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6 Dinge, die Dir Lust machen: Sexberaterin Heike Niemeier

Sex, Lust, Fun, Fragen, Freude

Was macht Frauen eigentlich so richtig Lust? Ihre Top Sex, sorry 6 Lustmacher verrät diesmal Sexberaterin und Happy Vagina-Autorin Heike Niemeier.

Da fragt mich Tina Molin doch neulich, nach sechs Dingen, die mir Lust machen? Doch ich will mich bei den Antworten nicht auf sexuellen Präferenzen beschränken, daher hier meine Lustmacher:

1) Mir bereiten Literatur, 2) Tanzperformances, 3) sich selbst verwöhnen, 4) ein gutes Körpergefühl, 5) Visionen und Neues auszuprobieren viel Lust. 

6) Insbesondere aber Grenzen, Denkgrenzen zu überschreiten, das macht wirklich Lust und ist zudem auch lustig. Und damit meine ich definitiv nicht das nächste „coole“ Sextoy oder den nächsten Porno auszuprobieren, beziehungsweise anzuschauen. Ich erzähle euch mal ein Beispiel mit enormer verändernder Tragweite.

Die uninteressanteste Person im Raum

In jungen Jahren habe ich intensiv Bücher zum Thema Coaching gelesen und in einem dieser Bücher stand folgendes: Besuchen Sie einmal eine Veranstaltung zu einem Thema von dem Sie keinerlei Ahnung haben. Dann setzen Sie sich neben die Person, die für Sie am uninteressantesten erscheint. 

Sexberaterin Heike Niemeier berichtet über Laune(n), Lust und Leidenschaft

by Stefan Zeitz

Irre Idee dachte ich und was soll das? Aber irgendwie ließ mich die Idee nicht los. Zack stöberte ich im „Urania“-Programm und fand einen Vortrag, wo ich schon den Titel nicht verstand, irgendetwas mit Physik. Der Vortrag fand dazu an einem Sonntag um 10 Uhr statt. Also kein Ausschlafen, kein langes Frühstück – wollte ich das wirklich? Ja, ich wollte. 

Er roch gut

Spannung stieg in mir auf, als ich den schon gut gefüllten Vortragssaal betrat. Mein Blick schweifte von einem „Physik Nerd“ zum nächsten. Nicht eine einzige Frau im Saal – ach doch: ich. Ich stand nun also vor dieser Entscheidung, mich neben den für mich uninteressantesten Menschen zu setzen. Ich machte es von der Kleidung abhängig und setzte mich neben einen Mann, der meiner Meinung nach den unmodernsten Pullover anhatte, den ich je gesehen hatte. Gedacht und hingesetzt. Er begrüßte mich ebenso freundlich wie ich ihn.

Meine erste Wahrnehmung: Er roch gut. Der Vortrag begann. Ich gab mir wirklich Mühe, aber ich verstand kein Wort, wirklich kein Wort. Während ich den Vortragenden beobachtete, der mit unglaublicher Euphorie und Enthusiasmus sein Thema darlegte, schaute ich zu meinem Sitznachbarn rüber. Er schaute zurück und wir lächelten uns an. Ich traute mich und sagte ihm, dass ich kein Wort verstehen würde. Er entgegnete, dass er auch nur die Hälfte begreifen würde. Lächelnde Übereinkunft und Verständnis machten sich zwischen uns breit, und ich fühlte mich nicht mehr allein mit meinem Nichtwissen. Nach 90 Minuten und einer Runde Applaus war es endlich geschafft. Mein Körper signalisierte eindeutig Flucht, ab nach Hause, weg hier, wieso hast du dir das angetan.

Danke für diese Erfahrung

Ich stand also auf und hörte von links „vielleicht noch Lust auf einen Kaffee?“ Mein Pulloversitznachbar fragte mich das! Ich sagte spontan ja. Und was ich jetzt erleben durfte, ließ meine sämtlichen Vorurteile gegenüber Äußerlichkeiten komplett zerplatzen. Nach mehreren Kaffees und Proseccos und einem wunderbaren Gespräch mit viel Lachen und Inspiration verabschiedeten wir uns voneinander. Jens (falscher Name, Anmerkung der Verfasserin) entpuppte sich als total kluger, eloquenter, humorvoller, charmanter Mann, der letztendlich von Physik genauso wenig Ahnung hatte wie ich, denn er war Zahnarzt.

Ich sage heute noch einmal Danke an das Coaching-Buch. Danke für die Erfahrung, die ich machen durfte. Und dass mich diese Erfahrung gelehrt hat, Menschen nicht nach Äußerlichkeiten und einer schnell von mir gefassten Meinung in Schubladen zu packen. Dies tun wir ja nur allzu oft und allzu gern. Und ich möchte mich da nicht ausschließen. Aber dieser „Coaching-Tipp“ hat mir damals die Augen geöffnet und mir dadurch die Begegnungen und Freundschaften mit Menschen ermöglicht, die ich sonst am Rande hätte stehen lassen. Und diese Begegnungen, die ich dadurch nicht an mir hab vorbeiziehen lassen, haben mir viel Lust in mein Leben gebracht – auch Lust im sexuellen Bereich. 

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