Insa Schniedermeier litt über 2 Jahre am Ausbleiben ihrer Periode. Die Diagnose: Sekundäre Amenorrhö oder auch Post-Pill-Syndrom. Damit gehörte sie zu den bis zu 2% der Frauen, die nach dem Absetzen ihrer hormonellen Verhütungsmittel für mehr als 3 Monate keine normale Periode bekommen. Auf ihrem Blog PrettyPrettyWell.com schreibt sie über ihren Heilungsweg und andere Themen rund um Weiblichkeit, Gesundheit und die Suche nach sich selbst.

Du machst einen Blog über Frauengesundheit und Amenorrhö. Was ist die persönliche Story dahinter?

Meine persönliche Geschichte ist die, dass ich über 2 Jahre selbst von einer Amenorrhö betroffen war, also dem Ausbleiben meiner Periode. Am Anfang war mir das total unangenehm, ich war damals 28 und kannte niemanden, dem es auch so ging. Dachte ich. Denn als ich begann, über das Thema zu sprechen und mich meinen Freundinnen anzuvertrauen, erfuhr ich, wie vielen von ihnen es ähnlich geht oder ging: unregelmäßige Perioden, Regelschmerzen (Dysmenorrhö), Prämenstruelles Syndrom (PMS), Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), gänzliches Ausbleiben der Blutung (Amenorrhö)… viel mehr Mädchen und Frauen sind von diesen zyklischen und meistens hormonell bedingten Störungen betroffen als viele denken.

Der offene Austausch stärkte mein Selbstbewusstsein und vertiefte auch einige meiner Freundschaftsbeziehungen. Es tat gut, endlich meine Ängste und Erfahrungen teilen zu können. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Leider höre ich bis heute oft: „Außer meinem Freund und meiner besten Freundin weiß das niemand.“ Dass es so wenig offenen Austausch dazu gibt, zeigt nur, dass das Thema Periode & Co. leider immer noch tabu ist. Wobei langsam ein Umdenken stattfindet.
Da es damals noch nicht so viel online zu dem Thema gab, beschloss ich meinen Blog PrettyPrettyWell.com zu gründen. Um anderen Frauen – inklusive mir selbst – Mut zu machen, das Thema Weiblichkeit und Periode aus der Tabuzone zu befreien und die eigene Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen. Denn frau kann so viel machen, auch fernab von der Schulmedizin, deren Patentrezept oft nur das Verschreiben der Pille ist.

PrettyPrettyWell.com startete also als mein digitales Gesundheitstagebuch – und ist es bis heute geblieben. Denn die Themen gehen mir nicht aus – obwohl ich es nach ein paar Monaten schaffte, meine Periode ganz natürlich und ohne Hormonergänzungstherapie zurückzubekommen! Was mir dabei am meisten geholfen hat, habe ich meinem Buch „Happy Periods. Zurück zum Zyklus in 10 Schritten“ zusammengefasst.

Welche Rolle spielten hormonelle Verhütungsmittel bei deiner Amenorrhö?

Über Jahre hinweg habe ich hormonell verhütet, erst mit der Pille, dann mit dem NuvaRing. Unter dem NuvaRing wurde meine Periode bzw. die Abbruchblutung, die ja eigentlich gar keine richtige Periode ist, immer schwächer und irgendwann blieb sie ganz aus. Meine behandelnde Frauenärztin meinte, das wäre schon okay und nicht unnormal bei schlanken, jungen Frauen in meinem Alter. So verhütete ich weitere 6 Monate mit dem NuvaRing, ohne eine Blutung zu bekommen. Ein Bluttest zeigte schließlich: meine Hormonwerte waren im Keller.

Die Frauenärztin riet mir sofort dazu den NuvaRing abzusetzen, was ich auch tat. Innerhalb von 6 Wochen hatten sich meine Hormonwerte normalisiert – doch meine Periode sollte noch für weitere 1,5 Jahre ausbleiben. Kurz: hormonelle Verhütungsmittel haben sicherlich einen Teil dazu beigetragen, dass meine Periode ausblieb. Aber auch andere Faktoren wie meine Ernährung, mein Sportprogramm und die Beschäftigung mit meiner Weiblichkeit spielten eine große Rolle dabei.

Foto: Insa Schniedermeier
Foto: Insa Schniedermeier

Wie ging es dir körperlich nach dem Absetzen und mit deiner Amenorrhö?

