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Muss es eigentlich immer ein Orgasmus sein?

Viele Menschen richten ihren Blick sehr auf den Orgasmus und verpassen dabei oft das breite Spektrum von Sex. Sie warten ungeduldig auf den Höhepunkt, so sehr, dass sie die ganze Klaviatur von Streicheln bis Küssen nicht voll und ganz genießen können. Autorin Fehu fragt sich, ob nicht der Weg das eigentliche Ziel ist.

Kürzlich war ich auf einem Konzert. Im Saal herrschte eine Menge Vorfreude und Aufregung. Als die Band auf die Bühne kommt, klatschen alle und pfeifen. Die Vorfreude steigt, dann setzt der erste Song ein, das Publikum jubelt. Freudige Erregung schießt durch die Körper und steigt wie eine Flut mit jedem Song, nur um bei den ersten entspannten Klängen in ein wohliges und beseeltes Gefühl abzuebben. 

Doch noch ist es nicht vorbei: Die bekannten Hits der Band ertönen und bei allen schießt der Glückshormonpegel wieder nach oben und so geht es weiter, bis die Band zum Schluss ihren Mega-Hit spielt und alle voll durchdrehen. 

Blockieren wir uns selbst?

Während der ganzen Zeit habe ich gelacht, gekreischt, gefeiert, mitgesungen, getanzt und mich durch eine Vielzahl an menschlichen Gefühlen und Emotionen bewegt. Ich habe jeden Moment genossen – die lauten, aber auch die leisen, die wilden aber auch, die stillen. Warum erleben viele von uns Sex nicht genauso? Warum arbeiten viele beinahe verbissen auf den Orgasmus hin – und genießen die leisen Momente nicht? 

In meiner Arbeit und bei meinen Workshops werde ich immer mal wieder gefragt: „Wie kann ich den Orgasmus schneller erreichen?“ oder „Wie kann ich ihn überhaupt erreichen?“. 

Diese Fragen bringen es auf den Punkt: Viele Menschen richten ihren Blick so sehr auf den Orgasmus, dass sie das breite Spektrum von Sex verpassen. Sie warten ungeduldig auf den Mega-Hit am Ende des Konzerts, dass sie den ganzen Auftritt davor nicht genießen können. Womit natürlich total viel von dem, was erlebt und genossen werden kann, hinten überfällt. 

Ich weiß natürlich, dass der Mega-Hit, der Höhepunkt, für viele das Wichtigste ist, doch blockieren wir uns damit nicht von vornherein selbst?

Das ganze Erlebnis genießen 

Denn was wäre, wenn der Orgasmus nicht nur ein Punkt wäre, den es zu erreichen gilt und der als Barometer für guten, erfolgreichen, „richtigen” Sex gesehen wird? Was wäre, wenn wir das Wort Orgasmus neu belegen und alles, was wir während des Sexes erleben, als Höhepunkt sehen? Wie bei einem Konzert eben. Natürlich gibt es da Hits zum Mitgröhlen, aber auch Liebeslieder zum Mitschunkeln. Alle Stimmungen, Wendungen, Überraschungen, Be- und Entschleunigungen genießt und feiert man ab und genau das ist es, was uns in Ekstase bringt.

Genau darum geht es für mich: Keinem einzelnen Punkt oder einem Ende entgegenzueilen, sondern sich einer neuen Wahrnehmung zu öffnen. Das Bewusstsein darüber zu entwickeln, die ganze Fahrt zu genießen und als Höhepunkt zu feiern. Den Druck rauszunehmen, etwas erreichen und auf eine bestimmte Art und Weise funktionieren zu müssen. So können auch destruktive Gefühle verschwinden: Nicht gut genug sein, das „richtig” oder „falsch” machen, wenn wir das „Ziel“ gar nicht oder zu früh erreichen.

Den Fokus weg vom Orgasmus

Es kann um so viel mehr gehen, als nur das reine Kommen als orgiastisch wahrzunehmen. Das Wort orgiastisch leitet sich übrigens von dem Wort Orgie ab und kommt aus dem Griechischen. Etymologisch ist es seit dem 19. Jahrhundert belegt und bedeutet so viel wie: begeisternd, leidenschaftlich, ausgelassen, ohne Hemmungen, wild. 

Das Wort beschreibt also nicht nur den Zustand eines einzelnen Momentes, eines Höhepunktes, sondern vielmehr eines Zeitraums, der von Sekunden über Stunden oder sogar Tage dauern kann. Wenn wir unseren Fokus also weg vom Orgasmus hin zum orgiastischen Erleben wenden, bietet das den Raum für eine tiefere Fülle und unglaublich vielen, neuen Möglichkeiten. Und genau dazu sage ich: JA!

Entschleunigung is the key

Wie können wir also meiner Erfahrung nach orgiastischer leben? Vor allem: Die Dinge beim Sex erst einmal zu verlangsamen und tief ins Fühlen einzutauchen. Das Verlangsamen findet durch ein sich mehr Zeit nehmen statt und erlaubt, die Erfahrung dadurch noch mehr und ohne Druck auszukosten. 

So kann eine Forschungsreise mit sich selbst oder gemeinsam mit Partner*in entstehen. Was passiert und wie fühlt es sich an, wenn man Sex mit sich selbst oder anderen einfach mal in Slow-Motion und ohne Ziel – außer dem orgiastischen Genießen des Ganzen – erlebt? Was wenn man sich einfach mal das „Ziel” setzt keinen Orgasmus zu haben?

Um dann noch tiefer ins Fühlen zu gehen, lade ich Menschen gerne ein, sich mehr mit ihren Sinnen zu verbinden: schmecken, riechen, hören, sehen und fühlen. 

Raus aus dem Kopf, rein ins Fühlen

Eine gute Übung dafür ist, sich abwechselnd immer nur auf einen Sinn zu konzentrieren. Das kann auch außerhalb des Schlafzimmers gut geübt werden. Die Woche hat ja genug Tage, vielleicht widmet man den Montag einfach mal dem Riechen. Das kann dann so aussehen, dass die Aufmerksamkeit auf alle Gerüche, die einen umgeben, gelenkt werden. Oder einfach auch mal Sachen in die Hand nehmen und bewusst daran riechen – etwa das Telefon, die Haarbürste, die Flurwand, eine Kartoffel im Supermarkt oder einfach auch mal sich selbst – Hand, Arm, Knie, Zehen, Achseln und ja auch mal an der Vulva. 

Übungen mit den Sinnen holen einen direkt aus dem Kopf und rein ins Fühlen, was unseren orgiastischen Sex nur noch besser und erfüllter macht. „Die schönsten Orgasmen sind immer noch die, die wir geschenkt kriegen und nicht die, die wir erwarten”, sagt Göran Hielscher, Sexual Edutainment Coach & Speaker?

Und genau das finde ich auch! Denn wenn man das ganze Konzert genießt, ist der eine Mega-Hit am Ende gar nicht mehr so wichtig.

