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Schmerzfreier Beckenboden und Rücken Dank TRE

Meine Hüfte ist wieder geschmeidig, mein Beckenboden schmerzt nicht mehr, der untere Rücken tut auch nicht mehr weh und meine Schultern hängen (gefühlt) nicht mehr bei den Ohren. Nicht Yoga oder Dehnübungen haben bei mir diese Verbesserung herbeigeführt, sondern eine einfache neue Technik namens TRE – Tension & Trauma Releasing Exercises (und die Benutzung eines TheraWands. Dazu hier mehr).

Psoas? Kenne ich nicht!

Ich war zu einem Get-Together bei Doreen Steinert eingeladen. Bei der ehemaligen Sängerin von Nu Pagadi trafen sich interessante Menschen – so auch ihr Chiropraktiker, der die Gäste auf Wunsch behandelte. Der Chiropraktiker untersuchte mich also und stellte fest, dass mein Psoasmuskel verspannt sei. Den Psoas kennst Du nicht? Macht nichts, mir war der bis dahin auch nicht bekannt! Der Psoas verläuft an der Wirbelsäule vom unteren Rücken, seitlich über die Hüfte bis zu den Oberschenkeln. Er wird auch „Beinheber“ oder „Großer Lendenmuskel“ genannt und ist für die Balance des Skeletts zuständig. Er hat aber auch Einfluss auf die Organe und das Zwerchfell, da er mit dem 12. Brustwirbel und allen fünf Lendenwirbeln verbunden ist.

wiki.yoga-vidya.de/Psoas

Abgesehen davon, gilt der Psoas als Kampf-Flucht-Muskel und ist für unseren Schutz und Überlebenskampf zuständig. In einem Gefahrenmoment schaltet er auf Flucht und Kampf oder Schutz, spannt sich im Zusammenspiel mit Adrenalin (Energie für Flucht) und Dopamin (Schmerzunempfindlichkeit) an.

Psoas und Sex

Auch für den Unterleib ist der Psoas von immenser Bedeutung. Da die Muskelstränge auch den Schoss umschließen, kann der erhöhte Druck eines aktivierten Psoas auf die Gebärmutter drücken und Krämpfe auslösen. Ein aktivierter Psoas signalisiert dem Körper aber auch: „Gefahr“. Wer so alarmiert ist, tut sich bekanntlich schwer zu entspannen und loszulassen und beides braucht man beim Sex. 😉

TRE – Trauma Release Exercise

Zurück zu mir: Mein Psoas war also „aktiviert“. Doch wie es der Zufall wollte, sah ich weniger später bei einem Webinar ein Interview über die Methode TRE – Trauma Release Exercise von David Berceli und probierte sie sofort aus. Der US-amerikanische Sozialarbeiter, Psycho- und Massagetherapeut hat eine leichte Übungsabfolge entwickelt, um traumatische Erfahrungen und starke Stressbelastungen zu heilen. Er hat die TRE-Übungen mit Erfolg in vielen Kriegsgebieten angewendet und damit traumatisierten Menschen die Folgen ihrer schrecklichen Erfahrungen erleichtert.

Das große Zittern

Bei TRE wird der Körper zum Zittern gebracht. Tiere nutzen diese Funktion, um nach einer stressigen Situation (Flucht vor einem Löwen) zu entspannen. Sie legen sich – wenn die Gefahr vorbei ist – auf den Rücken und zittern. Das ist ein natürlicher Körperprozess, bei dem sich das Nervensystem entlädt und der Muskulatur das Signal gibt ebenfalls zu entspannen. Auch Menschen verfügen über diesen Mechanismus, doch leider haben wir gelernt, das Zittern und Zähneklappern zu unterdrücken. Das heißt nach einer stressigen Situation wie einem Angriff, einer Flucht, einer Vergewaltigung oder auch „nur“ Dauerstress bleibt der Körper weiterhin in Alarmbereitschaft und der Psoas auch.

Die speziellen Übungen von David Berceli lösen zuerst einmal akute oder chronische Muskelverkrampfungen in den Psoas-Muskeln, die wir nicht bewusst steuern können, und wirken sich dann auch lösend auf die Reste von traumatischen Erfahrungen aus, die in den Muskeln gespeichert sind.

Die TRE-App im Test

Ich habe mir dazu einfach diese App für 11 Euro herunter gelanden. Da werden sieben Übungen mittels Video gezeigt. Bei den superleichten Workouts soll der Muskel so beansprucht werden, dass er müde wird. Dann legt man sich auf den Rücken, winkelt die Beine an und schon fängt es zu zittern an. 15 Minuten, vier Mal die Woche reicht völlig aus. Es ist nicht ganz so einfach für mich die Kontrolle über das Zittern loszulassen, doch wenn es gelingt, ist es großartig. Ich spüre dann, wie das Nervensystem sich schlagartig beruhigt und auf „Frieden“ schaltet. In meinem Kopf und meinem Körper fährt alles runter und es fühlt sich fast wie schlafen an, nur dass ich hellwach bin. Manchmal steigt Angst in mir auf oder Wut oder der Wunsch mich zu verteidigen, doch dann atme ich einfach tief und lasse die (Körper)-Erinnerungen los. Seitdem ich die Übungen regelmäßig mache, ist mein Beckboden entspannter und mein Rücken schmerzt weniger, aber auch psychologisch fühle ich einen Unterschied. Ich bin weniger ängstlich und fühle mich generell sicherer.

