Willkommen in meinen privaten Kinosaal. Ich liebe Filme. Mir egal ob Disney, Action oder Porno. Aber am aller besten finde ich mein ganz persönliches Porno-Kopfkino. Da bin ich dann schon mal die Herrin einer römischen Gladiatorenschule und feiere eine wilde Orgie, bei der alle machen, was ich will. Oder ich finde mich wieder in der Umkleide des neuseeländischen Rugbyteams. Mehr muss ich ja wohl nicht sagen. Aber wie erzählt man seinem Partner von seinen extravaganten Sex-Fantasien – ohne ihn völlig zu verschrecken?

Da es sehr vielen schwer fällt, frei über die intimsten Sex-Fantasien zu sprechen, gibt es mittlerweile sogar schon professionelle Hilfe in Form der App UnderCovers oder des Internetportals Arcana. Doch bevor ihr jetzt Geld für digitale Helferlein ausgebt, hier meine persönlichen Tipps, wie man schon mit Reden weiterkommt.

Wunsch vs. Sex-Fantasie

Doch halt mal: Muss man seine Sex-Fantasien eigentlich erzählen? Ich denke nicht umbedingt. Denn erstmal muss zwischen Fantasien und Wünschen unterschieden werden. Fantasien sind die kinky kleinen Filme, die uns in unserem privaten Kino tierisch auf Touren bringen und nur selten in die Realität geholt werden können/sollen/müssen. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied von Nachrichten zu Krimis. Nachrichten sind schrecklich. Kriegsberichte, Bombenangriffe, Vergewaltigungen und Verbrechen will niemand hören und schon gar nicht erleben. Deshalb schaue ich auch keine Fernsehnachrichten mehr. Fast jeder wird dagegen einen guten Krimi sehr zu schätzen wissen und da darf es dann auch mal hart und blutig zu gehen. Genauso ist es mit unseren schmutzigen Fantasien. Vergewaltigungsfantasien sind bei Frauen sehr gängig, aber keine Frau möchte so etwas in der Realität erleben. (Hier ein Artikel von Ze.tt über heimlich sexuelle Fantasien.)

Der Wunsch dagegen ist etwas, was uns in der Fantasie anmacht und was wir auch real erleben wollen, um so unseren Sex zu verschärfen. (Hier mehr zu Dirty Talk)

Wenn man etwa die Vergewaltigungsfantasie in Form von Rough Sex im Liebesspiel als Würze mit einbringen möchte, gibt es in der Regel „Sicherheitsmaßnahmen“ wie ein Safewort oder das „Ampel-System“. Dazu wird ein Wort im Vorfeld vereinbart, dass so gar nichts mit Sex zu tun hat wie etwa Kühlschrank oder Toaster. Sobald einer also Toaster ruft, wird sofort alles beendet. Beim Ampel-System werden statt des Safeworts einfach die Ampelfarben genommen. Grün bedeutet „Alles in Ordnung – weitermachen.“ Orange steht für: „Noch in Ordnung, aber nicht weitergehen oder härter werden“ und rot steht selbsterklärend für „Stop!“ So können sich die Partner jeder Zeit Feedback holen und geben, ohne das Spiel zu unterbrechen. So merkt man leicht, wenn der Griff in den Haaren gelockert werden muss oder sie ihre Position ändern will. Es ist halt alles nur ein Spiel. Zum Glück!

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Trotzdem kann es für den Partner befremdlich sein, wenn er das erste Mal von solchen Wünschen hört.

Also fangt sanft an! Wenn ihr heimlich total auf Gay-Pornos steht, solltet ihr fragen, ob er als Teenie schon mal ein Bi-Erlebnis hatte oder solche Fantasien komisch findet, bevor ihr ihm sagt, dass ihr sehen wollt, wie er sich den Schwanz von einem anderen Mann blasen lässt.

Lasst euch auch die Sex-Fantasien und Wünsche eures Partners erzählen. Redet darüber. Was genau findet er daran geil? Besonders heiß wird es, wenn ihr aus seiner Fantasie eure Fantasie machen könnt. Mein Partner hat mir kürzlich gesteckt, dass er gerne mit mir Sex in einem Car2Go haben möchte. Diesen Wunsch werde ich ihm gerne erfüllen.

Als Einstieg ist es wunderbar, euch gegenseitig erotische Literatur vorzulesen. Am besten solche, in denen eure Wünsche und Fantasien vorkommen. Dann könnt ihr ganz unschuldig fragen: „Wie fändest du denn sowas?“ Die Antwort verrät viel darüber, wie eure persönlichen Triggerpunkte von eurem Partner aufgenommen werden. Sehr sexy ist etwa „Hotel D’Amour“ von Sophie Andresky.

Das muss nicht sein

Und bevor ihr loslegt, euren Süßen mit euren wildesten Sex-Fantasien zu konfrontieren, überprüft, ob dieser Film was für ihn sein könnte oder ob es zu einer augenblicklichen Kastration führen könnte. So könnte eure Fantasien von einem Mann mit einem riesigen Penis einen normal ausgestatteten Mann massiv verschrecken. Wenn ihr den Wunsch danach habt, versucht es erstmal mit einem etwas größeren Dildo, bevor ihr einen echten Mann ins Spiel bringt.

Die Sex-Fantasien, von denen ihr wisst, dass euer Partner so gar nichts damit anfangen kann, sie gar ekelig, verstörend, abstoßend findet oder sie völliges Unverständnis hervorrufen, behaltet ihr für euch. Manchmal ist es gut, wenn der andere nicht alles weiß 😉

Und umgekehrt genauso. Wenn ihr mit den Wünschen eures Partner nichts anfangen könnt, lasst es. Wenn seine Fantasien euch abstoßen, bittet ihn, sie für sich zu behalten. Verbiegt euch nicht. Macht nichts, worauf ihr keine Lust habt oder wozu ihr euch zwingen müsst, nur um dem anderen zu gefallen. Dann ist die Fantasie besser im Land der Fantasie aufgehoben oder die Wünsche eventuell in den Händen eines Profis.