Es wird mal wieder Zeit für unsere Reihe „Fragen an…“. Für das Thema Aphrodisiaka haben wir uns an Dr. Claudia Müller-Ebeling gewendet. Sie ist Kunsthistorikerin, Referentin, Ethnologin und Autorin aus Hamburg. Unter anderem hat sie Bücher über Zauberpflanzen, Aphrodisiaka und Hexenmedizin veröffentlicht. Ich hatte das große Glück, sie bei einem Seminar kennenzulernen und in einem Emailverkehr von ihrem umfangreichen Wissen zu profitieren. Sie war so freundlichen, mir einige Fragen zu beantworten.

Was ist für dich ein Aphrodisiakum?

Die Sensibilisierung unserer Sinne ist der wahre Sinn von Aphrodisiaka! Die Liebesmittel der Liebesgöttin Aphrodite schärfen die sinnlich-erotische Wahrnehmung unserer eigenen Natur und die der Pflanzen, Pilze, Tiere und Mineralien.

Wie wirken ein gutes Aphrodisiaka? Was macht es aus?

Uns interessiert allein die Wirkung. Dieser hypnotische Tunnelblick macht uns blind für das, was den legendären Ruf der Aphrodisiaka begründete: ihr erotisch anziehendes Aussehen, ihren betörenden Duft und Geschmack und ihre für den Tastsinn schmeichelnde Beschaffenheit.

Gibt es etwas, das in fast allen Küchen oder Bädern zu finden ist und als Aphrodisiakum benutzt werden kann?

Ja, Rosmarin! Die an ätherischen Ölen reiche Mittelmeerpflanze betört den Geruchssinn und schmeichelt, aufgekocht und abgeseiht, als öliger Badezusatz auch unserer Haut.

Jeder kennt das Bild der Hexe, die mit ihrem Liebestrank behext und die Sinne raubt. Was davon funktioniert wirklich?

Diese Vorstellung entstammt der sinnesfeindlichen christlichen Dämonisierung von Frauen als Hexen. Wer sich davon befreien kann, kann viele Rezepturen für Getränke zur sinnlichen Stimulierung nutzen.

Welche sollte, deiner Meinung nach, jede Frau kennen und auch mal probiert haben?

Einen Tee aus aromatischen Damiana-Blättern (Turnera diffusa).

Wo bekomme ich den?

Frei verkäuflich in jeder Apotheke.

Wie kann ich das alte Wissen der weisen Frauen in mir wieder reaktivieren?

Indem man sich von einengenden Dogmen und Glaubenssätzen befreit und vom Alltagsstress entspannt.

Gibt es noch etwas einfaches, das praktisch jeder im Haus hat, aber das Wissen darum ist verloren gegangen?

Ja, die entspannte Hingabe an die eigene Lust und Natur – ohne Eifersucht und Verkrampfung!

Hast du noch ein Rezept für mich, das du empfehlen kannst?

Siehe oben: Rosmarinbad und Damiani-Tee (Mehr dazu hier).

Wovon sollte man die Finger lassen?

Von dubiosen Flugsalbe-Rezepten, jeglicher Fremdbestimmung und von einengenden Konzepten anderer!

Hast du eine schöne Anekdote für unsere Leserinnen zum Schluss?

Als 1989 unser erstes Buch zum Thema, Isoldens Liebestrank im Droemer-Knaur Verlag erschien, besuchte uns ein Journalist, der wissen wollte, welches Mittel Frauen für seine erotischen Annäherungen empfänglich macht. Unseren exquisiten Darjeeling-Tee lehnte er ab, weil er ja nicht wisse, „was wir ihm unterjubeln wollen…“ (Weitere Anekdoten hier und hier.)