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Zervix-DeArmouring: Die heiße Massage – nur für Frauen

Frau, hält ihren Bauch

Ich gönne mir ein Rendezvous mit meinem Gebärmutterhals. Den Zervix kennen die meisten nur vom Krebsabstrich oder der Geburt – dabei ist dieses Organ für Mega-Orgasmen zuständig

Nach meinen ersten Erfahrungen mit Tantra und den Gesprächen mit Aleksandra Veronika und Olivia Bryant möchte ich mehr über das „Zervix De-Armouring” erfahren Bei meiner Recherche stoße ich immer wieder auf einen Name: Silja Rehfeldt. Klingt deutsch, denke ich, und google sie. Und tatsächlich arbeitet und lebt die Zervixexpertin in Berlin. Silja Rehfeldt ist seit zwanzig Jahren als körperorientierte Prozessarbeiterin tätig und unterrichtet Tantric Sience an der holländischen Rasayana Tantra Academy. 

Meine Neugier ist geweckt. Nachdem ich schon die Tantramassage gemacht habe, kann mich nichts mehr schocken, denke ich. Und mache einen Termin. Schließlich ist die Zervix das einzige Organ, das mit drei Hauptnerven mit dem Gehirn verbunden ist, was Mega-Orgasmen ermöglichen soll. 

by Hoffotografen

Körper-therapeutin Silja Rehfeldt

Foto by Hoffotografen

Verspannungen lösen

 Silja Rehfeldt empfängt mich in ihrer Praxis in Berlin-Friedrichshain. Mit ihren wilden, blonden Locken und ihrer offenen Art nimmt sie mir sofort meine Beklemmung. Nach einem langen Gespräch geht es los. Zuerst wird der Po massiert. 

„Das ist der Muskel der Seele“, erklärt sie mir dabei. Und dass es sehr schmerzvoll sein könne, denn „Scham und Schuld sitzen hier”. Rehfeldt erklärt, dass sie erst die gröbsten Verspannungen im Körper lösen müsse. So kümmert sie sich anschließend auch nicht um meinen Intimbereich, sondern um – den Kiefer. Die Lockerung der Gesichtsmuskulatur sei immens wichtig, da sie in Verbindung mit dem Beckenboden stünde, so Rehfeldt. 

„Wer oben verspannt ist, ist es unten auch.” 

Auch der Vagusnerv muss loslassen

Danach massiert sie mich rund um das Brustbein und das Zwerchfell. Vor Schmerz kann ich kaum noch atmen. Silja Rehfeldt bearbeitet meinen Vagusnerv. Der zehnte Gehirnnerv verläuft vom Kopf am Hals entlang durch den Brustkorb zum Herzen, von dort weiter in den Bauch zu den Verdauungsorganen. Als größter Nerv des Parasympathikus‘ ist er für die Entspannung zuständig. Außerdem ist er mit der Gebärmutter verbunden und von daher gilt: Ist der Vagusnerv angespannt, kann man sich beim Sex – oder beim Zervix De-Armouring – nicht entspannen. Danach widmet sich Rehfeldt noch meinem Schambeinknochen. Auch hier viel Pein. 

„Das kommt von den abgefangenen Stößen beim Geschlechtsverkehr“, erklärt sie ruhig, während sie die brennenden Knötchen massiert. 

Danach ist es soweit. 

Traumata und Taubheit lösen

Rehfeldt fragt nun, ob man bereit sei. Sie zieht Handschuhe an und massiert erst mal die Vulva, dann dringt sie vorsichtig ein. Bei schmerzenden und brennenden Stellen möchte sie, dass man den Schmerz gegen ihren Finger drückt. So kann sie Traumata und Taubheit lösen. Viele Frauen berichten nach dem Zervix De-Amouring nicht nur von mehr Lust, sondern auch von weniger körperlichen Schmerzen. Schließlich liegen im Unterleib nicht nur die Sexualorgane, sondern auch die untere Wirbelsäule, Bänder, Muskeln und die drei Beckenböden. Klar, dass jede Verspannung hier eine Kettenreaktion nach sich zieht. 

Am Ende widmet sich Rehfeldt der Zervix. Mit kräftigen Bewegungen massiert sie den großen Muskel, reibt die Oberfläche und knetet die Muskulatur. Das kann schmerzhaft sein, aber auch lustvoll. Einige Frauen berichten von fantastischen Orgasmen während der Behandlung. 

Hallo vaginale Orgasmus

Nach drei Stunden ist die Sitzung vorbei. Das Ergebnis ist überraschend: nach einigen Tagen weniger Rücken- und Schulterschmerzen. Ich bin insgesamt viel gelassener und weniger ängstlich. Offensichtlich war mein Vagusnerv sehr angespannt, also aktiv, weshalb ich nicht entspannen konnte. 

Und der Sex? Ist deutlich lustvoller geworden und die Orgasmusqualität hat sich verändert. Mehr Ohs!, die länger anhalten und sich ins Unendliche auszuweiten scheinen. 

„Das sind vaginale Orgasmen”, erklärt Silja Rehfeldt auf Nachfrage. 

Die zum Teil schmerzhafte und anstrengende Behandlung, das De-Armouring, hat sich gelohnt: Neue Wow-Empfindungen und vaginale Orgasmen lassen mich nun voll auf meine Kosten kommen. 

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Sex und Geld – wie passt das zusammen?

Paar, um das Geld vom Himmel fällt

Die Expertin Ute Benecke berät Frauen wie sie die Kraft ihrer Sexualität nutzen können, um nicht nur sexuelle, sondern auch finanzielle Fülle zu erreichen. Sie arbeitet online und von überall auf der Welt.

Liebe Ute, wie bist Du zur Sex-Coach geworden?

Alles begann mit einem einschneidenden Erlebnis, als ich für eine Routineoperation ins Krankenhaus kam. Ziel der Operation war, Myome aus der Gebärmutter zu entfernen, die meinem Kinderwunsch im Weg standen. Als ich aus der Narkose aufwachte, wurde mir mitgeteilt, dass meine ganze Gebärmutter entfernt werden musste. Ich war geschockt. Aus und vorbei der Traum von eigenen Kindern. Doch noch während ich allein in diesem kahlen, weißen Krankenhauszimmer lag, gab ich mir selbst ein Versprechen – das Versprechen, dass ich mein Leben ändern werde.

Wie hast Du Dein Versprechen umgesetzt?

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nach dem Ende einer 17-jährigen Beziehung gerade erst begonnen, meine eigene Sexualität weiter zu erkunden. Ich war neugierig, was es sonst noch so alles gab, was ich nicht kannte. Außerdem warf diese Operation eine Menge Fragen und Konflikte in mir auf: Bin ich überhaupt noch eine richtige Frau? Werde ich überhaupt noch einen Mann finden, wenn ich keine Kinder mehr bekommen kann?

