Meine Hüfte ist wieder geschmeidig, mein Beckenboden schmerzt nicht mehr, der untere Rücken tut auch nicht mehr weh und meine Schultern hängen (gefühlt) nicht mehr bei den Ohren. Nicht Yoga oder Dehnübungen haben bei mir diese Verbesserung herbeigeführt, sondern eine einfache neue Technik namens TRE – Tension & Trauma Releasing Exercises (und die Benutzung eines TheraWands. Dazu hier mehr).

Psoas? Kenne ich nicht!

Ich war zu einem Get-Together bei Doreen Steinert eingeladen. Bei der ehemaligen Sängerin von Nu Pagadi trafen sich interessante Menschen – so auch ihr Chiropraktiker, der die Gäste auf Wunsch behandelte. Der Chiropraktiker untersuchte mich also und stellte fest, dass mein Psoasmuskel verspannt sei. Den Psoas kennst Du nicht? Macht nichts, mir war der bis dahin auch nicht bekannt! Der Psoas verläuft an der Wirbelsäule vom unteren Rücken, seitlich über die Hüfte bis zu den Oberschenkeln. Er wird auch „Beinheber“ oder „Großer Lendenmuskel“ genannt und ist für die Balance des Skeletts zuständig. Er hat aber auch Einfluss auf die Organe und das Zwerchfell, da er mit dem 12. Brustwirbel und allen fünf Lendenwirbeln verbunden ist.

wiki.yoga-vidya.de/Psoas

Abgesehen davon, gilt der Psoas als Kampf-Flucht-Muskel und ist für unseren Schutz und Überlebenskampf zuständig. In einem Gefahrenmoment schaltet er auf Flucht und Kampf oder Schutz, spannt sich im Zusammenspiel mit Adrenalin (Energie für Flucht) und Dopamin (Schmerzunempfindlichkeit) an.

Psoas und Sex

Auch für den Unterleib ist der Psoas von immenser Bedeutung. Da die Muskelstränge auch den Schoss umschließen, kann der erhöhte Druck eines aktivierten Psoas auf die Gebärmutter drücken und Krämpfe auslösen. Ein aktivierter Psoas signalisiert dem Körper aber auch: „Gefahr“. Wer so alarmiert ist, tut sich bekanntlich schwer zu entspannen und loszulassen und beides braucht man beim Sex. 😉

TRE – Trauma Release Exercise

Zurück zu mir: Mein Psoas war also „aktiviert“. Doch wie es der Zufall wollte, sah ich weniger später bei einem Webinar ein Interview über die Methode TRE – Trauma Release Exercise von David Berceli und probierte sie sofort aus. Der US-amerikanische Sozialarbeiter, Psycho- und Massagetherapeut hat eine leichte Übungsabfolge entwickelt, um traumatische Erfahrungen und starke Stressbelastungen zu heilen. Er hat die TRE-Übungen mit Erfolg in vielen Kriegsgebieten angewendet und damit traumatisierten Menschen die Folgen ihrer schrecklichen Erfahrungen erleichtert.

Das große Zittern

Bei TRE wird der Körper zum Zittern gebracht. Tiere nutzen diese Funktion, um nach einer stressigen Situation (Flucht vor einem Löwen) zu entspannen. Sie legen sich – wenn die Gefahr vorbei ist – auf den Rücken und zittern. Das ist ein natürlicher Körperprozess, bei dem sich das Nervensystem entlädt und der Muskulatur das Signal gibt ebenfalls zu entspannen. Auch Menschen verfügen über diesen Mechanismus, doch leider haben wir gelernt, das Zittern und Zähneklappern zu unterdrücken. Das heißt nach einer stressigen Situation wie einem Angriff, einer Flucht, einer Vergewaltigung oder auch „nur“ Dauerstress bleibt der Körper weiterhin in Alarmbereitschaft und der Psoas auch.

Die speziellen Übungen von David Berceli lösen zuerst einmal akute oder chronische Muskelverkrampfungen in den Psoas-Muskeln, die wir nicht bewusst steuern können, und wirken sich dann auch lösend auf die Reste von traumatischen Erfahrungen aus, die in den Muskeln gespeichert sind.

Die TRE-App im Test

Ich habe mir dazu einfach diese App für 11 Euro herunter gelanden. Da werden sieben Übungen mittels Video gezeigt. Bei den superleichten Workouts soll der Muskel so beansprucht werden, dass er müde wird. Dann legt man sich auf den Rücken, winkelt die Beine an und schon fängt es zu zittern an. 15 Minuten, vier Mal die Woche reicht völlig aus. Es ist nicht ganz so einfach für mich die Kontrolle über das Zittern loszulassen, doch wenn es gelingt, ist es großartig. Ich spüre dann, wie das Nervensystem sich schlagartig beruhigt und auf „Frieden“ schaltet. In meinem Kopf und meinem Körper fährt alles runter und es fühlt sich fast wie schlafen an, nur dass ich hellwach bin. Manchmal steigt Angst in mir auf oder Wut oder der Wunsch mich zu verteidigen, doch dann atme ich einfach tief und lasse die (Körper)-Erinnerungen los. Seitdem ich die Übungen regelmäßig mache, ist mein Beckboden entspannter und mein Rücken schmerzt weniger, aber auch psychologisch fühle ich einen Unterschied. Ich bin weniger ängstlich und fühle mich generell sicherer.

 

Quellen:

https://traumadurchleben.wordpress.com/2014/04/16/tre-am-sonntagmorgen/

http://wilfried-ehrmann.blogspot.de/2013/03/psoas-muskeln-und-traumaheilung.html