 

Quellen:

https://traumadurchleben.wordpress.com/2014/04/16/tre-am-sonntagmorgen/

http://wilfried-ehrmann.blogspot.de/2013/03/psoas-muskeln-und-traumaheilung.html

 

Mehr zum Thema Beckenboden findest du hier, hier und hier.

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Mein Beckenboden-Wunder: TheraWand

Gebogener TheraWand

Ich habe einen neuen Liebling: TheraWand. Der medizinische Stab schaffte es dank seiner s-förmigen Rundung, verborgene Triggerpunkte im Beckenboden zu erreichen und zu entkrampfen.

Ich bestelle den Stab direkt beim amerikanischen Unternehmen Pelvic Therapie. Er ist aus medizinischem Kunststoff, kostet etwa 45 Dollar und wird binnen zwei Wochen geliefert. Achtung: Zoll! Schreibt unbedingt an die Firma, dass sie die Rechnung außen am Paket anbringen sollen!!! Dann könnt Ihr den Zoll direkt beim Postboten bezahlen – ohne zusätzliche Strafgebühren.

Der Kunststoffstab wird auch gerne dazu verwendet den A-Punkt (den Orgasmuspunkt bei der Gebärmutter) zu stimulieren, die Gebärmutter zu enttraumatisieren oder die Prostata zu massieren. Die S-Form ermöglicht es dem TheraWand (fast) jeden Punkt in der Vagina zu erreichen. Noch ein Vorteil: Das medizinische Gerät ist so schlank wie ein Finger und die Enden sind geformt wie eine Fingerkuppe, daher eignet er sich perfekt für die Triggerpunkt-Massage.

TheraWand gegen Beckenbodenschmerzen

Ich bin erstaunt, wie schmal und leicht der TheraWand ist. Beim Einführen hat die schlanke Form große Vorteile, im Körperinneren dreht man das den TheraWand achtsam in Richtung Knie. Vorsicht dabei, schließlich sollen die Vaginawände nicht verletzt werden.

Anfangs wusste ich gar nicht, wo ich zuerst mit der Entspannungsarbeit anfangen soll, so weh tat mein Beckenboden. Eine Skoliose und ein Hüftschiefstand haben über die Jahre dazu geführt, dass die rechte Hüfte sehr schmerzt und die linke Seite fast taub ist. Dehnen und Yoga haben mir bisher geholfen, doch nun habe ich die Methode LTE (hier mehr dazu) und den TheraWand für mich entdeckt. Seitdem bin ich oft tagelang schmerzfrei und habe ein neues, positives Gefühl im Becken.

TheraWand zum Ent-Traumatisieren

Ich lege den Stab auf die brennenden Stellen und atme dorthin. Sofort merke ich wie die Muskulatur sich entspannt, löst und aufplustert vor Lockerheit. Millimeter für Millimeter arbeite ich mich vorwärts (so eine Session kann bis zu eineinhalb Stunden dauern). Hier gibt es noch weitere Tipps & Tricks. Als Kind bin ich einmal sehr schmerzhaft auf das Schambein gefallen. Bei der Entkrampfungsarbeit merke ich, wie viel von dem Schmerz und der Taubheit noch in meinem Beckenboden steckt. Ich bin erstaunt, atme und lasse (endlich) los.

PelviWand von Pelvic Therapies

Auch schmerzhafte Stürze bei Glatteis auf das Steißbein stecken immer noch in der Muskulatur und können dank des TheraWands nun endlich gelöst werden. Es brennt, schmerzt, manchmal kommen auch unschöne Erinnerungen auf. Alles lass ich los. Ich arbeite mich am Steißbein entlang, am Schambein, dem Sitzbein, sogar bis zum Hüftloch reicht der TheraWand. Es ist eine schmerzhaft, aber unglaublich befreiende Arbeit.

Langfristige Heilung?

Schon nach der ersten Session ist der Beckenboden merklich entspannter. Die Hüfte kreist leichter, schmerzende Stellen sind verschwunden und taube Stellen lebendiger. Von heute auf morgen passiert die Heilarbeit aber nicht. Auf Amazon.com berichten Nutzer*innen von ihrer monatelangen Arbeit, die schlussendlich zur völligen Heilung geführt hat. Ich kann nach zwei Wochen schon so viel sagen: Die schmerzfreien Phasen halten immer länger an.

Mehr zum Thema Beckenboden findest du hier, hier und hier.

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Warum Manspreading nicht klar geht!

Affe mit gespreizten Beinen

Beinahe jeden Tag erleben Frauen die eine oder andere sexistisch gefärbte Situation. Unsere Autorin Babette geht lässig mit Anmachsprüchen oder Hinterpfeifen um. Was sie jedoch in Rage bringt, ist Manspreading, also das breitbeinige Sitzplatzeinnehmen in der U-Bahn. Hier stellt sie sich die Frage: Ist das nur harmloses Männergehabe oder ein frauenfeindliches Verhalten?

Fragen wie „Warum bist du so schlecht gelaunt, hast du deine Regel?“ oder „Lächel’ doch mal, dann bist du viel attraktiver!“ provozieren bei mir nur noch ein müdes Lächeln. Alles nur heiße Luft, denke ich. Was mich aber fast immer in Rage bringt, sind Typen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht richtig benehmen zu wissen und Manspreading praktizieren.