Und so machte ich mich auf den Weg, meine eigene Sexualität weiter zu entdecken und besuchte Kurse und Workshops. Als ich mich nach meinem ersten Kurs von der Kursleiterin verabschiedete, sagte die diese zu mir: „Ute, du warst schon eine Schlampe bevor du hier hergekommen bist“. Ich war total empört. Wie konnte sie „so etwas“ zu mir sagen. Doch diese vermeintliche Beleidigung brachte etwas zum Vorschein, von dem ich bis dato keine Ahnung hatte: Ich habe da eine Gabe. Die Gabe, wie ich mit Sexualität im Allgemeinen und mit meiner eigenen Sexualität umging.

Hatte dein neuer Umgang mit Sex auch einen Einfluss auf deinen Beruf als Vermögensberaterin?

Ich habe mich selbst und meine sexuelle Kraft befreit und angefangen, sie zu leben. Das hat überraschender Weise nicht nur dazu geführt, dass ich mega tollen Sex hatte, sondern auch zu meinem finanziell erfolgreichsten Jahr als Vermögensberaterin. Ich habe mindestens 30 Prozent weniger gearbeitet und mit Spaß und Leichtigkeit zum ersten Mal sechsstellig im Jahr verdient. Und da war mir klar, dass hier ein Zusammenhang besteht, dass sexuelle Fülle auch zu finanzieller Fülle führt.

Ute Benecke

Ute Benecke 

Coach für erfülltes Sexleben

Seit du dich sexuell befreit hast, hat sich dein Einkommen verbessert? Wie hängt das zusammen?

Das ist ganz einfach. Dadurch, dass ich mich von all den Ängsten, Blockaden, der Scham und auch der tiefer Trauer in meiner Sexualität befreit habe, bin ich wesentlich selbstbewusster und selbstsicherer geworden. Ich bin in meiner Kraft. In meiner weiblichen und sexuellen Kraft. Ich weiß, wer ich bin, was mich ausmacht, was ich und meine Arbeit wert ist. Und ein wesentlicher Punkt ist, ich agiere aus der Lust und aus der Kraft heraus, anstatt zu denken, was ich sollte, müsste oder was Sinn macht. Das ist sehr anziehend und unwiderstehlich.

Du bietest Online-Kurse an wie „Fülle leben – sexuelle und finanziell”. Was für einen Zusammenhang gibt es von Geld und Sex?

Geld und Sex hat für mich sehr viel mit Kraft und Macht zu tun. Diese Kraft und Macht wird oft nicht im Guten ausüben. Ein Beispiel: Frauen demonstrieren ihre Macht gerne beim Sex. Sie bestimmen, wann und ob Sex stattfindet. Männer demonstrieren ihre Macht gerne mit Geld. Sie bringen das Geld nach Hause und wollen dafür auch Sex haben. Das findet meist völlig unbewusst statt. Es wird also Geld gegen Sex getauscht.

Mir ist es wichtig, dass Kraft und Macht im Guten ausgeübt wird. Die Frauen also in ihre eigene Kraft und Macht kommen, indem sie wieder selbst über sexuelle und finanzielle Freiheit verfügen. So kommen sie aus den Abhängigkeiten heraus in ihre Kraft. Dann kann übrigens auch eine wahre Begegnung zwischen Mann und Frau stattfinden.

Wie können Frauen Deiner Meinung nach in ihre Macht und Kraft kommen?

Tolle Frage! Der erste Schritt für mich ist immer, in die eigene Kraft und Verantwortung zu gehen. Das bedeutet konkret, sich davon zu verabschieden, dass der Prinz auf dem Pferd vorbeikommt und einen rettet. Stattdessen sollten Frauen lieber bereit sein, die Kröte zu schlucken und Verantwortung für sich und die eigene Sexualität zu übernehmen. Denn man hat genau die Sexualität, die man sich kreiert hat und nur man selbst ist dafür verantwortlich. Das meine ich mit „die Kröte“ schlucken.

Der nächste Schritt ist dann ernsthaft zu überlegen, wie soll Sexualität gelebt werden? Was sehen die eigenen Wünsche und Sehnsüchte aus? Dann geht man in einen Raum von „alles ist erlaubt“ und gestattet sich, seine Wünsche und Sehnsüchte zu denken. Der nächste und absolute wichtigste Schritt, den viele Frauen auslassen, ist dann aber die Umsetzung – Schritt für Schritt.

Um aufzuhören, brav, klein, lieb, schön und nett zu sein, braucht man außerdem ein Ziel. Etwas, wonach ich mich sehne, was ich wirklich aus tiefstem Herzen will. Und zum Schluss braucht es die Erlaubnis. Die Erlaubnis, die zu sein, die du wirklich bist: wild, frei, unverschämt, geil, zügellos und vieles mehr…

Wenn Frau dann wild und frei ist und der (finanzielle) Erfolg sich einstellt, ist der weibliche Erfolg dann anders als der männliche?

Ja. Sexuell erwachte Frauen haben andere Maßstäbe dafür, was Erfolg für sie bedeutet und andere Wege, wie sie erfolgreich sind. Als ich aufgewachsen bin, habe ich zum Beispiel gelernt, nur wenn ich hart und schwer arbeite, bin ich erfolgreich. Immer wieder falle ich da rein, dass ich mache, tue, kämpfe, hart arbeite. Doch das ist für mich kein weiblicher Erfolg.

Weiblicher Erfolg ist für mich, wenn ich aus meiner Kraft komme, wenn ich meiner Lust und Freude folge, dann bin ich im Fluss, dann kann ich kreieren, was ich mir wünsche, dann ist es leicht und einfach. Und das fühlt sich für mich so viel besser an, als wenn ich versuche, der bessere Mann und auf die alte Weise erfolgreich zu sein.

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„Beim Sex einen Orgasmus zu haben, ist ein weibliches Grundrecht“

Laut einer Studie erleben 65 Prozent der Frauen beim Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus. Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ ist Sex-Coach und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Hier erzählt sie von Scham, Schuld und Taubheit im Schoß – und wie sie das hinter sich gelassen hat.

Warum ist weibliche Sexualität voller Scham und Schuld?

In den letzten Jahrtausenden hatte die weibliche Sexualität quasi keine Autonomie. Ein Mädchen, aber auch eine Frau, konnte nicht selber über ihre Lust entscheiden, sonst wurde sie geächtet, bestraft oder sogar getötet. So hat sich die sexuelle Lust mit Scham und Schuldgefühlen gekoppelt. Darum unterdrücken viele Frauen ihre große sexuelle Kraft und das Erleben dieser zarten, guten, wilden Gefühle. Darüber hinaus wird sehr abwertend über die weiblichen Sexualorgane gesprochen, aber auch wie unser Brüste, Bauch, Po auszusehen haben. Das weibliche innere Selbstverständnis ist dadurch abtrainiert worden.

Gabriela Mann von „Mein Liebesleben“ by Oliver Betke

Wie wirkt sich das Deiner Erfahrung nach auf das Sexleben von Frauen aus?

