In Vorbereitung auf die Wechseljahre empfiehlt Kerstin Thea Erwied eine schrittweise Anpassung der Ernährung an die kommenden Veränderungen. Damit können viele der auftretenden Symptome nämlich abgeschwächt, wenn nicht sogar aufgelöst werden. Es sollte sehr vitamin- und mineralstoffreich, etwas proteinreicher aber kalorienarmer gegessen werden, da der Stoffwechsel unter dem zunehmenden Hormonentzug die Tendenz hat, etwas langsamer und träger zu werden. Ihre 10 besten Ernährungstipps findet ihr hier.

Kerstin Thea Erwied ist Ganzheitliche Ernährungsberaterin/Gesundheitscoach

Die Wechseljahre eine Herausforderung? YES! Denn in dieser Herausforderung steckt eine wunderbare Chance. Ob wir uns frisch, wohl und im Gleichgewicht fühlen, hängt unmittelbar mit unserem Lebensstil zusammen. Und den haben wir glücklicherweise größtenteils selbst in der Hand.

Die Wechseljahre fordern uns regelrecht dazu auf, hinzuschauen und gegebenenfalls zu korrigieren. Wir Menschen sind Teil der Natur und alles in ihr und in uns verläuft rhythmisch und in Zyklen. In dem Maße, wie wir zu den natürlichen Rhythmen und zu einem ausgewogenen Lebensstil zurückfinden, kommen wir auch der Quelle für unsere Lebenskraft und Energie näher. Diese Veränderungen anzunehmen und uns in Frieden mit ihnen fühlen, das stärkt unser Immun-, Hormon- und Nervensystem und wirkt auf allen Ebenen ausgleichend.

Mehr als wir denken, hängt unsere physische, psychische und seelische Gesundheit dabei von der Ganzheit und Frische unserer Lebensmittel ab. Eine vollwertige Ernährung mit hohem Rohkostanteil macht unseren Körper sensibler, was sich positiv auf die Seele und die Sexualität auswirken kann. Eine größere Sensibilität lässt uns instinktiv auf das reagieren, was uns bekommt und nicht bekommt. Lernen wir immer mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, entscheiden wir intuitiv.

Im Laufe seines Lebens nimmt der Mensch etwa 80 000 Mahlzeiten zu sich. Davon sollten die „Heiligen Vier“, wie sie Anthony William in seinem Buch „Medical Food“ bezeichnet, überwiegen:

  • Gemüse
  • Obst
  • Kräuter & Gewürze
  • Nahrung aus der freien Natur

Die für dich passende Ernährung kann zum kraftvollsten Instrument für eine bessere seelische Verfassung, mehr Energie und Ausdauer, klarere Denkprozesse und weniger emotionales Achterbahnfahren werden.
Mit diesem Wissen sollten wir in der Lage sein, uns den Herausforderungen der Wechseljahre gelassen zu stellen.

1. Unsere Haut in den Wechseljahren – zurück zum pubertierenden Kind?

Wenn sich neben den allgemeinen Wechseljahrsbeschwerden auch die Haut meldet und ihr das Gefühl habt, wieder in die Pubertät zurückversetzt zu sein, ist eine Ernährungskorrektur von unschätzbarem Wert.  

In den Wechseljahren verändert sich unsere Haut, wenn das Gleichgewicht der Sexualhormone gestört ist und zu viele männliche Sexualhormone produziert werden. Die Poren verstopfen schneller und das Hautbild kann erneut unrein werden. In manchen Fällen spricht man auch von Spätakne.

Es ist allgemein bekannt, dass es für eine gesunde Haut einen gesunden Darm braucht. Da hilft es, belastende Lebensmittel auf längere Zeit, am besten auf Dauer aus dem Speiseplan und fermentierte Lebensmittel vermehrt in den Speiseplan aufzunehmen.