Luft zwischen den Beinen 

Manspreading bezeichnet die männliche Angewohnheit, die Beine im Sitzen richtig weit zu spreizen. Auf einer 4er-Sitzgruppe in der U-Bahn haben dann nur der Mann und vielleicht noch eine weitere Person Platz. Als Rechtfertigung kommt oft: Eine breitbeinige Sitzhaltung sei auf die männliche Anatomie zurückzuführen. Aber echt jetzt? Braucht das Gemächt zusätzliche Belüftung? Rechtfertigt es das Einnehmen eines weiteren Sitzes? Alter, komm bitte mal klar!

Doch ist Manspreading nun tatsächlich sexistisch geprägt? Ist es „nur“ ein Luxusproblem von Teilzeitfeministinnen? Oder handelt es sich schlicht um unaufmerksames oder ignorantes Verhalten im öffentlichen Raum? (Dazu gehört auch das vermeintlich weibliche Pendant, das Shebagging: Bezeichnung für das Abstellen von Taschen und Einkaufstüten auf einem Sitz.)

Einfach mal ein bisschen Rücksicht nehmen

Diese Fragen haben sich natürlich schon andere gestellt. In der New York Subway läuft schon seit 2015 eine Kampagne gegen das platzeinnehmende Sitzverhalten mancher Männer. Ich persönlich finde: Ja, es ist leider sehr oft sexistisch geprägt und ein Ausdruck von „male privilege“! Zu dem Habitus gehört auch sehr oft eine Hand, die vermeintlich auf dem Oberschenkel abgelegt ist, mit einem Finger aber doch Berührung zum Gemächt sucht… Vielleicht wird ja gerade von der Traumfrau geträumt? Oder vom Traummann? Oder es ist wirklich einfach bequemer?

Warum auch immer, wenn ich dann einen Herren der Schöpfung bitte, mir etwas Platz zu machen, damit ich mich auf den vermeintlich freien Sitz setzen kann, erwarte ich, dass die Beine pronto zusammengehen. Stattdessen wird aber oft mit totalem Unverständnis (Beine werden maximal zwei Zentimeter bewegt), blödem Grinsen (Machtspielchen) oder sogar Pöbeln („Was is’n mit dir los?“) reagiert.

Ich werde dann recht schnell wütend. Und laut. Das Zurückpöbeln ist nicht nur befreiend für mich, sondern auch eine öffentliche Ermahnung an die Person, dass es nun eine beobachtende Öffentlichkeit seitens der anderen Fahrgäste gibt. Meistens reicht das und das Verhalten wird korrigiert.

One body, one seat!

Oft aber passiert gar nichts. Vermutlich, weil sich viele (Frauen) nicht trauen, das hypermaskuline Posing anzusprechen. Dabei ist das Verhalten, ob nun als sexistisch oder rücksichtslos interpretiert, einfach nicht okay. Die U-Bahn ist schließlich für alle da. Und auf die Bitte, eine Tasche vom Sitz zu nehmen, wird von den meisten Leuten ja auch sofort reagiert.

Was passiert eigentlich, wenn…

…sich Frauen im öffentlichen Raum wie Männer verhalten? Also zum Beispiel, auch mal breitbeinig rumsitzen?

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Amenorrhoe: Ich liebe meine Regel – seit ich sie fast verloren hätte

Frau hält Kalender hoch, Tage der Regel mit Herzen eingezeichnet
Mit 16 Jahren begann ich die Anti-Baby-Pille zu nehmen. Ich fand das erwachsen und verantwortungsvoll. Drei Jahre später war ich Single und setzte die Pille ab. Doch meine Periode kam nicht. Ich hatte Amenorrhoe.

Ein ganzes Jahr blieben die Blutungen aus. Kein Tropfen, kein Fleckchen, rein gar nichts. Ich fühlte mich wie tot, eine Unfrau. Der Frauenarzt wusste auch keinen Rat, sagte nur: „Wenn sie einen Kinderwunsch haben, dann muss es eben künstlich gehen“. Ich war geschockt und weinte viel. Nach über einem Jahr kam sie dann plötzlich wieder: Ich war dankbar und glücklich.

Amenorrhoe: Emotionale Talfahrt

Das Ausbleiben meiner Regel schob ich nicht auf den frühen Eingriff in mein noch nicht fertig entwickeltes Hormonsymstem – und der Arzt natürlich auch nicht. Also griff ich mit 23 Jahren und dem nächsten festen Freund wieder zur Pille. Das war nun die nächste Generation und sollte noch leichter sein. Ich nahm sie fünf Jahre. Nach dem Absetzen bemerkte ich zwei Dinge. Meine Regel kam nicht und es ging mir schlecht. Meine Haut juckte wie irre. Auf den Armen, dem Rücken und den Beine spannte die Haut über Wochen. Auch emotional ging es bergab, ich wurde traurig, grüblerisch und fiel in ein schwarzes Loch. Diesmal wusste ich woran alles lag: die Pille. Sie hatte so sehr in mein Hormonsystem eingegriffen, dass es sich von der Haut bis zum Gemüt auswirkte.