Viele Frauen haben gar kein Gespür und Gefühl dafür, was sie eigentlich für Lustempfinden, Lustpotenzial und vor allem Kraftpotenzial im Beckenbereich haben. Da viele schon als Mädchen angefangen haben, diesen Bereich zu meiden, kennen sie ihren Intimbereich nicht genug und wissen gar nicht, was sich richtig gut und befriedigend für sie anfühlt. Demzufolge kennen sie auch ihre Grenzen nicht. Infolgedessen lassen sie in Liebesleben Dinge mit sich machen, die sich für sie gar nicht gut anfühlen und vor allem nicht orgastisch befriedigend sind. Sie tun es zum Teil dem Partner zuliebe und wissen nicht, dass sie sich dadurch jedes Mal leicht re-traumatisieren. Das führt letzten Endes dazu, dass die Vagina Jahre später komplett zumacht, gefühllos und gefühlstaub wird. Und dann haben diese Frauen verständlicherweise überhaupt kein genussvolles Sexleben mehr.

Warst Du auch davon betroffen?

Oh ja! Ich habe zwar kein traumatisches, sexuelles Erlebnis erleben müssen in meinem Leben und dennoch war ich total blockiert. Einfach durch die gesellschaftliche und auch religiöse Erziehung, dem emotionalen Wegsperren der weiblichen Lust. Als ich aufgewachsen bin, wurde ich für alles geschult: Violine, Flöte, Fremdsprachen, Abitur, Sport, Selbstverteidigung. Aber nicht ein einziges Mal hat mich eine Frau liebevoll an die Hand genommen und mir erklärt, wie ich als Frau sexuelle Gefühle in meinem Körper wahrnehmen darf und wie ich darauf achten kann. Es ging immer nur darum, als Mädchen kein „leichtes Mädchen“ zu sein, aber dennoch möglichst äußerlich attraktiv. Reinspüren in meinen Beckenboden, also in meine sexuelle Gefühlswelt, und mit einem Lächeln eine Regung darin wahrnehmen können und diese dann fließen lassen und ausdrücken dürfen, so eine Kommunikation gab es nie. Auch nicht in der Bravo. 

Was können betroffene Frau dagegen tun?

Sie können anfangen ihren Vaginalbereich und ihr Becken zu sensibilisieren. Dazu gehört, Verkrampfungen, die oft chronisch vorhanden sind, zu lockern. Nur so können sie wieder an die darunterliegenden weichen, sanften Gefühle kommen, die ihnen dann orgasmische Momente schenken. Dazu gehört, zu entdecken, was sich individuell am besten anfühlt und wie sie neue Autobahnen zum Orgasmus bauen können, anstatt kleine Trampelpfade zu haben, die nicht verlässlich für sie funktionieren. Natürlich müssen sie sich dann auch die psychischen Aspekte anschauen und in ihrem Stammhirn wieder ein Gefühl von Sicherheit, Loslassen und Autonomie in Verbindung mit Sexualität etablieren.  

Wie hilfst Du im Coaching diesen Frauen, in Ihre Kraft zu kommen?

Viele Frauen sind schon so erleichtert, wenn sie hören, dass sie nicht die Einzigen sind, die darunter leidet, beim Geschlechtsverkehr nicht zum Orgasmus zu kommen. Zu erleben, dass leider 65 Prozent* der Frauen aktuell noch mit dieser Problematik kämpfen, ist schon sehr traurig. Ich schaue mir als Erstes an, was die Frau im Moment noch davon abhält, beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus zu kommen. Meistens geht es darum, die eigene Empfindungswelt und die eigene Kraft im Becken und im Vaginalbereich kennenzulernen. Wenn meine Klientinnen erst einmal anfangen, dem Raum zu geben, verändert sich schon sehr viel. Sie haben dieses Organ einfach nicht bewusst aktiviert, so wie sie ja quasi beim Klavierspielen oder Basteln aktiv die Finger trainieren. Sobald sie wieder ein Gespür für die Vagina haben, ist es erfahrungsgemäß für sie auch viel einfacher, zum Orgasmus zu kommen.

Was hilft Frauen Deiner Erfahrung nach, sich besser spüren kann?

Eine Blockade ist, dass betroffene Frauen sich nicht trauen, tief zu atmen und Geräusche beim Sex zu machen. Damit verhindern sie, dass sich die Lust im ganzen Nervensystem ausbreiten kann und zu einer orgastischen Welle werden kann. Sie können schon einfach damit anfangen, dass sie sich mal eine Woche lang vornehmen, jeden Abend fünf Minuten lang in die Vagina reinzuatmen. So entsteht ein erstes Bewusstsein für den Schoß und dadurch werden die Nervenbahnen vom Gehirn zur Vagina stärker. Das führt mit der Zeit dazu, dass die Orgasmusfähigkeit wächst, weil aus einem Trampelpfad eine Autobahn im Nervensystem wird. 

Wie wichtig ist dabei das Thema Selbstliebe? 

Ohne Selbstliebe geht nichts im Leben. Das ist eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben. Doch der erste Schritt für ein befriedigendes Liebesleben ist es, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ein falscher Glaubenssatz ist, dass der andere dafür verantwortlich ist, dass man sexuell befriedigt wird. Tatsächlich ist einer der häufigsten Aha-Momente meiner Klientinnen, wenn sie erleben: „Meine sexuelle Lust ist gar nicht abhängig vom Partner, sondern der Zugang dazu steckt komplett in mir!“.

Ist ein Geheimnis, sich mehr zu erlauben?

Ja, auf jeden Fall. Viele Frauen müssen sich erst mal erlauben, sich überhaupt mit der Vagina auseinanderzusetzen. Sie müssen sich erlauben, dass es ihr Grundrecht ist, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Sie müssen sich erlauben ihrem Partner zu sagen, dass sie den Sex mit ihm, als nicht befriedigend empfinden und dass sich etwas ändern muss. Sie müssen sich erlauben, dass ihre Sexualität genauso wichtig ist wie die Befriedigung des Gegenübers. Sie müssen sich erlauben, wütend zu sein, kraftvoll zu sein und sexy zu sein. 

Welche hindernden Glaubenssätze begegnen Dir bei Deiner Arbeit?

Viele Frauen denken, es liegt nur an ihnen und mit ihr stimmt was nicht. Das ist so traurig, weil viele Frauen jahrelang oder jahrzehntelang oder manchmal sogar ein Leben lang ein unbefriedigendes Liebesleben haben. 

Bei den Männern begegnet mir häufig noch der Glaubenssatz, dass es peinlich ist, wenn man an seiner Sexualität arbeitet. Ich habe viele Klientinnen, die ihre sexuelle Lust endlich entdecken und sie mit dem Partner teilen möchten. Doch leider sind dann viele Männer nicht bereit, über sich hinauszuwachsen. Dabei wäre es total der Gewinn für die Partnerschaft, wenn beide sich neu entdecken. Ein Mann kann schließlich auch multiple Orgasmen erleben.