Meine Empfehlungen für schöne Haut:

  1. Generell eine basische, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, glutenfreien Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Sprossen und Kernen.
  2. Kuhmilchprodukte durch Ziegen- oder Schafmilchprodukte und durch Pflanzenmilch ersetzen.
  3. Nur voll ausgereiftes Obst verzehren, um die Obstsäure zu reduzieren.
  4. Täglich ein Glas Fermentationssaft oder fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut und Kimchi (bei Histaminintoleranz bitte Vorsicht).
  5. Eiweiße so viel wie nötig, so wenig wie möglich aus tierischer Produktion, um die Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. Günstig ist es, auf pflanzliches Eiweiß auszuweichen.
  6. Ausreichend gutes, kohlensäurefreies Wasser trinken. Das erhöht den Spannungszustand der Haut und sorgt für einen reibungsfreien Transport der Nährstoffe zu den Zellen. Wasser sollte immer deine erste Wahl sein, wenn du Durst verspürst.
  7. Leicht verdauliche Kost, mild gewürzt und nur leicht gegart oder gedünstet.
  8. Zu den besonders hautfreundlichen Lebensmitteln gehören Karotten, Kürbiskerne, Linsen, grüne und orange-gelbe Gemüsesorten, Beerenobst, Haferflocken, Hirse, Nüsse und Leinöl. Diese Lebensmittel (und weitere mehr) versorgen uns mit den für die Haut lebensnotwendigen Mineralstoffen, Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien.
  9. Ausreichend Schlaf, Entspannung, Bewegung in der Natur.
  10. Achtsam mit Stress umgehen. Positiver Stress gehört zum Leben, negativen sollten wir weitestgehend vermeiden.
  11. Dem Körper so wenig wie möglich Schadstoffe aus der Umwelt zuführen. Die Schadstoffbelastung lässt sich durch Lebensmittel in Bio-Qualität, Naturkosmetik und Kleidung aus Naturfasern reduzieren.
  12. Intervallfasten, um dem Körper Zeit zur inneren Reinigung zu geben. Bei Hautproblemen  gibst du deinem Körper einen Impuls zum Entgiften/ Entschlacken, indem du an einem Tag in der Woche auf eine, zwei oder alle Mahlzeiten verzichtest und stattdessen vermehrt Wasser, frisch gepresste Gemüsesäfte und reinigende Tees trinkst.

Mein Tipp: Zwei bis drei Wochen sanfte Entgiftung durch Rohkost lassen uns um einige Jahre jünger aussehen, der Körper strafft sich, die Linien werden weicher, Haut und Haare wirken gesünder. Der Rohkostanteil sollte in Abhängigkeit von der Verträglichkeit und Verdauungskraft behutsam gesteigert werden.

Was tun bei Cellulite?

  • Die entgiftenden Eigenschaften der Frischkost können wir nutzen, um Cellulite zu lindern. Mit frisch gepressten Gemüsesäften, grünen Smoothies und Salaten aus biologischem Anbau ist bereits viel getan, um Stoffwechsel und Entgiftung anzukurbeln.
  • Viel  gutes Wasser trinken, fördert den Transport von Stoffwechselabbauprodukten über das Lymphsystem.
  • Um unsere Leber zu unterstützen, die unser größtes inneres Entgiftungsorgan ist, sind Bitterstoffe bitter nötig. Leider finden wir diese immer weniger in herkömmlichen Lebensmitteln. Denn selbst aus Grapefruit, Chicorée, Radicchio und Artischocken werden sie mehr und mehr herausgezüchtet. Es lohnt daher sehr, Bitterstoffe direkt aus der Natur zu beziehen und zum Beispiel einen Löwenzahnsalat, Schafgarben- oder Wermuttee in den Speiseplan mit aufzunehmen.
  • Zur Hautpflege werden naturbelassene Pflanzenöle oder Nussbutter ohne Parfüm und industrielle Zusätze empfohlen. Bei regelmäßiger Anwendung wird die Haut ausreichend mit Feuchtigkeit und wertvollen Mineralien versorgt, die Struktur des Bindegewebes gestärkt und elastischer. Kokosöl beispielsweise kann, regelmäßig einmassiert, Cellulite lindernd.
  • Sport und Bewegungsübungen dürfen beim Anti-Cellulite-Programm auf keinen Fall fehlen. Ob Yoga, die 5 Tibeter, Qigong oder Pilates, wenn wir sie zu unserem täglichen Ritual machen, können sie uns fit bis ins hohe Alter begleiten.
  • Bürstenmassagen und Wechselduschen sind ebenfalls sehr wirkungsvoll und eine Freude für unsere Haut.

