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Online-Dating: Nein, ich möchte dich nicht kennenlernen

Vielleicht können sich noch manche von euch an die Werbung erinnern, in der eine junge Frau an einem Mann vorbeigeht. Er zieht ihren Duft ein, schnappt sich ein paar Rosen, rennt ihr hinterher und schenkt ihr den Strauß. Der Slogan lautete damals: „Wenn Ihnen ein Fremder plötzlich Blumen schenkt, könnte das an Impuls liegen.“ 

Heute sieht das Datingverhalten vieler Menschen anders aus. Da wird der Partner fürs Leben oder wenigstens der nächste ONS (One Night Stand) nicht mehr in Clubs oder auf Partys gesucht. Das wird genau wie unsere Einkäufe online erledigt. Das hat natürlich viele Vorteile. Frau kann dadurch zahlreiche Männer – ohne viel Zeit in Gespräche oder gar ein Date investieren zu müssen, – auschecken. 

Hi, Lust auf hemmungslosen Sex?

Andererseits bleibt beim Onlinedating viel auf der Strecke. Sicher haben in der freien Wildbahn Anmachsprüche wie: „Hat es wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?“ einen endlosen Bart und lösen wenig Begeisterung aus, aber online geht’s schlimmer. Da kommt oft einfach nur „Hi!“ Manchmal auch: „Schönes Profil hast du“. Danach wird es schon dünn. Ausführlichere Texte klingen so inspirierend wie: „Hi, dein Profil gefällt mir. Ich finde dich sehr interessant und will dich kennenlernen. Hast du Lust, dich auf einen Kaffee zu treffen.“ Nein, habe ich nicht. Wenn der Sex mit dir so mitreißend ist wie diese Zeilen, verzichte ich lieber. Schließlich will ich auch im Kopf angekickt werden, bevor ich meinen Terminkalender überhaupt aufschlage. Und dann gibt’s noch diesen Kracher: „Hast du Bock auf hemmungslosen Sex?“! Ich frage mich dann immer, was soll eigentlich ‚hemmungsloser Sex’ sein? Was sich die entsprechenden Herren darunter genau vorstellen, konnten sie mir auch nicht erklären. 

Und dann kommt das Dick Pic

Sehr viel sagt auch der Profilname, des Mannes am anderen Ende der Tastatur aus. Da kommt dann eine Nachricht von einem vielsagenden Absender wie „Lustpur3000“ oder „geilerBerliner“. Wenn mir der einzige Zweck unseres Kennenlernens bereits auf dem Silbertablett serviert wird, sage ich lieber „Nein, danke“. 

Doch das Schlimmste kommt noch. Wenn es blöd läuft, erhält die „Angebetete“ direkt zur Begrüßung ein Foto vom Penis. Wahlweise mehr oder weniger erigiert. Jede Frau, die online aktiv war, kennt das Phänomen. Plötzlich ist es da. Das Dick Pic, um das wir nie gebeten haben. (Mehr über neue Begriffe beim Onlinedating findest du hier.) Und in 99,9 % der Fälle ist es hässlich, lächerlich, peinlich und wirklich nicht anregend. Und wenn wir ganz genau sind, ist das sexuelle Belästigung. Und ganz einfach ein K.-o.-Kriterium. Also die Herren, bitte wartet eine Aufforderung der Dame ab, dass sie sehen will, was Ihr zu bieten habt! 

In meinem langen Online-Leben habe ich drei Mal so eine Aufforderung erteilt. Und in einem der Fälle handelte es sich um einen Herrn mit wirklich tollem Körper und sehr schönem Penis. Es wäre fast zum Date gekommen. Denn ja, manchmal hat auch eine Frau Lust auf ein Sexdate. Trotzdem habe ich das Rendezvous kurz vorher abgeblasen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er nur was zum Wegstecken suchte und überhaupt kein Interesse an mir hatte. So geil war ich dann doch nicht.  

Wichtig ist, was am Schwanz dranhängt

In der Regel finde ich es viel wichtiger und interessanter, was an dem Schwanz dranhängt. Und dazu gehört ein Flirt, eine Konversation, viel Humor und ja, Interesse an mir als Person. Wer das nicht rüberbringt, hat schnell verloren. Wenn man(n) sich Erfolg bei der Dame der Wahl erhofft, lohnt sich ein Interesse erweckender Text. Er ist vergleichbar mit einem Bewerbungsschreiben. Die Herren müssen sich gut bewerben und verkaufen, die Damen habe schließlich die Wahl aus einem Meer an Männern. Da wird nur der, mit dem besten Profil, Foto und Text das Rennen machen. Im Tierreich ist es oft ja nicht anders. Da müssen die Männchen auch einen ordentlichen Balztanz aufführen. Das dürfen wir Frauen ja wohl auch erwarten. Männer, nehmt euch ein Beispiel!