Wie hast Du es geschafft eine lustvolle Frau mit jeder Menge Orgasmen zu werden?

Mein Learning war: Vagina anschalten, dann schaltet sich der Kopf automatisch ab! Genau das habe ich mit vielen Übungen praktiziert, die ich jetzt an meine Klientinnen weitergebe. Es gilt, so viel Lust in der Vagina zu entwickeln, dass der Kopf einfach loslässt, weil das Gehirn von der Vagina mehr Impulse bekommt und lieber auf die hört, als auf die kritische Stimme im Kopf.

* Es wurde 2017 eine US-Studie veröffentlicht, die an rund 52.500 Erwachsenen durchgeführt worden war, um herauszufinden, wie sich sexuelle Orientierung auf den Orgasmus auswirkt. Die Studie, die im Fachblatt „Archives of Sexual Behavior“ veröffentlich wurde, stellt fest, dass 86 Prozent der homosexuellen Frauen, 66 Prozent der bisexuellen, aber nur 65% der heterosexuellen Frauen beim Sex einen Orgasmus haben. Bei den Männern waren es hingegen 95 Prozent der heterosexuellen, 89 Prozent der homosexuellen sowie 88 Prozent der bisexuellen Männer, die nach eigenen Angaben normalerweise beim Sex einen Orgasmus haben. 

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Bondage für Anfängerinnen: Von Safe Word bis Seilstärke

Frau, die unter der Bluse Bondage-Fesselungen trägt

Viele Frauen haben Lust im Bett etwas Neues auszuprobieren. Gerne wie bei „Fifty Shade of Gray“ etwas aus dem BDSM-Bereich. Fesseln geht doch schnell und einfach? Doch bevor nun ein Seil im Baumarkt gekauft wird, haben wir Bondage-Experte Matthias T.J. Grimme zum Interview gebeten. 

Was tun, wenn der eine Partner Bondage ausprobieren will, doch der andere nicht?

Naja, das ist ein altes Problem, welches nicht nur für Bondage signifikant ist. Das fängt ja bei manchen schon bei Oral- oder Analsex an. Oder mit der Art, wie man angefasst werden möchte (ganz weich und zärtlich oder doch bestimmend und fest). Bondage ist ja ganz offiziell Teil der Verhandlungssexualitäten. Wenn die Beziehung offen ist, kann man sich ein*e Fesselpartner*in außerhalb suchen. Oder heimlich in ein SM-Studio gehen. Denn wenn jemand nicht will, kann man nichts machen, denn ohne Einverständnis geht’s nicht. Ich würde auf jeden Fall mal genauer gucken, was der Grund ist. Ist es ein Informationsdefizit, Angst wegen schlechter Erfahrungen oder etwas, was mit dem eigenen Rollenselbstverständnis nicht übereinkommt? Ich würde anbieten, ganz vorsichtig anzufangen. Vielleicht erstmal einfach nur die Hände festhalten oder ein Baumwolltuch um die Handgelenke schlingen, ohne einen Knoten zu machen. Also versuchen Kompromisse zu entwickeln.

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Bondage-Spezialist Matthias T.J. Grimme

Man hat sich geeinigt und will nun loslegen. Einfach starten oder zuerst einen Kurs besuchen?

Auf einer ganz vorsichtigen Ebene kann man natürlich einfach rumprobieren. Aber über kurz oder lang wird man feststellen, dass manches nicht so klappt, wie man es wollte. Dann sind natürlich Bücher und DVDs ein guter weiterer Schritt, aber am besten sind natürlich Workshops. Da kann es natürlich schwer sein, jemanden zu finden, dessen Angebote zu einem passen. Der eine lernt lieber in einer offenen, spielerischen Atmosphäre (wie sie meine Workshops bieten), die andere braucht ganz klare Regeln. 

Was klappt Deiner Erfahrung nach anfangs nicht so gut?

Meist fesseln die Leute die Hände zu fest und den Körper zu locker. Das heißt, die Hände zicken rum und am Körper rutscht die Fesselung. Gerade Neulinge können nicht abschätzen, was ein Problem ist und was normal (Seil drückt), daher herrscht eine große Unsicherheit. Da hilft nur regelmäßiges Nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Damit wird dann auch keine Sicherheit vorgetäuscht, die noch nicht da sein kann.

Was geht gar nicht?

Auf Störungsmeldungen des gefesselten Partner nicht oder nicht adäquat – sprich sofort – reagieren. Den gefesselten Partner alleine lassen.

Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch von Matthias T.J. Grimme

Was empfiehlst Du Deinen Newbies?

Vor dem Fesseln gemeinsam überlegen, wozu die Fesselung dienen soll: Bondage für Sex, für ein schickes Foto, als strenge Bewegungslosigkeit oder eher als tantrisches Erlebnis.

Grundsätzlich gilt, es ist immer besser sich erst zu informieren – etwa auf meiner Webseite – und dann losfesseln, damit die Session auch klappt.

Klare Absprachen treffen, wann die Fesselung beendet werden muss.

Sicherheits-Schneidewerkzeug wie EMT-Schere (stumpfe Spitze) bereit legen.

Übungs-Session und erotisches Fesselspiel nicht mischen. Entweder oder!

Wo bekommt man die Seile her – wohl kaum aus dem Baumarkt?

Zuerst sollte man sich entscheiden, welche Naturfaser am besten zu den gemeinsamen Wünschen passt. Baumwolle 8 Millimeter hohl geflochten für besonders gemütliche und kuschelige Fesselungen (und ist ohne Vorbereitung fesselfertig). Hanf und Jute gedreht in 6 Millimeter für alles, worauf man Lust hat, bis hin zu Hängefesselungen (aber die bitte erst nach Workshop-Teilnahme).

Gute SM-Shops bieten bearbeitetes Seil zum Fesseln an. Oft im Set: 7 oder 8 Seile zu jeweils acht Meter. In manchen Shops kann man auch Meterware kaufen (bei Baumwolle üblich). Hanf und Jute als Rohseil muss erst noch bearbeitet werden, dazu gibt’s Tipps sowohl auf meiner Seite als auch sonst im Netz.

Manche Seilshops (Segelbedarf – Baumärkte nur ausnahmsweise) bieten Hanfseil an. Achtung, nicht verwechseln mit Poly-Hanf, das ist Kunstfaser und sieht nur so aus, wie Hanf. 

Bitte beachten: Seil ist Verbrauchsware! Das heißt, es kann mit der Zeit kaputt gehen bzw. Fehler bekommen, die das Fesseln unsicher machen. Bei Einrissen im Seil sollte man das Seil austauschen.

Wie klärt man Grenzen? Was sind Safe Words und wie funktioniert die Ampel?

