Jana Naumann hat Bachata für sich entdeckt – und eine interessante Erfahrung gemacht. Beim Paartanz kann sie Altes heilen: ungelöste Konflikte im Elternhaus, mangelndes Selbstbewusstsein oder auch ihren Kontrollwahn. Folgende sieben Aspekte machen sie zu einer besseren Tänzerin – und Liebhaberin.

1. Weibliche & männliche Energie

Uns Frauen wird oft gesagt, dass wir uns unserem Partner hingeben, uns führen lassen und die weiblichen Energien spüren sollen. Dieses Spiel mit den Polaritäten lässt sich ganz besonders im Paartanz erleben und erlernen.

Beim Paartanz trifft das „weibliche“* sich Fallen lassen auf das „männliche“ in Führung gehen. Nur wenn der Follower** sich auch führen lässt, sich dem Fluss der Bewegungen des Leader** hingibt, entsteht ein Tanz. Das gilt auf dem Tanzparkett wie im Schlafzimmer.

Sobald der Kopf mitmischt „aber die Figur geht doch ganz anders“ oder „jetzt folgt doch sonst immer folgender Schritt“ oder die Gedanken ganz woanders und nicht mehr beim Partner sind, gerät der Tanz (oder das Liebesspiel) ins Stocken.

Durch das Tanzen kann ich üben, ganz im Moment, beim Gegenüber, der Musik und in der Hingabe zu sein. Für den Leader ist es die perfekte Möglichkeit sich voll in die männliche Energie zu begeben, klar und gleichzeitig spielerisch aufzuzeigen, wo die nächste Bewegung hingeht und dabei beobachten, wie das Gegenüber reagiert und sich darauf einzulassen. Ein tolles Übungsfeld für ein Pas-de-Deux auch in der Horizontalen.

2. Selbstvertrauen & Selbstsicherheit

Beim Tanzen merkt man sofort: So sicher fühlt sich die Person mit sich selbst. Denn, um sich in den Armen eines anderen fallen lassen zu können, braucht es Vertrauen in sich selbst. 

Sollte das Selbstvertrauen fehlen, hilft nur innere Arbeit. Etwa das Lösen von schmerzhaften Erinnerungen rund um gebrochene Herzen und Verlustangst, aber auch das Bearbeiten von destruktiven Verhaltensmustern aus vergangenen Partnerschaften.

Desto sicherer man sich fühlt, desto mehr sexy wird man sich beim Tanzen fühlen – oder beim Sex ;-). Wichtig: Sexiness ist dabei komplett losgelöst von Äußerlichkeiten. Die Bachata-Community beispielsweise ist bunt gemischt – von schmal und klein bis groß und kräftig ist alles vertreten. Mein Learning: Die Form ist egal, auf das innere Gefühl kommt es an.

3. Was ziehe ich an? Wie reagiere ich auf andere?

Für mich ist die Bachata-Community ein SafeSpace zum Ausprobieren, da Berührungen nur in Bereichen stattfinden, die nicht sexualisiert werden. 

Von daher bietet das Tanzparkett die Möglichkeit, sich selbst zu beobachten und neues Verhalten auszuprobieren. Werde ich zum Tanzen eingeladen? Wage ich es selbst zum Tanz zu bitten? Wie reagiere ich auf ein Ja oder ein Nein? 

Gerade für People Pleaser gibt es hier die Gelegenheit „Nein“ sagen, zu üben. Sei es, wenn dich jemand zum Tanz bittet, mit dem du vielleicht nicht tanzen möchtest oder wenn dir eventuell doch jemand zu nah kommt.

Weiter zur Beobachtung im Außen: Welchen Typ Tanzpartner ziehe ich an – liebevoll führend oder eher dominant? 

Und die Beobachtung im Innen: Wie gehe ich selbst mit mir um? Liebevoll – „Ich finde meine Tanzfähigkeiten gut!“ oder selbstkritisch – „Ich müsste ja schon so viel besser sein, wieso kann ich das noch nicht?“.

