Katrin Neiß ist zertifizierter Coach, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Wingwave-Coach. Katrin widmet sich mit viel Herzblut und Können der Stärkung von Müttern. Sowohl in Gruppen-Coachings wie etwa mit den „Erfolgsteams für Mütter“ als auch in Einzel-Coachings mit Methoden aus dem NLP und der Coaching-Methode „Wingwave“.

Wie Ihr wisst, knabbere ich immer noch an der schweren Geburt meiner Tochter mit dem Kaiserschnitt und probiere die unterschiedlichsten Sachen von Schamanen bis zum Tantra aus, um Frieden mit dem Thema zu schließen. Mit „Wingwave“ kann man sehr schnell und effektiv Traumata auflösen und neue Glaubenssätze verankern. Das klang super für mich, deshalb wollte ich das einmal ausprobieren.

 

Nach einem langen, ausführlichen Gespräch über die Geburt, hat Katrin bei mir einen sogenannten „Ring“-Test gemacht, um festzustellen, ob ich bereit ist, an dem Thema zu arbeiten. Doch der Test fiel negativ aus. Mein Körper und meine Seele waren noch nicht so weit. Alles sträubte sich in mir, da ranzugehen. Deshalb haben wir uns erst einmal eines leichteren Themas angenommen. Gibt es bei mir Ärger im Job, bekomme ich Versagensängste. Sehr schnell wurde klar: Das ist ein kindliches Trauma… Geschimpft zu werden, weil das mit dem Lernen nicht so gut klappt. Und mein inneres Kind steht da, verzweifle innerlich – aber schweigt nach außen. Während Katrin abwechselnd auf meine Knie klopft (im Interview erklärt sie mehr dazu), bin ich schnell im Wohnzimmer meiner Eltern, sehe meinen schimpfenden Vater und zum ersten Mal spüre ich mein Gefühl dazu. Die Angst nicht zu genügen, eine Enttäuschung zu sein, nicht mehr geliebt zu werden oder sogar weggegeben zu werden. Auch die Wut, die Verzweiflung und die Scham kamen und gingen rasch. Am Ende hat Katrin dann noch einen positiven Glaubenssatz verankert: Ich darf meine eigene Wahrheit sprechen. Und tatsächlich geht es mir seitdem anders. Bei Konfliktsituationen im Job spreche ich ganz ruhig meine Wahrheit aus. Muss ich geradezu. Ohne Angst und ohne Wut. Einfach raus damit. Für mich ein kleines Wunder – und das Ergebnis von nur einer Stunde Wingwave.

Damit Ihr mehr über Wingwave erfahren könnt, hier nun ein Interview mit Katrin:

„Wingwave“-Coach Katrin Neiss

Katrin, erklär doch bitte was Wingwave ist?

Wingwave ist eine zertifizierte Coaching-Methode, die auf neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung basiert. Sie hilft dabei, belastende Erfahrungen neu einzuordnen und zu verarbeiten. Wingwave ist quasi eine Weiterentwicklung des psychotherapeutischen Verfahrens EMDR, das sich auf die schnellen Augenbewegungen während des Traumschlafes beruft. Wenn man schläft, wandern in der Traumphase, der sogenannten Rapid-Eye-Movement (REM)-Phase, die Augen hin und her. Das hast Du sicherlich schon mal beobachtet. In dieser Phase findet ein natürlicher Verarbeitungsprozess in unserem Körper statt. Die Dinge, die wir am Tag bewusst und auch unbewusst aufgenommen haben, werden in dieser Phase verarbeitet. Das macht sich die Methode zunutze.

Was ist, wenn ein krasses Erlebnis passiert?