Jede*r hat seine Tabus, also Sachen, die nicht passieren dürfen. Außerdem haben wir alle Sachen, die eventuell gehen, bei denen wir aber nicht sicher sind. Und dann gibt’s natürlich Vorlieben. Manches ändert sich im Laufe der Zeit.

Auf ein Safewort muss man sich vorher einigen, denn damit muss man eine Session abbrechen können, wenn es zu viel wird. Ein Aktiver muss IMMER reagieren, wenn das Safewort benutzt wird. Also sofortiges Abfesseln und Beendigung der Situation.

Der Ampelcode differenziert: Grün heißt, alles ist gut, weitermachen. Gelb bedeutet, Achtung, langsamer machen, nicht so fest am Seil ziehen. Rot bedeutet Stopp, Situation beenden.

Was muss die/der Gefesselte bedenken – auch emotional?

Zuerst mal, muss man für sich schauen, ob die Person, von der man sich fesseln lassen will, auch vertrauenswürdig ist. Vielleicht sollte man vorher checken, was andere so erzählen.

Ansonsten kann Gefesseltwerden einen sehr tief berühren und damit auch eine Lawine von Gefühlen auslösen. Oder einen einfach nur geil machen. Oder beängstigen. Und man sollte sich bewusst sein, dass man auch gefesselt immer noch selbst für sich und sein Wohlbefinden verantwortlich ist.

Was muss der/die Fesselnde bedenken – auch emotional?

Wenn ich jemanden fessle, muss ich klare Absprachen haben. Darf ich außer dem Fesseln, den anderen auch sexuell berühren oder eher nicht. Gleichzeitig übernehme ich ein Stück weit Verantwortung für meinen Partner. Bondage soll sich ja gut anfühlen und da muss ich immer im Kontakt mit meinem Gegenüber bleiben, statt nur auf die Seiltechnik zu achten.

Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme
Das Bondage-Handbuch Spezial von Matthias T.J. Grimme

Was passiert emotional/sexuell im besten Fall?

Im besten Falle fühlt sich der Gefesselte sicher und geborgen in den Seilen. Manche macht es auch geil, sowohl die Passiven als auch die Aktiven können Lust bekommen auf direkte genitale Stimulation. Und hinterher hat man, wenn alles toll gelaufen ist, Lust auf mehr.

Und was im schlimmsten Fall – und was tut man dann?

Im schlimmsten Fall kann es zu einem emotionalen Absturz kommen. Dann sollte man, statt Schuldzuschreibungen zu machen, liebe schauen, wie man das beim nächsten Mal vermeiden kann, indem man anders fesselt oder achtsamer an die Session herangeht.

Ein anderer – meist als deutlich weniger schlimm erlebter – Fall ist, wenn irgendwas körperlich schiefgelaufen ist. Bei Hautabschürfungen Wunde versorgen. 

Bitte beachten: Bei Taubheit von Gliedmaßen, die länger als ein paar Stunden dauert, bitte den Arzt aufsuchen und ehrlich erzählen, wie es passiert ist.

Gehören Bondage und Achtsamkeit zusammen?

Gute Bondage ist für mich ein Teil von SM (oder BDSM), die nur funktioniert, wenn man sich selbst und dem Partner achtsam gegenüber ist. Auch wenn es vielleicht rauh, derbe und wild gelaufen ist, sollte man immer genau hinspüren. Und schauen, dass auch im Verlaufe der Session, die Einvernehmlichkeit erhalten bleibt.

Infokasten

Matthias T. J. Grimme aka Drachenmann, Autor des SM-Handbuches, des Bondage-Handbuches und des Japan Bondage Handbuches, Mitherausgeber des SM-Magazins Schlagzeilen. Mehr Infos und seiner Webseite Bondage Project  www.bondageproject.com und Schlagzeilen. www.schlagzeilen.com

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Ich bin eine Bad Mom – und liebe es

Frau mit Kippe im Mund

Rauchende, trinkende und feiernde Mütter tummeln sich auf den Berliner Tanzflächen. Doch immer wieder wird über diese angeblichen „Bad Moms“ die Nase gerümpft, weil sie ausgehen und die Nacht nicht zu Hause verbringen. Was soll falsch daran sein, wild zu leben und sich liebevoll um sein Kind zu kümmern?

Meine Situation ist etwas ungewöhnlich. Vor vielen Jahren habe ich einem unheimlich schönen, aber sehr schwulen Freund gesagt, dass ich gerne ein Kind von ihm haben möchte. Das hat er nie vergessen und mich vor ein paar Jahren an seinen eigenen Kinderwunsch erinnert. Ich wurde beim ersten Versuch schwanger und hatte eine großartige Schwangerschaft.

Schwangere Diva und glückliche Mutter

Im sechsten Monat habe ich auf einem Goa-Open Air gefeiert und großen Spaß gehabt. Sechs Wochen vor der Geburt war ich noch bis morgens um fünf Uhr mit einer Club Mate auf einer Fetisch-Party unterwegs und habe es geliebt. Tatsächlich war ich an diesem Abend nicht die einzige Hochschwangere im Club. Gemeinsam waren wir der totale Hingucker. Viele Männer haben uns tatsächlich angebaggert.

Die Geburt war ebenso schön wie die ganze Schwangerschaft. Die geplante Hausgeburt fand nach ungefähr sechs Stunden und bei Kerzenlicht ihren Höhepunkt und ein entzückendes Baby lag in meinen Armen. Bereits nach fünf Wochen war ich dann auf einer Weihnachtsparty, während der Vater sich um unseren Krümel gekümmert hat.

Bad Mom, nur weil mit Kind auf einer Techno-Parade?

Als ich beim „Zug der Liebe“ war, einer Berliner Techno-Parade, ist meine kleine Maus – trotz oder wegen ihres Gehörschutzes – beim Klang der Bässe sofort in seligen Tiefschlaf gefallen. Vielleicht erinnerte sie der Klang von Techno an den Herzschlag im Mutterleib? Doch plötzlich stürmte eine Frau auf mich zu und befahl mir, mit meinem Kind zu gehen. Sie hielt mir vor, „verantwortungslos zu sein“ und wollte sogar die Polizei holen. Mindestens eine Stunde verfolgte sie mich durch die Parade. Ich war fassungslos. Was wollte diese Person von mir? Ganz offensichtlich ging es meinem tief und fest schlafendem Kind blendend. Natürlich stand ich nicht direkt vor der Bassbox, sondern in entspannter Entfernung am Rand des Geschehens. Ich fand es unverschämt, so angegangen zu werden. Am Ende hätte ich fast die Polizei geholt, da sie mich regelrecht belästigte. Das Kind hat die Feierei natürlich selig schlafend und unbeschadet überstanden.