4. Führungsstile

Es macht einen großen Unterschied, ob dein Tanzpartner (Leader) dich liebevoll mit seiner männlichen Energie führt oder mit Härte dominiert. Nur Ersteres gibt in meinen Augen dem Follower die Möglichkeit sich führen zu lassen und sich wirklich dem Tanz hinzugeben.

Was lässt sich daraus für Beziehungen ableiten? Bewegt sich der Leader mit mir auf Augenhöhe, entsteht eine vertrauensvolle Verbindung, bei der es auch möglich ist, Kontrolle abzugeben und sich führen zu lassen. Passt der Leader obendrein seine Führung auf meinen Körper an – meine Beweglichkeit, mein Energieniveau und mein Tanzwissen –, macht es Spaß und ich kann mich glücklich hingeben. 

Wenn ich hingegen das Gefühl habe, in Figuren gedrängt und verdreht zu werden, spüre ich, wie ich steif werde und Widerstand leiste. Genau das geschieht mir in Partnerschaften auch, wenn ich den Eindruck habe, in Entscheidungen gedrängt zu werden. Für mich ist ein dominantes Verhalten weder beim Tanzen noch in einer Beziehung gesund.

5. Kann ich mich hingeben?

Hab ich in meinem Leben gelernt, dass es sicher ist, mich hinzugeben, dem Leben zu vertrauen, den Moment zu genießen und damit Kontrolle loszulassen? Oder hab ich aus meinem Umfeld, von der Gesellschaft oder auch der Kultur, in der ich aufgewachsen bin, gelernt, dass ich alles kontrollieren muss, um mich sicher zu fühlen?

Hingabe ist das A und O für den Paartanz und auch für Partnerschaften, ganz besonders auch in Bezug auf Sex. Hingabe erlaubt uns, entspannt zu sein, unseren Körper wahrzunehmen, unsere Emotionen und auch die unseres Gegenübers, statt angespannt kontrollieren zu wollen. 

Das Gute ist, dass Paartanz dir erlaubt Hingabe zu üben. Das Allerwichtigste dabei ist, Spaß zu haben. Nicht zu verbissen zu sein. Sich selbst Fehler zu erlauben und auch den Tanzpartnern, denn daraus lernen wir am meisten. 

6. Paartanz ist doch eh nur zum Dating da

Ja und nein. Klar ist es möglich dabei potenzielle Dates kennenzulernen. Doch das Wichtige ist, echte Freude am Tanzen zu haben, denn dein Gegenüber wird merken, ob du wirklich Spaß hast oder nicht. Gleichzeitig können wunderbare Freundschaften entstehen, ja auch Partnerschaften und sicherlich auch diverse One-Night-Stands. 

Fazit

Paartanz bietet unglaublich viele Möglichkeiten für die eigene persönliche Entwicklung – ganz besondere im Hinblick auf das eigene Verhalten in einer Partnerschaft. Themen von Kontrolle Loslassen, Vertrauen bis Hingabe spielen eine große Rolle. 

Falls du jetzt denkst, wie soll das gehen? Sei geduldig mit dir. Du machst das großartig. Du liest gerade diesen Artikel und kannst damit nun einen weiteren Schritt in deiner persönlichen Entwicklung gehen. Was ist dein nächster Schritt? Die Anmeldung zum Tanzkurs oder das Anschauen einer Tanzperformance? Dir machen andere Dinge mehr Freude? Dann suche dir Kurse, Meetups, Events, bei denen du Spaß hast, mehr über dich und andere lernst und auf Menschen mit gleichen Interessen triffst. Viel Spaß dabei!

* Wenn ich über „weiblich“ und „männlich“ spreche, meine ich nicht die Geschlechter, sondern die Energien. Denn alle Menschen, egal welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen, tragen Merkmale in sich, die dem Weiblichen und Männlichen zugeschrieben werden können 

**Bei jedem Paartanz gibt es Leader und Follower. Wobei sowohl der Führende, als auch der Geführte geschlechtsunabhängig sind. 

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