2. Trockene Vagina

Trockene Schleimhäute sind eine recht häufige Begleiterscheinung der Wechseljahre. Parallel zu einer Konsultation eurer Ärztin/ eures Arztes beziehungsweise eurer Heilpraktikerin/ eures Heilpraktikers des Vertrauens empfehle ich,  insbesondere den Zuckeranteil drastisch zu reduzieren. Der Fokus sollte auf einer vollwertigen Vitalkost liegen, die den Körper ausreichend mit den Vitaminen C, B5, B-Komplex, Magnesium und Zink versorgt.

Gelb-oranges Gemüse sowie grünes Blattgemüse liefern Beta-Karotin, das den Aufbau der Schleimhäute fördert. Löwenzahnblätter und Haferstroh  sollen zum Beispiel die Fähigkeit zur Selbstbefeuchtung der Scheidenschleimhäute fördern.

Eine selbstfürsorgliche Anmerkung dazu: Trockenheit hat immer auch etwas mit unserer Lebensenergie zu tun. Wie können wir für uns sorgen, dass sie wieder in Einklang mit uns und dem Leben kommt? Was braucht es, um sie wieder fließen zu lassen?

3. Zu viel Hitze Schwitzen zwischen den Brüsten

  1. Kühlende Lebensmittel wie frisches Obst, mineralstoffreiche Smoothies und Säfte, mild gewürzte, fettarme Gerichte, die der Körper leicht verdauen kann, können das Schwitzen lindern.
  2. Den Zucker- und Fleischkonsum auf ein Minimum reduzieren.
  3. Wohltemperierte anstelle von eisgekühlten Getränken.
  4. Beruhigende Tees wie Salbeitee und Lindenblütentee, die die Schweißproduktion reduzieren können.
  5. Kleidung und Unterwäsche aus Naturfasern wie Baumwolle, Batist, Seide, Leinen, wodurch die Haut besser atmen und ein Hitzestau verhindert werden kann. Auf synthetische Fasern solltet ihr jetzt komplett verzichten.
  6. Überwiegend Naturkosmetik verwenden.
  7. Den Körper Temperaturschwankungen aussetzen wie zum Beispiel durch Saunagänge, Wechselduschen, Barfußlaufen durch einen Fluss oder durch Morgentau.
  8. Regelmäßiges Schwitzen beim Sport.

Mit diesen Empfehlungen habt ihr die Schweißdrüsen etwas mehr unter Kontrolle und die Hitzewallungen fallen meist etwas milder aus.

4. Gemütsschwankungen – Achterbahnfahren

Was wir hier brauchen, ist vor allem Nahrung für die Seele. Wenn wir wissen, was uns gut tut – das geht weit über unsere Nahrung hinaus und berührt unsere kreative Seite – dann können wir mit Gemütsschwankungen gelassener umgehen und aus der einen oder anderen Runde eher aussteigen.

  1. Kreative, nicht nutzenorientierte, sondern aus der Freude heraus motivierte Tätigkeiten und deine persönlichen Entspannungsrituale sind die Nahrung, die wir in dieser Phase brauchen.
  2. Für einen guten Schlaf können Bananen, Melisse- oder Johanniskrauttee sowie ein entspannendes Lavendel- oder Melissebad sorgen.
  3. Dem Granatapfel wird nachgesagt, dass er harmonisierend und stimmungsaufhellend wirkt und Erschöpfung, Unruhe und Nervosität positiv beeinflussen kann.
  4. Um uns wach und klar im Kopf zu fühlen, sollten wir unserem Gehirn echte, gute Nahrung zukommen lassen. Dazu zähle ich Datteln, Feigen, Kokosnuss und Kokoswasser, Melone, Zitrusfrüchte, Weintrauben aus biologischen Anbau, frisch gepresste Säfte und Smoothies.
  5. Ein gutes Mittel bei Stimmungsschwankungen ist ein Lusttag, ein Tag ohne Pflichten, nur essen und tun, was dir Spaß macht.

Welche Prozesse sich im weiblichen Körper während der Wechseljahre abspielen, könnt ihr im ersten Artikel dieser Serie zum Thema Wechseljahre unter Wechseljahre eine Herausforderung für Körper, Seele und Sex nachlesen.