Einen Scheiß müssen wir sein

Ständig wird von Frauen erwartet, dass wir perfekt sind und alles gleichzeitig meistern. Clevere Geschäftsfrauen, geduldige Mütter, ordentliche Hausfrauen, wilde Geliebte, grandiose Köchinnen – und wisst ihr was? Einen Scheiß müssen wir sein! Mein Haushalt ist immer ein einziges Chaos, meine Karriere ist mir herzlich egal, bei mir kocht mein Thermomix und nach dem Rest müsst ihr meinen Freund (der übrigens nicht der schwule Vater ist) fragen. Aber ich gebe mir immer die größte Mühe, meiner kleinen Maus die beste Mutter zu sein, die ich sein kann. Ganz sicher wird es mir nicht immer gelingen und ich bin auch mal ungeduldig, aber ich gebe mein Bestes.

Doch auch als Mutter achte ich auf mich und darauf, dass es mir gut geht. Nur dann kann ich meiner Kleinen eine gute Mutter sein. Wenn das bedeutet, aus der Sicht anderer über die Stränge zu schlagen, kann ich damit sehr gut leben.

Das Leben ist nämlich doch ein Ponyhof

Der Vater und ich verstehen uns weiterhin hervorragend. Wir leben in zwei Haushalten und haben geteiltes Sorgerecht. So ist die kleine Maus ein paar Tage in der Woche bei Mama und ein paar Tage bei Papa. Für uns ist es eine sehr angenehme und komfortable Lösung, denn auch die Wochenenden teilen wir uns auf. So kommt es schon mal vor, dass er sie Sonntagnachmittag abholt und ich einen Rundruf starte, wer mit ins Berghain kommt. Nur weil ich jetzt Mutter bin, habe ich doch immer noch Spaß an einer guten Party! Sicherlich nicht mehr so oft, so lange und so ausschweifend wie früher, aber trotzdem genieße ich es. Das macht mich ganz sicher nicht zu einer schlechten Mutter. Ganz im Gegenteil – glückliche Mama, glückliches Kind!

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Warum Manspreading nicht klar geht!

Affe mit gespreizten Beinen

Beinahe jeden Tag erleben Frauen die eine oder andere sexistisch gefärbte Situation. Unsere Autorin Babette geht lässig mit Anmachsprüchen oder Hinterpfeifen um. Was sie jedoch in Rage bringt, ist Manspreading, also das breitbeinige Sitzplatzeinnehmen in der U-Bahn. Hier stellt sie sich die Frage: Ist das nur harmloses Männergehabe oder ein frauenfeindliches Verhalten?

Fragen wie „Warum bist du so schlecht gelaunt, hast du deine Regel?“ oder „Lächel’ doch mal, dann bist du viel attraktiver!“ provozieren bei mir nur noch ein müdes Lächeln. Alles nur heiße Luft, denke ich. Was mich aber fast immer in Rage bringt, sind Typen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht richtig benehmen zu wissen und Manspreading praktizieren.

Luft zwischen den Beinen 

Manspreading bezeichnet die männliche Angewohnheit, die Beine im Sitzen richtig weit zu spreizen. Auf einer 4er-Sitzgruppe in der U-Bahn haben dann nur der Mann und vielleicht noch eine weitere Person Platz. Als Rechtfertigung kommt oft: Eine breitbeinige Sitzhaltung sei auf die männliche Anatomie zurückzuführen. Aber echt jetzt? Braucht das Gemächt zusätzliche Belüftung? Rechtfertigt es das Einnehmen eines weiteren Sitzes? Alter, komm bitte mal klar!

Doch ist Manspreading nun tatsächlich sexistisch geprägt? Ist es „nur“ ein Luxusproblem von Teilzeitfeministinnen? Oder handelt es sich schlicht um unaufmerksames oder ignorantes Verhalten im öffentlichen Raum? (Dazu gehört auch das vermeintlich weibliche Pendant, das Shebagging: Bezeichnung für das Abstellen von Taschen und Einkaufstüten auf einem Sitz.)

Einfach mal ein bisschen Rücksicht nehmen

Diese Fragen haben sich natürlich schon andere gestellt. In der New York Subway läuft schon seit 2015 eine Kampagne gegen das platzeinnehmende Sitzverhalten mancher Männer. Ich persönlich finde: Ja, es ist leider sehr oft sexistisch geprägt und ein Ausdruck von „male privilege“! Zu dem Habitus gehört auch sehr oft eine Hand, die vermeintlich auf dem Oberschenkel abgelegt ist, mit einem Finger aber doch Berührung zum Gemächt sucht… Vielleicht wird ja gerade von der Traumfrau geträumt? Oder vom Traummann? Oder es ist wirklich einfach bequemer?

Warum auch immer, wenn ich dann einen Herren der Schöpfung bitte, mir etwas Platz zu machen, damit ich mich auf den vermeintlich freien Sitz setzen kann, erwarte ich, dass die Beine pronto zusammengehen. Stattdessen wird aber oft mit totalem Unverständnis (Beine werden maximal zwei Zentimeter bewegt), blödem Grinsen (Machtspielchen) oder sogar Pöbeln („Was is’n mit dir los?“) reagiert.

Ich werde dann recht schnell wütend. Und laut. Das Zurückpöbeln ist nicht nur befreiend für mich, sondern auch eine öffentliche Ermahnung an die Person, dass es nun eine beobachtende Öffentlichkeit seitens der anderen Fahrgäste gibt. Meistens reicht das und das Verhalten wird korrigiert.

One body, one seat!

Oft aber passiert gar nichts. Vermutlich, weil sich viele (Frauen) nicht trauen, das hypermaskuline Posing anzusprechen. Dabei ist das Verhalten, ob nun als sexistisch oder rücksichtslos interpretiert, einfach nicht okay. Die U-Bahn ist schließlich für alle da. Und auf die Bitte, eine Tasche vom Sitz zu nehmen, wird von den meisten Leuten ja auch sofort reagiert.

Was passiert eigentlich, wenn…

…sich Frauen im öffentlichen Raum wie Männer verhalten? Also zum Beispiel, auch mal breitbeinig rumsitzen?

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Amenorrhoe: Ich liebe meine Regel – seit ich sie fast verloren hätte

Frau hält Kalender hoch, Tage der Regel mit Herzen eingezeichnet
Mit 16 Jahren begann ich die Anti-Baby-Pille zu nehmen. Ich fand das erwachsen und verantwortungsvoll. Drei Jahre später war ich Single und setzte die Pille ab. Doch meine Periode kam nicht. Ich hatte Amenorrhoe.

Ein ganzes Jahr blieben die Blutungen aus. Kein Tropfen, kein Fleckchen, rein gar nichts. Ich fühlte mich wie tot, eine Unfrau. Der Frauenarzt wusste auch keinen Rat, sagte nur: „Wenn sie einen Kinderwunsch haben, dann muss es eben künstlich gehen“. Ich war geschockt und weinte viel. Nach über einem Jahr kam sie dann plötzlich wieder: Ich war dankbar und glücklich.

