Ich hatte die große Ehre den Salon Mondaine (hier unser Text über das powervolle Frauennetzwerk) zu moderieren. Der Frauen-Salon von Yasmine Orth findet regelmäßig an ungewöhnlichen Orten in Berlin statt. So ungewöhnlich wie die Orte ist auch das Konzept: Spiritualität meets Business. Am Ende des Abends war ich völlig geflasht. 120 Frauen öffneten ihr Herz, stärkten sich gegenseitig, lachten gemeinsam und ein etwas Magisches entstand. Ich ging so genährt nach Hause, weil ich meine Moderation tatsächlich nicht wie Arbeit, sondern wie Vergnügen empfunden hatte. Und eine Ahnung von meinem Wunsch bekam: Ein Leben zu führen, von dem ich keinen Urlaub brauche :))))

Hier noch die Zusammenfassung des Abends zum Thema LUST
„Bei was empfindet ihr Lust?“

fragte Moderatorin Tina Molin gleich zu Beginn des 22. Salon Mondaine in Berlin. Die Reaktion im Raum: ein schamhaftes Kichern. Denn bei dem Thema Lust denken alle natürlich direkt an Sex. Und darüber trauen sich die wenigsten, öffentlich zu sprechen. Dabei sollte es bei diesem Salon Mondaine  nicht nur um die körperliche, sondern, um die Lust im Allgemeinen gehen. Um Yoga, Kochen, mit den Händen in der Erde wühlen, eben um all das, bei dem wir Lust empfinden.

Lust: ein Schnurren im Bauch

Doch bei was empfinden wir Lust? Und wo genau ist sie zu spüren? Das sollte das zentrale Thema dieses Abends werden. Denn über eines waren sich die beiden Speakerinnen des Abends, die Künstlerin Stephanie Bothor und Alexandra Schwarz-Schilling, die Autorin und Gründerin der Coaching Spirale einig: Lust ist ein Bauchgefühl. Etwas, das wir ganz tief und deutlich im Unterleib spüren und das Bothor so treffend wie ein „Schnurren“ beschrieb, das sich bei ihr immer einstelle, wenn sie sich auf dem richtigen Weg befände. Ein Gefühl, das wir alle kennen und ebenso wie unsere Lust leider nur allzu gern ignorieren. Lachend, erzählt Bothor, wie sie sein Jahr lang das Experiment wagte und die freie Liebe lebte. Und wie überrascht sie davon war, wie viel Organisation damit verbunden ist. Eine Erfahrung, die wie man dem Gemurmel im Publikum entnehmen konnte, sie wohl nicht als Einzige machte. Am Ende sei ihr vor allem eins klar gewesen: dass bei ihr die körperliche Lust an zweiter Stelle, hinter ihrer Lust an der Kunst stehe. Auch wenn bei ihr, die immer gerne mit einer Hand in der Hose dasitzt, der Bauch ansonsten immer die Richtung angebe.

Stephanie Bothor bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22

Der weibliche Schoß als Zentrum der Lust

Eine Seltenheit, wie Schwarz-Schilling feststellt. Denn durch das jahrhundertelang währende Patriarchat seien wir Frauen, von unserem Unterleib gekappt worden (Unsere Texte über LUST findest du hier, hier und hier) . Und schon waren alle mittendrin in einem Gespräch über ein Thema, um das es immer wieder geht: die Missverständnisse zwischen Mann und Frau und der Frage, wie wir sie lösen können. Psychologin Schwarz-Schilling, die sich eigentlich vor allem als Anthropologin sieht, macht für diesen Konflikt vor Allem das Patriarchat verantwortlich.

Seit Jahrhundert würde Frauen eingeredet werden, dass ihre Sexualität etwas Anrüchiges ist. Obwohl es bei der Einführung der monogamen Ehe zunächst nur darum gegangen wäre, die „Frauen davon abzuhalten, mehrere Liebhaber zu haben, um die männliche Erblinie durchzuführen.“ Diese moralische Verurteilung der weiblichen Lust hätte dazu geführt, dass die Frauen um ihr Zentrum der Lust, den Schoß, einen Panzer gebaut hätten, der sie nun daran hindere, ihr volles weibliches Potenzial auszuschöpfen.

Alexandra Schwarz-Schilling bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22

Männliche Erektionsexplosion knallt auf weibliche Gefühlsexplosion

Doch auch bei den Männern sähe es nicht besser aus, so Schwarz-Schilling. Denn die Männer, das vermeintlich starke Geschlecht, hätten sich im Gegenzug dafür nach und nach von ihrem Herzen und ihren Gefühlen getrennt. Weshalb die männliche Erektionsexplosion jetzt immer wieder ordentlich gegen die weibliche Gefühlsexplosion knalle und erst wenn beide Geschlechter es wagen würden, ihren Panzer zu spreng, könnten sie wieder miteinander im Einklang leben.

Der weibliche Schoß: Ein Ort der Wärme und Geborgenheit

Damit wir Frauen an diesem Abend auch gleich damit beginnen, führte Annette Söhnlein, Yogalehrerin und Gründungs- und Vorstandsmitglied der „Förderinitiative The Lovers e.V.“ alle Anwesenden durch eine Schoßmediation. Und als am Ende alle, gemeinsam mit der zauberhaften Sängerin Ilhem, einen vokalen Kanon anstimmten, konnte man spüren, welches weibliches Potenzial in diesem Raum steckt und, dass an diesem Abend einige der Unterleibspanzer zumindest schon einmal einen ordentlichen Riss bekommen haben.

Mehr Fotos (Darshana) und Text (Bettina) findet ihr unter 22. Salon Mondaine

Annette Söhnlein bei The Lovers Academy: Salon Mondaine 22