Ich hatte wahnsinnige Angst vor dem Absetzen des NuvaRings, da ich schon viele Horror-Stories über Akne, unreine Haut, Haarausfall etc. gehört hatte. Das stellte sich alles als unbegründet heraus. Bis auf ein paar Mini-Pickel ging es mir blendend. Es war Frühling und ich hatte Lust auf das Leben und die Liebe, auszugehen, zu tanzen, Musik zu hören… ich war ständig unterwegs und kostete das Leben in vollen Zügen aus. Auch meine Libido erwachte aus dem Winterschlaf.

Lediglich mein Gewicht war ein Thema. In recht kurzer Zeit verlor ich 1,5 kg, wahrscheinlich aus Wassereinlagerungen, sodass ich eine Zeitlang recht dünn mit einem BMI um die 19 war.

Mehr zur Menstruation findest du bei uns hier, hier und hier.

Ich habe mit 19 die Pille abgesetzt und auch keine Regel bekommen. Mein Arzt sagte nur: Das wird schwierig beim Kinderwunsch. Wie war das bei dir?

Ich hatte es nie so eilig, jung Mutter zu werden. Ich wollte Karriere machen, die Welt entdecken, mich selbst finden… doch natürlich schwebt eine Amenorrhö wie ein dunkler Schatten ständig über einem. Jedes Mal, wenn ich eine schwangere Frau sah oder von Freundinnen nach einem Tampon gefragt wurde, versetzte es mir einen Stich und ich fühlte mich „mangelhaft“. Imperfekt. Ich verfluchte meinen Körper, anstatt seine brillante Intelligenz zu bemerken, mit der er mir die ganze Zeit einen Schubs in Richtung Gesundheit weisen wollte.

Was hat die Amenorrhö seelisch mit Dir gemacht?

Lange Zeit verdrängte ich das Thema Amenorrhö einfach. Ich hatte viel zu tun, reiste für meinen Job um die Welt und fühlte mich gut. Schließlich ist es leichter, etwas zu ignorieren, was nicht da ist als etwas, das einem Schmerzen bereit. Ein Phantom-Symptom sozusagen. Und so präsent ist das Thema Periode ja auch nicht in unserem täglichen Leben, bis auf die gerade beschriebenen Situationen mit Schwangeren oder Tampons.

Doch je länger meine Amenorrhö anhielt, desto mehr wurde die Stimme in mir lauter, die sagte: So geht das nicht weiter. Du musst dich darum kümmern gesund zu werden. Am zweijährigen Geburtstag meiner Amenorrhö traf ich dann den Entschluss: Jetzt packe ich das an. Meine Gesundheit wird ab jetzt meine Priorität Nummer 1! Und so war es dann auch.

Dieses Aktiv-Werden stärkte mein Selbstbewusstsein – endlich war ich nicht mehr das Opfer, sondern konnte etwas tun. Ich bin überzeugt davon, dass das Erkennen der erste Schritt zur Heilung ist. Von da an ging es bergauf.

Für viele Männer kommt ein Kondom nicht infrage. Hattest Du das Gefühl, Männer erwarten, dass Frauen sich um Verhütung kümmern?

Nein. Nachdem das Thema hormonelle Verhütungsmittel für mich durch war, gab es erstmal keine Alternative zu Kondomen. Ich hatte das Gefühl, dass man als Frau bei Verhütungsmitteln nur zwischen Pest und Cholera wählen kann. Ich wollte keine Spirale in mir und auch Diaphragmen waren mir irgendwie suspekt.


Ich sehe das ganz praktisch: Ein Mann, für den ein Kondom nicht infrage kommt, wird sicherlich nicht mein Mann 😉 In einer Partnerschaft sollte man schließlich eine Lösung finden, mit der beide Partner happy sind!

Zwei Jahre keine Regel – war das auch eine Befreiung? Schließlich träumen viele Frauen davon?

Irgendwie ja. Wie gesagt, mir ging es schließlich super. Und erst nachdem ich meinen normalen Zyklus zurück hatte, merke ich, was es eigentlich bedeutet, wenn frau jeden Monat die Östrogen- und Progersteron-Achterbahn fährt.

Mittlerweile genieße ich es, meinen Körper zu beobachten und versuche darauf zu achten, ihn optimal für seine jeweilige Zyklusphase zu unterstützen. Das geht zum Beispiel mit Seed Cycling – ein super spannendes Thema wie ich finde.

Warum wolltest Du schließlich doch deine Regel zurückhaben?

Mit einer Amenorrhö ist nicht zu spaßen. Klar, man hat den Vorteil, auf die nervige Blutung, PMS & Co. zu verzichten. Doch ein niedriger Östrogenspiegel geht auch oft mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Frauen brauchen ihre Periode, um vollständig gesund zu sein. Deswegen wollte ich sie zurück. Und natürlich, weil ich irgendwann auch einmal Kinder haben möchte ☺

Wie hat sich Ernährung und Sport auf das Ausbleiben der Regel ausgewirkt?