Bei extremen Erlebnissen kann es passieren, dass die Verarbeitung im Schlaf nicht vollständig funktioniert. Das kann man sich in etwa so vorstellen: Man war einkaufen und kommt mit lauter Tüten nach Hause, packt sie aber nicht aus. Die stehen dann in der Küche rum und stören. Dadurch, dass das Erlebnis nicht vollständig verarbeitet werden konnte, kann es zu emotionalen Blockaden im Leben kommen, die man sich rational oft nicht erklären kann wie z. B. Lampenfieber, Prüfungsangst, eine Zahnarztphobie oder zu sogenanntem Biografie-Stress wie bei Dir mit der Versagensangst. Also einem Stress, den eine Erfahrung oder Traumatisierung aus der persönlichen Lebensgeschichte eines Menschen in der Gegenwart noch immer auslöst. Mit Wingwave kann man eine „wache“-REM-Phase herbeiführen, also einen Zustand, den man wie gesagt eigentlich nur im Traumschlaf hat, wodurch das Erlebnisse dann schnell verarbeitet werden kann. Also quasi die Tüten final ausgepackt und verstaut werden können.

Wie funktioniert das genau?

Ich winke mit meinem Finger schnell vor dem Gesicht der Klientin hin und her und bitte sie der Wink-Bewegung nur mit den Augen zu folgen. Oder ich tappe in einem schnelleren Rhythmus rechts und links auf ihre Knie. Beides nennt sich im Fachjargon: bilaterale Hemisphärenstimulation.

Das klingt so einfach?

Einfach, aber sehr effektiv. Wobei Wingwave im Gegensatz zu EMDR noch ein paar andere Elemente mit der Methode kombiniert. Das Wichtigste ist der sogenannte „Ring“-Test. Das ist ein Muskel-Feedbacktest, wie man ihn aus der Kinesiologie kennt. Damit kann ich testen, ob der Körper eine Situation als stressig wahrnimmt und ob die Klientin überhaupt bereit dafür ist, daran zu arbeiten und ihr System das auch verkraften kann.

 

Welche Erfahrungen hast Du beim Thema Kaiserschnitt gemacht?

Einige meiner Klientinnen hatten einen ungeplanten Kaiserschnitt und sagten seitdem: „Ich kann mir nicht vorstellen, noch ein zweites Kind zu bekommen“ oder es kamen Tränen, wenn sie von der Geburt erzählten. Da konnte ich gut mit Wingwave ansetzen.

Wie gehst Du dann vor?

Zuerst lasse ich meine Klientin komplett erzählen, sie darf alles rauslassen und ich beurteile das Gesagte nicht. Viele Frauen kennen nämlich die Reaktionen vom Mann, der Schwiegermutter oder den Freund*innen, die dann sagen: „Das ist schon Jahre her, musst du immer noch darüber reden“ oder „Du hast doch ein gesundes Kind, sei froh“ oder „Das muss doch jetzt endlich gut sein“. Ich höre hingegen einfach nur zu und biete ihr einen geschützten Raum, in dem sich alles so zeigen darf, wie es ist. Egal ob Trauer, Wut oder Verzweiflung, sie dürfen über ihre Gefühle reden, erzählen, dass sie sich wie ein Stück Fleisch, eine Nummer oder ausgeliefert gefühlt haben. Angst hatten, machtlos oder hilflos waren.

Du bietest einen Safe Space?

Ja, bei mir finden sie einen geschützten Raum. Zuerst für die Erzählung und dann schaffen wir einen sicheren Ort, zu dem die Klientin während der Sitzung gehen kann. Das ist ein mentaler Platz, wie eine Wiese, das Schlafzimmer oder das Sofa, wo sie sich sicher und geborgen fühlen, denn Wingwave kann viel auslösen.

Ehrlich gesagt, das ist so schwer vorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Da wedelt jemand vor deinen Augen herum und bei dir geht es innerlich ab…

Das Einfachste ist manchmal das Beste. Wingwave löst so viel aus, weil das Unterbewusstsein, das mit Bildern arbeitet, mit dem Neocortex, in dem die Vernunft und die Sprache verankert sind, in Verbindung gebracht wird. Durch die Verbindung können Bilder, Gefühle und Eindrücke, die unverarbeitet sind, zur Sprache kommen und mittels des Verstands danach eingeordnet werden. Wie die Einkäufe, die nun in den Regalen, Fächern und Ablagen einsortiert werden und nicht mehr störend rumstehen.

