Da wir ja hier bei Happy Vagina sind, passt es sehr gut, euch von meiner Teilnahme an dem viertägigen Seminar mit dem klangvollen Namen „Happy Ass“ zu berichten. Schon vor einiger Zeit habe ich auf der Webseite von Seminarleiterin Mareen Scholl von diesem Seminar gelesen und mich gefragt, was man vier Tage lang rund um das Thema Arsch macht?

Kürzlich habe ich die Gelegenheit genutzt und es herausgefunden. Ich werde mich bemühen euch etwas Appetit auf dieses wirklich großartige Seminar zu machen – ohne zu viel zu verraten.

Happy Ass

Am Donnerstag Vormittag habe ich mich im legendären Diamond Lotus, dem wohl bekanntesten Tantrastudio in Deutschland und darüber hinaus, eingefunden.  In diesen warmen, harmonischen Räumlichkeiten wurde ich von Christian Gouttenoire, dem zweiten Seminarleiter, begrüßt. Da mich im Vorfeld die Frage beschäftigt hat, was für Leute so ein Seminar besuchen, schaue ich mir die anderen Teilnehmer*innen in der obligatorischen Vorstellungsrunde genauer an. Ich bin überrascht, wie „normal“ diese sind. Einige der Teilnehmer*innen sprechen kein Deutsch und auch weil Christian Franzose ist, wird das Seminar hauptsächlich auf Englisch gehalten und zum Teil übersetzt.

Alle sind nackt

Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist etwa ausgewogen. Außerdem gibt es vier Paare. Vom Alter ist alles dabei von Mitte 20 bis etwa Ende 50. Nach dem Vorstellen und einigem Organisatorischen folgt erst etwas Anatomie und dann Kennenlern- und Auflockerungsspiele, die teilweise sehr lustig, aber auch schon ganz schön sinnlich werden und ehrlich gesagt, verdammt schön sind.

Bereits vor dem Abendessen sind alle nackt und wir nehmen uns noch genauer in Augenschein. Wir werden dazu eingeladen, uns ganz genau anzusehen, was sich für mich überraschend gut anfühlt. Umgeben von so vielen anderen Nackten, fühlt es sich sehr natürlich an, nackt zu sein. Eigentlich hätte ich erwartet, dass in den folgenden Tagen, die gefüllt mit Meditationen, Massagen und Entdeckungsreisen rund um den Arsch sind, Gefühle wie Scham und Befangenheit aufkommen. Aber weder bei mir noch offenbar bei den anderen Teilnehmer*innen kommt etwas Derartiges auf.

Homophobie ade

Für die Partnerübungen werden die Paare gefragt, ob sie zusammenbleiben wollen. Die anderen Paare werden über Lose zusammengeführt. So kommt es, dass oft Frauen, aber auch Männer miteinander üben. Es überrascht mich, dass kein Einspruch erhoben wird. Vielmehr berichten die Männer später, die zum großen Teil heterosexuell sind, dass sie dankbar für die Gelegenheit waren, sämtliche Homophobie über Bord werfen zu können.

Wenn ich mich während den Übungen umschaue, bin ich tief bewegt von so viel liebevollem und achtsamen Umgang miteinander. Die Seminarleiter weisen uns immer wieder darauf hin, auf unsere eigenen Grenzen zu achten und für uns zu sorgen.

Der Arsch-Basar

Am Samstag haben Mareen und Christian den Höhepunkt des Seminars geplant. Denn am Abend darf sich jeder etwas zum Thema Po ausdenken und wie bei einem Basar anbieten. Es gibt verschiedene Massagen, jede Menge Spielzeug, wir können unsere Genitalen zeichnen lassen und vieles mehr. Die Stimmung ist ausgelassen und verspielt. Ohne jetzt zu viel zu verraten, es ist für alle ein bezaubernder Abend, der sehr, sehr lange geht und viel Sinnlichkeit bringt.

Am nächsten Morgen sind alle voll Liebe und Dankbarkeit für dieses schöne Erlebnis. Der vierte und letzte Tag hat für mich noch ein Highlight parat; eine Meditation aus dem Bereich Traumabewältigung, die mich regelrecht fliegen lässt. Ich kann zeitweise spüren, wie mein Körper Hormone ausschüttet und ich wahnsinnig euphorisch und geradezu „high“ werde. Ein völlig verrücktes Erlebnis.

In einer bewegenden Abschiedsrunde bin ich voller Liebe, fühle mich sehr lebendig, tief berührt und unheimlich mit dem Rest der Gruppe verbunden. Mit einigen werde ich sicher weiterhin in Kontakt bleiben. Nach vier Tagen mit meinem Hintern habe ich gelernt, mich besser zu entspannen und auf meine Körpersignale zu hören. Der Po ist ein sehr sensibles Körperteil, dass viele Emotionen speichert und sich verschießt, wenn man nicht gut mit ihm umgeht.

Fazit

„Happy Ass“ ist ein Seminar, dass ich jedem sehr ans Herz legen kann. Es lehrt nicht nur Techniken für guten Analsex, sondern viel mehr einen achtsamen, liebevollen Umgang mit sich selbst, seinem Arsch und seinem Partner und dessen Arsch.