Ich bin im Fluss

Als nach einem Jahr die „Rote Tante“ endlich wieder zu Besuch kam, war ich glücklich. Seitdem liebe ich sie und will sie nicht mehr missen. Ich fühle mich als Frau und freue mich, wenn sich die Slipeinlage rot färbt. Ich nehme auch die Migräne am Vorabend vor ihrem Eintreffen dankbar hin. Tabletten dagegen nehme ich nicht. Ich sage einfach meine Termine ab – und zwar mit den Worten: „Ich habe meine Tage“. Dann packe ich mich ins Bett, entlaste den Kopf und schlafe ein. Auch meinen geschwollenen Bauch durch die Wassereinlagerungen während der Periode nehme ich hin, die Schoko-Fressattacken genauso wie meine Introvertiertheit während meiner Tage. Ich fühle mich im Fluss. Nicht wie ein sanftes Bächlein, sondern wie ein Wildbach, doch lieber so als auf dem Trockenen.

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„Ein Wellenorgasmus kann stundenlang dauern”

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie über die verschiedenen Orgasmus-Qualitäten und erklärt, wie die Erregung bei Frauen funktioniert und erklärt, wie sich ein Orgasmus anfühlt, der über 90 Minuten geht. 

Das ist der dritte Teil der Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. Und in Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie funktioniert die Erregung bei Frauen?

Die Sexualität der Frau funktioniert anders als beim Mann. Bei der Massage der Frau berühre ich anfangs Stellen, die weit weg von den Genitalien und den Brustwarzen sind, etwa das Gesicht, die Kniekehlen oder die Arme. Der Orgasmus der Frau geht von außen nach innen. Beim Mann ist es genau umgekehrt. Man beginnt mit dem Penis und verstreicht die Energie dann in den ganzen Körper, so dass er zu einem Ganzkörperorgasmus kommt. Es geht von innen nach außen.

Brauchen Frauen länger, um zu kommen?

Das ist ein Klischee. Doch um das zu verstehen, muss ich erst die unterschiedlichen Orgasmusqualitäten erklären. Es gibt einen „Gipfel-Orgasmus“. Der kommt aus der Spannung. Der Körper spannt so sehr an, bis er nicht mehr kann, dann muss er loslassen. Das heißt: Die Lust steigt steil an, der Körper gibt auf, es kommt zum Höhepunkt und die Kurve fällt dann sofort steil wieder ab. Das ist der Orgasmus, den die meisten Menschen kennen. Der passiert am meisten bei der Klitoris und dann kommen auch Frauen ziemlich schnell.

Gibt es noch andere Orgasmen?

Es gibt aber auch einen Orgasmus, der aus der Entspannung kommt. Der passiert in Wellen. Der „Wellen“-Orgasmus dauert nicht ein paar Sekunden, sondern kann sogar stundenlang dauern, manche Menschen leben in dem Zustand!

Wie ist das in einem Dauerorgamus zu leben?

Man kriegt orgasmische Wellen ohne Notwendigkeit der Berührung – ein Blick auf eine Blume, die Wärme der Sonne oder ein Blick in die Augen des Geliebten kann eine orgasmische Welle hervorrufen. Man spürt sehr viel Freude, Lust und eine große Öffnung.

Verändert Tantra die Orgasmusqualität?

Wenn die Yoni taub ist, braucht man sehr viele Reize, damit man zu einem Orgasmus kommt. Doch wenn die Yoni enttraumatisiert ist und wieder empfindsamer wird, braucht man viel weniger Reize, dann reicht es oftmals schon die äußeren Yoni-Lippen zu streicheln, um zu kommen. Am Anfang ist das schwer zu glauben. Als ich beim Sexological Bodywork-Kurs die Aufgabe bekam, mich selbst zu berühren – ohne Fantasien und Hilfsmittel, bin ich fast verzweifelt.

Was denkst Du über Vibratoren?

Ich finde, Vibratoren sind wunderbar und können sehr viel Spaß bereiten. Wenn eine Frau jedoch nur von der Vibratorstimulation Orgasmen kriegen kann, kann das zu Problemen in ihrer Beziehung führen. Ein Vibrator ist nichts anderes als ein Hilfsmittel, doch besser ist es, unseren Schoss wieder zu spüren.

Was ist passiert, als Du Deine Yoni wieder zu 100 Prozent spüren konntest?

Ich bin zu dem Punkt gekommen, wo ich keine Berührung mehr brauche, um zu kommen. Ich hab auch ein Orgasmus erlebt, der über 90 Minuten ginge. Das klingt für viele anstrengend, doch das ist eben der Unterschied zwischen dem Orgasmus, der aus der Spannung kommt und dem, der aus der Entspannung kommt. Nach dem Gipfelorgasmus fühlt man sich meistens müde und ausgelastet – kein Wunder, der Körper musste alle Muskeln anspannen! Beim Wellenorgasmus funktionieren die Muskeln auf eine sehr natürliche Art und Weise: Spannung-Entspannung, Spannung-Entspannung… Dieser Art von Orgasmus lässt mich energetisiert zurück.

Du hast einen Orgasmus nur durch Deine Gedanken?

Ich bekomme Orgasmen, indem ich mich einfach auf meinen Körper konzentriere. Ich lenke meine Aufmerksamkeit in meine Yoni und schon geht es los. Der weibliche Körper ist gemacht für Orgasmen. Unser Körper weiß, wie man atmen muss und er weiß auch, wie man Orgasmen hat. Wir besitzen pure sexuelle Energie. Wir müssen das, was wir bisher über Sex und Orgasmen gehört haben, vergessen. Es gibt so viel mehr als nur rein raus.

Wozu dient Dir diese viele sexuelle Energie?