Amenorrhoe: Emotionale Talfahrt

Das Ausbleiben meiner Regel schob ich nicht auf den frühen Eingriff in mein noch nicht fertig entwickeltes Hormonsymstem – und der Arzt natürlich auch nicht. Also griff ich mit 23 Jahren und dem nächsten festen Freund wieder zur Pille. Das war nun die nächste Generation und sollte noch leichter sein. Ich nahm sie fünf Jahre. Nach dem Absetzen bemerkte ich zwei Dinge. Meine Regel kam nicht und es ging mir schlecht. Meine Haut juckte wie irre. Auf den Armen, dem Rücken und den Beine spannte die Haut über Wochen. Auch emotional ging es bergab, ich wurde traurig, grüblerisch und fiel in ein schwarzes Loch. Diesmal wusste ich woran alles lag: die Pille. Sie hatte so sehr in mein Hormonsystem eingegriffen, dass es sich von der Haut bis zum Gemüt auswirkte.

Ich bin im Fluss

Als nach einem Jahr die „Rote Tante“ endlich wieder zu Besuch kam, war ich glücklich. Seitdem liebe ich sie und will sie nicht mehr missen. Ich fühle mich als Frau und freue mich, wenn sich die Slipeinlage rot färbt. Ich nehme auch die Migräne am Vorabend vor ihrem Eintreffen dankbar hin. Tabletten dagegen nehme ich nicht. Ich sage einfach meine Termine ab – und zwar mit den Worten: „Ich habe meine Tage“. Dann packe ich mich ins Bett, entlaste den Kopf und schlafe ein. Auch meinen geschwollenen Bauch durch die Wassereinlagerungen während der Periode nehme ich hin, die Schoko-Fressattacken genauso wie meine Introvertiertheit während meiner Tage. Ich fühle mich im Fluss. Nicht wie ein sanftes Bächlein, sondern wie ein Wildbach, doch lieber so als auf dem Trockenen.

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„Ein Wellenorgasmus kann stundenlang dauern”

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie über die verschiedenen Orgasmus-Qualitäten und erklärt, wie die Erregung bei Frauen funktioniert und erklärt, wie sich ein Orgasmus anfühlt, der über 90 Minuten geht. 

Das ist der dritte Teil der Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. Und in Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie funktioniert die Erregung bei Frauen?

Die Sexualität der Frau funktioniert anders als beim Mann. Bei der Massage der Frau berühre ich anfangs Stellen, die weit weg von den Genitalien und den Brustwarzen sind, etwa das Gesicht, die Kniekehlen oder die Arme. Der Orgasmus der Frau geht von außen nach innen. Beim Mann ist es genau umgekehrt. Man beginnt mit dem Penis und verstreicht die Energie dann in den ganzen Körper, so dass er zu einem Ganzkörperorgasmus kommt. Es geht von innen nach außen.

Brauchen Frauen länger, um zu kommen?

Das ist ein Klischee. Doch um das zu verstehen, muss ich erst die unterschiedlichen Orgasmusqualitäten erklären. Es gibt einen „Gipfel-Orgasmus“. Der kommt aus der Spannung. Der Körper spannt so sehr an, bis er nicht mehr kann, dann muss er loslassen. Das heißt: Die Lust steigt steil an, der Körper gibt auf, es kommt zum Höhepunkt und die Kurve fällt dann sofort steil wieder ab. Das ist der Orgasmus, den die meisten Menschen kennen. Der passiert am meisten bei der Klitoris und dann kommen auch Frauen ziemlich schnell.

Gibt es noch andere Orgasmen?

Es gibt aber auch einen Orgasmus, der aus der Entspannung kommt. Der passiert in Wellen. Der „Wellen“-Orgasmus dauert nicht ein paar Sekunden, sondern kann sogar stundenlang dauern, manche Menschen leben in dem Zustand!

Wie ist das in einem Dauerorgamus zu leben?

Man kriegt orgasmische Wellen ohne Notwendigkeit der Berührung – ein Blick auf eine Blume, die Wärme der Sonne oder ein Blick in die Augen des Geliebten kann eine orgasmische Welle hervorrufen. Man spürt sehr viel Freude, Lust und eine große Öffnung.

Verändert Tantra die Orgasmusqualität?

Wenn die Yoni taub ist, braucht man sehr viele Reize, damit man zu einem Orgasmus kommt. Doch wenn die Yoni enttraumatisiert ist und wieder empfindsamer wird, braucht man viel weniger Reize, dann reicht es oftmals schon die äußeren Yoni-Lippen zu streicheln, um zu kommen. Am Anfang ist das schwer zu glauben. Als ich beim Sexological Bodywork-Kurs die Aufgabe bekam, mich selbst zu berühren – ohne Fantasien und Hilfsmittel, bin ich fast verzweifelt.

Was denkst Du über Vibratoren?

Ich finde, Vibratoren sind wunderbar und können sehr viel Spaß bereiten. Wenn eine Frau jedoch nur von der Vibratorstimulation Orgasmen kriegen kann, kann das zu Problemen in ihrer Beziehung führen. Ein Vibrator ist nichts anderes als ein Hilfsmittel, doch besser ist es, unseren Schoss wieder zu spüren.

Was ist passiert, als Du Deine Yoni wieder zu 100 Prozent spüren konntest?

Ich bin zu dem Punkt gekommen, wo ich keine Berührung mehr brauche, um zu kommen. Ich hab auch ein Orgasmus erlebt, der über 90 Minuten ginge. Das klingt für viele anstrengend, doch das ist eben der Unterschied zwischen dem Orgasmus, der aus der Spannung kommt und dem, der aus der Entspannung kommt. Nach dem Gipfelorgasmus fühlt man sich meistens müde und ausgelastet – kein Wunder, der Körper musste alle Muskeln anspannen! Beim Wellenorgasmus funktionieren die Muskeln auf eine sehr natürliche Art und Weise: Spannung-Entspannung, Spannung-Entspannung… Dieser Art von Orgasmus lässt mich energetisiert zurück.

Du hast einen Orgasmus nur durch Deine Gedanken?

Ich bekomme Orgasmen, indem ich mich einfach auf meinen Körper konzentriere. Ich lenke meine Aufmerksamkeit in meine Yoni und schon geht es los. Der weibliche Körper ist gemacht für Orgasmen. Unser Körper weiß, wie man atmen muss und er weiß auch, wie man Orgasmen hat. Wir besitzen pure sexuelle Energie. Wir müssen das, was wir bisher über Sex und Orgasmen gehört haben, vergessen. Es gibt so viel mehr als nur rein raus.

Wozu dient Dir diese viele sexuelle Energie?

Weil man den eigenen Körper mehr spürt, wird einem die Umwelt auch bewusster. Man kann diese sexuelle Energie nutzen um seinen Beziehungen mehr Intimität und Authentizität zu geben. Man kann sexuelle Energie für das Leben nutzen. Menschen nutzen Kaffee und Adrenaline, um den Tag anzufangen. Ich starte mit einem Orgasmus. Das ist nicht nur Sex, sondern meine Lebensvitalität.