Webseiten kann man einen ersten Eindruck bekommen. Für den Zweiten empfehle ich ein Telefonat. Und vielleicht eine erste Session ohne Intimmassage.
Bei der Auswahl spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Die Motivation. Die Frau sollte mit sich geklärt haben, was sie wirklich sucht. Was ihre Themen sind. Auf dem Infoportal sind zahlreiche Erfahrungsberichte von Frauen zu finden, wobei die unterschiedlichsten Gründe deutlich werden. So entschied sich eine Frau bewusst für einen männlichen Masseur, weil sie ihre negativen sexuellen Erfahrungen mit positiven Mann-Erfahrungen heilen wollte. Eine andere suchte die Verbindung von Spiritualität und Sexualität, sie war bei einer sehr spirituellen Yoni-Masseurin gut aufgehoben. Auch Paare kommen zur Yoni-Massage, um sich neue Horizonte zu eröffnen – oder einfach, weil es ein Abenteuer ist. Das wichtigste sind Sympathie und Vertrauen. Es muss passen.

Und wenn es nicht passt? Sollte man als Klientin dann „Nein“ sagen?

Man MUSS! Wer nicht rechtzeitig Nein sagt, missbraucht sich selbst. Zur Yoni-Massage sollte man nur gehen, wenn man eigenverantwortlich für sich sorgt. Wer das nicht macht, kann sich nachher tagelang schlecht fühlen. Wenn eine Frau weiß, dass sie ihre sexuellen Grenzen nicht gut spürt und ihr Nein immer zu spät ins Bewusstsein kommt und noch später über ihre Lippen, dann sollte sie das unbedingt im Vorgespräch ansprechen. Nur dann kann die Masseur*in damit umgehen und durch Einholen von Feedback Jas und Neins aktiv abfragen. Am besten geht sie dann auch zu jemand, der eine Spezialisierung auf Missbrauch hat.

Was geht gar nicht?

Die Grenzen der Frau dürfen nicht verletzt werden – und auch die Grenzen der Masseur*in nicht. Das sollte vorher genau besprochen sein. Wenn die Klientin sagt, die rechte Brust darf nicht berührt werden, dann hat das so zu sein. Ansonsten ist allgemeiner Branchenkodex, dass es sich strikt um eine Massage handelt. Es gibt keine Küsse, keine oralen Verwöhnungen, keinen Geschlechtsverkehr. Die Masseur*in wird üblicherweise auch nicht berührt, das wäre ebenfalls eine Grenzüberschreitung.

Wie viel Zeit soll man buchen?

Die meisten Anbieter*innen empfehlen, mindestens 2 Stunden zu buchen. Die erste zum Ankommen, aufwärmen, entspannen, Vertrauen aufbauen. Die zweite für die Yoni. Meist kommen Duschzeit, Vorgespräch und Nachgespräch dazu, sodass die Frau etwa 2,5 bis 3 Stunden dort ist.Die 2-stündigen Massagen werden meistens im Preissegment 180 – 220 Euro angeboten.

 

 

Hier noch die Geschichte der Yoni-Massage

Yoni-Massagen entstanden in den 80er- und 90er-Jahren in der Tantraszene. Die Intimmassage der Frau kam so als Teil der Tantramassagen langsam ins Bewusstsein. Zunächst waren die Kunden der Tantramasseurinnen vorwiegend Männer. Dann entwickelten sich aus dem Kreis der Masseurinnen Frauenforschungsgruppen zur weiblichen Sexualität, Frauenseminare und Massageseminare für die Yoni. Mit dem Erscheinen von Michaela Riedls Buch „Yoni-Massage“ in 2006 wurde dieses Wissen auch für Menschen greifbar und verständlich, die nicht unmittelbar aus der Szene kommen. Die Yoni-Massage wurde mit dieser Pionierarbeit für das breite Publikum zugänglich. Parallel startete das Infoportal www.yoni-massage.info und ist bis heute die einzige deutschsprachige Onlineplattform mit ca. 70 Anbieteradressen, Seminarterminen, Vortragshinweisen, Fachartikeln, Erfahrungsberichten sowie Buch- und DVD-Rezensionen für dieses spezielle Thema.