Weil man den eigenen Körper mehr spürt, wird einem die Umwelt auch bewusster. Man kann diese sexuelle Energie nutzen um seinen Beziehungen mehr Intimität und Authentizität zu geben. Man kann sexuelle Energie für das Leben nutzen. Menschen nutzen Kaffee und Adrenaline, um den Tag anzufangen. Ich starte mit einem Orgasmus. Das ist nicht nur Sex, sondern meine Lebensvitalität.

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De-Armouring: „Mit Tantra können wir Traumata bearbeiten”

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie über Tantra Body De-Armouring. Mit dieser Methode sollen Traumata, Blockaden und Verspannungen im Schoßraum gelöst werden – was das Liebesleben (aber auch den Alltag) beflügeln soll. 

Das ist der zweite Teil einer Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. In Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Du hast eine Tantra-Ausbildung aber auch viele Workshops von Thai-Massage, Sexualogical Bodywork, bis Ganzkörperorgasmus gemacht. Womit beschäftigst Du Dich gerade?

Gerade die De-Amouring-Technik von der „Awakening within”-Foundation fasziniert mich. Es ist eine Mischung aus Energiearbeit und Tiefengewebsmassage, um physische und emotionale Spannungen zu lösen. Alte Emotionen, die teilweise von Generation zu Generation weitergegeben werden, können so befriedet werden.

Welche Arten von Panzerungen meinst Du genau?

Ein Panzer ist das Resultat der erstarrten Lebensgeschichte eines Menschen. Der Begriff wurde von Wilhelm Reich, einem Psychoanalytiker und Sexualforscher, eingeführt. Körperpanzer sind erlernte unbewusste muskuläre Spannungen, die aufgrund negativer Erfahrungen und negativer Gedanken entstehen.

Was bedeutet das für die weibliche Sexualität?

Die Vagina ist ein großer Muskel und Emotionen werden in der Muskulatur gespeichert. Immer wenn wir etwas erleben, das uns emotional überfordert, spannen wir bestimmte Muskel an – je nachdem welche Emotion es ist. Über die Jahre wird daraus ein Muster. Und weil die Vagina ein Muskel ist, werden Muster auch dort gespeichert. Alles, was unsere Mütter und Großmütter Schreckliches erlebt haben, haben sie in ihren Körper gespeichert. Also alle Kriegstrauma wie Todesangst, Vergewaltigung, Gewalt oder Hunger wurden gespeichert und an uns weitergegeben.

Fühlen Deiner Meinung nach deshalb so viel Frauen nichts in Ihrem Schoß?

Das könnte eine Erklärung sein, warum so viele Vaginen taub und unempfindlich sind. Warum so viele Frauen ihren Körper und sich selbst hassen. Mit Tantra können wir die persönlichen Traumata bearbeiten, aber auch die unserer Mütter und Großmütter, die an uns weitergegeben wurden.

Wie sieht diese Heilarbeit aus?

Wie gesagt, ich finde Tantric Body De-Amouring dafür großartig. Damit entpanzert man den Körper. Das ist intuitive Körperarbeit, bei der man verschiedene Reflexpunkte am Körper, aber auch in der Vagina drücken kann und mit sehr viel Aufmerksamkeit und Bewusstsein von mir und mit Hilfe der Frau (durch atmen und tönen), kann man diese Blockaden lösen. Das kann sehr kraftvoll sein und man kann damit Emotionen von Generationen lösen.

Was passiert, wenn die Yoni entpanzert wird?

Das Kraftzentrum der Frau ist der Gebärmutterhals. Hier liegt ihre Energiequelle, da der Muttermund energetisch mit dem Herzen verbunden ist. Eine Entpanzerung des Muttermundes ist ein sehr intensives Erleben. Und auch ein Orgasmus am Muttermund ist ein großartiges Erlebnis. Zum Verständnis: Es gibt einen Nerv an der Klitoris, der mit unserem Hirn verbunden ist. Es gibt aber drei (manche Wissenschaftler*innen sprechen sogar von vier) Nerven, die unseren Muttermund mit dem Gehirn verbinden. Diese Orgasmen sind viel intensiver, viel lustvoller, aber davor muss man erst die alten Spannungen loswerden.

Was können Frauen selbst tun, um in besseren Kontakt mit Ihrer Yoni zu kommen?

Man muss wieder eine sexuelle Beziehung mit sich selbst aufbauen. Wie fühlt es sich an den Körper zu berühren und was fühlt man dabei wirklich? Nicht, was man fühlen will oder soll, ist entscheidend, sondern was man wirklich fühlt! Es kann auch Ärger und Enttäuschung spürbar werden und das muss man dann akzeptieren. Um mit sich selbst in Kontakt zu kommen, sind drei Dinge wichtig: Atem, Bewegung und Töne.

Wieso Atem?

Wenn wir tief in den Bauch atmen, spüren wir mehr. Die meisten Menschen haben einen flachen Atem, der nur in die Brust geht. Wenn wir aber tief in den Bauch atmen, dann verbinden wir uns mit unserer Sexualität und aktivieren den Energiekörper.

Wieso Bewegung?

Bewegung macht einen nicht nur locker, sondern bringt einen auch in den physischen Körper hinein. Wir sind sehr im Kopf, aber wenn man im Bett etwa mal die Füße anzieht, die Arme hebt, das Becken kreisen lässt, sich streckt, dann kommen wir wieder in den Körper zurück.

