Seit ein paar Tagen steht in der Ecke meines Wohnzimmers ein Gärballon, in dem langsam ein Met vor sich hinreift. Es ist der erste Schritt auf der Suche nach der weisen Kräuterfrau und dem alten Kräuterwissen in mir.

Vor langer Zeit, war es normal, dass Frauen sich mit der Kraft und dem Nutzen von Kräutern, Pilzen, Blumen und den helfenden Fähigkeiten der Natur im Allgemeinen sehr viel besser auskannten als heute. Dass dieses Kräuterwissen nicht mehr genutzt wird, hat viele Gründe.

Weibliches Kräuterwissen ist gefährlich

Im Laufe der letzten Jahrhunderte haben die vorwiegend patriarchalischen Gesellschaftsformen Frauen unterdrückt und klein gehalten. Wurde ursprünglich das Heilwissen von Mutter an Tochter weitergegeben, so reglementierten Männern den Zugang rigoros. Als Beispiel wurden in der Zeit der Inquisition Frauen in ganz Europa von der katholischen Kirche, die sich vom Wissen der Heilerinnen bedroht fühlte, gezwungen, ihr Know-how zu verheimlichen oder als Hexen gefoltert und verbrannt zu werden. Dieses Wissen wurde jedoch in Kriegs- und Nachkriegszeiten aus finanziellen, aber auch aus versorgungstechnischen Gründen besonders wichtig. Es war lebensnotwendig zu wissen, wie man sich, seine Familie aber auch seine Tiere selbst versorgen und vor Krankheiten schützen konnte.

Viel von dem verbliebenen Wissen ging durch die Modernisierung und Technisierung verloren. Sicherlich gibt es in ländlichen Gegenden noch viele kräuterkundige Frauen, aber für uns Großstadtkinder war es nicht mehr überlebenswichtig und für die jüngere Generation wahrscheinlich sogar uncool.

Und zu Guter Letzt hat auch die Pharmaindustrie die alternativen Heilmethoden der Natur verdrängt. Es wurde bequemer, schnell eine Pille einzuwerfen, als sich einen Wickel gegen Husten zu machen, eine Salbe gegen Bauchweh zuzubereiten oder einen Tee für mehr Potenz zu brühen. Die Pharmaindustrie verdient sehr gut an den kleinen, blauen Potenz-Pillen, aber wer hat schon mal von einer afrikanischen Baumrinde gehört, die die Lendenkraft auch vorzüglich stärken kann? (Darüber im nächsten Blogbeitrag mehr).

Ein wenig altes Kräuterwissen tut uns allen gut

Zum Glück hat meine Mutter noch viel von ihrer Großmutter gelernt und an mich weitergegeben. So habe ich ein kleines Basiswissen. Ich kann etwa aus Zwiebeln und Honig einen einfachen Hustensaft machen, sammle jedes Jahr Holunderblüten und mache meinen eigenen Sirup und weiß, dass Salbei gut bei Halsweh ist. Aber viel mehr als die Gesundheit interessieren mich die spaß- und lustbringenden Zutaten aus Küche, Garten, Wald und Wiese.

Schon seit Jahren nutze ich meine Küche zur Weihnachtszeit für die Produktion von ungewöhnlichen Geschenken. Doch dieses Jahr sollen die Gläser nicht nur mit Marmelade oder Liköre gefüllt sein, sondern auch das eine oder andere Lust spendende Aphrodisiakum enthalten.

Diesen Anstoß bekam ich kürzlich in einem sehr spannenden Seminar mit Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling (das Interview mit ihr lest ihr hier). über heidnische Bräuche. Dabei habe ich sehr viel über Räucherrituale, Kräuter und Pflanzen gelernt – und so manche Geschichte gehört. Besonders beeindruckt hat mich der Hintergrund des Reinheitsgebots. Jeder weiß wahrscheinlich, dass Bier in Deutschland nach einem Reinheitsgebot gebraut wird. Es wurde 1516 in Bayern erlassen und besagt, dass Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden darf.

 

Das Bier kommt von den Frauen

Klingt erstmal super, doch mir war völlig neu, dass das Brauen von Bier, Met und anderen berauschenden Tränken zur Zeit der Inquisition komplett Aufgabe der Frauen war. Damals hatten die Frauen noch mehr Ahnung als heute über die Wirkung von Pflanzen, Kräutern und Pilzen. So wurden gerne berauschende und aphrodisierende Zusätze wie Bilsenkraut, Sumpfporst, Hanf oder gar Fliegenpilze, zu den Tränken gegeben. Mit dem Ergebnis, dass die Mönche, die gerne Bier tranken, schier wahnsinnig vor Geilheit wurden.

Da im 16. Jahrhundert die Inquisition ihre Blüte hatte, hieß es sofort: Die Weiber führen den armen Mann in Versuchung und behexen ihn. Das führte dazu, dass den Frauen das Bier brauen untersagt und in die Hände der Mönche gelegt wurde. Der Hopfen wiederum hat eine beruhigende Wirkung und senkt so die Lust der Männer. Was natürlich für keusche Mönche von Nutzen war.

Diese Geschichte hat mich so beeindruckt, dass ich mich als Erstes mit der Herstellung von Met und Honigbier befasst haben. Das ist überraschend einfach. Es gibt diverse Rezepte, aber im Grunde braucht es ein Gärgefäß mit Stopfen und ein Gärrohr, reichlich Honig, Wasser und/oder Saft und Hefe. Wer mag, kann noch Kräuter oder Gewürze zugeben. Jetzt wartet ein Gärballon voll Met auf seine Reifung um an Weihnachten verschenkt zu werden. Und als nächstes mache ich mich an die Aphrodisiaka (lest hier und hier mehr dazu).