Ich habe die Pille abgesetzt. Nicht, weil ich schwanger werden möchte, nichts liegt mehr ferner. Ich hatte ganz einfach keine Lust mehr auf eine hormonelle Fremdbestimmung. Nach Jahren hormoneller Verhütung, erst mit der Spirale, dann mit der Pille, war es für mich an der Zeit, dem weiblichen Zyklus wieder seinen natürlichen Lauf zu lassen.

Der Gedanke, die Pille nicht mehr zu nehmen, beschäftigte mich schon eine ganze Weile. Lange Zeit überwiegten für mich jedoch die Vorteile. Die östrogenfreie Pille konnte ich durchnehmen, ich hatte über Jahre keine Periode und die hormonelle Belastung war bei meiner Minipille mit 75 Mikrogramm auch verhältnismäßig gering.

Erhöhtes Thrombose Risiko

Keine Gedanken an Tampons oder eine ungewollte Schwangerschaft plagten oder schränkten mich in meiner Sexualität ein. Dennoch: jeden Tag diese kleine, gelbe Tablette zu schlucken, das belastete mich. Zum einen, weil die Pille sich wie ein nicht notwendiges Medikament anfühlte, zum anderen fand ich es schlicht und ergreifend lästig, wenn mein Handy mich tagtäglich  an die Pilleneinnahme erinnerte. Vor allem aber machte ich mir Sorgen über das Thrombose-Risiko.

Auf der Suche nach alternativen Verhütungsmitteln, stolperte ich über den Pillenreport und die Aussage, dass die Anti-Baby-Pillen der 3. und 4. Generation gar nicht so unbedenklich seien. Das Thrombose-Risiko sei nicht gesunken, sondern im Gegenteil etwa 4x höher als bei Frauen, die anders verhüten und 2,5x höher als bei Pillen, die länger auf dem Markt sind. Das signifikante Risiko steigt  für Raucherinnen zusätzlich. Ich habe auch mit den Zigaretten aufgehört, aber das ist eine andere Geschichte.

Davon berichtet auch die Reportage über eine junge Frau, die gegen die Pharmafirma Bayer klagte, nachdem sie an den Nebenwirkungen der Pilleneinnahme fast gestorben ist. Immer mehr Frauen schließen sich dieser Anti-Pillen-Bewegung an, berichten öffentlich von verschwiegenen Nebenwirkungen und Depressionen. Ich hatte nie das Gefühl von gravierender Nebenwirkungen betroffen zu sein, im Gegenteil. Die hormonelle Verhütung linderte meine Regelschmerzen, ich hatte weder zugenommen, noch diffuse Hautprobleme. Nachdem ich diese Berichte und Statistiken gelesen hatte, war für mich dennoch klar: diesen Risiken will ich mich nicht länger aussetzen. Ich wollte meine Periode zurück und mich wieder ganz als Frau fühlen.

Keine Pille mehr

Die Pille abzusetzen war dann wie ein Befreiungsschlag. Nach 26 Tagen kam die erste Monatsblutung. Es war wie der unerwartete Besuch einer alten Bekannten, die man zwar mag, die aber auch immer etwas zu lange bleibt. Ich verzichtete bewusst auf Tampons, um den Prozess genau spüren zu können und fieberte trotz mittelstarker Krämpfe richtig mit. Ich hatte das Gefühl, dass während der ersten Blutung auch etwas anderes abfloss, eine Angespanntheit, die sich wie ein grauer Filter über mein Weiblichkeitsempfinden gelegt hatte. Vielleicht hatten die Hormone doch einen stärkeren Einfluss auf mein Gemüt genommen, als bisher vermutet.

Die körperlichen Auswirkungen des Absetzens waren für mich minimal und eher psychologischer Natur. Ich bin dankbar, dass mein Körper bei diesem Hormonkarussell scheinbar keinen Schaden genommen hat. Jetzt freue mich über die monatliche, entgiftende Erneuerung und kann auch mit den üblichen Umständlichkeiten, Regelschmerzen und PMS gelassen umgehen. Möglicherweise kommt diese Gelassenheit auch mit dem Älterwerden, ich weiß es nicht genau, in jedem Fall war der Schritt zur Natürlichkeit richtig und alternativlos.