Und wofür ist das Tönen gut?

Damit ist nichts anderes als Stöhnen gemeint. Das hat man uns oft schon von klein auf abtrainiert, dabei verbindet uns das Tönen mit unserem emotionalen Körper und das steigert die Lust. Dadurch bringt man das Gewebe zum Vibrieren und die Energie fließt dadurch besser. Durch das Tönen können plötzlich beim Sex auch Emotionen hochkommen. Man fängt an zu weinen oder zu lachen oder hat einen Orgasmus zu. Die drei Schlüssel zum Orgasmus sind der Energiekörper, der physische und der emotionale Körper.

Wie verändert Tantra und erfüllter Sex Deine Klientinnen?

Es verändert alles. Frauen, die sich spüren und mit sich sind, haben andere Beziehungen. Sie öffnen sich mehr, sind glücklicher und der Mann und die Kinder spüren das auch. Wenn wir die sexuelle Energie nutzen, um mehr Freude in unser Leben zu bringen, dann sind problematische Dinge, gar nicht mehr so schlimm, wir reagieren dann nicht mehr zickig, sondern freundlich.

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Tantramassage: „Einmal nicht zu müssen”

Tantramassage Entspannung

Aleksandra Veronika ist Tantra-Masseurin und Sexualcoach. Im Interview erzählt sie, warum gerade Frauen von der Tantramassage profitieren. Warum es so heilsam ist, die Yoni (so nennt sie die Vagina/Vulva) absichtslos berührt und warum auch Männer es genießen, mal nicht zu müssen.

Das ist der Auftakt ein Interviewreihe mit der Berliner Tantra-Masseurin Aleksandra Veronika. In Teil 1 spricht sie über die Vorteile einer Tantra-Massage, im zweiten Teil erklärt sie, was „De-Armouring“, also die Entpanzerung des Schoßraums ist und gibt praktische Tipps, damit Frauen in besseren Kontakt mit ihrer Yoni kommen können. In Teil 3 beschreibt sie die unterschiedlichen Orgasmusarten und schwärmt vom Dauerorgasmus.

Wie viel Ahnung hattest Du von Tantra, als Du beim Berliner Tantramassage-Institut „Kashima“ angefangen hast? 

Meine erste Assoziation war „Kamasutra“ (lacht). Aber schon bei den ersten Sessions habe ich gemerkt: Es geht um Respekt und um langsame schöne Berührungen. Es hat mich sehr fasziniert und ich habe sofort die Anziehung dieser Tätigkeit gespürt.

Was fasziniert Dich genau an der Tantramassage?

Wenn wir das Begrüßungsritual machen und uns in die Augen schauen, dann sehe ich so viel Unsicherheit und Verletzlichkeit. Meine Klientel in diese tiefe Hingabe, Intimität und Verletzlichkeit zu führen, das war und ist für mich eine große Ehre und ist für mich sehr berührend, dass sich die Menschen bei mir so öffnen.

Aleksandra Veronika

Aleksandra Veronika ist Energieheilerin und Coach für tantrische Sexualität. Sie arbeitet seit über zehn Jahren mit tantrischer sexueller Körperarbeit. Dabei lässt sie sich von folgenden Methoden inspirieren: Tantric full body orgasm und Tantric Body De-Armouring nach der „Awakening within“-Foundation, Beziehungsdynamnische Sexualtherapie und Sexological Bodyworker. Aleksandra Veronikas Webseite

Für viele Frauen ist die Vorstellung, an der Vulva oder sogar in der Vagina berührt zu werden, komisch. Wie gehst Du darauf ein?

Wenn eine Frau noch nicht viel gemacht hat, dann fangen wir ganz langsam an. Ich war 25 Jahre alt, als ich das erste Mal meine Vagina angeguckt habe. Ich hatte das nie vorher gemacht! Zu Beginn gibt es Übungen wie diese, mit denen man anfangen kann. Doch die meisten Frauen, die zu mir kommen, haben sich bereits entschieden und sind neugierig darauf, intim berührt zu werden. Wenn doch spontan Scham aufkommt, dann erzähle ich von meiner Absichtslosigkeit und manchmal halte ich auch nur die Yoni (ohne Bewegung). Auch das kann schon sehr intensive Gefühle hervorrufen.

Bei der Tantramassage: bis hierher und nicht weiter

Wer entscheidet, wie weit Du gehst?

Die Frau hat immer die Macht. Ich will nicht verantwortlich sein für die Erfahrung der Frau. Das klingt jetzt erst einmal krass, aber das lehre ich in meinen Sessions: Du bist verantwortlich für Deine Erfahrungen! Für viele Menschen ist das überraschend, aber das ist der Kern von „Empowerment“. Wenn eine Frau entscheidet, bis hierher und nicht weiter, dann hat sie viel gelernt. Dieses Wissen und diese Entschlussfähigkeit wird sie in ihrer Sexualität weiterbringen.

Warum fragst Du, ob Du mit dem Finger die Yoni berühren oder gar eindringen darfst?

Das mache ich immer. Denn mir ist damals selbst aufgefallen, dass mich nie jemand gefragt hat: Darf ich rein? In der Sexualität geht der Mann oft einfach rein, obwohl man noch nicht bereit ist. Dann denkt man, ob der Mann einen ablehnt, wenn man jetzt nicht einwilligt. Die Frau ist dann mit ihren Gedanken beim Mann und nicht bei sich, was sie gerade will und braucht. Diese Verantwortung für sich selber, müssen Frauen wieder lernen. Sex fängt bei sich selber an und wenn man bei sich ist, dann kann man guten Sex mit anderen haben.

