Heike Kleen hat ein unterhaltsames Buch über Menstruation geschrieben. „Das Tage Buch“ hat selbst für mich (Tina) noch viel Wissenswertes gebracht. Daher habe ich die Autorin gebeten, fünf Dinge aufzuschreiben, die die meisten von uns über die Mens noch nicht wussten. Das Buch kann ich übrigens jeder empfehlen. So kurzweilig wurde das Thema noch nie von allen Seiten beleuchtet 😉

Die Menstruation wurde zur Unterdrückung der Frau genutzt

Ich habe nicht geahnt, wie eng die Unterdrückung der Frau und die Menstruation zusammenhängen. Über diesen biologisch völlig natürlichen Vorgang, dass Frauen einmal im Monat bluten, haben die Männer sich viele Gedanken gemacht, die Menstruation war der Anlass für wilde Theorien. Und weil Blut eher mit Krankheit oder gar Tod assoziiert wurde, kam man / Mann zu dem Schluss: Mit der Frau stimmt was nicht, da gab es verschiedene Theorien im Laufe der Geschichte: Die Körpersäfte sind im Ungleichgewicht, die Frau ist ein unfertiger Mann sprich ein schadhafter Prototyp, die Frau bewegt sich zu wenig und isst zu viel … Die alten Griechen hatten da genauso verrückte Ideen wie irgendwelche Kirchenväter oder Hildegard von Bingen, für die die Menstruation eine Erbsünde war – Eva ist mal wieder schuld. Und dass dieses Blut nun ausgerechnet aus einer Körperöffnung kommt, für die die meisten Männer sich besonders interessieren, machte die Sache besonders gruselig.

1920 verbreitete ein österreichischer Mediziner die „wissenschaftliche“ Erkenntnis, dass Frauen während der Menstruation eine Art Gift verströmen, das Menotoxin – er hat das nachgewiesen mit menstruierenden und nicht-menstruierenden Frauen, die Blumen in eine Vase stellen und Hefeteig machen mussten. Und bei den menstruierenden Frauen gingen die Blumen schneller ein und der Teig wurde nicht so gut, stellte er fest, also war der Fall für ihn klar. Und noch in den 1970 / 80er Jahren hielt man Frauen, die ihre Tage hatten, lieber aus Röntgenpraxis / vom Wurstmachen / Einkochen / Blutspenden fern. Frauen lernten über die Jahrhunderte, dass ihr Körper etwas macht, das unakzeptabel ist und das man bitte zu verstecken hat. Das ist heute natürlich nicht mehr so schlimm wie vor 50 Jahren, aber ein Tabu ist es immer noch. Wir Frauen mögen uns doch bitte nichts anmerken lassen, wie in der Werbung blütenweiß durch die Gegend hopsen und funktionieren.

Buchautorin Heike Kleen

Millionen von Frauen werden bis heute gedemütigt und bestraft, wenn sie ihre Tage haben

Die großen Religionen wie Christentum, Islam, Judentum oder Hinduismus waren sich alle erstaunlich einig, dass die Frau mindestens eine Woche im Monat unrein ist, so steht es schon in der Bibel. Dann darf sie nichts und niemanden anfassen, kein Essen zubereiten, nicht in den Tempel / die Kirche / die Moschee – und es war sogar ihre Schuld, wenn die Ernte verdirbt oder Spiegel matt werden. Und so begann man, die Frau an diesen Tagen aus der Gesellschaft auszuschließen, sie auf eine niedrigere Stufe zu stellen – so wie es in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern bis heute ist! In Afrika können Mädchen eine Woche im Monat nicht in die Schule gehen – weil sie keine richtigen Hygieneartikel haben. Und in Nepal werden Frauen in eine extra dafür gebaute Menstruationshütte geschickt, wo sie ausharren müssen, bis der „Fluch“ vorbei ist – Ende 2016 ist ein 15-jähriges Mädchen in Nepal allein in so einer Hütte gestorben!

Tampons und Binden enthalten viel mehr als Watte

Für Binden und Tampons gelten die gleichen Grenzwerte für Giftstoffe wie Taschentücher, aber ein Taschentuch halte ich mir kurz an die Nase und schmeiße es weg. Einen Tampon habe ich mehrere Stunden im warmen Körper, direkt an den Schleimhäuten. Tampons bestehen aber nicht aus Watte, sondern enthalten viel Kunststoff, damit sie auch schön saugfähig sind. Die Baumwolle kann mit Glyphosat behandelt sein und wird mit Chlor gebleicht. Alternativ gibt es Tampons aus Zellulose, dafür wird Holz mit Natronlauge behandelt, das klingt auch nicht gerade gesund. Die Verpackungen enthalten Formaldehyd, die Klebestreifen Phthalate, Dioxin kann auch noch drin sein. Das alles zwar in sehr geringen Mengen, aber wenn ich mir umgerechnet sechs Jahre meines Lebens Chemiebomben in meinen Unterleib schiebe, kann das nicht wirklich gut sein. Erste Gynäkologen sehen Zusammenhänge zwischen den steigenden Gebärmutterhalskrebsraten und der Benutzung von Tampons.

Cover Das Tage Buch

Tampons und Binden gelten steuerlich in Deutschland als Luxusartikel

In Deutschland gibt es zwei Steuersätze: 7 % für Dinge des täglichen Bedarfs, das war ursprünglich für Lebensmittel oder den Nahverkehr gedacht, damit sich das jeder leisten kann. Inzwischen werden aber auch Hundekekse oder Schildkrötenfleisch oder Blumen mit nur 7 % besteuert. Echte Luxusartikel sind dagegen Tampons, Binden oder auch Windeln. Sie werden mit 19 % besteuert – wie ungerecht ist das bitte? Die kaufe ich mir doch nicht, weil Menstruieren mein neues Hobby ist! In vielen Ländern sind Frauen deshalb auf die Straße gegangen, daraufhin wurde dort die „Tamponsteuer“ stark gesenkt oder sogar abgeschafft, Beispiele sind Kanada, Frankreich, England und sogar Kenia! In Deutschland müssen wir weiter 19 % auf Hygieneartikel zahlen …

Es werden endlich neue Produkte entwickelt, weil wir beginnen, über das Thema zu sprechen

Menstruationskappen, absolut dichte Unterhose, Kräuterschokolade gegen Regelschmerzen, Zyklus-Apps, Menstruationsboxen als Abo – unzählige Start-Ups entwickeln gerade Produkte, die Frauen das Leben leichter machen. Menstruationskappen können in Asien und Afrika das Leben der Mädchen und Frauen revolutionieren, denn man kann sie jahrelang benutzen und muss nicht regelmäßig teure Hygieneartikel kaufen, die dort schwer zu bekommen sind. Damit könnten Mädchen an allen Tagen des Monats zur Schule oder zur Arbeit gehen, sie wären nicht länger aufgrund eines völlig natürlichen körperlichen Vorgangs benachteiligt und vom Alltag ausgeschlossen – sie hätten eine bessere Zukunft!

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