Durchlebt man das Erlebte komplett nochmal?

Man schaut sich die Situation mit den heutigen Augen an. Wie geht es einem heute damit? Das Erleben kommt oft in einer abgeschwächten Form. Es kann aber auch sein, dass noch andere Themen auftauchen, weil man etwa die Hilflosigkeit z. B. noch in anderen Situationen erlebt hat.

Das Erlebnis ist noch mit etwas anderem verbunden, das dann getriggert wird?

Das kann durchaus sein. Eine Klientin von mir hat beispielsweise die Geburt ihres Kindes verarbeitet und ist dann durch die Bilder zu ihrer eigenen Geburt gekommen. Sie ist mit einer Nabelschnur um den Hals auf die Welt gekommen und hatte das Gefühl zu ersticken. Von ihrer Mutter wusste sie, dass sie bereits blau angelaufen war. Durch Wingwave konnte sie auch dieses Erlebnis verarbeiten. Danach war sie bereit ein zweites Kind zu bekommen.

War es wieder eine schwere Geburt?

Nein, die Klientin wollte nie wieder ausgeliefert sein und hatte für sich den Glaubenssatz mitgenommen, dass sie darüber bestimmt, was mit ihrem Körper passiert. Diesen Glaubenssatz hatten wir am Ende der Sitzung verankert. Die zweite Geburt hatte sie deshalb so vorbereitet, dass sie alles selber bestimmt hat. Sie hatte eine Hebamme, die genau gemacht hat, was sie sich vorgestellt hat und sie hatte sich ein passendes Krankenhaus gesucht und alles vorher mit den Ärzten besprochen. Obwohl die Geburt schwer war, hatte sie zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, nicht ausgeliefert zu sein. Für mich war das toll, später zu hören, mit welchem Selbstbewusstsein sie alles organisiert hatte und mit welcher Selbstbestimmung das zweite Kind zur Welt kam.

Am Ende der Sitzung verankert man noch Glaubenssätze?

Ja, oft entstehen aus den negativen Glaubenssätzen wie „Ich war ausgeliefert“, neue, positive Glaubenssätze „Ich bestimme, was mit meinem Körper passiert“, die ich dann zum Schluss in das System der Klientin einwebe mittels langsamen Winken oder Tappen, so dass er ganz stark verankert ist.

Für mich war es erstaunlich, wie stark der positive Glaubenssatz wirkt. Man kann nicht mehr gegen ihn agieren, sondern muss ihn umsetzten. Außerdem hat mich fasziniert, wie effektiv die Methode ist. Krasse Erlebnisse, die einen jahrlang blockieren, können mit nur einer Sitzung bearbeitet werden.

Die Methode ist sehr effektiv, da sie auf eine andere Ebene abzielt. Es geht nicht um die rationale Ebene, wo man über Dinge spricht und sie so verarbeitet, sondern alles passiert auf der unterbewussten Ebene. Die Sprache verhindert oft, dass wir an unser Unterbewusstsein rankommen, aber mit Hilfe der Wingwave-Methode gelingt das sehr gut.

Man muss auch nicht lange darüber reden oder ein Gefühl nochmal ausschweifend durchleben. Deshalb ist es erstaunlich, dass es trotzdem so gut wirkt.

Die Klientin muss nicht in die ganz starke Emotionen reingehen. Ich erlebe immer wieder, dass Emotion schon kommen, auch hochkommen, aber beim weiteren Winken oder Tappen ist sie dann auch schon wieder weg. Man bleibt nicht lange in dem Gefühl, das ist überhaupt nicht vonnöten. Und ich achte sehr darauf, dass ich meine Klientin nur im guten Zustand wieder gehen lasse.

 

Liebe Katrin, vielen Dank für das Gespräch. Und ich werde bestimmt bald wiederkommen um – wenn mein Körper bereit ist – mein schlimmes Geburtserlebnis zu bearbeiten.

 

Hier findest du noch ein Video-Interview mit Hebamme und Sexologin Silja Rehfeldt wie frau nach einem Kaiserschnitt ihren Schoß heilen kann.