Wie ist das mit Dir? Wie ziehst Du Grenzen? Auch vor unerwünschter Intimität seitens der Klient*innen?

Anfangs ist es tatsächlich passiert und ich wurde von Männern gefragt, ob sie mich bei einer Session anfassen dürfen. Das war eine wunderbare Möglichkeit zu üben, wie ich Grenzen setze. Ich sage dann klar, dass ich etwas anderes anbiete und wenn man diesen Rahmen nicht versteht, muss man woanders hingehen. Nicht nur der/die Kund*in kann in der Session nein sagen, auch ich kann das. Ich kann auch sagen: „Dich will ich nicht massieren, Du bist noch nicht so weit“. Und ich sage das nicht leise und zögerlich, sondern laut und deutlich. Nachdem ich das gelernt hatte, kamen kaum noch Fragen. Man spürt inzwischen, dass das nicht geht. Aber es gibt da auch viele Vorurteile.

Männer sind froh, die Verantwortung abzugeben

Was meinst Du damit?

Viele Männer wollen mich gar nicht berühren. Viele sind froh, die Verantwortung übergeben zu können und mal nichts machen zu müssen, denn viele Männer fühlen sich verantwortlich für den weiblichen Orgasmus. Männer kommen und sagen, dass sie in zwanzig Ehejahren nie von ihrer Frau gestreichelt wurden, die wollen Berührungen und sich fallen lassen. Bei mir lernen sie aber auch, total geil zu sein und trotzdem präsent zu bleiben. Die wahnsinnige Kraft zu spüren und doch geerdet zu bleiben.

Wie sehr ist bei der Tantramassage absichtsloses Berühren ein Thema?

Das ist der Hauptfokus der Frauen, die zu mir kommen. Viele Frauen sind noch nie absichtslos berührt worden. Da wird die Yoni berührt, damit sie feucht wird, damit sie geil wird, damit es zum Sex kommt. Ich berühre die Yoni jedoch genauso wie ich den Oberarm oder die Kniekehle berühre – völlig absichtslos. Als ganz normales Körperteil, das erst einmal nichts muss. Viele Frauen bewegt das zutiefst, manche weinen sogar, weil sie noch nie so berührt wurden. Viele Männer übrigens auch.

Männer empfinden es genauso?

Frauen gehen auch sofort auf den Penis. Der muss funktionieren, muss eine Erektion haben, soll schnell kommen oder langsam. Männer genießen das genauso, einmal nicht zu müssen.

Ich fixe und repariere nichts bei der intimen Massage

Was geht bei einer Tantramassage-Session gar nicht?

Manche kommen, legen sich hin und sagen: Mach mal! Die sind jedoch am falschen Ort, denn ich „tue“ nichts, sondern ich unterstütze meine Klienten bei ihrer Erfahrung. Ich fixe oder repariere auch nichts, ich kann aber Unterstützung beim eigenen Reparieren und Fixen geben.

Man kann sich nicht ausklinken, genießen – und einschlafen?

Beim Coaching muss man immer tief atmen, stöhnen, darf nicht mit den Gedanken abdriften und einschlafen. Denn wenn ich alleine für die schöne Erfahrung sorge, dann muss die/der Klient*in doch immer wieder kommen, um sich diese schöne Erfahrung bei mir abzuholen? Meine Arbeit ist aber, dass die Menschen nach ein paar Sessions nicht mehr zu mir kommen müssen, weil sie selbst gelernt haben, wie es geht. Das ist Empowerment, das ist es, was ich den Menschen schenken möchte.

Was denkst Du über die Begriffe „Sexarbeiterin“, „bedienen müssen“ und „bezahlt werden“?

Ich verstehe das nicht. Für mich passiert in den Sessions etwas ganz anderes, als sich die meisten vorstellen. Kunden sehen etwa Farben oder Muster, wenn sie höhere Bewusstseinsebenen erlangen. Wir bezahlen für so viel, doch ich frage mich: Was gibt Dir das? Und wie bringt Dich das weiter? Ich möchte lieber für tolle sexuelle Erfahrungen zahlen, statt saufen zu gehen. Ich verstehe nicht, wieso das gesellschaftlich akzeptiert wird, doch so eine wundervolle Erfahrung wird so schambesetzt?

Mehr Interviews mit Aleksandra Veronika:

Teil 2: Tantra und De-Armouring

Teil 3: Unterschiedliche Orgasmusarten

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Dank Tantramassage zu mehr Spiritualität

Seit der Geburt unseres Kindes ist unser Liebesleben erloschen. Meine Lust auf Zweisamkeit tendiert gen Null und meine Libido scheint „auf unbekannt“ verzogen zu sein. Eine Tantra-Massage soll mein Verlangen neu entfachen – und wird zu einer ganz besonderen Erfahrung. 

Was für ein Geburtstagsgeschenk. Ein Tantra Massage Kurs über zwei Stunden. Mein Mann versteht es mich zu überraschen. Und um ehrlich zu sein auch mich zu überfordern. Zum einen klingt eine Intimmassage verlockend. Ich finde es reizvoll mal einen Profi zu erleben. Nicht jemand, der Befriedigung quasi DIY-mäßig erlernt hat, sondern einen „Sexual Body Worker“, der Sexualität quasi studiert hat. Andererseits ist es mir als Frau fremd für meine Befriedigung zu bezahlen, schließlich stehen bei uns Besuche im Bordell, bei einer Hure oder das „Happy Finish“ bei einer Massage nicht gerade auf der Tagesordnung.

