Dieser Artikel in der Welt über Mütter im Nachtleben hat mich zum Nachdenken gebracht. Denn ich habe mich an der einen oder anderen Stelle sehr wohl wieder erkannt. Als Mutter einer wundervollen Tochter ist es für mich kein Widerspruch, feiern zu gehen – deshalb gelte ich bei einigen als Bad Mom.

Doch meine Situation ist auch etwas ungewöhnlich. Vor vielen Jahren habe ich einem unheimlich schönen, aber leider sehr schwulen Freund gesagt, dass ich gerne ein Kind von ihm haben möchte. Das hat er nie vergessen und mich vor drei Jahren daran erinnert. Ich wurde beim ersten Versuch von ihm schwanger und hatte eine großartige Schwangerschaft.

Schwangere Diva und glückliche Mutter

Problematisch war nur, dass ich ständig geil war und ein schwuler Mann in dem Fall natürlich keine Hilfe ist. Gleichzeitig habe ich mich wie eine lebenspendende Göttin gefühlt und kaum ein Mann war gut genug. So hatte ich während meiner Schwangerschaft kaum Sex, obwohl mich meine Libido fast in den Wahnsinn getrieben hätte. In der Zeit fand ich es super auszugehen. Im sechsten Monat habe ich auf einem Goa-Openair gefeiert und großen Spaß gehabt. Sechs Wochen vor der Geburt war ich noch bis morgens um 5 Uhr mit einer Club Mate auf einer Fetisch-Party unterwegs und habe es geliebt. Tatsächlich war ich an diesem Abend nicht die einzige Hochschwangere im Club. Gemeinsam waren wir der totale Hingucker. Viele Männer haben uns tatsächlich angebaggert. Aber wie gesagt, kaum einer war gut genug.

Die Geburt war ebenso schön wie die ganze Schwangerschaft. Die geplante Hausgeburt fand nach 6,5 Stunden in meiner Badewanne bei Kerzenlicht ihren Höhepunkt und ein entzückendes Baby lag in meinem Arm. Bereits nach fünf Wochen war ich kurz auf einer Weihnachtsparty, während der Vater sich um unseren Krümel gekümmert hat.

Bad Mom? CSD mit Kind

Im Sommer waren wir zusammen mit Kind in der Babytrage und Gehörschutz für Babys beim CSD. Natürlich achte ich auf die Sicherheit meines Kindes und springe nicht direkt vor den Bassboxen rum. Als ich beim „Zug der Liebe“, einer Berliner Techno-Parade war, ist meine kleine Maus – trotz ihres Gehörschutz – beim Klang der Bässe, sofort in seligen Tiefschlaf gefallen. Offenbar erinnerte sie der Klang von Techno an den Herzschlag im Mutterleib. Doch plötzlich stürmte eine Frau auf mich zu und befahl mir, mit meinem Kind zu gehen. Sie hielt mir vor „verantwortungslos zu sein“ und wollte sogar die Polizei holen. Mindestens eine Stunde hatte ich sie am Hacken. Ich war fassungslos. Was wollte diese Person von mir? Ganz offensichtlich ging es meinem Kind, das tief und fest schlief, blendend. Natürlich stand ich nicht direkt vor der Bassbox, sondern in entspannter Entfernung. Ich fand es unverschämt, so angegangen zu werden. Am Ende hätte ich fast die Polizei geholt, da sie mich regelrecht belästigte. Das Kind hat die Parade übrigens gut schlafend überstanden.

Ständig wird von Frauen erwartet, dass wir perfekt sind und alles meistern. Clevere Geschäftsfrauen, geduldige Mütter, ordentliche Hausfrauen, wilde Geliebte, grandiose Köchinnen – und wisst ihr was? Einen Scheiß müssen wir sein! Mein Haushalt ist immer ein einziges Chaos, meine Karriere ist mir herzlich egal, bei mir kocht mein Thermomix und nach dem Rest müsst ihr meinen Freund fragen. Aber ich gebe mir immer die größte Mühe, meiner kleinen Maus die beste Mutter zu sein, die ich kann. Ganz sicher wird es mir nicht immer gelingen und ich bin auch mal ungeduldig, aber ich gebe mein Bestes. Vor allem achte ich auf mich und darauf, dass es mir gut geht. Nur dann kann ich meiner Kleinen eine gute Mutter sein. Wenn das bedeutet, aus der Sicht anderer über die Stränge zu schlagen, kann ich damit sehr gut leben.

Das Leben ist doch ein Ponyhof

Der Vater und ich verstehen uns weiterhin hervorragend. Wir leben in zwei Haushalten und haben geteiltes Sorgerecht. So ist die kleine Maus ein paar Tage in der Woche bei Mama und ein paar Tage bei Papa. Für uns ist es eine sehr angenehme und komfortable Lösung, denn auch die Wochenenden teilen wir uns auf. So kommt es schon mal vor, dass er sie Sonntagnachmittag abholt und ich einen Rundruf starte, wer mit ins Berghain kommt. Nur weil ich jetzt Mutter bin, habe ich doch immer noch Spaß an einer guten Party! Sicherlich nicht mehr so oft, so lang und so ausschweifend wie früher, aber trotzdem genieße ich es. Das macht mich ganz sicher nicht zu einer schlechten Mutter. Ganz im Gegenteil.

 

Mehr Text zu Empowerment hier und hier.