Die Ernährung spielt eine sehr wichtige Rolle beim Thema Amenorrhö, diesem Aspekt habe ich einen ganzen Artikel gewidmet: Ernährungstipps gegen Amenorrhö.

Auch das Gewicht ist ein wichtiger Faktor. Ich empfehle, einen BMI von >19, besser über 20 und auch einen Körperfettanteil in diesem Bereich. Es ist jedoch nicht nur wichtig, dass wir ausreichend Kalorien zu uns nehmen, sondern auch, dass wir dies regelmäßig tun. Viele Amenorrhö-Betroffene vergessen zu essen und haben schnell 7-stündige Pausen zwischen den Mahlzeiten. Das ist eindeutig zu lang. Ich sage immer: maximal 4 Stunden zwischen den Mahlzeiten und spätestens 1,5 Stunden nach dem Aufstehen frühstücken, am besten etwas Warmes. Dann kann sich der Körper nach einer Zeit wieder darauf einstellen, dass gut für ihn gesorgt wird.

Und welchen Anteil hatte deine (fehlende?) Weiblichkeit?

Sicherlich hatte dieser Punkt auch eine bedeutende Rolle gespielt. Wie in meinem Artikel „Das Weiche und das Harte“ beschrieben, war das Frau-Sein lange nur ein Demografie-Merkmal, so wie Beziehungsstatus, Wohnort oder höchster Bildungsabschluss. Ich wollte maximal unabhängig sein, maximal stark, maximal erfolgreich. Weich sein? Passiv sein? Weiblich sein? Nein, danke. Doch im Zuge meiner Forschung über Amenorrhö habe ich diese Seite neu an mir entdeckt und bewusst herausgekitzelt. Und ich muss sagen: ich mag sie ziemlich gerne. Ich habe gelernt: schwach zu sein und nachzugeben IST eine Form von Stärke. Mittlerweile bin ich viel liebevoller mit mir selbst geworden, höre mehr auf meine Intuition und meine innere Stimme und weniger auf meinen Verstand.

Was hast Du aus der Erfahrung der Amenorrhö und der Rückkehr der Periode gelernt?

Ich habe gelernt, wie toll unser Körper ist und dass er die ganze Zeit mit uns spricht, wenn frau denn nur lernt zuzuhören. Ich habe gelernt, langsamer zu machen und auf mich zu achten, meine rigide Selbstdisziplin zu hinterfragen, meine Weiblichkeit neu zu entdecken und mehr über meine Ernährung zu lernen. Und ich habe gelernt, wie sehr ich es liebe zu schreiben und mich kreativ auszudrücken und wie sehr mir das lange Zeit gefehlt hat. Ich habe gemerkt, dass ich in einer Beziehung feststeckte, in der ich nicht mehr glücklich war. Und habe meine Konsequenzen gezogen. Ich bin umgezogen, habe meinen neuen Freund kennengelernt, habe eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht, meinen Job gewechselt, meine Werte neu definiert und meine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht. Ich habe Hormon-Yoga kennengelernt und angefangen, regelmäßig zu meditieren.

Heute fühle ich mich lebendiger denn je. Und das habe ich tatsächlich zu einem großen Teil meiner Amenorrhö zu verdanken, beziehungsweise dem Ruf meines Körpers, dem ich folgte.

Was können Frauen auf deinem Blog noch erfahren?

Auf PrettyPrettyWell.com teile ich neben meiner Amenorrhö-Heilungsgeschichte auch Artikel zu den Themen Hormonbalance, Weiblichkeit und Selbstfindung. Leckere Rezepte gibt’s natürlich auch!

Meine Amenorrhö-Erfahrungen habe ich in meinem E-Book „Happy Periods. Zurück zum Zyklus in 10 Schritten“ übersichtlich zusammengefasst. Von einigen treuen Leserinnen, die ebenfalls an Amenorrhö litten, weiß ich, dass sie jetzt schwanger sind, was für ein tolles Feedback!

Da ich oft danach gefragt wurde, biete ich seit kurzem auch die Möglichkeit an, einen telefonischen Beratungstermin mit mir zu vereinbaren, während dem ich individuelle Tipps geben und eine Ernährungsberatung bei Bedarf anbiete.

Was ist die Vision für deinen Blog?

Mit PrettyPrettyWell.com möchte ich weiterhin Frauen bestärken, ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen und selbst etwas für dass eigene Wohlbefinden zu tun. Eine Art Health Empowerment sozusagen ☺