Monatelang liegt der Gutschein also auf meinem Schreibtisch, bis ich genug Mut gesammelt habe und bei Kashima anrufe. „Du solltest mehr Zeit buchen“, rät mir der Mann sofort. Zwei Stunden erscheinen ihm zu wenig. Ich hatte das Tantra Massage Institut in Westberlin ausgewählt, weil es die edelste Webseite hat. Ich wollte keinen Räucherstäbchen, Buddha Figuren und Klangschalenmusik haben, während mir jemand die Klitoris massiert. „Frauen brauchen länger um locker zu werden“, erklärte er mir weiter. Er empfiehlt mir drei Stunden. Ich buche schließlich 2,5 Stunden. Für 220 Euro! Da überlegt man sich jede halbe Stunde.

Die Tantramasseurin zieht sich aus

Ich klingle und eine wunderschöne Frau in einem schwarzen Negligé öffnet mir. Sie führt mich den Flur einer imposanten Altbauwohnung mit Stuck und Flügeltüren entlang, in einem Salon mit Kamin nimmt sie mir mit langsamen Bewegungen meinen Mantel ab und reicht mir Pantoffel. So anmutig wie eine Geisha, denke ich.

Anschließend findet in unserem Zimmer neben einer Kingsize-Matratze das Vorgespräch statt. Warum ich hier bin? Was ich mir erwarte? Ob ich auch intim berührt werden möchte? Aleksandra Veronika (https://www.loving.guide) erklärt mir, dass ich nur so weit gehen soll, wie es sich für mich gut anfühlt. „Gehe verantwortungsvoll mit dir um“, sagt sie. Nach dem Ausziehen und Duschen, stehe ich nur mit einem Tuch bekleidet zitternd auf der Matratze. Will ich das wirklich, frage ich mich. Zu meinem Erstaunen zieht sich die Masseurin ebenfalls aus. Was folgt ist eine mal behutsame, mal kraftvolle Massage. Sie streicht meine Beine und Arme aus, streichelt meinen Bauch, die Innenschenkel und knetet meine Ohrmuscheln. Da drin bin ich tatsächlich noch nie berührt worden, denke ich. Alles ist sehr sinnlich, sanft und entspannend. Mal haucht sie mir über die Haut, mal spüre ich ihre Brustwarze auf meinem Oberarm und meine Hand liegt unentwegt auf ihrem weichen Oberschenkel.

Kein Orgasmus ist auch okay

„Atme nun in deinen Bauch und stöhne beim Ausatmen“, sagt sie. „Das verbindet dich mit deinem inneren Körper“. Brav befolge ich die Anweisung und muss fast lachen. Stöhnen ohne Erregung fühlt sich komisch an. Was die im Nachbarzimmer wohl denken? Plötzlich streicht sie sanft über meine Kaiserschnittnarbe – ich breche in Tränen aus. Spüre das Skalpell und die Schmerzen wieder. Ich weine lange und mir wird der Raum dafür gelassen. Nachdem ich mich gesammelt habe, soll ich wieder stöhnen, denn nun ist meine Yoni, wie sie die Vagina nennt, dran.

Ganz vorsichtig streicht sie über die Schamlippen. Sie liebkost sie mit genauso viel Hingabe wie vorhin meine Ohren oder meinen Arm. Die Vulva fühlt sich zum ersten Mal in meinem Leben wie ein ganz normaler Körperteil an. Kein Wunsch steckt dahinter, dass ich jetzt erregt werden, feucht werden oder kommen soll. Das nimmt den Druck und entspannt mich noch mehr. Ich komme. Das Universum öffnet sich. Licht umspült mich. Ich stehe zwischen den Sternen, schaue in die Unendlichkeit und staune. Meine Zeit ist um. „Ich hätte doch drei Stunden nehmen sollen“, keuche ich grinsend.

Es gibt noch mehr als Rein-Raus

Sie setzt sich zu mir, nimmt sich Zeit für ein Nachgespräch. „Der Gebärmutterhals ist das Kraftzentrum der Frau“, erklärt sie. Der Kaiserschnitt geht da genau drüber und hat mich von meiner Lebensenergie abgetrennt. Sie erklärt auch, dass die Gebärmutter ein Muskel ist und daher Traumata speichern kann. „Daher ist sie oft traumatisiert und die Frauen empfinden nicht viel“. Denn eigentlich braucht es gar nicht viel Reibung für einen Orgasmus, sondern eher Entspannung.

Was ich von der Tantramassage mitnehme

Ich habe tatsächlich mehr Energie und auch meine Lust ist wieder da. Aber vor allem bin ich noch Tage später völlig geflasht. Nicht von dem Orgasmus, sondern von dem Gefühl danach. Dem Licht, den Sternen, dem Gefühl der Ewigkeit. Ich habe Sex nur als klitzekleinen Teil einer viel größeren Kraft erfahren. Als ob die Yoni nicht nur Orgasmen schenkt, sondern das Tor zum Universum, zu Gott wäre. Klingt schrecklich abgedroschen, aber es hat mich neugierig auf mehr gemacht.

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